Überlegungen zur Drachenlanze Saga von James Wyatt (http://www.aquela.com/)
Im Sommer 1998 hatte ich auf der GenCon das Vergnügen Tracy Hickman und Margaret Weis zu treffen. Während
Tracy mein dort gekauftes Exemplar von "The Immortals" signierte, erzählte ich ihm ein bisschen über
die Hintergründe meines Lebens als früherer Pfarrer und religiöse Person. Ich dankte ihm dafür, dass er Romane
schrieb, die eine im Glauben gründende Weltsicht reflektierten. Ein Zuschauer fragte, was meines Empfindens
nach in dieser Hinsicht die Drachenlanze Romane von anderer Fantasyliteratur unterschied.
Hickman selbst diskutierte die Unterschiede zwischen epischer Fantasy und anderen Fantasy-Genren
(einschließlich Science-Fiction und Cyberpunk). Er erklärte, dass sich epische Fantasy in ihrem Kern um einen
essentiellen moralischen Konflikt zwischen Gut und Böse drehe, sowie um die Helden der Sache des Guten. In
dieser Hinsicht unterscheidet sich Drachenlanze nur sehr wenig von dem biblischen Buch der Offenbarung,
welches die selbe Art eines kulminierenden, welterschütternden Konflikts zwischen Gut und Böse schildert.
Diese epische Konfrontation ist der Hintergrund der Saga. Doch ist es die Art und Weise, wie der Konflikt im
Innersten der Charaktere ausgetragen wird, was Drachenlanze zu guter Fiktion macht. Das wird insbesondere bei
Tanis, dem Halbelfen, deutlich, der aufgrund seiner Liebe zu Kitiara, einer früheren Gefährtin, die im Krieg
die böse Seite wählte, geradezu zerrissen wird. So erfährt Drachenlanze eine moralische Dimension, die man in
anderen Fantasyromanen nicht immer findet. Dadurch tritt die Saga, meiner Meinung nach, in die Hall of Fame
der Fantasy ein, direkt neben Tolkiens Herr der Ringe.
Es gibt noch mehr deutlich christliche Elemente in der Drachenlanze Saga zu finden. Das offensichtlichste ist
der Magier Fizban - ein scheinbar vergesslicher und stümperhafter alter Magier, dessen Pfad den der Helden
kreuzt. Am Ende wird enthüllt (Hör hier zu lesen auf, falls du die Trilogie noch nicht kennst!), daß Fizban in
Wirklichkeit Paladin ist, der Oberste der Guten Götter dieser Welt. Die Idee einer machtvollen und
wohlwollenden Gottheit, die in einer bescheidenen, menschlichen Erscheinung über die Erde wandelt, hat einen
offensichtlichen Wiederhall christlichen Glaubens. Doch viel wichtiger ist vielleicht, dass es einen
aussagekräftigen Kontrast zwischen Gebrauch und Missbrauch der Macht auf Seiten des guten Gottes Paladin und
der bösen Göttin Takhisis aufbaut. In der Gestalt des ungeschickten Magiers Fizban hilft Paladin den Helden
unscheinbar bei ihrem Kampf um ihre Freiheit. Takhisis stattdessen greift sehr viel direkter durch ihre
Drachenfürsten ein, indem sie versucht die Kräfte des Guten zu unterjochen und ein böses Reich unter ihrer
Kontrolle zu errichten.
So schmerzvoll es machmal sein mag, wahr bleibt, dass Gott sich beständig geweigert hat unsere Freiheit
einzuschränken, selbst wenn es zu unserem eigenen Wohl wäre. Christus kam nicht als ein König um Gottes Reich
auf Erden zu etablieren und uns im Namen der Rechtschaffenheit zu unterwerfen. Auch möchte Gott uns immer noch
nicht dazu zwingen, gut zu sein. Er greift auch nicht einfach ein um alles gerade zu biegen. Gott ist in uns
und neben uns präsent, manchmal in unerwarteten, manchmal völlig absurden Erscheinungen, doch immer bemüht uns
sanft zu ermutigen und uns zu helfen, die richtigen Dinge selbst zu tun.
Ich hoffe darauf, meine Unterhaltungen mit Margaret und Tracy fortsetzen zu können. Und ich freue mich auf
deine Gedanken zu theologischen Folgerungen der Drachenlanze Saga. Schicke mit deine Gedanken und Kommentare
per Email!
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