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Hervorgegangen aus der Vergewaltigung einer adligen Elfin durch einen menschlichen Banditen, verfügte Tanis zwar
über die Stärken beider Rassen, aber gerade diese Herkunft bestimmte seinen ganzen Lebensweg, der sich von Beginn
an schwierig gestaltete. In Folge des Todes seiner Mutter, direkt nach seiner Geburt, wurde er im Hause seines Onkels der
Stimme der Sonne, dem Herrscher der Qualinesti, aufgenommen und genoß die selbe Erziehung, wie dessen Kinder
Laurana, Gilthanas und Porthios. Allerdings wurde er, ob bewußt oder unbewußt, immer daran erinnert, wer oder
was er war, und das führte dazu, daß er schon in früher Jugend eine Außenseiterposition einnahm.
Erschwert wurde alles noch durch die `Kinderliebe´ zwischen ihm und der Elfenprinzessin Laurana. Die Situation
wurde immer unerträglicher für ihn, so daß er Qualinesti verließ und nach Solace gelangte, wo er
Flint Feuerschmied, der schon oft bei den Qualinesti-Elfen zu Gast gewesen war, traf. Tanis versuchte von nun an, Solace als Heimat
zu betrachten, und lernte daraufhin die hier lebenden späteren Gefährten der Lanze, die teilweise noch in den
Kinderschuhen steckten, kennen. Darunter auch Kitiara, in die er sich verliebte, die sich aber entgegen seiner Hoffnungen der
dunklen Seite unter ihrer finsteren Majestät anschloß und mit seiner Liebe fortwährend spielte und sich
seine Gefühle zu nutze machte. Tanis wurde von allen Gefährten stillschweigend als Führer akzeptiert, auch
wenn das von der Umwelt nicht verstanden wurde. So fragten sich beispielsweise die Ritter von Solamnia wie Sturm Feuerklinge einem
Halb-Elfen-Bastard folgen kann. Doch gerade diese Frage sollte im Laufe der Geschichte beantwortet werden. Nach dem Krieg der
Lanze heirateten Tanis und die erwachsengewordene Laurana, auch als Goldener General bekannt. Ihre Liebe wurde immer inniger,
obwohl Tanis auch nach der Hochzeit an Kitiara denken mußte, was die selbe durch berechnende und vordergründig
liebevoll erscheinende Gesten sichergestellt hatte, um die Verbindung zwischen Tanis und Laurana zu vergiften. Kitiara und Laurana
verkörperten somit beide Seiten in Tanis, Dunkel und Licht, wobei er oft hin- und hergerissen zwischen beidem, letzten
Endes das Licht wählte. Aber Tanis wußte um seine Schwächen und hatte gelernt, mit dem Herz zu entscheiden, und
genau das hatte aus ihm den Führer gemacht, den andere bereitwillig anerkannten und bewunderten, auch wenn es ihm selbst
ungewöhnlich erschien und zu weilen wie eine Last vorkam. Tanis lernte nie vollkommen diese Last zu tragen, denn da
wurden dem, der Prunk verabscheute, Ehrentitel und Prunkgewänder zugesprochen. Und er, der von Menschen und Elfen
ausgegrenzt wurde, wurde zum Botschafter zwischen den Rassen. Auch wenn er an sich selber zweifelte, wußten doch seine
Freunde, daß sie sich auf ihn verlassen können. Tanis vereinte in sich viele Eigenschaften, gute genauso wie
negative, die fast das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse auf Krynn in Miniaturform darstellen könnten. Tanis
verhielt sich teilweise ritterlicher als die echten Ritter von Solamnia, denn er folgte nur einem Kodex, dem seines
Herzens. Als er später Vater wurde und sein Sohn
Gilthas ähnliches durchmachte wie er in seiner Jugend, fühlte
er sich schmerzlich erinnert. Denn auch in ihm hatten menschliches und
elfisches Blut in ständigem Kampf gebrodelt. Tanis begleitete mehr
als zwanzig Jahre nach dem Krieg den jungen Stahl Uth Matar Feuerklinge,
gemeinsam mit Caramon, zum Grab von Sturm Feuerklinge. Das brachte ihm
einigen Ärger ein, denn immerhin war Stahl ein Ritter der Takhisis.
Aber Tanis wollte dem jungen Ritter helfen seinen Weg zu finden, und verteidigte
dabei auch das Leben von Stahl. Tanis wußte nun genau, daß
es einen dunklen Ritterorden, ähnlich dem der Ritter von Solamnia,
gab und das davon eine große Gefahr ausging. Doch er wurde nicht
allzu ernst genommen, denn man vertraute immer noch darauf, daß das
Böse sich gegen sich selbst richtet. Als die dunklen Paladine den
Turm des Oberklerikers stürmten, kämpfte Tanis tapfer. Als er
Stahl half, wurde er hinterrücks getötet. Er gab sein Leben für
Stahl, denn er wurde von dem Speer durchbohrt, der für Sturms Sohn
bestimmt gewesen war. Stahl beobachtete das Geschehen fassungslos und sah
wenig später die Gestalt seines Vaters, die den Körper des Halbelfen
in die Arme nahm und davon trug. Tanis war nun mit Flint und Sturm auf
einer anderen Existenzebene vereint. Als sich die Toten von Tolpan und
Palin, die im Abgrund weilten, verabschiedeten, war der Halb-Elf nicht
verbittert. Er hatte ein erfülltes Leben hinter sich, würde aber
seine innig geliebte Frau und seinen Sohn vermissen.
Zitat
"Flint blinzelte in die untergehende Sonne. Er glaubte, die Gestalt
eines Mannes den Pfad heraufschreiten zu sehen. Er erhob sich und zog sich
in den Schatten einer hohen Kiefer zurück, um besser sehen zu können.
Der Gang des Mannes war von einer schwerelosen Anmut gekennzeichnet – einer
elfischen Anmut, hätte Flint gesagt; jedoch der Körper des Mannes
hatte die Schwere und angespannten Muskeln eines Menschen, und das Barthaar
war entschieden menschlich. Alles, was der Zwerg vom Gesicht des Mannes
unter der grünen Kapuze erkennen konnte, waren gebräunte Haut
und ein braunrötlicher Bart. Ein Langbogen baumelte über eine
Schulter, und an seiner linken Hüfte hing ein Schwert. Er war in weiches
Leder gekleidet, sorgfältig verziert mit den ausgeklügelten Mustern,
die die Elfen so lieben. Jedoch konnte kein Elf auf Krynn einen Bart haben...
kein Elf außer... „Tanis?“ fragte Flint zögernd, als der Mann näher kam. „Richtig.“
Im bärtigen Gesicht des Fremden zeigte sich ein breites Grinsen. Er
öffnete die Arme, und bevor der Zwerg ihn aufhalten konnte, umschlang
er Flint in einer Umarmung, die ihn vom Boden hob."
- Drachenzwielicht -
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