Rezensionen • The Puppet King
Autor: Douglas Niles
Titel: The Puppet King
Zyklus: Dragonlance Chaos War
Verlag: Wizards of the Coast

Bei Amazon bestellen

Besprochen von: Morgions Klaue
Bewertung: (8/10)
Von der Rückseite des Buches über den Marionettenkönig:

Torn asunder by the nightmares of a mad king, the elven realm of Silvanesti has nearly been restored to its former grandeur. But the elf Porthios, returning to his homeland, launches a rebellion against young Gilthas, his own nephew. Gilthas’s troubles are multiplied by threats from green dragons and from the Knights of Takhisis. Now, with Porthios at his throat, Gilthas must choose between blood and honor.

So ganz passt der Klappentext mal wieder nicht zu dem eigentlichen Inhalt des Buches. In der Retrospektive eines grünen Drachen werden die Ereignisse kurz vor und während des Sommers von 283 nach dem Kataklysmus (der Umwälzung) sowohl betreffend Porthios als auch Gilthas in Silvanesti und Qualinesti geschildert. Endlich werden die in „Dragons of Summer Flame" fast schon beiläufig erwähnten Begebenheiten in Qualinesti näher ausgeführt und die im Krieg der Lanze so vernachlässigte Person des Porthios mit Leben gefüllt.

Beginnend mit Porthios, dem Sprecher der Sonne und Helden von Silvanesti, der in den dreißig Jahren nach dem Krieg der Lanze den Alptraum von König Lorac Caladon bekämpfte und Silvanesti bis auf eine kleine Insel in der Mündung des Thon-Thalas wieder herstellte, wird dessen letzter Kampf gegen den letzten düsteren Flecken vor dem Hintergrund einer politischen Verschwörung konservativer Elemente in Silvanost beschrieben. Verraten und angeklagt in Silvanost gelingt ihm die Flucht nach Qualinesti, obwohl ihm mittlerweile bekannt ist, dass auch die konservativen Elemente dort sich gegen ihn und Alhana Starbreeze, seine Frau und Königin von Silvanesti, verschworen haben und das auch noch in Absprache mit den Verrätern im östlichen Elfenreich.

Nach der Geburt von Silvanoshei, ihrem gemeinsamen Sohn, leben Porthios und Alhana mit ihren Getreuen als Ausgestoßene und verfemte Dunkelelfen in den Wäldern von Qualinesti vom Land und der ein oder anderen Karawane.
Währendessen führt der junge Gilthas, Sohn von Laurana und Tanis, ein frustriertes Leben als der neue Sprecher der Sonne unter der Regie des Senators Rashas. Als ein Heer gegen Porthios zieht tauchen die Takhisis-Ritter auf und beginnen ihre Invasion von Qualinesti. Während Porthios Widerstand leistet, ergibt sich Qualinesti unter dem Eindruck der Übermacht.

Gerade als Gilthas der jungen Kagonesti-Sklavin Kerianseray näherkommt und sich aus der Bevormundung durch den kooperationsbereiten Rashas löst und Kontakt zu Porthios sucht und die Takhisis-Ritter die Schlinge um Porthios zuziehen, werden die neuen Herrscher und alle Fraktionen der Elfen wie auch alte schuppige Feinde von Porthios aus Silvanesti in die Wirren des Angriffs der Chaoshorden gestürzt und ihr Überleben hängt von der Fähigkeit ab, zusammen den Feind zu bekämpfen.

  „We must activiate the rest of the city militia," Gilthas declared, trying to mask his own despair. „ Get elves standing at each of the bridges, ready to defend Qualinost against the first sign of attack!"
  „What good will that do?" Rashas demanded vehemently, contemptuously. „Weren’t you listening? This is a force that can trample anything that stands in its path! Would you send every young elf in Qualinost to his death?"
  Gilthas spun around, at first too surprised even to speak. He gaped at the senator in astonishment, finally shaking his head, forcing out the words. „What would you have us do, then? Flee to Ergoth again, the second exile in thirty years? And even if we wanted to, you know there’s no time for the city’s population to get away!"
  „Now is not the time for us to lose our heads," replied Rashas, his tone calm and soothing. The Speaker realized that somehow Rashas had made again Gilthas appear to be an excitable youngster.

Douglas Niles, als Verfasser vieler Dragonlance-Novels, hat wieder einmal die Elfen zum Gegenstand seiner Geschichte gemacht. Dabei werden die alten Wunden und Bitterkeit zwischen den Reichen einerseits und der Traum von einer neuen, besseren Welt von Porthios und Alhana gelungen in Konflikt gesetzt. Leider sind es diese für meinen Geschmack etwas überhöhten verkrusteten dunklen Seiten der elfischen Gesellschaft, die die im Krieg der Lanze noch anklingenden positiven Seiten der Elfen völlig verdrängen. Auch hat man das Gefühl, die Götter seien überhaupt nicht wieder zurückgekehrt vor dreißig Jahren, der Einfluss der Kleriker ist überhaupt nicht zu spüren. Auch die besonnene und ruhige, teilweise eher schon lethargische, Seite der Elfen ist quasi verschwunden. Hektik und aufbrausende Gefühle lassen eigentlich keine Unterscheidung zu normalen menschlichen Intrigen und Vorgängen mehr zu. Persönlich ist der Verlust dieses gewissen Flairs der Elfen, sei es seitens der Silvanesti, sei es bei den Qualinesti, bedauerlich, da er diesen Völkern vieles ihrer Tiefe nimmt.
Pedanten und Detailhäschern wie mir fällt natürlich positiv auf, dass man so einiges an bereichernden Details über die Elfenreiche erfährt. Als Beispiel sei hier die Armeestruktur in Silvanesti und Qualinesti sowie deren Stärke und Taktiken erwähnt.

Unabhängig davon ist „The Puppet King" aber auf jeden Fall lesenswert, da neben Porthios und den Elfen auch die Takhisis-Ritter in ihrer alten Würde durch den Kommandanten Lord Salladac vertreten sind, der den größten Weitblick beweist, und auch die der erzählende grüne Drache viel an Einblicken in Gedanken- und Gefühlswelt dieser Kreaturen gewährt.

Schließlich kann man dieses Buch auch als umsichtig in die gesamte Saga eingefügt ansehen, es dementsprechend zum „Kanon" erheben. Einzig einige wenige Details bezüglich des Überlebens oder Sterbens von Rashas und des ungebrochenen Einflusses des Senats, des Thalas-Enthia, auf den jungen Gilthas und des Hintergrundes von Kerianseray stehen in Widersprüchen zu Büchern wie „The Lioness" oder gar der „War of Souls"-Trilogie.

Daher von mir acht Drachen für ein gutes Buch.

© Drachenlanze.de / Rezension: © Morgions Klaue