Abenteuer • Vendetta

Vendetta
(by Maulwurf)

Es war still in der Scheune, in der sich Bero Ouer versteckt hatte. Zu still, wenn er es genau betrachtete. Vor einer Stunde war das Gehöft, in dem Bero Ouer als Knecht arbeitete von einer Bande Oger überfallen und geplündert worden. Bero Ouer hatte Glück, dass er nicht entdeckt worden war, sonst wäre er wahrscheinlich schon längst tot.
Langsam traute er sich aus seinem Versteck heraus. Er hatte sich unter dem Boden der Scheune ein kleines Loch gegraben, in das er immer wieder flüchtete, wenn es Ärger mit Bauer Kima Bradus gab. Er hob die Planken des Bodens an, und kletterte hinaus. Er schaute sich um, und erschauderte. Direkt vor der Scheune lag die Bäuerin auf dem Boden. Ihre Extremitäten waren in unmögliche Positionen verdreht und es war klar erkennbar, dass die Oger ihren Spaß mit ihr gehabt hatten. Er suchte weiter und fand schließlich auch zwei weitere Knechte, den Bauern und dessen Sohn Mikail Bradus. Dieser war erst vor einigen Tagen aus der Zauberschule zurückgekehrt, in der er die Kunst der Magie erlernte. Alle waren tot. Angewidert drehte sich Bero Ouer um. Er wollte gerade weggehen, da hörte er ein leises Stöhnen. Jemand rief schwach seinen Namen. Er drehte sich um und sah, dass der Sohn nicht tot war. Er war nur schwer verletzt. Er ging zurück und beugte sich hinunter, um ihn besser verstehen zu können. "Hilf mir!" flüsterte der Sohn. "Bitte."
Bero Ouer stand auf und ging zum Brunnen, um frisches Wasser zu holen. Dann ging er ins Haus, in der Hoffnung, dass er irgendwo sauberes Leinen finden würde. Er hatte Glück. Mit diesen Sachen ausgestattet, ging er zurück, und begann ihn zu verbinden und die Wunden zu säubern. Danach half er Mikail beim Aufstehen und gemeinsam gingen sie ins Haus oder vielmehr das, was vom Haus noch übriggeblieben war. Überall lagen zerstörte Möbel, zerschlagene Türen und Fenster. Bero Ouer sammelte etwas Stroh zusammen, bereitete ein Bett für Mikail und legte ihn behutsam darauf. Dann suchte er was zu Essen. Im Laufe der nächsten Wochen erholte sich Mikail gut und als er seinen Arm wieder benutzen konnte, war die Zeit gekommen, in der er Rache für seine Eltern nehmen wollte. Er packte einige Nahrungsreste zusammen und war gerade aufgebrochen, als er hörte, wie Bero Ouer nach ihm rief. "Hey, du wirst doch wohl nicht alleine die Oger bekämpfen, oder? Ich komme mit!" "Nein, wirst du nicht!" sagte Mikail . "Du wirst jetzt nach Hause gehen, und dir einen neuen Herren suchen. Dies ist zu gefährlich für dich." Aber Bero Ouer ließ nicht locker, und so gingen sie gemeinsam los. Nach einer Woche Fußmarsch war ihr Nahrungsmittelvorrat erschöpft und sie mussten anfangen Beeren und Wurzeln zu sammeln. Bisher waren sie jedoch auf keinen einzigen Oger gestoßen. Erschöpft legten sie sich an dem Abend hin und bereiteten einen Hasen zu, den Bero Ouer an dem Tag gefangen hatte. Plötzlich hörten sie ein Knacken im Gebüsch hinter sich. Sofort sprang Bero Ouer auf und zog ein altes, rostiges Schwert, das er im Bauernhaus noch gefunden hatte. Plötzlich brach ein Kender durch das Unterholz und hielt direkt auf das Feuer zu. "Hey, steck das Schwert weg, du könntest dich sonst noch verletzen!" meinte er. "Ich heiße Anselm Graustar und wie heißt ihr?" Nun war ein Kender das letzte, was die beiden Abenteurer jetzt gebrauchen konnten und so tauschten sie genervte Blicke aus. "Naja, ihr werdet wohl eure Gründe haben, warum ihr mir eure Namen nicht sagen wollt", meinte der Kender und nahm sich ein Stück vom Hasen.
Nachdem sie den Kender nicht loswurden, wechselten sich Bero Ouer und Mikail beim Wacheschieben ab und wanderten am nächsten Tag wieder los. Am frühen Nachmittag stießen sie endlich auf Fährten von Ogern. Aber es waren mehr, als sie gedacht hatten und so beschlossen sie, vorsichtig weiterzugehen. Der Wald, der vor ihnen auftauchte, schien schon aus der Weite merkwürdig, aber aus der Nähe betrachtet merkten sie, dass nur noch verkohltes Gerippe dastand, so als hätte es vor kurzem hier gebrannt. Plötzlich bemerkte Bero Ouer, wie der Himmel in der Ferne plötzlich schwarz wurde. Und dann überkam ihn eine Furcht, wie er sie noch nie gefühlt hatte. Direkt über ihnen flogen mehrere Drachen in die Richtung, in der es dunkel geworden war. "Ich glaube, wir sollten lieber umkehren" sagte er. Aber als sie das gerade tun wollten, bemerkten sie, dass sich eine Staubwolke auf sie zu bewegte. "Oh, da will jemand mit uns reden" bemerkte der Kender, während er auf und absprang. "Ob die was interessantes dabei haben?" Nur schwer unterdrückte Bero Ouer den Drang den Kender umzubringen. "Das bringt uns jetzt auch nicht weiter", dachte er sich. Währenddessen bewegte sich die Staubwolke immer mehr auf sie zu. "Komm, wir verstecken uns im Wald" sagte Mikail. Mit etwas Glück haben sie uns noch nicht entdeckt. Und so rannten sie alle drei auf den Wald zu, obwohl sich Anselm Graustar fragte, wieso sie die Neuankömmlinge nicht begrüßen wollten.

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