Abenteuer • Wundersame Vermehrung

Wundersame Vermehrung
(by Murmel Beutelleer)

  Für das verschlafene kleine Nest Thallas, am Rande des Kharolis-Gebirges, sollte sich alles verändern.
  Einsam versteckt zwischen den Ausläufern des Gebirges, baute eine Weisse Robe vor langer Zeit einen Turm, in dem sie immer noch lebt. Ein wenig vergesslich ist der Alte, aber nichtsdestotrotz die Gastfreundlichkeit in Person. Die meiste Zeit seines Daseins verbringt er allein und genießt jeden Besuch von Fremden, die sich zu seinem Turm verirren. Eine kleine Schildkröte leistete dem alten Magier Gesellschaft, wenn sonst niemand zu Besuch war. Speziell für sie hatte der Magier ein System von Wassertunneln in seinem Turm angelegt, damit die Schildkröte in der Lage ist, alle Ebenen des Turmes zu besuchen. So interessant die Gespräche mit dem Panzertier waren, so eintönig wurden sie mit der Zeit. Nicht für den Magier. Aber für die Schildkröte. Und das merkte der Magier, als der Panzer der Schildkröte an Farbe verlor, die Schildkröte wurde einsam. Die Weisse Robe konnte nicht anders, als seinem Schützling und Freund zu helfen. So entwickelte der alte Mann einen Zauber, der die exakte Kopie eines Lebewesens erstellen würde. Der Zauber war gut geplant und gut entwickelt. Doch das Ritual selbst hatte verheerende Folgen. Die Magie funktionierte. Aus einer Schildkröte wurden zwei. Doch war die Magie stärker als erwartet und alle Gegenstände im Ritualraum, wie der Ritualraum selbst, verdoppelten sich auch. Selbst in einem Umkreis von einigen Meilen ergriff der Zauber alle Lebewesen und verdoppelte sie. Ausserhalb des gut vorbereiteten Ritualortes jedoch funktionierte die Magie nicht immer so, wie sie eigentlich sollte, so dass bei einigen Tieren die Verdoppelung nur halb statt fand und so die Tiere verstümmelt und getötet wurden. Der alte Magier jedoch, der so gut wie nie seinen Turm verließ, bekam von all dem nichts mit.
  Eines Tages klopfte eine Gruppe von Abenteurern an seine Turmtür. Womöglich haben sie einige entsetzlich verstümmelte Tierleichen in der Umgebung gefunden. Oder wurden auf die plötzliche Zunahme der Tierwelt aufmerksam gemacht, oder durch die Verwirrung und Sorge der Bewohner jenes bereits erwähnten verschlafenen Nestes. Die Gastfreundschaft des Magiers ist überwältigend. Die Gäste bekommen etwas zu essen, zu trinken, werden eingeladen zu übernachten und werden bei Wunsch auch durch den Turm geführt. Es gibt eine kleine Bibliothek und einen Ritualraum im obersten Dachgeschoss. (Interessanterweise gibt es das Dachgeschoss in doppelter, zerbrochener Ausführung im kleinen Vorgarten des Turmes auch.) Der Ritualraum ist verschlossen und kann nicht besichtigt werden, doch erklärt der Magier, was sich hinter der letzten Türe verbirgt. Auf das Tierproblem angesprochen weiss der Magier von nichts, hört aber aufmerksam zu. Er ahnt schon was passiert sein könnte, möchte dies aber weder offen heraus sagen, noch zugeben, dass es seine Schuld gewesen sein könnte. Aus dem freundlichen, unbeschwerten Mann wird ein grübelnder, sorgenvoller Charakter. Er trägt den Abenteurern auf, schleunigst ins Dorf Thallas zu reisen, denn es bestünde die Gefahr, dass es bald von Goblins angegriffen würde. Es bliebe keine Zeit für Erklärungen, die Zeit würde drängen, er selber müsse sich auch auf den Weg machen. Er sagt nicht wohin, doch können die Gefährten beobachten, wie er einen nördlichen Weg in die Berge einschlägt.
  In den angrenzenden Bergen lebt ein Goblinstamm, der schon immer hier und da den Menschen des kleinen Dorfes durch kleinere Überfälle Sorgen bereitete. Die Dorfbewohner aber sind Barbaren und wissen sich zu wehren. Schlimmeres als einige gestohlene Güter und Nahrungsmittel wurden glücklicherweise nie beklagt. Nun aber ist der Goblinstamm auf magische Art und Weise in seiner Anzahl an Mitgliedern gewachsen. Und zwar exakt auf das Doppelte. Der Goblinschamane deutete dies als Zeichen und magische Hilfe von Takhisis. Motiviert durch dieses offensichtliche Wunder lässt er keine unnötige Zeit verstreichen, sondern zieht mit allen zur Verfügung stehenden Goblinkriegern in Richtung Thallas.
  Es ist nun die Aufgabe der Abenteurer, dem Dorf bei der Verteidigung gegen die angreifenden Goblins zur Seite zu stehen, welches ohne Hilfe sicherlich überrannt werden würde. Selbst für die Abenteurer sollte es ein aussichtloser Kampf werden, denn die Goblins sind durch den Glauben an den Beistand von Takhisis derart bestärkt und motiviert, dass sie zu furchtlosen Kämpfern werden.
  Sollte es knapp werden und die Abenteuerer und das Dorf kurz vor einer Niederlage stehen, kann immer noch der alte Magier erscheinen, dessen Macht ausreichen sollte, die Waagschale auf die Seite des Dorfes zu kippen. Die Weisse Robe machte sich auf den Weg in die Berge und fand den Goblinstamm verlassen vor, schafft es aber nicht rechtzeitig zurück, um das Dorf und die Abenteurer rechtzeitig zu warnen und ihnen von Anfang an beizustehen.
  Selbst nach einem Sieg über die Goblins wird der Magier wohl noch einsamer werden, als er es ohnehin schon war, denn die Barbaren sind nachtragend und Magiern gegenüber sehr misstrauisch.

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