Rezensionen • Heldenblut
Heldenblut

Autor: Nancy Varian Berberick
Zyklus: Das Heldenlied der Drachenlanze 4
Original: Heroes Vol. II: Stormblade

Verlag: Goldmann
ISBN: 3-442-24589-3

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Besprochen von: Gunter Weigand
Bewertung: (8/10)

Diese Rezension bezieht sich gleichzeitig auf den 1. Teil der Geschichte: Das Schwert des Königs

Selbst der unaufmerksamste Kender riecht ein Geheimnis auf eine Meile. Lavim Sprungzeh beobachtete Stanach so sorgfältig wie der Zwerg den Gesprächsfetzen lauschte, die um ihn herumschwirrten.
Obwohl Stanach bereitwillig für alles aufgekommen war, was der Kender trinken wollte, manchmal das Mädchen gerufen hatte, manchmal selbst zur Theke gelaufen war, hörte er Lavims Geschwätz nur abwesend zu und antwortete nur abwesend. Lavim wurde still. Er betrachtete das Feuer, das in dem rauchigen Amethystring an Stanachs Finger glühte und von dem kleinen Silberring an seinem linken Ohr blitzte.
Nichts an Stanach schien zusammenzupassen. Der Ring ließ Lavim an jemanden denken, der mit Reichtum ganz selbstverständlich umgeht; der Ohrring beschwor Bilder von Wegelagerern und Banditen herauf. Das bärtige Gesicht des Zwergs hatte erst einen grimmigen, abweisenden Ausdruck gehabt. Dann wiederum gab es Momente, wo er vergaß, daß er grimmig aussehen wollte, wo die Verwundbarkeit der Jugend seine kohlschwarzen, blaugesprenkelten Augen sanfter wirken ließ.
Dieser Stanach, dachte Lavim, ist jetzt ruhiger als am Anfang, wie ein fest verrammeltes Haus. Verschlossene Dinge, verriegelte Dinge – das reizte Lavim am meisten.

Während auf Krynn der Krieg der Lanze tobt, wird im Zwergenreich Thorbardin das Königsschwert Sturmklinge geschmiedet, ohne das kein Lehnsherr Anspruch auf den verwaisten Thron erheben kann. Als das Schwert gestohlen wird, macht sich der junge Schmied Stanach Hammerfels auf den Weg in die Außenwelt, um es zurückzuholen. Vom Erfolg seiner Mission hängt nicht nur der Frieden in Thorbardin ab, das gesamte Kriegsgeschehen könnte dadurch beeinflusst werden.

Als Nancy Varian Berberick „Stormblade“ (dt. Das Schwert des Königs / Heldenblut) veröffentlichte, war sie in der Drachenlanze-Welt bereits keine Unbekannte mehr, denn in der Tales-Reihe stammen einige der schönsten Kurzgeschichten aus ihrer Feder. Mit Stormblade schloss sie damals die zeitliche Lücke, die zwischen den ersten beiden Bänden (bei uns zwischen Band 2 und 3) der Chroniken klaffte.

Stormblade ist eine spannende Geschichte mit vielen emotionalen Momenten, ohne dabei ins Kitschige abzudriften. Besonders die Hauptcharaktere wurden von Berberick sorgfältig ausgestaltet und mit vielschichtigen Aspekten versehen. Stanach beispielsweise gehört zwar zu den Guten, doch ist er für einen großen Teil des Buches bereit, seine Gefährten zu belügen und notfalls zu opfern, um das Königsschwert nach Thorbardin zu bringen.

Die Helden der Lanze sind im Roman ebenfalls vertreten, spielen aber nur eine untergeordnete Rolle. Die Handlung wird somit gut in die Ereignisse der Chronik eingebunden, kann aber auch gut ohne Drachenlanze-Vorkenntnisse gelesen werden.

Man gewinnt erste Eindrücke vom Clansystem und der Kultur der Bergzwerge sowie ihre Sichtweise von den Bewohnern der Außenwelt. Negativ wirken einige etwas zu konstruiert wirkende Handlungselemente wie die Liebesgeschichte zwischen einem Waldläufer und einem Barmädchen, die auf einer circa einminütigen Konversation beruht. Obwohl kurz nach ihrer Begegnung für den größten Teil der Handlung voneinander getrennt, nehmen sie füreinander große Opfer auf sich. Unverständlich erscheint mir auch, warum Verminaard hier noch am Leben ist und die Flüchtlinge von Pax Tharkas verfolgt.

Insgesamt gefällt mir Berbericks Version besser als der erst vor einigen Monaten bei uns erschienene Roman „Das Reich der Zwerge“ von Margaret Weis und Tracy Hickman, in dem ebenfalls die Ereignisse im Zwergenreich während des Kriegs der Lanze geschildert werden.

© Drachenlanze.de / © Rezension: Gunter Weigand