Abenteuer • Der Solamnische Sivak

Der Solamnische Sivak
(by Loreseeker)

2. PLATZ BEIM DL STORYIDEEN WETTBEWERB '03

Slenark war schon immer ein Sivak gewesen.
Ein glücklicher Sivak.
Er tat, was andere Sivaks taten, dachte, was andere Sivaks dachten, verehrte, was andere Sivaks verehrten (Takhisis und Drachen).
Mit der Zeit wurde ihm das, wie vielen seiner Art, etwas zu wenig1. Er begann sich mit anderen Dingen als Kämpfen, Meuchelmord u.ä. zu beschäftigen.
Aus geraubten Schriften lernte er das Lesen. Er unterhielt sich mit Schwarzen Roben, dunklen Klerikern und (gelehrten) Kriegsgefangenen (meldete sich dazu oft freiwillig als Gefängniswärter). So erweiterte er seinen Wissenshorizont.

Das war jedoch nichts Ungewöhnliches. Viele Sivaks machten eine solche Entwicklung vom blutrünstigen Krieger zu einer vielseitiger interessierten Person durch.
Was ihn jedoch allmählich von seinen Artgenossen abhob, war der Wunsch, ein Solamnischer Ritter zu werden - nicht, um diese zu infiltrieren oder sabotieren - was man erwarten würde - sondern um einer der ihren zu werden!

Ursprünglich interessierte er sich nur flüchtig für die Solamnier. Doch jedes Gespräch mit einem gefangenen, todgeweihten Solamnier, alles, was er über sie las, jedes Mal, wenn er ein Ritterlager in Gestalt eines der ihren betrat2, trug dazu bei, dass sich dieses Interesse verstärkte und er sie immer mehr bewunderte.

Inzwischen war der Krieg der Lanze lange vorbei. Slenark war frei.

Slenark hatte sich im Krieg Eid und Maßstab angeeignet und versuchte nun so gut wie möglich danach zu leben (als Drakonier nicht leicht, da die Leute dazu tendieren, entweder Waffen zu ziehen oder kreischend wegzulaufen).

Allerdings konnte ein Sivak nicht einfach an das Tor einer solamnischen Burg klopfen und um Aufnahme in die Orden zu bitten. Das wäre seiner Gesundheit sehr abträglich.
Die einfachste Möglichkeit, Ritter zu werden, fiel natürlich aus: wer nach "Est Sularis oth Mithas"3 lebte, konnte kaum jemanden töten, nur um dessen Gestalt anzunehmen (um sich einen Lebenstraum zu erfüllen).

Außerdem schuldete er dem Bozak Arnok, Anführer einer kleinen Gruppe freier Drakonier, Gefolgschaft. Treue nahm er als Möchtegern-Ritter natürlich ernst.
Arnok wäre über Slenarks Wunschtraum sicherlich nicht erfreut. Vermutlich würde er ihn für verrückt halten. Als ein derartiges Risiko für die Gruppe wäre sein Schicksal besiegelt.

Die anderen merkten allerdings, dass etwas mit "diesem Sivak" nicht stimmte. Nachdem sie ihn vor Monaten vor einer Ogerbande gerettet hatten (seine Flügel waren verletzt gewesen), schwor er Arnok, der die Rettung befohlen hatte, die Treue, da er ihm "sein Leben schulde".
Etwas ungewöhnlich für Drakonier, die im Dienste Takhisis' weit mehr über Verrat, als über Ehre und Loyalität gelernt hatten. Andererseits waren Drakonier, die den Krieg überlebt hatten, oft eine eingeschworene Gemeinschaft. Somit war ihnen - untereinander - Loyalität nicht fremd.
Aber Slenark war in vielem anders als der typische, um das Überleben kämpfende, Drakonier. Beispielsweise riet er dazu, Dorfbewohner nicht zu töten, sondern nur zu bestehlen. Dann könne man nach einiger Zeit wieder etwas "holen", was bei Toten bekanntlich nicht möglich sei. Dies leuchtete Arnok ein und so folgte er oft dem Rat Slenarks.

Vor einigen Wochen hatten sie die solamnische Grenze überschritten.
Slenarks Hoffnung und gleichzeitig seine Verzweiflung wuchs.
Nun war das Land seiner Träume zum Greifen nah. Andererseits stellten sich die Fragen, wie er Konfrontationen mit Solamniern verhindern und wie er sich von seinen Gefährten trennen konnte.
Außerdem hegte Fulkth irgendeinen Verdacht. Er wich kaum von Slenarks Seite. Wenn doch, dann spürte Slenark die brennenden, eifersüchtigen Blicke des Kapaks, der vor Slenark die rechte Hand Arnoks gewesen war, in seinem Rücken. (Fulkth war einer von jenen, die sich nach der "guten alten Zeit" sehnten, als sie eher mordende Banditen denn gewitzte Diebe4 - manchmal, dank Arnoks Illusionsmagie, sogar Tagelöhner oder Söldner! ("alles nur wegen diesem verfluchten Sivak") - waren.)

Wie er da herauskommen sollte, konnte sich Slenark nicht vorstellen (unehrenhafte Lösungen kamen ihm sicherlich in den Sinn, aber diese widersprachen ja dem Eid, den er leisten wollte).

Keine zehn Wegstunden von ihrem derzeitigem Lager entfernt lag es einen kleinen solamnischen Grenzposten. Manche - Fulkth war ihr Sprecher - drängten darauf, diesen zu überfallen.
Slenark argumentierte, der Krieg sei vorbei. Außerdem würden dabei einige ihrer Leute ebenfalls ins Gras beißen.
Arnok musste aber auch die Stimmen derer berücksichtigen, die in letzter Zeit immer unzufriedener wurden.

Vor kurzem musste Slenark im Kampf einen Halboger töten. Er nahm dessen Gestalt in der Hoffnung an, dass sie nützlich sein würde.
Um vor einem eventuellen Überfall möglichst viel über den Grenzposten zu erfahren, schickte Arnok den "Halboger" in das nahegelegene Städtchen Selgaard.

So sitzt nun ein unglücklicher, von seiner Loyalität und seinem Lebenstraum zerrissener Slenark im Wirtshaus "Zum Trommler", traurig in einen unberührten Krug Bier starrend. (Zuvor hatte er ein halbes Dutzend Krüge geleert.) Er ist fast der einzige Gast um diese Tageszeit (morgens/mittags) und ziemlich auffällig (großer, muskulöser, gepflegter Halboger, sehr großes Schwert an Tisch gelehnt).

In diese Szene stolpern einige Abenteurer, die Proviant, einen Mitstreiter etc. benötigen. Vielleicht sind sie Gerüchten über eine Bande geschickter Diebe (den Drakoniern) gefolgt.
Nachdem ein paar Seufzern sollten sie mit Slenark ins Gespräch kommen. Insbesondere falls ein Solamnier oder ähnlich gesinnter Charakter unter ihnen ist, wird Slenark redselig und erzählt von seinem Lebenstraum (aus Sicht eines Halbogers!): "Einer wie ich hat nun mal wenig Aussicht, Ritter zu werden."
Wenn sie Mitgefühl zeigen, erzählt er von seiner "Verpflichtung gegenüber jemandem", dem er sein Leben schuldet, aber dessen Lebensart nichts für ihn ist.

Nun ist es an den Abenteurern, Slenark zu helfen:

1. Wie kommt er ehrenhaft aus seiner Schuld? (Vielleicht mit genügend Geld tilgbar? Warnung vor evtl. solamnischen Angriff und Verhinderung der Konfrontation? Abschlachten der Drakonier fällt flach; dann müsste Slenark für diese kämpfen5)

[Optional: Wie führt man die Drakonier auf einen rechtschaffeneren Pfad? Söldnerstellen vermitteln (in Selgaards Stadtwache)?
Eine Möglichkeit, Slenarks Schuld abzutragen?]

2. Wie kann er Ritter werden?

Bei dieser verzwickten Situation stellen sich natürlich Fragen.
Beispiele:
 • Reaktion der Abenteurer, wenn sie die Diebesbande unter Augenschein nehmen und erkennen, dass es Drakonier sind?
 • Was ist in der Zwischenzeit bei den Drakoniern geschehen? Ist Fulkth nun der Anführer?
 • Wie reagieren Arnok, Fulkth und die Unzufriedenen? Bilden sich 2 Lager?
 • Reaktion der Abenteurer bei Aufdeckung Slenarks wahrer Identität (will nicht mit einer Lüge Ritter werden, muss also irgendwann seine richtige Gestalt annehmen)?
 • Müssen Drakonier, die in ehrbare Dienste treten wollen, sich erst Vertrauen erwerben? Wie? Reicht die Fürsprache der Abenteurer (falls sie hier als Helden gelten)? Wie ergeht es ihnen?
 • Bei Slenark: Reaktion der Ritter? Reicht Fürsprache der Abenteurer? Müssen sie die Verantwortung für ihn übernehmen? Sonstige Bedingungen?
 • Wird Slenark glücklich? Ein einsamer Ritter? Oder abgelehnt und verbittert?


Anmerkungen:
1 In Tales of the Lance heißt es "Their small minds have trouble concocting ... plans ...", aber dem wird durch die angegebene INT (13-14) klar widersprochen! (DraconianMeasures INT 13)
Ich interpretiere das folgendermaßen: Die raubtierähnliche Herkunft der Drakonier, gepaart mit der bösen Magie ihrer Erschaffung, machte sie während den ersten Jahren/Jahrzehnten ihres Lebens zu blutrünstigen, kriegerischen Wesen. Zudem sollten sie als Soldaten im Krieg der Lanze dienen und wurden entsprechend ausgebildet, was ihr kriegerisches Wesen und ihre grausamen Instinkte nur verstärkte.
Allmählich kam ihre Intelligenz zum Tragen; je mehr sie wussten, desto mehr wurden sie zu differenzierteren (wenn auch idR bösen) Persönlichkeiten. Nach dem Krieg waren viele - mehr oder weniger - frei zu entscheiden, was sie mit ihrem Leben anfangen wollten.
2 Sivaks, die einen Humanoiden töten, können in dem Augenblick der Tat dessen Gestalt & Stimme annehmen.
3 Der Eid: "Meine Ehre ist mein Leben"
4 Damit ist NICHT die Charakterklasse gemeint!
5 Dann sollte Slenark ein starker Gegner sein. Außerdem kann er fliegen und hätte den Vorteil des Überraschungsangriffs!

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