Abenteuer • Der Stein des Darkist

Der Stein des Darkist
(by Lee)

3. PLATZ BEIM DL STORYIDEEN WETTBEWERB '03

Im Spätsommer des Jahres 300 vor der Umwälzung bereitet sich der solamnische Ritter Zophael in Solanthus darauf vor, seinen jugendlichen Vetter Roland nach Eskorit an der Nordküste Krynns zu begleiten, wo dieser sich in der Stadtwache des Fürsten verdingen soll. Eskorit liegt zwar abgelegen, ist aber aufgrund seiner schönen Flußlage und seines regen Handels mit Istar beliebt.

Nach längerer Reise erreichen sie abends die Weinberge vor Eskorit, als sie lautes Muhen von einer Lichtung hören. Beim Näherkommen stolpern sie über einen Kender, der die Szenerie aus dem Gebüsch heraus beobachtet hatte, und nun zu seinen Reisegefährten, einer gnomischen Sirrion-Priesterin und einem jungen elfischen Rotrobenmagier, zurückhastet, um Bericht zu erstatten. Offenbar haben Räuber ein Bauernhaus überfallen und eine Kuh gestohlen, um diese zu schlachten. Zophael, der Magier Vannith, Roland, die Gnomenfrau Qurdel und der Kender Hackelpeng verhindern Schlimmstes, und bringen die Kuh ihren Besitzern zurück.

Die dankbaren Bauern empfehlen eine Taverne in Eskorit sowie den Barden Calcaneus, der über alles in Eskorit bestens Bescheid wisse. Eskorit erreichen sie aber erst nach Torschluß und kehren so für die Nacht in die Fährtaverne vor der Stadt ein. Hackelpeng belauscht ein Gespräch über "Flußratten", die früher vom Betteln, heute vom Raub leben. Diese überfallen prompt die Taverne des nachts, wobei sich die neuen Gefährten bei der Abwehr hervortun.

Am morgen liefert Zophael Roland bei der Stadtwache ab, und begibt sich anschließend mit den anderen ins empfohlene "Eichhörnchen". Hier treffen sie Calcaneus, der schon von den Aktionen mit den Räubern und den "Flußratten" gehört hat. Er bietet ihnen einen geheimnisvollen Auftrag an. Die Gefährten sollen abends in der Burg eintreffen, wo sie mehr erfahren werden.

Calcaneus erzählt von den Zwillingssöhnen des Stadtgründers (siehe auch Die Geschichte des Barden), Erim und Ebal, die vor etwa 500 Jahre lebten. Ebal hatte versucht, Erim mit Hilfe des Schwarzmagiers Darkist zu töten, um die Macht nach dem Tod des Vaters zu ergreifen, was mißlang. Ebal und der Schwarzmagier flohen und bauten weiter oben am Fluß die finstere Feste Gormstein, Ausgangspunkt weiterer Einnahmeversuche Eskorits. Nachdem sie sogar das Flußwasser mit Leichen vergifteten, zog Erim gegen Ebal und vertrieb ihn. Angeblich warte Darkist in Gormstein auf Ebals Rückkehr, die Gegend sei seither verflucht. Ebal riß die Führung der Stadt Quellnis weiter nördlich an sich. Noch vor 15 Jahren bestand daher Feindschaft zwischen Eskorit und Quellnis, allerdings hat der Nachfahre Erims und heutige Fürst, Elmar, in zweiter Ehe eine Tochter aus dem Ebal-Haus geheiratet, Livia, zur Beilegung des Streits.

Beim schneidernden Halbelfen Pièrre wird Qurdel Zeugin einer Schutzgelderpressung. Der redselige Zwergenschmied Fibulo Felsenberg erzählt, die Diebesgilde mache seit einiger Zeit Probleme. Das bisherige friedliche Arrangement, daß die Gilde den Hafen kontrollierte und Zölle erhob, weswegen der Anführer Zollmeister genannt wurde, sei aus den Fugen. Vor einem Jahr habe sich die Gilde geteilt. Dem Anführer der neuen Gilde, "das Grauviertel" genannt, unterstehen die fiesen Flußratten; Schutzgelderpressungen und Raub seinen an der Tagesordnung.

Abends erläutert Elmar den Auftrag. Seine ältere Tochter Elissa sei verschwunden. Zwar nicht zum ersten mal (sie war immer schon freiheitsliebend und hatte Schwierigkeiten mit seiner zweiten Frau Livia und ihrer Halbschwester Edith), aber diesmal dauere das Verschwinden zu lange.

Die Gefährten beziehen im Gästehaus Quartier. Sie entdecken einen Geheimgang, welcher Elissa für ihre Ausflüge gedient hatte. Sorgfältig versteckte Diebesutensilien beweisen, daß Elissa ein Doppelleben geführt hatte. Außerdem geht aus einem verschlüsselten Brief hervor, daß Elissa von einem gewissen "Ammar" im "Kampfhahn" im Gildenviertel erwartet wurde.

Ein Gespräch Zophaels mit der 15jährigen Mishakal-Priesterin Edith ergibt, daß diese nichts Böses im Sinne hat und grundgut ist.

Über gefahrvolle Umwege finden die Gefährten schließlich den "Kampfhahn", den Treffpunkt der alten Gilde. Dort finden sie Elissa, die, nun verkleidet und Iliaca genannt, als rechte Hand Ammars, des Zollmeisters, fungiert. Ihre Stiefmutter, eine Schwarzmagierin, trachte ihr nach dem Leben. Der Fürst aber sei von Livia besessen und erkenne ihre Schlechtigkeit nicht. Sie bittet die Gefährten, Livias bösen Taten aufzudecken.

Die Gefährten nehmen an, finden aber auf der Burg keine Hinweise gegen Livia. Des Nachts schlafen die Gefährten nach dem Wein, den eine Zofe bringt, besonders tief. Zophael merkt nicht, daß sein Siegelring für kurze Zeit abgenommen wird.

Morgens findet Vannith eine Nachricht, worin Elissa um ein heimliches Treffen im Wald bittet. Dort angekommen erkennen die Gefährten Spuren einer Entführung. Qurdel finden einen Brief an Elissa mit Bitte um ein Treffen, der scheinbar von Zophael stammt, sogar sein Siegel trägt. Eine Falle!

Die Gruppe wird von Grauviertel-Schergen angegriffen, besteht aber. Bei der Spurenverfolgung stoßen sie auf ein altes Tunnelsystem, das zum Gormstein führt. Nachdem sie in den Höhlen und Kellergewölben Gormsteins diverse Höllenkreaturen besiegt haben, stoßen sie auf die Gemächer Darkists, des Schwarzmagiers.

Aus seinem Tagebuch geht hervor, daß Darkist sich einst in einen schwarzen Stein gebannt hat, den in 500 Jahren ein mächtiger Nachkomme Ebals (Livia) tragen soll, mit dessen Hilfe Darkist, unter Opferung eines Nachkommens Erims (Elissa) bei einer bestimmten Sternenkonstellation wieder erwachen will, um Eskorit, von der Darkist besessen ist, endlich unter seine Herrschaft zu nehmen.

Livia, die mitten in den Opferungsvorbereitungen steckt, ist schnell oben in der Feste gefunden und bald besiegt. Es wird deutlich, daß sie inzwischen völlig den Verstand verloren hat, da Darkists Geist sie jahrelang durch den Stein beherrscht hatte. Sie war auch für die Abspaltung des Grauviertel verantwortlich, was die spätere Übernahme Eskorits ermöglichen sollte. Als Livia erkennt, daß der Stein verloren ist, stürzt sie sich verzweifelt zu Tode. Die Gefährten machen sich mit der geretteten Elissa auf den Rückweg.

Elmar ist nach dem Tod Livias von ihrem Bann befreit.

Vannith spürt die Gefahr, die immer noch von dem Stein ausgeht. Aber alle Versuche, ihn zu zerstören, schlagen fehl. Calcaneus fällt eine alte Liedstrophe ein:

Wenn sich wiedervereint der Brüder Blut
Und daraus Gutes entsteht
Von Herzensgüte und großem Mut
Und Seele die dem Schwarzstein entgeht
So vermag ihn zu brechen nur diese Hand
Und endlich! die Macht des Schwarzen gebannt.


Allein durch Ediths Berührung, die sowohl Erims als auch Ebals Blut in sich trägt, zerfällt der Stein zu Staub.

Alles wird wieder gut, die Gefährten erhalten die Ehrenbürgerschaft.


Die Geschichte des Barden: Der Bruderkrieg

Ich will euch nun die Geschichte von zwei Brüdern erzählen, die meine Stadt Eskorit, die ihr heute in seiner Schönheit vor euch seht, mehr als alles andere geprägt haben. Setzt euch, bestellt noch einen Becher des Weines, der vor unseren Toren gedeiht, oder probiert von dem Met, den mein guter Freund, der Wirt, für euch bereit hält; aber dann laßt mich euch mit meinen Worten bannen.
In längst vergangenen Zeiten, da wurden dem Stadtgründer und ersten Fürsten, Emund von Eskorit, Zwillingssöhne geboren, die unterschiedlicher nicht hätten seien können. Der eine, Erim, gütig, gerecht und weise, der andere, Ebal, tückisch, herrschsüchtig und korrupt.
Als nun der Erstgeborene, Erim, die Führung der Stadt nach dem Tod seines Vaters übernahm, wie es ihm bestimmt gewesen war, mißgönnte Ebal ihm die Stellung.
Er versuchte durch Hinterhalt und Verrat und gestützt durch den bösen Zauberer Darkist, Erim nach dem Leben zu trachten. Doch stets, begünstigt durch die Götter, entkam der Fürst unversehrt. Immer noch hoffte Erim, daß sich Ebal vom Bösen abwenden würde, und so sah er von Strafe und Verfolgung gegen seinen Bruder ab.
Doch Ebal, dessen Herz geschwärzt war von der Gier nach Macht, schloß einen Pakt mit dem Schwarzmagier. Mit ihm zusammen wollte er sich die Stadt untertan machen, die bis jetzt treu seinem Bruder folgte.
Bald verließen Ebal und Darkist Eskorit endgültig, um am Oberlauf des Flusses eine Feste zu errichten, die sie Gormstein nannten. Gormstein wurde ein Ort des Schreckens. Niemand wagte sich in die Nähe von Ebals Felsen, außer den bösen Gestalten, die Ebal als Söldner um sich gesammelt hatte, und die nun in den Wäldern ihr Unwesen trieben.
Ebal sah von Ferne Eskorit erblühen, durch den Handel mit anderen Völkern den Wohlstand der Bürger mehren, und er neidete den Bewohnern ihr Glück. Seien Versuche, Gormstein zu Reichtum zu führen, mißlangen: die fremden Völker mieden den Handel mit der Felsenburg, denn Drohung Furcht und Willkür waren Ebals Mittel.
Voller Wut führte Ebal einen neuen, tückischen Schlag gegen Eskorit und vergiftete das Wasser des Flusses mit Leichen, den Opfern von Darkists schwarzer Magie. Eskorit wurde mit Seuchen überzogen, und das Leid war groß.
Erim konnte jetzt nicht länger die Augen vor der Schlechtigkeit seines Bruders verschließen, und so führte er sein Heer vor die Tore Gormsteins.
Es gab ein grausames drei Tage dauerndes Gemetzel mit vielen Toten auf beiden Seiten, aber letztendlich siegte Erim, und Gormstein fiel.
Ebal floh mit den ihm verbliebenen Anhängern, und seine Feste wurde geschleift. Es heißt, daß Darkist auf Gormstein geblieben ist, um auf die Rückkehr Ebals zu warten. Die Ruine von Gormstein steht noch heute auf Ebals Felsen, und glaubt mir, der dunkle Schatten ist geblieben. In den Wald zu Gormstein wagt sich niemand, zumindest kenne ich niemanden. Dort hausen die schrecklichsten Gestalten, die Darkist in seinen einsamen Stunden erschaffen hat, und man munkelt von einer gewaltigen Spinne, die unvorsichtige verirrte Wandere in ihre Fänge lockt. Manchmal kann man des nachts in der Ferne ein schauriges Licht auf dem Felsen leuchten sehen, dann schleicht Darkist durch die Ruine, auf der Suche nach Ebal, in der Hoffnung, er möge zurückkommen, um einen letzten, endgültigen Streich gegen Eskorit zu führe, das nun schon so lange widerstanden hat.

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