Rezensionen • Das Ehrenwort
Das Ehrenwort

Autor: Richard A. Knaak
Zyklus: Das Heldenlied der Drachenlanze 1
Original: Heroes Vol. I: The Legend of Huma

Verlag: Goldmann
ISBN: 3-442-24587-7

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Besprochen von: Gunter Weigand
Bewertung: (6/10)

Diese Rezension bezieht sich gleichzeitig auf den 2. Teil der Geschichte: Verrat unter Rittern

„Komm mit mir oder kehr zu den Deinen zurück, Kaz“, sagte Huma. „Wie du willst. Die Ritterschaft könnte zu argwöhnisch sein, um einen Deserteur wie dich aufzunehmen.“
Kaz zögerte nicht. „Ich kenne deine Gedanken, Ritter von Solamnia. Ich verstehe die vielen Unterschiede zwischen uns nur zu gut. Dennoch stehe ich in deiner Schuld und würde lieber deinen Kameraden gegenübertreten, als zu meinen eigenen Reihen zurückzukehren, wo mich vor der Hinrichtung eine lange Folter erwartet. Ich habe keine Lust, mich der begrenzten Gnade der Oger auszuliefern.“
Weitab heulte etwas in der Nacht. Es hörte sich an wie ein Wolf, befand Huma, war aber kein Wolf. Es klang zu kalt, zu – böse.
„Wir sollten lieber aufbrechen“, beschloß Kaz schnell. „Das ist kein Platz für die Nacht. Der Leichengeruch wird auf jeden Fall Besucher anlocken, und ich, Ritter, würde lieber weitergehen.“
Humas Augen starrten immer noch in die Richtung des Geheuls zurück. Er nickte nachdrücklich, plötzlich glücklich über die Gesellschaft des Minotaurus.
„Einverstanden.“ Zum Zeichen der Freundschaft streckte er die rechte Hand aus. „Mein Name, Freund Kaz, ist Huma.“

Takhisis, Königin der Finsternis, versucht mit aller Gewalt, Krynn zu erobern. Nur die Ritter von Solamnia stehen noch zwischen ihr und dem endgültigen Sieg. Unter den solamnischen Streitkräften befindet sich auch Huma, ein einfacher und nicht besonders angesehener Ritter der Krone. Als Huma während einer Patrouille von seinen Kameraden getrennt wird, befreit er zufällig den Minotaurus Kaz, der ihm darauf zum Dank ewige Treue schwört.

Nicht zuletzt aufgrund von Manipulationen seines zauberkundigen Jugendfreundes Magus wird Magus immer weiter in den Strudel der Ereignisse hineingezogen. So muss er mit einem Verräter innerhalb des Ritter-Ordens fertig werden, sich mit seinen Gefühlen für eine mysteriöse Elfe auseinander setzen und sich schwierigen Prüfungen stellen. Sollte Huma diese Prüfungen meistern, besteht wieder Hoffnung im aussichtslos erscheinenden Kampf gegen Takhisis.

In der Chronik und der Legende wurde häufig von Humas Legende gesprochen, in diesem Buch legt Richard A. Knaak seine Version dieser Geschichte vor. Knaak versteht es durchaus, seinen Leser zu fesseln, es gibt reichlich Spannung, sorgfältig ausgearbeitete Kampfszenen und Humor kommt ebenfalls nicht zu kurz. Die Charaktere sind zum größten Teil sehr interessant und plastisch gestaltet, viele von ihnen (inklusive Hauptfigur Huma) sind vielschichtig und anders, als sie anfänglich erscheinen. Weiterhin machen einige Charaktere im Lauf der Geschichte Entwicklungen durch, die sich wesentlich auf die Handlung auswirken.

Unverständlich erscheint mir, dass man Humas Erlebnissen nur einen Roman zugestanden hat, obwohl sie für Krynns Geschichte und Mythologie doch so eine bedeutende Rolle spielen. Aufgrund des begrenzten Platzes hetzt Knaak seine Hauptfigur von einem Schauplatz zum nächsten, was sich an einigen Stellen sehr negativ bemerkbar macht. Kaum hat er einen Schauplatz und die handelnden Figuren vorbereitet, erfolgt schon wieder ein Sprung zum nächsten Handlungsort, was oft auf Magie zurückzuführen ist. Obwohl die Charaktere gut gezeichnet sind, wirken ihre Wandlungen oft sehr abrupt. Besonders die Darstellung von Magus, der als mysteriöse, komplexe Persönlichkeit viel versprechend angelegt ist, leidet darunter.

Richard A. Knaak hat ein durchaus vielversprechendes Buch vorgelegt, doch nach Beendigung der Lektüre drängt sich das Gefühl auf, dass hier ein guter Autor und eine gute Geschichte grundlos verheizt wurden. Eine Trilogie wäre sicherlich ein besserer Rahmen gewesen, um die Erlebnisse von Huma darzustellen.

© Drachenlanze.de / © Rezension: Gunter Weigand