Rezensionen • Dezra's Quest
Autor: Chris Pierson
Titel: Dezra's Quest
Zyklus: Dragonlance Bridges of Time
Verlag: Wizards of the Coast

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Besprochen von: Morgions Klaue
Bewertung: (9/10)
Der Text von der Rückseite:

Darken Wood...even the name brings dread to humans. But it is home to Ansalon’s centaur tribes, where they have dwelt for ages in peace under the Forestmaster’s watchful eye. Now, ten years after the Summer of Chaos, strife is tearing the centaurs apart. A mad chieftain seeks to overthrow his enemies, and an even darker presence is changing the forest itself. Trephas, a brave young warrior, sets out for Solace to seek aid against these enemies. He finds more than he bargained for in Caramon Majere, Hero of the Lance, and his spitfire daughter Dezra.

Eine gelungene Geschichte über die zurückgezogenen Zentauren einerseits und das jüngste schwarze Schaf der Familie Majere, Caramons Tochter Dezra.

Nachdem das Einhorn, Meister des Waldes, im Sommer des Chaos dem Ratschluss der Götter folgend die Oberhoheit der Takhisis-Ritter dahingehend akzeptiert, dass diese unbehelligt am Rande des Düsterwaldes entlang marschieren sollen, löst sich ein junger ungestümer Häuptling mit seinem Stamm aus der Treuegemeinschaft der Zentauren zum Meister des Waldes, um auf eigene Faust Krieg gegen das Böse zu führen. Dafür fürchterlich bestraft vermag er zu fliehen und beginnt einen Kampf gegen die anderen Zentauren.
Im Jahre Zehn nach dem zweiten Kataklysmus bedroht sein Krieg die Existenz der Zentauren. Seine Getreuen sind auf unnatürliche Weise verformt und entstellt, von Chaos berührt. Diese „Skorenoi", die Gefallenen, führen einen erbarmungslosen Vernichtungskrieg, indem sie die anderen Zentauren töten oder schlimmer zu einem der ihren machen. Das Chaoswesen hinter den Skorenoi bedroht zudem noch das Leben im Düsterwald wie auch das Leben des Waldes selbst. In der Verzweiflung, durch die Gefangennahme des Einhorns ihres spirituellen Führers beraubt, sehen die Zentauren keinen anderen Ausweg als Hilfe von außerhalb zu holen, einen Majere, da diese Familie aus dem Lanzenkrieg und ihrem Aufenthalt im Düsterwald bekannt ist.
Währenddessen verursacht die junge Dezra ihren Eltern mit ihrem unmöglichen Lebenswandel nur Kummer und Leid: Sie spielt, säuft, stiehlt und führt ein rechtes Lotterleben ohne Respekt oder Werte. Nach einem besonders heftigen Streit mit Caramon beschließt sie die Söldnerlaufbahn einzuschlagen, als sie auf Trephas, den ausgesandten Zentauren - und seine Stahlmünzen - trifft.

Nachdem sich Caramon mit einigen sonderbaren Gefährten zu ihrer Rettung aus vermeintlicher Entführung aufgemacht, treffen alle bei einem Kampf gegen eine Gruppe Skorenoi zusammen. Nach geklärter Lage folgt Caramon aus Pflichtgefühl gegenüber dem Einhorn, Dezra wegen der Bezahlung. Herzlich von den Zentauren aufgenommen, lernen sie bald mehr und mehr über den Feind und das Wagnis ihres Kampfes. Oft genug gehen die Ansichten über richtig und falsch bei Dezra und Caramon auseinander und im Laufe des Kampfes wird der Charakter der eigenwilligen Dezra geschmiedet.
Von der Jagd nach einem verborgenen Artefakt aus der Vergangenheit der Zentauren über Besuche in der Welt der Feen und Dryaden und wilde Schlachten führt der Wettlauf mit der Zeit gegen die Chaosschar und ihren Meister zur Rettung des Düsterwaldes zur entscheidenden Schlacht.

  „You have your aunt’s smile, you know," he said quietly.
  Dezra’s eyes narrowed. „What?"
  „Kitiara’s smile. It was just like yours." He nodded. „All crooked, one corner higher than the other. It always meant she was up to something. I remember one time, when Tanis and Sturm were – "
  „Spare me," Dezra snarled abruptly. She shook her head. „Just this once , keep your bloody stories about Tanis, Sturm and Kitiara to yourself." [...] „Get something straight, Father," she went on. „I don’t care. You may have been as big a hero, once, as you claim to be, but that was a long time ago. I look at you now, and all I see is an old man living in the past."

Besonders gelungen ist die anschauliche und detailreiche Schilderung der Zentauren, angefangen von ihren Ursprüngen durch den Einfluss des Grausteines, ihrer Zuflucht im Düsterwald und den Stämmen bis zu Gebräuchen und Traditionen in heutiger Zeit. Aber dieses Buch ist nicht nur aufgrund der ersten fundierten Geschichte über diese merkwürdige Rasse so gelungen, der Autor Chris Pierson hat es auch geschafft, die magische Welt des Düsterwaldes nicht völlig zu entzaubern, indem er die Welt der Feenwesen und der Dryaden kunstvoll in die Geschichte eingesponnen hat, ohne dass man das Gefühl bekommt, dies sei völlig fehl am Platze in einer Dragonlance Geschichte. Auch über diese Geschöpfe und ihr Leben erfährt man viel Neues und Unbekanntes. Letztlich wird damit auch sichergestellt, dass dieser Wald nun nicht einfach zu einem weiteren „erforschten" und vielbereisten Landstrich wird, sondern seine Abgeschiedenheit und Besonderheit wahren kann.

Dabei ist dieser Handlungsstrang gut mit dem Konflikt zwischen Caramon und seiner Tochter abgestimmt, so dass der eine nie durch den anderen wirklich gestört oder überlagert wird. Es wäre nur zu wünschen, wenn sich das weitere Schicksal von Dezra nicht einfach im Nebel der Geschichte verlieren würde, da sie sicherlich - trotz einiger unrühmlicher Züge - viel Potential zu einem interessanten Charakter in sich trägt. Positiv fällt auch auf, dass das Alter Caramons in der Erzählung nicht völlig außer Acht gelassen wird und er mit den Problemen des Älterwerdens zu kämpfen hat, ohne dadurch an heldenhaften Taten, eben auch der anderen Art, gehindert zu sein. Ein gelungener Schliff an der Facettierung der Person Caramon und seiner Entwicklung im Laufe seines Lebens.

Dem Pedanten in mir sind auch kaum Unstimmigkeiten aufgefallen, außer dass die Herkunft der Zentauren in den Regelwerken bislang als nicht durch den Graustein bewirkt wurde und dass die anderen Zentauren von Ansalon oder zumindest der näheren Umgebung des Düsterwaldes (sei es am Krystalmir-See oder in Duntollik) nicht auch irgendwie in die hier wiedergegebene Geschichte dieser Wesen eingebunden wurden.
Aber dies vermag nicht zu stören!

Daher von mir neun Drachen für ein wirklich gelungenes Buch.

© Drachenlanze.de / Rezension: © Morgions Klaue