Rezensionen • War of the Lance
Titel: War of the Lance
Genre: RPG/Strategie
Hersteller: TSR/SSI
Erscheinungsjahr: 1990
Platform: PC, C64

Besprochen von: Morgions Klaue
Bewertung: (9/10)

Dieses Kriegssimulationsspiel basiert auf der leicht abgeänderten Umsetzung des als Brettspiel konzipierten AD&D 1st ed. Moduls DL11 „Dragons of Glory".

Grundkonzept ist, den Krieg der Lanze entweder als Bündnis von Whitestone gegen die Drachenarmeen zu gewinnen, oder bei zwei Spielern gegeneinander.
Dabei ist der Hauptaugenmerk zwar auf der militärischen Seite, hinzu kommt aber noch eine diplomatische Komponente durch die Versuche beider Seiten bislang neutrale Nationen auf die eigene Seite zu ziehen, und eine Abenteuer-Komponente, da beide Seiten Helden besitzen, die auf (nicht näher definierten) Missionen sind. Je nachdem, ob diese schneller oder langsamer vorankommen (z.B. durch Verwundung, Genesung, Gefangennahme oder Tod einzelner oder sogar mehrerer) erhält der jeweilige Spieler neue Ausrüstungsgegenstände bis hin zur Ankunft der guten Drachen. Der Gegenspieler kann durch Abkommandieren von Truppen vom Schlachtfeld diese auf die Jagd nach den feindlichen Helden senden und damit das Vorankommen der Helden behindern.
Letztlich entscheidet sich der Krieg aber auf dem Schlachtfeld, da die Kräfteverhältnisse zu einem bestimmten Zeitpunkt (dem offiziellen Ende des Krieges in den Chroniken) gleichzeitig das Siegesresultat sind. Die andere Alternative ist, die zentralen Städte des Feindes zu besetzen (Whitestone = Neraka: Die Stadt und der Festungsturm nördlich; Highlord = Die vier Nationen der Ritterschaft Caergoth-Solanthus-Sancrist-Northern Ergoth und den High Clerist Tower).

Gespielt wird auf einer in Quadrate aufgeteilten (grafisch recht einfach nachempfundenen) Karte von Ansalon.
Militärische Einheiten verschiedener Art stehen je nach übernommener Seite und verbündeter Nation zur Verfügung. Jede Einheit wird durch ein Symbol in der Farbe des Spielers (Blau = Whitestone; Rot = Highlord) auf der Karte dargestellt.
Mit abwechselnder oder zufälliger Initiative beginnt der Spieler seinen Zug.
Zunächst erhält man einen Bericht über den Verlauf der Heldensuche. Die je nach Nation unterschiedlich geeigneten Diplomaten werden in neutrale Länder geschickt und pro Zug kann ein Land um ein Bündnis ersucht werden. Dann werden „Störeinheiten" auf die Jagd geschickt und die sonstigen Truppen bewegt.
Schließlich werden Angriffsbefehle erteilt und die Kämpfe durch den Computer ausgerechnet.
Jede Einheit hat eine gewisse Anfangsstärke an Mannen und einen Wert für Angriff, Verteidigung und Bewegung. Die Moral wirkt auf die Kampfstärke aus und je weiter von zu Hause entfernt die Truppen kämpfen, desto weniger kampfeslustig sind sie.
Eine ganze Reihe weiterer Faktoren wie Anführer mit Boni für die Kampfkraft, Geländetypen, Umzingelung, Fluchtmöglichkeiten etc. spielen eine Rolle und sorgen dafür, dass dieses Spiel trotz der altertümlichen Grafik und Gestaltung der Bedienung äußerst spannend ist und eine gehörige Portion Aufmerksamkeit und Fingerspitzengefühl verlangt.

Durch eine Reihe von Feinabstimmungen wie Eintrittsjahr (und damit Anzahl der schon verbündeten Nationen), Kampfkraft, diplomatischer Vorteil, Verstärkungen - jeweils regelbar einzeln für den Whitestone- wie auch für den Highlord-Spieler – ermöglichen eine Vielzahl von Schwierigkeitsgraden. Und ich kann nicht behaupten, dass dieses Spiel leicht ist. Ehrlicherweise habe ich schon einige Strategien ausprobiert, aber bei ausgeglichener Schwierigkeit für beide Seiten hat mich der Highlord bislang immer geschlagen, und wenn ich auch kurz vor oder nach der entscheidenden Wende stand! Das Perfide ist nämlich, dass die blutigen Anfangsschlachten in der Zeit der erbarmungslosen Übermacht des Highlords nicht mehr ausgeglichen werden können... Zwar kann man die Drachenarmeen runterprügeln und abschleifen, aber nur mit schweren Verlusten und dann, wenn man nur noch ein paar Jahre bräuchte um die Brut vom Angesicht Ansalons zu fegen, ist das Spiel schon aus und die Punktewertung (basierend auf der Differenz zwischen den jeweiligen Bilanzen der Spieler aus getöteten eigenen Truppen und noch lebenden) sieht übel aus. Verschiedene Truppenarten haben auch unterschiedliche Punktewerte (von 100 Punkten für einen Helden bis zu einem Punkt für einen Infanteristen).
Und ich habe schon eine Menge probiert! Inklusive Brückenkopf in Sanction, Unterstützung für Silvanesti, Paratrooping hinter Feindeslinien.... Bislang nur durch Senkung des Grades siegreich.

Kurz, billige Grafik und einfache Bedienungsoberfläche aber ein beeindruckendes Spektrum an Herausforderung und Spielspaß für Strategiefreaks!

Als solcher bin ich natürlich verpflichtet hier neun Drachen zu erteilen!

© Drachenlanze.de / Rezension: © Morgions Klaue