Rezensionen • Dalamar the Dark
Zu diesem Buch gibt es Rezensionen von: (in Klammern die jeweilige Bewertung)
[Murmel Beutelleer (8/10)] [Andreas Meixner (10/10)]
Autor: Nancy Varian Berberick
Titel: Dalamar the Dark
Zyklus: Dragonlance Classics
Verlag: Wizards of the Coast

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Besprochen von: Murmel Beutelleer
Bewertung: (8/10)

Dalamar the Dark gehört in die Reihe der Classics Series, die zur guten alten Zeit des Lanzeskrieges, kurz davor, während und kurz danach spielt. Es beschreibt den Aufstieg und Fall von Dalamar Argent, später Dalamar Nightson oder Dalamar der Finstere oder der Dunkle. Den heimatlichen Fall wohlgemerkt, die Magie des Dunkelelfen stieg bekanntlich schnell und ohne Unterlass soweit, dass er bei Raistlin Majere, dem mächtigsten Magier aller Zeiten in die Lehre gehen konnte. Dieser Abschluss des ersten wichtigen Abschnitts in seinem magischen Leben wird als Rahmen für eine sehr schöne Geschichte benutzt.

Nancy Varian Berberick ist für poetische und bildreiche Geschichten bekannt. An beidem mangelt es in diesem Buch nicht. Es ist faszinierend, wie wunderschön Nancy Berberick die Beschwörung und das nächtliche, mörderische Treiben eines Schattenhundes beschreibt. Wunderschön im dunklen Sinne, denn sie schreibt Sätze, die den Atem zum Stocken bringen und den Leser an des Schattenhundes Jagd nach Seelen fesseln, so grausam das sein mag. Genauso fesselnd und poetisch wird Loracs Alptraum beschrieben, dessen Entstehung und Auswirkungen detailliert beschrieben werden.

Überhaupt fügt Nancy Berberick geschickt und sehr interessant alle wichtigen Ereignisse des Lanzenkrieges in dieses Buch ein, ohne den Chroniken und Legenden zu widersprechen. (Wobei ich letztens woanders gelesen habe, dass es doch einige Widersprüche gibt, mir sind sie gar nicht aufgefallen.) Es ist erfrischend, aus der Sicht von Dalamar den Lanzenkrieg und insbesondere Raistlins Werdegang im Schnelldurchlauf nochmal mitzuerleben.

Neben Poesie in Sätzen und fesselnden Beschreibungen findet man in diesem Buch die Geschichte Dalamars, Loracs Alptraum und den Kampf der Silvanesti gegen die anrückende Drachenarmee. Es ist also ein Buch, welches nicht nur sehr lesenswert, sondern auch viele interessante Lücken schließt, die die Chroniken angedeutet haben.

Von der Magierprüfung Dalamars habe ich mir mehr erwartet, als ich im Endeffekt gelesen habe. So war ich davon ein wenig enttäuscht. Doch mag sich dieses Gefühl wirklich nur dann einstellen, wenn man zuviel erwartet. Auch wenn die Prüfung ein wichtiger Teil in Dalamars Leben war, so war es nicht der einzige. Und ausserhalb der Türme der Magier hat Dalamar genug Prüfungen zu bestehen. Im Nachhinein ist die Prüfung in sich selbst doch sehr stimmig und fühlt sich "richtig" an.

Durch die langen Jahre, über die sich die Geschichte erstreckt, sowie die vielen wichtigen Teile in Dalamars Leben hat man am Ende des Buches das Gefühl, dass die Geschichte aus eben diesen Teilen "zusammengeklebt" ist. So mag man dem Rahmen auf die Schliche kommen, dass dieser für ein wenig Zusammenhalt und Harmonie sorgen soll. Doch aus den eben genannten Gründen ist es wohl unvermeidlich, daß sich dieser Eindruck einstellt. Es ist ja tatsächlich so, daß die Geschichte Dalamars aus mehreren Teilen besteht. Für die Harmonie und den Zusammenhalt ist vielmehr der Schreibstil Berbericks und die Hauptfigur des Buches zuständig.

Als letztes sei noch zu erwähnen, dass in diesem Buch ein Zwerg vorkommt, welcher ein Magier der Hohen Magie ist. Das mag einigen Fans ein Dorn im Auge sein, andere mögen es wohl eher akzeptieren. Unter den Theiwaren jedoch gibt es auch Zwerge, die magisch begabt sind. Allerdings habe ich nirgends im Buch stehen sehen, dass es ein Theiwar sein soll. Das wäre aber die vernünftigste Erklärung.

Ein kurzer, aber genialer Auszug aus dem Buch: Die Beschwörung des Schattenhundes.

  The darkness deepened, then shifted, taking form on the distant plane that exists outside the world of the five senses. On the red silk walls, shadows swirled and ran together, small children of that darkness, massing on the top where the vent hole drew out the smoke. In one corner of that mass, something bright grew, like an eye opening.
  Tramd held his breath, aware of the eye, not daring to take his attention from the cracks in the baked blood. The cracks closed, a little at a time, healing, but were he to look away, even for an instant - such things would flow out as would chill the hearts of dragons and strike such fear into the souls of mortals that they would run mad. The eye glowed, went dark, then glowed again. The cracks in the blood healed, slowly.
  On the wall the shadows took one shape, that of a hound with squinting eyes and jaws agape. The hound's howling wound through the soul of the mage, a long, eerie wail like the cry of a wolf seperated from his pack. Fire sighed, and the black blood-runes closed their wounds, shutting out darkness. Tramd sat back on his heels, looking up at the red wall, the shadow-hound seeming to breathe as the red silk moved to a vagrant breeze off the tors.
  'Hound', said the mage, his eyes on the eye, his will chaining the beast even as the beast heard his voice. 'Hound, will you hunt?' The glaring eye blinked, light, no light, light again. The hound would hunt.

  - Nancy Varian Berberick (Dalamar the Dark)

Murmel Beutelleer, Drachenlanze.de