Abenteuer • Hohepriester des Paladin

Hohepriester des Paladin
(by Yaeghan)

An einem verregneten Herbstabend ging Styan zielstrebig in Richtung Bibliothek von Palanthus. Er, ein Hohepriester des Paladin, hatte den Auftrag von seinem Orden bekommen, sich über eine Gruppe von Abenteurern zu erkundigen, die vor Wochen auf eine Reise in den Süden geschickt wurde. Doch seit ihrer Abreise hat man nichts mehr von ihnen gehört. Da ein kleiner Teil des Schicksals von Ansalon von ihnen abhing, beauftragte man ihn um nach ihnen zu suchen.
An der Bibliothek angekommen, klopfte Styan an. Nach einiger Zeit öffnete ihm der Bibliothekarsgehilfe Lukas. "Der Herr erwartet Euch schon. Bitte folgt mir unauffällig", sagte Lukas. Styan war etwas verblüfft, da doch niemand über den Auftrag bescheid wusste, aber dann fiel ihm ein, dass er nicht irgendjemanden besuchen wollte. Er folgte Lukas unauffällig. Nach einem Irrlauf durch die Räumlichkeiten, betraten sie einen gemütlichen Raum, indem er an seinem gewohnten Schreibtisch saß. Vor ihm lag ein großes Buch, in dem er gerade schrieb. Die Feder flog fast über das Papier und es lag ein permanentes Kratzen in der Luft. "Lukas, bring mir doch bitte noch etwas Tinte und Tee für unseren Gast und mich." Und schon war Lukas verschwunden.
"Setzt Euch doch, Jünger Paladins", sagte er. Styan nahm in einem der Sessel Platz. "Verehrter Herr, ich habe eine Bitte an Euch. Wir suchen....." versuchte Styan das Gespräch anzufangen, doch er wurde mitten im Satz unterbrochen. "Ihr braucht Euch keine Sorgen zu machen. Sie leben noch. Aber wie lange kann ich Ihnen nicht sagen."
Styan fiel ein Stein von Herzen. "Was ist passiert? Warum haben wir noch keine Nachricht bekommen? Wo sind sie? Haben sie ihr Ziel erreicht?" "Halt, halt, nicht so viele Fragen auf einmal. Am besten ist es wohl ich erzähle euch die Geschichte von Anfang an. Aber lasst mich noch die Seite zuende schreiben. Bis dahin hat Lukas uns auch den Tee gebracht." Mit diesem Worten wendete er sich wieder seinem Buch zu und schrieb weiter. Nach einigen Minuten kam Lukas mit der Tinte und dem Tee wieder. Für Styan war diese kurze Zeit schier unerträglich. Immerhin ging es um Ansalon und er hatte die Gruppe höchstpersönlich ausgesucht. Er mochte es nicht besonders, wenn etwas in seinen Plänen schief ging oder etwas völlig unerwartetes passierte. "Ach ja, Lukas könntest Du das Feuer im Kamin noch etwas schüren? Wir wollen Doch nicht, dass der Hohe Priester des Paladin sich erkältet." "Jawohl, es dauert nur einen kleinen Augenblick. Ich hole noch eine Decke für den Hohe Priester".
Nachdem Lukas den Tee eingeschenkt und das Zimmer wieder verlassen hatte, gesellte sich der Schreiber zu Styan, nahm einen Schluck des wohlduftenden Tees und schaute ihn an.
"Also, circa zwei Wochen nach der Abreise Eurer Schützlinge, kam ein Sturm auf. Obwohl Ihr ein hervorragendes Schiff und eine ausgezeichnete Mannschaft ausgesucht hattet, hatte es nicht die geringste Chance heil aus diesem Sturm herauszukommen. Die 'Wistle' sank. Doch Eure Schützlinge konnten sich auf ein Beiboot retten und erreichten nach einer knappen Woche die Küste in der Nähe der Staubebenen.
Dort gestrandet, haben sie nach einiger Zeit Rauch am Horizont entdeckt. Da die Woche auf See sehr kräftezehrend war, entschlossen sie, sich erst einmal auszuruhen und Vorräte zu sammeln, da der Rauch doch weiter entfernt zu sein schien. Am nächsten Morgen machten sie sich auf nach Rigitt. Während des Fußmarsches geschah nichts atemberaubendes. Jedoch als sie am Abend in Rigitt ankamen bot sich ihnen ein Bild des Grauens. Das Dorf überfallen. Die Häuser waren angezündet worden, das war der Rauch, den sie am Vorabend gesehen hatten, die Ernte, die Pferde und das restliche Vieh geraubt. Jedoch konnten sie keine Leichen oder Überlebenden finden. Bis, ja bis der Kender in seiner Neugier in eine Scheune ging. Dort fand er dann etliche Leichen der Dorfbewohner. Sie waren grausam zugerichtet. Den Frauen wurden die Gliedmaßen abgetrennt, die Männer waren falsch herum an Kreuze genagelt worden, ihre Bäuche waren aufgeschlitzt und die Gedärme hingen heraus. Der Gestank der Leichen war bestialisch, jedoch war keine Spur von den Kinder zu sehen.
Die Gefährten beschlossen weiter zu ziehen, wie es ihr Auftrag verlangte. Sobald sie den Stützpunkt erreichen würden, wollten sie die grausame Tat melden. Aber zuvor begruben sie die Bewohner, wie es sich für die Toten gebührt. Nachdem alles getan war, führten sie ihren Marsch fort.
Am Morgen des zweiten Tages sahen sie eine Staubwolke am Horizont. Gegen Mittag erreichte sie eine kleine Patrouille des Stützpunktes. 'Halt, wer seid Ihr?' fragte der Befehlshaber der Patrouille, der sich später als Dankwart, Leiter des Stützpunktes Icewall Castle vorstellte. 'Wir sind auf dem Weg nach Icewall Castle um zu sehen was aus dem Stützpunkt geworden ist. Man hat lange keine Nachricht mehr von ihm bekommen.' 'Dann bekommt Ihr jetzt eine Nachricht. Wir sind aus Icewall Castle. Wir haben jetzt schon drei Boten gen Norden geschickt, aber nie hat einer sein Ziel erreicht. Am besten wir reiten zurück. Ich ahne Schreckliches. Beeilt Euch, wir müssen los. Verteilt Euch auf die Pferde.' Sie kamen am nächsten Abend in Icewall Castle an. Und..... es war noch nichts geschehen. Dankwart brachte seine Gäste auf ihre Zimmer und ließ sie sich erst mal ausruhen. Am Morgen unterrichtete er die Gefährten, dass der Stützpunkt schon seit mehreren Wochen Aktivitäten weiter im Süden beobachtet habe. Doch dann, während des Gespräches, ertönte ein lautes Horn und einer der Soldaten stürmte in das Zimmer: 'Herr, wir sind umstellt. Vor den Toren wartet ein riesiges Heer auf uns.' Dankwart und die Gefährten rannten sofort auf die Zinnen der Burg und sahen das Heer. Es war gigantisch. Er ließ sofort eine berittene Staffel aufstellen um im Notfall auszufallen. Gerade als die Kavallerie aufgestellt wurde, ertönten mehrer Hörner jenseits der Mauern und die Erde begann zu beben. Das Herr griff am. Bis jetzt halten sich Dankwart und Eure Schützlinge sehr tapfer, aber ich weiß nicht wie lange sie es noch durchhalten. Ich hoffe das reicht Euch, Jünger Paladins. Mehr kann ich Euch nicht sagen." "Ich werde alles Nötige veranlassen um nach Süden zu reisen", sagte Styan und rannte so schnell er konnte aus der Bibliothek in Richtung Tempel….

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