Rezensionen • Die Geschichte der Drachenlanze 5 + 6
Die Geschichte der Drachenlanze 5 + 6

Autor: Margaret Weis & Tracy Hickman
Zyklus: Die Geschichte der Drachenlanze
Original: Tales Vol. III - Love and War

Verlag: Blanvalet
ISBN: 3-442-24294-0

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Besprochen von: Gunter Weigand
Bewertung: (8/10)

Die von Margaret Weis und Tracy Hickman herausgegebene Tales-Reihe beinhaltet Kurzgeschichten verschiedener Autoren, in denen die Welt der Drachenlanze in all ihren Fassetten geschildert wird. Obwohl die Helden der Lanze in einigen dieser Geschichten im Mittelpunkt stehen, liegt das Augenmerk in diesen Anthologien auf Figuren, die bisher gänzlich unbekannt waren oder in der Chronik und den Legenden nur eine Nebenrolle gespielt haben.
„Tales Volume III: Love and War“ wurde bei uns gemäß der damals üblichen Veröffentlichungspolitik des Goldmann-Verlags in zwei Bände aufgeteilt, wobei man das von Weis und Hickman verfasste Vorwort weggelassen hat. Trotzdem werde ich die beiden Bände als Einheit behandeln, wie es im Original gedacht war und bei einer Wiederveröffentlichung jetzt auch bei uns realisiert worden ist.

Der edle Ritter (Harold Bakst)
Ein solamnischer Ritter erzählt ein Märchen von klassischer Prägung, in dem es um eine unglückliche Liebe geht. Bakst erzählt eine tragische Liebesgeschichte, wie man sie schon dutzende Male gelesen hat. Trotzdem weiß er zu überzeugen, nicht zuletzt deswegen weil er kein Urteil über die handelnden Personen fällt.

Die Vision des Malers (Barbara Siegel und Scott Siegel)
Ein begnadeter Maler stirbt bei einem Hausbrand, weil er eines seiner Gemälde retten will und seine Frau verbringt den Rest ihres Lebens mit dem Versuch, ein perfektes Porträt von ihm zu malen. Ihr einziger Freund ist ein eitler Bronzedrache, der sie hin und wieder besucht. Erst nachdem die Frau an Alter und Kummer gestorben ist, erkennt der Drache, dass er ihr nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt hat. Eine bittersüße Erzählung, die einen emotional mitnimmt.

Das Ende der Jagd (Nick O’Donohoe)
Der weiße Hirsch, dem die Gefährten in der Chronik gefolgt sind, verriet einst den Herrn der Wälder, weshalb der Schattenwald vom Bösen heimgesucht wurde und von da an Düsterwald hieß. Jeden Tag spielt er mit den Soldaten, die damals ihre Posten verließen, die Ereignisse von damals nach. Als er mit den Soldaten die Drakonier aufhält, die nach den Gefährten suchen, werden sie von ihrem untoten Dasein erlöst. In dieser melancholischen Geschichte geht es um verletzten Stolz, welche Taten daraus erwachsen können und dass es nie zu spät ist, seine Meinung zu ändern.

In letzter Minute (Nancy Varian Berberick)
Ein weiteres Mal schildert Nancy Varian Berberick ein Abenteuer der Gefährten aus früheren Tagen. Tolpan und ein Junge befinden sich in der Gewalt eines psychopathischen Verbrechers und die Gefährten versuchen die beiden zu retten. Die Spannung entsteht hier hauptsächlich durch die Auseinandersetzung zwischen dem Entführer und Tolpan, der versucht, ihn in die Irre zu führen.

Der den Schwur hält (Richard A. Knaak)
Wieder einmal eine ausgezeichnete Geschichte von Richard A. Knaak, kaum einer schreibt so gekonnt über die Ritter von Solamnia. Ein einzelner solamnischer Ritter tritt gegen eine ganze Armee von Takhisis an und kann sich dabei nur auf seinen Glauben an Paladin stützen. Er erweckt den Anschein, zu einer größeren Truppe zu gehören und hält die Armee so lange hin, bis sich alle Soldaten an der Pest angesteckt haben.

Der Weg ins Exil (Paul B. Thompson und Tonya R. Carter)
Sturm muss mit seiner Mutter ins Exil flüchten und wird auf der Reise von einem Volk gefangen genommen, das unter der Kontrolle eines bösen Magiers steht. Der opfert junge, reine Menschen wie Sturm, um sein eigenes Leben zu verlängern. Interessant ist die Erzählung aufgrund der gelungenen Charakterisierung von Sturm Feuerklinge. Obwohl noch ein Teenager, überwindet er die Grenzen seiner strengen solamnischen Erziehung und entschließt sich, Magie zu verwenden um den Magier aufzuhalten. Ein Hinweis auf seine Entwicklung in der Chronik, in der als einziger Ritter in der Lage ist, über Kodex und Maßstab hinaus zu wachsen.

Goldmonds Entscheidung (Laura Hickman und Kate Novak)
Meiner Meinung nach eine belanglose Geschichte voller Klischees. Die Charaktere und ihr Verhältnis zueinander erscheinen wie aus einem Karl May-Roman entnommen. Der arme, aber edle Schäferssohn Flusswind und die schöne Häuptlingstochter Goldmond verlieben sich gegen den Willen von Goldmonds Vater ineinander. Der schurkische Leerer Himmel steht ihrem Glück im Weg, denn er will Goldmond für sich haben und gleichzeitig die Herrschaft über den Stamm übernehmen. Die Figuren sind bis in die kleinsten Nebenrollen hinein schablonenhaft und lassen nichts weiter als gepflegte Langeweile aufkommen.

Raistlins Tochter (Margaret Weis und Dezra Despain)
Unmittelbar nach seiner Prüfung trifft Raistlin auf eine geheimnisvolle Frau, mit der ihn eine unerklärliche Anziehungskraft verbindet. Es gibt nur eine Möglichkeit, dieses schwächende Band wieder zu lösen, nämlich dass sie Raistlins Kind empfängt. Die Geschichte wirkt ziemlich konstruiert, lässt einen aber trotzdem neugierig bis zum Ende lesen.

Silber und Stahl (Kevin Randle)
Die letzte Schlacht zwischen Huma und der Königin der Finsternis. Routiniert abgespulte Erzählung, die fast nur aus der Beschreibung von Kampfhandlungen besteht, die es leider nicht vermag, Anteilnahme für ihre Protagonisten zu bewirken. Abgesehen davon ist das Erscheinungsbild von Huma sehr merkwürdig: schwarze Haare und ein roter Schnurrbart!

Von Schwertkunst und Waffenruhe (Michael Williams)
Der Schildknappe eines solamnischen Ritters berichtet in einem Brief an seinen jüngeren Bruder von der Schlacht um den Turm des Oberklerikers. Die Erzählung schildert die Trostlosigkeit des Kriegs aus der Sicht eines rangniederen Ritteranwärters. Während in der Chronik sich nach der verlorenen Schlacht alles auf Dereks unglückliches Ende konzentrierte, lenkt Williams hier die Aufmerksamkeit auf die einfachen Soldaten, die ihr Leben wegen unsinniger Befehle verloren haben.

Fazit:
Bei manchen Geschichten handelt es sich augenscheinlich um Seemannsgarn, andere wiederum wurden durch spätere Veröffentlichungen widerlegt und einige kann man innerhalb des Drachenlanze-Kosmos durchaus als Realität betrachten. Ob die einzelnen Geschichten kanonisch sind oder nicht, ist meines Erachtens nicht so wichtig. Obwohl manche Erzählungen schwächer sind, lohnt sich der Kauf wegen der zahlreichen Perlen, die man hier finden kann.

© Drachenlanze.de / © Rezension: Gunter Weigand