Rezensionen • Hammer and Axe
Autor: Dan Parkinson
Titel: Hammer and Axe
Zyklus: Dragonlance Dwarven Nations
Verlag: Wizards of the Coast

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Besprochen von: Murmel Beutelleer
Bewertung: (8/10)

Das zweite Buch der Dwarven Nation Trilogy. Wir erinnern uns: Im ersten Band, "The Covenant of the Forge", zogen die Calnar aus Thorin fort in den Westen und wurden Hylar. Sie vereinten die dortigen Clans und errichteten zusammen ihre neue Heimat Thorbardin. Diese steht nun im neuen Band vor ihrer Vollendung, doch von Aussen drohen allerlei Gefahren. Magier stoßen auf ihrer Suche nach einem geeigneten Bauplatz eines Turmes der Erzmagier auf die Zwergischen Länder, der despotische Herrscher von Xak Tsaroth schielt mit beiden Augen auf die Schätze der Zwerge und zuschlechterletzt wurde eine mysteriöse, uralte und blutrünstige Kreatur aus ihrem Schlaf geweckt, die Angst und Schrecken unter den Zwergen verbreitet.

Damon Omenborn, am Ende des vorherigen Buches unter der Prophezeihung, Vater der Könige zu sein, geboren, spielt in diesem Buch neben der Einar Zwergin Willow Summercloud die Hauptrolle und muss sich vornehmlich mit den Magiern auseinandersetzen, die hartnäckig ihr Ziel verfolgen, einen Bauplatz für einen Turm der Erzmagier zu bauen. Das Aufeinandertreffen von Zwerg auf Magier und zwergischer Sturheit auf Magie ist sehr ausführlich und lesenswert behandelt, wirft aber auch vieles Stirnrunzeln beim Leser hervor.

Die Begegnungen zwischen Zwergen und Magier sind oftmals sehr humorvoll geschrieben und mit lustigem Inhalt, als zum Beispiel einer der Magier seine Zaubersprüche an den Zwergen ausprobiert, um ihre Wirkung zu untersuchen, dabei aber immer wieder an der Magieresistenz der Zwerge scheitert. Diese Resistenz hat Dan Parkinson sehr schön geschildert und erklärt und durch die zahlreichen Beispiele schön in Szene gesetzt, dabei blieb er aber realistisch und verlieh den Zwergen keineswegs eine hundertprozentige Immunität, zumindest nur rein theoretisch. Auf der anderen Seite ist es sehr interessant, wie Damon den Magier ausfragt, um seinerseits ihn zu studieren. Eine Angelegenheit von größtem Nutzen, weil die Zwerge von Thorbardin einer ganzen Armee von Magiern gegenüberstehen müssen.

Das Stirnrunzeln beginnt aber in den Ausführungen des Magiers über die Magie und ihre Wirkung und Ursache, wie auch über ihre Historie. So erzählt der Magier von einem Scion, der den Magiern die Magie beigebracht hat, jedoch zum Beispiel mitteilte, dass sie auf Tiere manchmal nicht wirke. Ferner läge die Magie nicht in der Person, sondern in dem Zauberspruch, so dass Damon Omenborn, Zwerg der Hylar, es zustande bringt, einen Verwandlungszauber zu wirken, einfach nur, indem er die Worte des Zaubers wiederholt, die er vorher von dem Magier gehört hat. Ein anderes Detail ist, dass bei Unsichtbarkeitszaubern das offene Auge sichtbar bleibt, so dass man es geschlossen halten muss, um nicht gefunden zu werden. Letzteres ist noch dadurch erklärbar, dass es eine damals noch schwächere Version der Unsichtbarkeitszaubers war. Aber die anderen Aussagen und Umstände decken sich nicht mit den "Regeln der Magie", wie sie nicht nur von dem Rollenspiel, sondern auch von den Chroniken selbst, definiert wurden. So können Tiere durchaus beeinflusst werden. Dass sowohl Tiere als auch intelligente Wesen eine gewisse Magieresistenz haben können ist eine andere Sache. Raistlin Majere selbst zeigt, dass die Macht der Magie alles andere als nur in den Worten der Zauberformel steckt. Ferner benutzen die Magier von Krynn Materialkomponenten, die von den Magiern in Hammer and Axe nicht gebraucht werden. Ein heftiger Widerspruch? Wahrscheinlich. Vielleicht aber dadurch erklärbar, dass damals die Magie noch in den Kinderschuhen steckte. Für das Buch alleine ist es in sich logisch und stimmig, im Zusammenhang mit der restlichen Drachenlanze Welt jedoch ein Stolperstein. Merkwürdig ist die anfängliche Darstellung der Magier, die sie zu stark als Komiker skizziert. Einige Verhaltensweisen erinnern an Szenen aus Dick und Doof und wirken für mächtige Magier einfach nur lächerlich. An diesen Stellen ist Dan Parkinson wohl bei dem sonst schönen Humor ein bisschen weit über das Ziel hinausgeschossen.

Quist Redfeather, ein Mensch aus dem Volk der reitenden Cobar und Shill Quickfoot, eine Kenderin mit ihrem riesigen Greif- und Reitvogel Cawe, spielen die würzenden, nicht-zwergische Rollen in diesem Buch. Kender sind wie immer einfach nur da und haben durch Zufall (oder simplem Schicksal, wie man es nimmt) ihre Hände bei wichtigen Dingen im Spiel. So ist es auch bei Shill, die eher nur eine Nebenrolle spielt, obwohl sie Trägerin eines wichtigen Gegenstandes ist, aber sonst für lustig angenehme Textstellen sorgt, zumal sie auch in Thorbardin Einlass findet. Quist Redfeather spielt den tragischen Teil eines Menschen, der von den Tyrannen aus Xak Tsaroth gezwungen wird, gegen die Zwerge zu handeln, dann aber doch in direkten Kontakt mit ihnen kommt und der Spaltung ausgesetzt ist, mit dem Zwang aus Xak Tsaroth zu leben und trotzdem die neugewonnene Hoffnung auf Erlösung nicht zu verlieren. Es ist interessant zu lesen, wie er das Vertrauen der Zwerge zu gewinnen scheint, für die er wie alle anderen Nicht-Zwerge ein Fremder ist.

Willow Summercloud ist eine schön beschriebene, dickköpfige, entschlossene und tatkräftige Einar Zwergin, also eine, die keinem Clan angehört und mit ihrer Familie an der Oberfläche lebt. In den Strudel der Handlung gezogen lernt sie die vorherigen Protagonisten kennen und zu lieben, im Falle der Kenderin zu ertragen, und ist eine Person, die als Frau große Bedeutung für die Zwerge Thorbardins haben wird.

Hammer und Axe erzählt eine solide und spannende Story, die von tieferem Inhalt die Beziehung und weitere Abspaltung der Hügelzwerge von den Bergzwergen hat, den Trägern der Axt und den Trägern des Hammers. Die drei wichtigen Handlungsstränge sind die Begegnungen zwischem Damon und den Magiern, das Biest, das Angst, Schrecken und Tod im Reich der Zwerge verbreitet und die bevorstehende Schlacht zwischen den Zwergen und ihren menschlich-magischen Angreifern. Die Existenz Thorbardins steht auf dem Spiel und mit der Magie ist ein gefährlicher Angreifer gekommen. So groß die Schlacht und einschneidend auch die anderen Ereignisse waren, so stellte sich bei mir nicht wirklich ein Gefühl der Epik ein, was im vorherigen Buch der Fall war. Vielleicht weil bei Hammer and Axe die mystischen Auftritte des Scions und seiner Prophezeihungen fehlten, die allerdings in diesem Buch auch nicht begründet oder mit einem triftigen Hintergrund verbunden wurden, ein Kritikpunkt, den ich bei dem ersten Buch Covenant of the Forge einwarf. Vielleicht aber ist es die merkwürdige und untypische Darstellung der Magie, die schon einen gewissen Schein von Falschheit hat, auch wenn ich im Nachhinein bewogen bin, es in die Geschichte Krynns zu integrieren, um den störenden Widerspruch aufzulösen. Dadurch fehlte wohl die richtige Basis, um ein Gefühl der Epik, und genau das ist es, ein tiefes Gefühl, aufkommen zu lassen.

Nichtsdestotrotz ist Hammer and Axe ein lesenswertes Buch und eine gute Fortsetzung des ersten Bandes. Besonders in Erinnerung bleiben wird mir die Szene, wie das mysteriöse Biest die Eliteeinheit der Zwerge in Minuten vollständig aufreibt. Eine gefühlsmäßig sehr bedrückende und geradezu erschreckender Szene, da diese Abschlachterei aus der Sicht und Perspektive des Biestes beschrieben wird. Zum Abschluss dieser Rezension will ich aber einen Abschnitt zitieren, der die Widerstandskraft von Zwergen gegenüber Magie verdeutlicht.

  "You claim what?" Tantas stared at him. "Are you...do you mean to challenge me?"
  "You are challenged," Damon said.
  With a hiss, Tantas muttered, "Mordid tat!" He pointed a stiff finger at the dwarf. "Chapak!"
  Instantly a large sword appeared in the air directly in front of Damon and slashed at him. He caught it on his shield, deflecting it, and it disappeared with a pop and a puff of dark smoke.
  "Magic," Damon Omenborn mumbled to himself. "That seemed like a sword. But it was no sword. It was only magic."
  Tantas gaped at the dwarf. "Impossible!" he grumbled. Again he voiced a sharp command, and a steeltipped arrow drove into Damon's breastplate, piercing his armor. The impact of it tumbled him backward.
  An agony like none he had ever felt tore through Damon, driving the breath from his lungs and the sight from his eyes. The arrow had pierced him through. But how could it be an arrow? No bow had flung it. "Magic," he gasped, fighting for control of the pain that seared within him. "There is no arrow. Magic is only magic, nothing more."
  Tantas gaped again. The fallen dwarf was getting to his feet. He stood looking down at the glistening shaft standing in his breast. Pain shone in his eyes, but at the same time something else kindled there. The dwarf's jaws tightenend, and his eyes narrowed. "I only imagine this," he whispered. "It is not real." Gritting his teeth, he struck the shaft with the edge of his shield. The arrow broke and disappeared as the sword had.
  "I don't believe this!" Tantas shrilled. Frantically, he began another spell, this one far more elaborate.
  "That's enough," Damon growled. More quickly than a human could have imagined possible, he swung his hammer and threw it.

- Hammer and Axe (Dan Parkinson)

Drachenlanze.de / Rezension: Murmel Beutelleer