Rezensionen • The Covenant of the Forge
Autor: Dan Parkinson
Titel: The Covenant of the Forge
Zyklus: Dragonlance Dwarven Nations
Verlag: Wizards of the Coast

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Besprochen von: Murmel Beutelleer
Bewertung: (8/10)

  Dan Parkinson galt in DL-Kreisen immer als *der* Experte in Sachen Zwerge von Krynn, so wie Richard A. Knaak als *der* Experte in Sachen Minotauren gilt. Um so mehr verwunderte mich sein Buch "The Gates of Thorbardin" aus der Heroes II Series. Denn dieses ist mein persönlicher Anti-Favorit unter allen DL Romanen. Möglich, dass ich deswegen die Lektüre der Dwarven Nations Trilogy so lange aufgeschoben habe.
  Normalerweise ging immer ein Raunen durch die Fangemeinde, sobald die zwei Worte "Dwarven Nations" erwähnt wurden. Und zusammen mit den Elven Nations werden auch genau diese zwei Worte erwähnt, wenn deutsche DL Leser und Leserinnen endlich eine Übersetzung älterer Bücher fordern. Ich kann mich auch nicht erinnern, jemals eine negative Kritik an dieser sagenumwobenen Trilogie gehört zu haben. Doch nun habe ich das erste Buch selbst durchgelesen, und kann mir ein erstes Bild davon machen.

  The Covenant of the Forge ("Die Vereinbarung der Schmiede") schildert die Geschichte der Calnar, den Zwergen von Thorin, wie sie von einer Vision getrieben sich auf die Suche nach Khal-Tax machen, einem legendären zwergischen Ort und für die Calnar die Hoffnung auf ein neues Zuhause. Aus den davonziehenden Calnar werden die Hylar und aus der alten Heimat Thorin wird Thoradin. Die Hylar ziehen nach Osten und finden das Kharolisgebirge, in dem bereits mehrere zwergische Clans leben. Das Buch erzählt von den Konflikten der dort beheimateten Clans, ihrer Probleme mit den menschlichen Flüchtlingen der Drachenkriege in Silvanesti und der Ankunft der Neuankömmlinge, dazu prädestiniert die Zwerge der Kharolisgebirge zu vereinen und gemeinsam Thorbardin zu erbauen.
  Doch bis dahin gibt es viele Hindernisse zu bewältigen. Denn auch die anderen Clans haben ihre Ziele, allen voran die Theiwar und die Daewar, deren alleinige Konflikte noch vor der Ankunft der Hylar schon große Spannung erzeugen und sehr interessant zu lesen sind. So zum Beispiel die schlauen Schachzüge beider Parteien zur Eroberung feindlicher Territorien.
  Höchst interessant ist auch die Entdeckung der Urkhan Höhlen, des Sees und der Urkhan Würmer sowie die Zähmung letzterer.
  Die Clans selbst sind ganz klar durch ihre Wesenszüge unterschieden, so dass es auch nicht verwundert, dass die Theiwaren die Hauptbösewichte in diesem Roman sind. Aber angesichts der Unterschiede auch der einzelnen Charaktere innerhalb eines Clans wird das Buch doch sehr interessant. Wunderbar sind die Stellen, in denen alle Clans einer Entscheidung zustimmen müssen und jedes Clanoberhaupt seine Worte entsprechend seines Wesenszuges formuliert und ausspricht.
  Schade ist jedoch der Grund, weswegen ausgerechnet die Hylaren das über Thorbardin herrschende Zwergenvolk sein müssen. Es läuft leider auf ein simples "der Bessere bekommt alles" hinaus. Da können selbst die Prophezeihungen, Visionen und das Erscheinen eines prophetischen Scions der Hauptgeschichte keinerlei genügende historische Tiefe in dieser Hinsicht verleihen. Ganz im Gegenteil sogar. Alle Prophetien und Auftritte des Scions in all seinen Variationen sind ziemlich überflüssig. Einzig und allein der prophetische Aspekt des ersten Kapitels des Buches ist wahrlich meisterhaft, in dem Mistral Thrax in seinen historischen Nachforschungen auf eine uralte Prophezeihung stößt. Aber bis zum Ende des Buches wird das Warum und Weshalb in keinster Weise angedeutet. Was ist der Sinn, wenn ständig Visionen und halb-göttliche Kreaturen auftauchen und den Zwergen das nächste wichtige Ereignis ankündigen oder gar verraten, wozu dieser oder jene Zwerg bestimmt sein soll? Sollte ein gutes Buch, wenn es diese Frage schon nicht beantwortet, dann eben dieser Frage nicht einen entsprechend mystischen Sinn und damit eine Daseinsberechtigung geben? Hier und da fragt man sich wirklich, wieso Parkinson dieses oder jenes überhaupt hinzugefügt hat. Aber vielleicht wird das Warum in einem der beiden folgenden Bücher beantwortet?
  Die Charaktere selbst sind recht interessant und vielseitig. Spätestens nach der Lektüre dieses Buches wird einem klar, das Zwerg nicht gleich Zwerg ist. Und ich denke, dass genau dies das Vermächtnis Dan Parkinsons ist, der im Mai des Jahres 2001 an einer Krankheit verschied: In einem Roman zur Geltung gebrachte Lebendigkeit und Wesensvielfalt der Zwerge.
  Besonders schön finde ich den kulturellen Wesenszug des "left side of the tools", der "linken Seite der Werkzeuge". Damit vereint Parkinson auf wunderbare Weise die Arbeitsfreudigkeit und den Fleiss der Zwerge mit ihrer kämpferischen Entschlossenheit und ihrem Pragmatismus. So hat jedes zwergische Werkzeug "eine linke Seite", womit ebendieser Gegenstand bei Bedarf auch für den Kampf eingesetzt werden kann. Schmiedehämmer und Äxte sind noch sehr offensichtlich. Aber auch Trommeln, das traditionsreiche Musikinstrument der Zwerge, werden als Waffen benutzt.
  Insgesamt überwiegen die positiven Dinge und trotz des Überflusses der Prophezeihungen sind diese doch besser als etwas, was völlig fehl am Platze wäre. Somit schließe ich mit der Bemerkung, dass bei diesem Buch sich auf jeden Fall, und das auch recht schnell, ein Gefühl der Epik einstellt, was der Historie der Geschichte völlig angemessen ist und die zwei weiteren Bücher und damit die Trilogie auf jeden Fall rechtfertigt.
  Noch eine kleine Anmerkung, um zum Lesen zu motivieren: Wusstet ihr schon, dass die Calnar (und später die Hylar) für ihre großen und starken Pferde, auf denen sie ritten(!), bekannt waren?

  Nachfolgend ein kurzer Auszug aus dem Prolog des Buches. Mistral Thrax, zwergischer Gelehrter, stößt bei seinen Nachforschungen über die Vergangenheit der Zwerge....auf deren Zukunft:

  "On a spring evening, when the light from the sun tunnels began to dim, Mistral Thrax pondered over his scrolls and what they all might mean. Within the threads of fact and legend which he attempted to weave - as one might weave a tapestry of many colors in order to see the picture it would reveal - were puzzling, disturbing hints of more to come. Mistral Thrax had attempted to capture history, and in grasping it realized that it went both ways - back through time to what had been and forward somehow to hint at what might yet be. And not all of what he saw pleased him.
He sensed that change was at hand - a change that would be painful for all of his people. He sensed that, somehow, magic might touch the lives of the Calnar, and that nothing would ever again be the same.
High-dwellers, their human neighbors called the Calnar. People of the high peaks. In the dwarven manner of speech, the word for that was Hylar, and somehow that word held special meaning in the thread leading toward the future."

Murmel Beutelleer, Drachenlanze.DE