|
Gilthas war das lang ersehnte Wunschkind von Laurana und Tanis. Er war
ein schwaches, kränkliches Kind, das dem Tod oft nah gewesen war.
Auch als er älter wurde, behandelten ihn seine Eltern wie ein kleines
Kind und faßten ihn mit Samthandschuhen an. Waren sie auf Reisen,
so blieb er in der Obhut der Haushälterin zurück. Er hatte keine
Spielgefährten, den zum einen ließ das seine Krankheit, nach
Meinung seiner Eltern, nicht zu und zum anderen wohnte die Familie sehr
abgelegen. Im Alter von sechzehn begann Gilthas, der nach Lauranas Bruder
Gilthanas benannt war, immer mehr zu rebellieren. Er war kein stilles und
folgsames Elfenkind, denn zu einem Viertel war er Mensch und durchlebte
die selbe Unruhe, die auch seinem Vater schon das Leben schwer gemacht
hatte. Seine Eltern liebten ihn, doch hielten sie ihn in einem goldenen
Käfig gefangen. Tanis reagierte oft ungehalten, wenn sein Sohn sich
ungebührlich benahm, redete mit ihm aber nie wie mit einem Erwachsenen.
Als Gilthas von dem verräterischen Elfensenator Rashas eine Einladung
zu einer angeblichen Feier erhielt, redeten seine Eltern wieder über
seinen Kopf hinweg. In der Nacht stahl er sich aus dem Haus, um auf eigene
Faust loszuziehen. Er traf auch Rashas, einen in den Vorurteilen erstarrten
Elfen, der ihn mit einem Greif nach Qualinost brachte. Einige starrköpfige
Vertreter der Qualinesti – und Sivanesti – Elfen wollten Gilthas als Oberhaupt
einsetzen, weil sie ihn, wegen des menschlichen Anteils, für leichter
lenkbar und dumm hielten. Sie hatten ihre rechtmäßigen Herrscher
Porthios und Alhana gefangengenommen, um zu verhindern, daß das Bündnis
zwischen Zwergen, Elfen und Menschen unterzeichnet werden würde. In
Rashas Haus erkannte Gilthas seine wahre Lage und beriet sich mit Alhana
Sternenwind, die den zukünftigen Erben beider Reiche unter dem Herzen
trug. Beide wollten fliehen, bevor Gilthas zur Stimme der Sonne und der
Sterne gekrönt werden würde. Aber Rashas ertappte sie und Gilthas
mußte an der Zeremonie teilnehmen. Auch als sein Vater und Dalamar
ihn retten wollten, konnte er nichts tun, denn Alhanas Leben wurde bedroht.
Gilthas hatte mittlerweile erkannt, daß seine Eltern ihn nur schützen
wollten und Tanis tat es Leid, daß er seinen Sohn so erzogen hatte,
wie er es nie wollte und das er ihm nie von der eigenen Kindheit in Qualinost
erzählt hatte. Gilthas hatte nicht einmal gewußt, daß
seine Eltern als Helden verehrt wurden, bis ihm Alhana davon erzählte.
Tanis und seinem Sohn wurde es gewährt, sich außerhalb von Qualinestis
Grenzen zu verabschieden. Tanis sollte seine alte Heimat nie wieder betreten
dürfen. Gilthas war das Oberhaupt der Elfen und auch wenn man ihn
für lenkbar hielt, so unterschätzte man ihn doch. Er ermöglichte
Lauranas Einreise in das Land ihrer Väter und machte dem Thalas –
Enthia, dem Elfenrat, auch sonst das Leben schwer. Der junge Elf war erwachsen
geworden und hatte eine schwere Bürde auf seine Schultern genommen.
Tanis und Laurana waren sehr stolz auf ihren Sohn. Welches weitere Schicksal
Gilthas zu teil wurde, ist nicht bekannt.
Zitat
"„Vater“, sagte Gil ernsthaft, „ich mach mir nichts vor. Ich weiß,
ich kann bestimmt nicht viel ändern. Ich weiß, Rashas wird mich
für seine eigenen dunklen Ziele benutzen wollen, und im Augenblick
weiß ich nicht, wie ich ihn aufhalten soll. Aber weißt du noch,
was Onkel Tolpan bei der Geschichte gesagt hat, wo er den Gossenzwerg vor
dem roten Drachen gerettet hat? ‚Es sind die kleinen Dinge, die den Unterschied
machen.‘ Wenn es mir gelingt, in den kleinen Dingen gegen Rashas zu arbeiten,
Vater...“ Wir ziehen unsere Kinder groß, damit sie uns verlassen.
Ohne es zu wissen, hatte Tanis das getan. Jetzt sah er es, sah es in dem
Gesicht des Jungen – nein, des Mannes –, der vor ihm stand."
- Die neue Generation -
|