Abenteuer • Das Tal Branchalas

Das Tal Branchalas
(by Loreseeker)

Vor geraumer Zeit entdeckte Tambac Ambosswerfer, ein Neidar1, auf seinen Streifzügen durch die Wildnis im Westen des Kharolis-Gebirges (nahe Qualinesti) am Fuße eines Berges Hinweise auf ein besonders reines Eisenerzvorkommen.
Da das Jahr schon weit fortgeschritten war und der Wintereinbruch nicht mehr fern, konnte er nicht mehr tun, als in sein Heimatdorf zurückzukehren und dort seinen Freunden und Verwandten von seinem Fund zu erzählen. Über den Winter hindurch schmiedeten sie Pläne und bereiteten alles für eine Bergbauexpedition vor; zudem wurden noch ein paar Freunde aus anderen Orten eingeweiht und, wie alle, zur Verschwiegenheit verpflichtet. Sobald die Gebirgspässe passierbar waren, brachen sie auf, um ihr Glück zu machen. Guter Dinge marschierten sie durch das Gebirge, bis sie dann nach einigen Wochen ihren Bestimmungsort erreichten.

Doch Tambac hatte etwas übersehen.
In der Freude über seine Entdeckung hatte er den Berg und das Tal zu dessen Füßen nicht genauer begutachtet.

Es begann im Jahr zuvor.
Flinkfuß Schlappentreter, ein junger Kender, ließ sich auf seinen Wanderungen von der Musik seiner Flöte leiten. Dabei entdeckte er in den westlichen Ausläufern des Kharolis-Gebirges ein idyllisches Tal mit vielen uralten, riesigen Bäumen. Die Vögel hier schienen noch schöner zu singen als anderswo und besonders gern in seine Musik einzustimmen. Einem fröhlichen, gurgelnden Bach folgend entdeckte er dessen Quelle. Auf halber Höhe eines Berges ergoss sich das Wasser in einem glitzernden Wasserfall über die im Sonnenuntergang rot glänzenden Felsen, beschattet von uralten Bäumen.
Dieser Anblick rührte sein Herz so, dass er sicher war, einen ganz besonderen Platz gefunden zu haben, einen Platz, der wie geschaffen für Kender wie ihn war.
Flinkfuß war nicht nur irgendein musikalischer Kender. Nein. Er war das, was die Kender als Barde oder Waldsänger bezeichneten. Einer, der Branchalas (von vielen Kendern liebevoll Branchi genannt) Lied im Herzen trug und seinen Weisen folgte. Für die Menschen also ein Priester des Bardenkönigs.
So sandte er also auf den Schwingen der Musik und auf denen von Vögeln, mit denen er sich angefreundet hatte, seinen Ruf aus. So mancher Kender folgte diesem und innerhalb von Monaten entstand eine kleine Waldsiedlung voller Kender. Nur wenige davon waren allerdings Priester. Nur ein oder zwei, sicherlich nicht mehr als fünf2. Viele waren Musiker oder Künstler, andere liebten nichts mehr als Wälder und wieder andere waren einfach aus Neugier mit Freunden mitgegangen.
Waldsiedlung ist vielleicht zuviel gesagt. Viele fanden Unterkunft in heimeligen, wie für sie geschaffenen Höhlen in uralten Baumriesen, andere in Steinhöhlen und manche bauten sich Häuser, so dass die meisten sich eher verstreut niederließen. Mehrere allerdings in der Nähe des Wasserfalles in nahe beieinander liegenden Unterkünften.

Im Frühling sandte Flinkfuß wieder seinen Ruf aus. Kender, die weiter zogen, verbreiteten die Nachricht von dem "heiligen Tal, den Branchi Flinkfuß gezeigt hat".
Und damit lagen sie richtig. Denn Flinkfuß hatte in einem Traum eine kleine Höhle unter dem Wasserfall gesehen, die es tatsächlich gab. In dieser Höhle fand er wunderbar gefertigte Instrumente, die die süßesten Töne von sich gaben. Ob deren Wohlklang waren die Kender zu Tränen gerührt. Sie waren in der Höhle auf feinstem Tuch bedeckten Tischen aus edlen Hölzern, aufgebahrt gewesen, oder an Haken aus edlen Metallen an den wunderbarerweise vollkommen glatten, natürlichen Höhlenwänden gehangen. Und am Ende der Höhle gab es einen Altar aus Stein, auf dem ein Miniaturwald wuchs, beleuchtet von einer schwebenden Kugel, die dem Rhythmus von Tag und Nacht folgte. Die Wand hinter diesem wundersamen Altar wurde von einem Mosaik, das einen Flöte spielenden Kender (eigentlich einen Elfen) darstellte, verziert. Die Kender wunderten sich zwar, warum er so groß war, aber es war klar, dass dies Branchala darstellte und das Wäldchen ihm geweiht.
Voller Dankbarkeit nahmen sie die Geschenke Branchalas und nutzen sie, wie sie genutzt werden sollen.

Inzwischen bewegt sich die Zwergenexpedition in Richtung des besagten Berges (mit dem Wasserfall!).
Nichts böses ahnend hören sie nur das hier besonders schöne Jubilieren der Vögel und erfreuen sich auch daran.
Doch irgendetwas ist Tambac nicht geheuer. Er sieht Dinge, die er damals nicht gesehen hat. So z.B. einen Baumstumpf und daneben einen frisch gepflanzten Schössling.
Auf einer Lichtung finden sie einen weiteren Baumstumpf, um den mehrere junge Bäume stehen. Allerlei Gegenständen liegen um den Stumpf oder hängen von Bäumen: Federn, bunte Tüchlein, Beuteln (mit allerlei Dingen), etc. (Opfergaben von Kendern, werden oft von Kendern ausgetauscht, denen was ins Auge fällt, die aber wiederum etwas hinterlassen).
An ähnliches geraten sie noch ein oder zwei mal, bis sie schließlich von einem verunsicherten Tambac ("war doch letztes Jahr nicht"), zu ihrem Ziel geleitet werden. Der kleine Wasserfall in der Nähe ist für ihr Vorhaben recht praktisch.
Alles scheint in Ordnung.
Sie beginnen, ihre Ausrüstung abzuladen.
Da hören sie auf einmal helle Stimmen jauchzen. Kaum haben sie sich versehen, rennen zwei winzige Wesen auf sie zu (Kenderkinder). Und wollen alles mögliche wissen. Langsam finden sich auch erwachsene Kender ein und die Zwerge geraten langsam ins Schwitzen und versuchen sie abzuwimmeln.

Als die Zwerge am nächsten Morgen ihre Arbeit beginnen, werden sie von Flinkfuß konfrontiert, der wissen will, was das werden soll. Die Neidar meinen, dass er sich um seine Angelegenheiten kümmern soll. Als Flinkfuß ihnen erklärt, dass der "heilige Berg" (und Tal) seine Angelegenheit sei, bricht ein hitziges Streitgespräch aus, in dessen Verlauf die Zwerge mit Spott nur so überschüttet werden. (Die Kender haben nix gegen die Zwerge und würden sie gern an Musik etc. teilhaben lassen, aber dass hier ein Bergwerk entstehen soll, gefällt ihnen gar nicht.)

Zu allem Überfluss taucht nun noch eine weitere Partei auf.
Branchala ist nicht nur in den Augen der Kender der höchste Gott, sondern auch in denen der Elfen.
Einige Qualinesti-Anhänger Branchalas huldigen ihm jedes Jahr im Frühling in dem auch ihnen heiligem Ort. Von ihnen sind auch die Instrumente. Nur, dass diese nur von auserwählten Priestern gespielt werden durften. Und nun kommen sie und finden die Kender vor. Und die Neidar. Im Streit. Noch wissen sie nichts von dem, was die beiden Parteien hier machen, sind nur besorgt, dass das Tal und ihre Riten gestört werden. Aber sie sind noch besonnen und wollen vermitteln.
Schnell ist es aber mit der Besonnenheit vorbei. Ein Elf, der in die Höhle geht, findet diese "entweiht" vor: Instrumente fehlen, allerlei Krimskrams liegt auf den Tischen und eine alte Kenderin lehnt am Altar, während sie einigen Kenderkindern Geschichten erzählt - den Kleinen wurde die Streiterei der Großen langweilig.
Inzwischen hat der hochmütige Hohepriester der Elfen, Lonalar Qu'efas, die Absichten der Zwerge herausbekommen und auch was die Kender hier machen. Alle Vermittlungsabsichten sind vorbei, insbesondere, als er das von der Entweihung erfährt und die Streiterei beginnt von neuem. (Die Kender machen sich zwar ein bisschen Sorgen wegen dem heiligen Ort - zudem verstehen sie die Elfen nicht, die doch aus dem gleichen Grund hier sind - aber das Streiten (und Spotten) macht ihnen tierischen Spaß und sowohl Zwerge als auch Elfen bekommen mehr als ihr Fett weg.)

Bevor der Streit eskaliert, könnten Abenteurer schon schlichtend einzugreifen versuchen.
Andernfalls - bzw. bei nicht gelungener Schlichtung - werden sich die Parteien erst mal eines besseren besinnen und sich abends schmollend (d.h. Elfen und Zwerge) trennen.

Die Neidar schmieden Pläne, vollendete Tatsachen zu schaffen. Notfalls als "Kampfbergbautrupp". (Die Kender kann man ja aus dem Tal raustragen oder so, aber die Elfen ...) Der Lockruf des Eisenerz ist groß; zudem kommen sie aus relativ armen Dörfern.

Die Qualinesti überlegen, wie sie die anderen loswerden. Und besinnen sich dabei gerade noch darauf, dass Branchala auch Frieden und Harmonie verkörpert. Sie behalten sich sanfte Gewalt gegen die Kender vor (z.B. Kender aus dem Tal raustragen). Gegen die Zwerge? Die dürften in ihren Augen ein größeres Problem sein.

Elfen und Zwerge schüren in ihren Gesprächen ihre Vorurteile gegen die jeweils anderen beiden Parteien.

Die Kender überlegen, wie man die Zwerge von ihren Plänen abbringen und die Elfen von ihrem hohen Roß herunterholen kann (und das Tal gemeinsam als heilige Stätte nutzen). Streiche, Musik und Feiern werden diskutiert.

Nun sollte es an den Spieler liegen, aus dieser vertrackten Situation eine Lösung zu finden, die alle Parteien zufrieden stellt.



Wie kommen unsere Abenteuer ins Spiel?
Hier bieten sich verschiedene Möglichkeiten:
a) Ein Branchala-Priester, Musiker und/oder Kender, der zu den Abenteurern gehört, hört von dem Tal (Flinkfuß' Ruf/wandernde Kender).
b) Ein Priester Berdiluns (Branchalas Name bei den Zwergen) ist entweder bei den Neidar (unwahrscheinlich), oder hört von dem Tal (und sieht vielleicht auch noch seine zwergischen Brüder, wie sie in das Tal kommen oder begegnet ihnen auf seinem Weg dorthin).
c) Unter ihnen ist ein mit Tambac befreundeter Neidar oder alle sind mit ihm gut befreundet (muß schon ne gute Freundschaft sein, wenn ein Neidar Menschen etc. so vertraut). Oder Tambac ist selbst ein PC?
d) Unter ihnen ist ein Qualinesti, der Branchala verehrt und mit den anderen Qualinesti den heiligen Ort besuchen will.
e) Vielleicht treten auch mehrere der o.g. Möglichkeiten ein und die Abenteuer sind noch gar keine Gruppe, sondern Teile der Streitparteien? Und raufen sich dann mit der Zeit zusammen?

Lösungsansätze:
(Ich denke, dass Abenteurer auf der Kenderseite die besten Chancen haben, alles zum Guten zu wenden.)

Kender:
1. Eine Party für die anderen (die nur zögerlich und misstrauisch kommen). Daraus könnte sich ein harmonisches Miteinander entwickeln.
2. Sie versuchen es mit Musik. (Da dürften die Elfen recht empfänglich sein und auch Zwerge sind nicht unmusikalisch; sie bevorzugen Schlaginstrumente). (Könnte zu 1. führen.) Allerdings machen Kender Musik etwas anders als andere Völker (lebhaft, viel Improvisation, sich ständig wandelnd).
3. Ohne Werkzeug können die Zwerge nicht graben. (Könnten aber seeehr wütend werden.)
4. Oder so kommen auf den Gedanken: "Wozu ist Branchi wundertätig? Und Harmonie (auch zwischen den Völkern) ist ihm wichtig." D.h. den Zwergen mittels Branchalas Hilfe einen anderen Zugang zu den Erzvorkommen zeigen/ermöglichen. Anderes auch denkbar.

Neidar:
(Selbst den hartgesottesten Zwergen dürfte es schwer fallen, mit Waffengewalt auf die Kender loszugehen, aber gegenüber den Elfen könnten das anders aussehen)
1. Ein Zwerg, der Gefallen an der Musik der Kender findet (ein Berdilun-Anhänger?) beginnt einen Dialog mit einem Kender. Und versucht daraufhin mit diesem eine Lösung zu finden.
2. Andere Stelle des Berges suchen, wo Hinweise auf Erzvorkommen sind?

Qualinesti:
1. Den Zwergen ein alternatives Erzvorkommen woanders anbieten. Sollte mind. gleichwertig sein, ansonsten wollen die Zwerge noch was dazu.
2. Ein vernünftiger Elf, der Lonalar davon überzeugen kann, dass die Kender nichts Schlimmes getan haben, sonst hätte Astra sie ja bestraft. Zudem leben diese Kender ja den Glauben an Astra (Musik, Poesie, etc.), sind hier also sicherlich nicht fehl am Platz.
3. Elf hört von Flinkfuß' Glauben, daß Branchala ihn hierher geführt, die Höhle gezeigt hat. Betet zu Branchala, ob das zutrifft.

Sonstiges:
Wenn alles nichts hilft, kann man zumindest den Kendern und den Elfen mittels Vision von Branchala den richtigen Weg weisen.

Wenn man es noch komplexer mag:
Einer der Neidar war leider nicht so verschwiegen und so kommen neidische Nachbarn oder vielleicht Holgar oder sogar gierige Menschen, die das Erz abbauen wollen.
(Insbes. Theiwar, Daergar oder Menschen würden sich als die Streitenden einende Bedrohung eignen.)

Zu beachten:
Problematisch könnten sich Schlichtungsversuche eines Holgars3 auswirken, denn die Neidar haben die Zwergentorkriege nicht vergessen.


Anmerkungen:
1Von Nicht-Zwergen Hügelzwerg genannt.
2Lässt sich schlecht sagen, denn Kender-Volkszählungen führen zu unterschiedlichsten Ergebnissen.
3Von Nicht-Zwergen als Bergzwerg bezeichnet (Holgar-Clans: Daewar, Daergar, Hylar, Klar, Theiwar und Aghar).

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