Rezensionen • Die Geschichte der Drachenlanze 1 + 2
Die Geschichte der Drachenlanze 1 + 2
(Die Zitadelle des Magus + Der magische Turm)

Autor: Margaret Weis & Tracy Hickman (Hrsg.)
Zyklus: Die Geschichte der Drachenlanze
Original: Tales Vol. I - The Magic of Krynn

Verlag: Blanvalet
ISBN: 3-442-24288-6

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Besprochen von: Gunter Weigand
Bewertung: (7/10)

Die von Margaret Weis und Tracy Hickman herausgegebene Tales-Reihe beinhaltet Kurzgeschichten verschiedener Autoren, in denen die Welt der Drachenlanze in all ihren Fassetten geschildert wird. Obwohl die Helden der Lanze in einigen dieser Geschichten im Mittelpunkt stehen, liegt das Augenmerk in diesen Anthologien auf Figuren, die bisher gänzlich unbekannt waren oder in der Chronik und den Legenden nur eine Nebenrolle gespielt haben.
Tales Volume I: The Magic Of Krynn wurde bei uns gemäß der damals üblichen Veröffentlichungspolitik des Goldmann-Verlags in zwei Bände aufgeteilt, wobei man das von Weis und Hickman verfasste Vorwort weggelassen hat und im zweiten Band das Inhaltsverzeichnis fehlt. Trotzdem werde ich die beiden Bände als Einheit behandeln, wie es im Original gedacht war und bei einer Wiederveröffentlichung jetzt auch bei uns realisiert worden ist.

Flusswind und der Kristallstab (Michael Williams)
Das Gedicht schildert Flusswinds Jugend und seine Suche nach dem blauen Kristallstab. Dürfte nicht jedermanns Sache sein, ich selbst bin zumindest jedes Mal froh, wenn ich die Verse hinter mir habe und endlich die Geschichten lesen kann.

Das Blutmeer-Monster (Barbara Siegel und Scott Siegel)
Der diebische Elf Duder Basilart begibt sich mit einem alten Fischer auf die Jagd nach dem legendären Blutmeer-Monster. Die Autoren gelingt es eine dichte Atmosphäre zu erzeugen, die ein wenig an Moby Dick und Der weiße Hai erinnert. Das Besondere an dieser Erzählung ist, dass man die Handlung aus der Sicht der Hauptfigur erfährt, was die Schlusswendung um so überraschender macht.

Nur einen Steinwurf entfernt (Roger E. Moore) Dieses Abenteuer hat Tolpan in der Chronik dem Gossenzwerg Sestun erzählt, hier erfährt man endlich die ganze Geschichte. Ein magischer Ring teleportiert Tolpan gegen seinen Willen in den Turm eines Magiers, der über die Gegenwart seines Gastes nicht sehr erfreut ist. Die Handlung will nie so richtig in Fahrt kommen und ist weder besonders spannend noch lustig. Tolpan stolpert wie der Leser durch das Geschehen und sein Gegenspieler verhält sich für einen mächtigen Zauberkundigen ziemlich dämlich. Ein Schwachpunkt in dieser Sammlung.

Träume von Dunkelheit, Träume von Licht (Warren B. Smith)
William Süßwasser ist der Held wider Willen in dieser Geschichte. Gemeinsam mit Freunden macht sich der Gastwirt daran, Gefangene der Drachenarmeen aus dem Gefängnis zu befreien, und entdeckt eine innere Stärke, die er bei sich nicht vermutet hätte. Trotz der gelungenen Schlusspointe gestaltet sich auch bei dieser Erzählung das Lesen als eher zähe Angelegenheit.

Liebe und Bier (Nick O’Donohoe)
Der Kender Mondkerz lässt Liebestrank-Pulver ins frisch gebraute Bier im Wirthaus Zur letzten Bleibe fallen. Im Verlaufe des Abends erhitzen sich die Gemüter der Gäste und das Wirtshaus verwandelt sich in ein Schlachtfeld. Otik und Tika haben alle Hände voll zu tun um zu verhindern, dass das Geschehen völlig außer Kontrolle gerät. Diese Geschichte sorgt mit ihrer Fülle von absurden und humorvollen Situationen für einige Schmunzler.

Missratene Kinder (Richard A. Knaak)
Eine Drakonier-Patrouille entdeckt ein von Elfen bewohntes Dorf, in dem es keine Kinder gibt. Als der Anführer erkennt, was wirklich los ist, ist es für ihn und seine Soldaten bereits zu spät. Knaak baut die Spannung Schritt für Schritt auf, bis er schließlich die Wahrheit enthüllt. Zum ersten Mal werden die Drakonier nicht als schablonenhafte Bösewichte dargestellt, sondern als Lebewesen, die trotz ihrer Taten Mitleid verdienen.

Die Prüfung der Zwillinge (Margaret Weis)
Margaret Weis liefert bei mit ihrem ersten Solo-Beitrag eine solide Leistung ab, nicht mehr und nicht weniger. Raistlin erhält Besuch von Par-Salian, dem Oberhaupt der Magier. Trotz der Bedenken von Raistlins Meister wird er eingeladen, die Prüfung im Turm der Erzmagier abzulegen. Leider lässt Weis den interessantesten Teil, die eigentliche Prüfung, fast ganz aus. Man erfährt jedoch immerhin, wie Raistlin nach seinem Sieg über den Dunkelelfen der Illusion von Caramon begegnet und diese dann umbringt.

Zeit der Ernte (Nancy Varian Berberick)
Tanis und Flint treffen auf die verängstigte Riana und helfen ihr bei der Suche nach ihrem Freund und ihrem Bruder. Die wurden von dem Zauberkundigen Gadar entführt, der die Lebensessenz der jungen Männer für seine eigenen Zwecke nutzen will. Meiner Meinung neben „Vermächtnis“ die beste Geschichte in diesem Band, es gibt reichlich Spannung und Action, die Charaktere von Tanis und Flint werden von Berberick gut herausgearbeitet. Zudem hat es die Autorin geschafft einen bösen Gegenspieler zu kreieren, dessen Motive nachvollziehbar sind, und sie krönt die Erzählung mit einem wirklich ergreifenden Ende.

Auf der Suche nach dem rechten Glauben (Mary Kirchoff)
Gemeinsam mit Laurana und dem Rest ihrer Gruppe begibt sich Raggart, Kleriker des Eisvolks, auf eine Expedition zum Schloss von Eismauer, um eine Kugel der Drachen zu bergen. Der Kampf mit dem Drachenfürsten Feal-Thas und den Thanoi ist eher nebensächlich, im Zentrum steht Raggarts innere Wandlung. Durch Elistans Beispiel findet Raggart zum Glauben an Paladin und wird der erste wahre Kleriker des Eisvolks.

Das Vermächtnis (Margaret Weis und Tracy Hickman)
Die Versammlung der Zauberer glaubt, dass Raistlin seine Niederlage gegen Takhisis überlebt hat und nach einem Weg sucht, der Hölle zu entkommen. Nach ihrer Ansicht will Raistlin Seele und Lebenskraft von Palin, dem jüngsten Sohn von Caramon, für sich beanspruchen. Palin betritt das ehemalige Laboratorium seines Onkels, um zu sehen, ob diese Behauptungen wahr sind. Die Geschichte ist sehr spannend, obwohl sie weitgehend auf Action verzichtet, und glänzt mit mehreren überraschenden Wendungen. Die Charaktere und ihre Beziehungen untereinander sind sehr gut herausgearbeitet. Mit Palin wird hier eine Figur eingeführt, die in kommenden Geschehnissen eine bedeutende Rolle spielt.

Fazit:
Der erste Band der Tales-Reihe hat seine Höhen und Tiefen, ist aber auf jeden Fall lesenswert. Bei manchen Geschichten handelt es sich augenscheinlich um Seemannsgarn, andere wiederum wurden durch spätere Veröffentlichungen widerlegt und einige kann man innerhalb des Drachenlanze-Kosmos durchaus als Realität betrachten. Ob die einzelnen Geschichten kanonisch sind oder nicht, ist meines Erachtens nicht so wichtig.

© Drachenlanze.de / © Rezension: Gunter Weigand