Rezensionen • Dragonlance Campaign Setting
Zu diesem Buch gibt es Rezensionen von: (in Klammern die jeweilige Bewertung)
[Natasz (9/10)] [Kendro (9/10)]
Autor: Margaret Weis, Don Perrin, Ch. Coyle & J. Chambers
Titel: Dragonlance Campaign Setting
Zyklus: Dungeons & Dragons Campaign
Verlag: Wizards of the Coast

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Besprochen von: Kendro
Bewertung: (9/10)

288 Seiten umfasst sie – die neue Bibel für alle Dragonlance-Fans: Das Dragonlance Campaign Setting. Nachdem ich jedes Kapitel gründlich gelesen habe, ist hier nun meine Meinung zu diesem – um es vorweg zu nehmen – sehr guten, aber trotzdem nicht perfekten Rollenspielbuch:

Das Erste, was mir ins Auge gesprungen ist, ist das etwas kleinere Format, als man es von den D&D-Grundregelwerken gewöhnt ist. Dadurch und durch den extrem breiten Seitenrand wird ziemlich viel potentieller Platz eingespart. Die 288 Seiten sind also künstlich aufgebauscht. Mit 250 Seiten wäre man auch hingekommen.

Das Layout des DLCS ist sehr gelungen. Es hat einen ganz eigenen Stil. Die vielen Bilder (mindestens zwei sind von Larry Elmore) sind unterschiedlich gelungen. Es sind zwar einige sehr schöne, aber auch einige nicht so gute dabei. Ich bin insgesamt nicht so begeistert davon. Einige sehen mir zu... amateurhaft und vor allem zu kindlich aus.

Das Inhaltsverzeichnis ist sehr gut gelungen. So gut, dass die Macher auf ein Glossar am Ende des Buches verzichtet haben. Es ist wirklich nicht nötig.

Auffällig ist, dass die (insgesamt 14) magischen Gegenstände, die beschrieben werden, ebenso wie die Beschreibungen von sieben historischer Persönlichkeiten, im kompletten Buch verstreut sind. Zum Glück sind sie unter einer eigenen Rubrik im Inhaltsverzeichnis aufgeführt, so dass sie leicht gefunden werden können.

Was ich mir nicht durchgelesen habe, sind die beiden Abenteuer am Ende des Buches (vielleicht spiel ich sie ja noch irgendwann...?). Meiner Meinung nach sind diese zwar ein netter Bonus, lieber gewesen wäre mir aber anstelle dessen mehr Inhalt. Denn nötig sind sie wirklich nicht.

Jetzt komme ich zu den einzelnen Kapiteln:

  Kapitel 1: Races

Das erste Kapitel ist recht ordentlich. Die beschriebenen spielbaren Rassen belaufen sich auf ganze 22! Allerdings nur, wenn man sämtliche Unterrassen einzeln zählt. Ansonsten kommt man immer noch auf neun. Die Beschreibungen sind sehr schön, allerdings sind die spieltechnischen Unterschiede teilweise nur sehr gering. Außerdem wird man einige Rassen kaum spielen können: einen Zentauren z. B., der ein effektiv viel höheres Charakterlevel hat als andere Charaktere lässt sich in eine Gruppe aus Level 1-Charakteren kaum einführen. Und einen Gossenzwerg wird wohl auch kaum jemand spielen... Kritikpunkt: Es werden nur zwei Arten von Drakoniern beschrieben: Baaz und Kapak. Insgesamt aber sehr anständig!

  Kapitel 2: Classes and Feats

Dieses Kapitel unterteilt sich in Klassen, Prestigeklassen und Talente. Während die Prestige-Klassen wirklich sehr gut geworden sind (als da u. a. wären: Ritter von Solamnia (unterteilt in die drei Orden) , Ritter von Neraka, die Stahllegion, die drei Zaubererorden, Drachenreiter, ... – samt Hintergrundinfos), sind die Standardklassen fast 1:1 aus dem D&D-Grundbuch übernommen. Es wird nur beschrieben, wie sie sich in DL einfügen. Der Paladin fällt übrigens weg, dafür gibt es zwei neue Klassen: Mystics und Noble. Die Mystics sind eine Art Hexenmeister auf Seiten der Kleriker (finde ich richtig gut gelungen), die Nobles... hätte man auch eine Prestigeklasse draus machen können. Sie sind nicht DL-typisch; und auch sonst sieht die Klasse eher blass aus.

Die Talente sind wieder sehr sinnvoll. So gibt es z. B. spezielle Drakonier- oder Drachenreiter-Talente. Schade nur, dass die schwarzen, weißen und roten Roben sich spieltechnisch gesehen nur sehr wenig unterscheiden. Da hätte man z. B. Beschränkungen bei bestimmten Zaubern einführen können.

  Kapitel 3: Magic of Krynn

Mein Lieblingskapitel! Hier wird ausführlich die Veränderung beschrieben, die sowohl göttliche als auch arkane Magie in den verschiedenen Zeitaltern durchläuft. Die klassische Magie wird beschrieben (ebenso alle fünf Magiertürme samt Wälder), die „Wilde Magie“, die göttliche Magie und die Magie des Herzens. Besonders schön finde ich das Mondphasen-Schema, anhand dessen man ablesen kann, in welcher Konstellation die drei Monde gerade zueinander stehen – und welche Auswirkungen das hat. Außerdem werden über 20 neue Zauber vorgestellt. Sie sind eigentlich alle sehr sinnvoll und passen sich gut in die DL-Welt ein.

  Kapitel 4: Deities (Gottheiten)

Dieses ist das spoilerträchtigste Kapitel. Hier werden sämtliche Gottheiten des Age of Mortals beschrieben. Ebenso wird ganz kurz auf den High God und Chaos eingegangen (SEHR interessant). Die Beschreibungen der Götter sind sehr ausführlich. Thakisis und Paladin fehlen zwar – werden aber in Kapitel 6 auftauchen.
Sehr schön: Eine Karte des Sternenhimmels von Krynn. Mit (fast) allen Sternbildern.

  Kapitel 5: Geography

Die Kritik gleich vorweg: Auch wenn die einzelnen Karten sehr schön sind, sind sie nicht besonders detailreich. Der Maßstab ist (meistens) sehr groß. Und – größter Kritikpunkt – die Karten sind in diesem Kapitel sehr verteilt und daher ziemlich unübersichtlich. Obwohl ich weiß, wie Ansalon aussieht, fiel es mir sehr schwer, die drei großen Karten im Geist zu einer zu verbinden. Ich musste x-mal hin und herblättern, bis ich mir ein Gesamtbild machen konnte!

Ansonsten wird das komplette Ansalon mit allen Regionen beschrieben (die anderen vier Kontinente werden nur am Rande erwähnt).

Einen so großen Kontinenten wie Ansalon auf nur 50 Seiten zu beschreiben ist ziemlich schwer und nur bedingt geglückt. Für jemanden, der sich schon ein bisschen auskennt, sind die Beschreibungen völlig ausreichend und mehr als interessant. Ein Neuling wird u. U. von der komprimierten Masse an Informationen erschlagen. An dieser Stelle freue ich mich schon auf den neuen DL-Atlas.

  Kapitel 6: The DRAGONLANCE Campaign

Teilweise überflüssig. Gewisse hier beschriebene Dinge gelten für sämtliche Rollenspiele im allgemeinen und stehen schon im Spielerhandbuch. Sinnvoll sind hingegen z. B. die Auflistung der auf Ansalon bekannten Sprachen, etc.

Sehr schön finde ich auch den Fluss der Zeit, in der alle fünf Zeitalter bis in die Gegenwart kurz anhand der wichtigsten Ereignisse beschrieben werden. Wie in Kapitel 5 (und auch sonst im gesamten DLCS) gilt: Ein Neueinsteiger wird von der Masse überwältigt. Es lassen sich einfach nicht alle wichtigen Sachen auf nur so wenigen Seiten beschreiben. Für mich aber war der Fluss der Zeit eines der interessantesten Dinge im DLCS.

  Kapitel 7: Creatures of Ansalon

Ein nettes kleines Kapitel. Es ist tatsächlich klein. Gerade mal elf „Monster“ werden beschrieben. Reicht aber auch, da es 1. ja noch ein DL-Bestiary geben wird und 2. diese elf ausführlich beschrieben sind. Hier werden auch endlich alle fünf Drakonier beschrieben. Allerdings nur als Monster – nicht als Charaktere.

  Kapitel 8: Dragons of Krynn

Das für mich schwächste Kapitel. Alle zehn Drachenarten werden beschrieben. Allerdings nur ihre Charaktereigenschaften, da sie sich spieltechnisch nicht von den Drachen im Monster Manual unterscheiden. Ist zwar nicht notwendig, aber etwas schade. Danach folgen detaillierte Regeln zum Luftkampf. Sehr detaillierte. Verschiedene Luftmanöver werden beschrieben oder wie Drachenreiter den Flug beeinflussen. Wer das DL-Brettspiel kennt, wird unweigerlich daran erinnert. Da Drachenkämpfe in DL ja nicht ganz unwesentlich sind, werden Luftkämpfe um einiges taktischer – und spannender.

Was noch folgt ist eine kurze Einführung der (Achtung Spoiler!!!) Dragon-Overlords. Besonderes Bonbon: Die spieltechnischen Werte von Beryl!

  Kapitel 9: Other Eras of Play

Sehr notwendig! Da sich das DLCS im Allgemeinen auf die Zeit nach dem War of Souls bezieht, wird hier beschrieben, was spieltechnisch vorher (d. h. im War of the Lance und im Early Age of Mortals) anders war. Außerdem wird ein kurzer historischer Abriss gegeben. Sehr gutes Kapitel, da hier endlich Paladin und Thakisis beschrieben werden und vor allem auch, weil sich einige Charakterklassen in den verschiedenen Zeitaltern teilweise dramatisch verändern bzw. gar nicht existieren.

... und der Rest:

Nebenher werden in allen Kapiteln immer wieder sehr interessante Hintergrundinformationen gegeben. Genau wie einige spezielle Regen sind sie in grünen Extra-Kästen zu finden – wie z. B. die Regeln für Flüche, die von Sterbenden verhängt werden. Man denke an den Turm der Erzmagier von Palanthas – „Herr über Vergangenheit und Gegenwart“.

  Fazit:

Das DLCS ist ein tolles Werk geworden! Es ist sehr umfassend und greift eigentlich alles auf, was notwendig und wissenswert ist. Gut geschrieben ist es auch noch. Mit diesem Buch als Grundregelwerk hat man alles, was man braucht. Zwar fehlen noch einige Dinge (z. B. Kenderwaffen!), aber schließlich werden noch diverse Zusatzbücher folgen.

Wäre da nicht die Mogelpackung mit dem extrem breiten Seitenrand, könnte ich die teilweise absichtlich offen gelassenen Lücken noch besser akzeptieren. Nichtsdestotrotz eine glatte 1- bis 2+ von mir! Mögen die Zusatzbücher ihr übriges tun!

Bevor Ihr Euch das DLCS allerdings zulegt, solltet Ihr Euch im Klaren darüber sein, dass darin viele, viele Spoiler stehen. U. a. wird der komplette „War of Souls“ beschrieben und sämtliche (?) Geheimnisse vorweggenommen. Also: Achtung, Spoilergefahr!!!


  Zum Schluss noch folgendes:

Das DLCS ist das erste DL-Rollenspielbuch, das ich gelesen habe. Ich kann also keine Vergleiche zu früheren Werken ziehen oder beurteilen, was weggelassen oder hinzugefügt wurde.

© Drachenlanze.de / Rezension: © Kendro