Lyrik-Archiv • In der Dunkelheit - Die Rückkehr
In der Dunkelheit - Die Rückkehr
von Murmel Beutelleer, dem furchtlosen Kender

Langsam vergingen also die Tage,
Als zu Ende das Gelage;
So verabschiedeten wir uns von den Zwergen
Und machten uns auf den Rückweg,
Raus aus den Bergen.

Aus der Dunkelheit wieder ins Licht.
Ahh! Die frische Luft, die klare Sicht,
Mit dem Sing-Sang der Natur
Setzten wir uns zur Ruh' -
Ins grüne Gras, es war etwas naß.
Der Himmel färbte sich langsam rot.
Es wurde viel gelacht
In dieser Nacht,
Über die Drow und den Golem, denn die waren tot.
Held zu sein, das ist ein schönes Gefühl.
Wir öffneten ein Faß, mitgebracht von den Zwergen,
Eine Stunde verging und dann war es da,
Gar nicht wunderbar,
Dieses Gewühl im Magen;
Gefährlich, sich an das Zeug zu wagen.
Doch bald stand Gileas, der Barde auf,
Er wollte was sagen:
"Freunde, ich will euch noch einmal danken,
Dafür, daß ihr mir mein Leben gerettet habt.
Ich danke dir Ancoron und Mederik,
Daß ihr euer Bestes tat;
Und auch dir Murmel,
Für die lustigen Stunden in Gefangenschaft.
Und besonders danke ich in dieser Nacht
Auch Jeff,
Von dem wir uns verabschiedeten,
Denn er mußte bereits nach Rashemen."

Gileas setzte sich hin und holte tief Luft,
Sog wie wir ein den würzigen Duft
Des über'm Feuer brutzelnden Braten -
Er wollte noch was sagen -
Das hatten wir geraten.
So saßen wir da und warteten gespannt.
Er schloß die Augen, öffnete sie wieder
Und gab dann bekannt:
"Freunde, ich werde ab heute
Mit Murmel und euch durch die Welt ziehen.
In jeder Taverne mische ich mich unter die Leute
Und werde eine Geschichte vortragen, eine Ballade,
Die ich mir in den letzten Tagen ausgedacht habe.
Es ist eure Geschichte, die Geschichte von vier Helden,
Die einen Halbelf und dreißig Zwerge
Aus der Dunkelelfen bösen Hände
Aus einem Gefängnis aus felsigen Wänden
Befreiten -
Aus den unendlich dunklen Weiten
Der unterirdischen Gewölbe,
Wo nichts wächst weit und breit,
In dieser finsteren Dunkelheit."

Gileas machte eine Pause,
Wir sahen ihn an -
Wir waren ganz leise,
Dann fing er an:
"Wenn Blumen blühen, wenn Vögel zwitschern,
Wenn Schlangen über'n Boden glitschern..."
Er erzählte uns die Geschichte, Wort für Wort,
An dem sonnigen, hübschen Plätzchen dort,
Wo wir saßen und den Braten aßen,
War völlige Stille und wirkliche Ruh',
Denn auch die Natur, Pflanzen und Tiere hörten zu.
"Und schon bald -
Fielen wir
In Dunkelheit."
Gileas schwieg, das war die Geschicht'.
Ich selbst strahlte über's ganze Gesicht.
Es war, als fülle sich der Ort mit Licht.
Die Augen wurden groß und rund,
Jedem öffnete sich der Mund.
Die Ballade war wie verzaubernde Magie.
Ich wußte, die vergeß ich nie.
Plötzlich hörten wir eine piepsende Maus,
Heulende Wölfe, zwitschernde Vögel,
Raschelnde Blätter,
Die Natur gab Applaus;
Wir stimmten mit ein,
Gileas hatte es verdient.
Seine Ballade, sie war ein Meisterwerk.
Und selbst der Mond schien hell
Und beschenkte den Halbelf mit einem silbernen Strahl.
Dieser Moment war wie ein Wunder, voller Magie -
Nie werden wir ihn vergessen.
Dann gab es was zu essen,
unser Mahl -
Schmeckte sehr gut,
Wir wurden langsam müde, nahmen noch 'nen Schluck
Und legten uns nieder, der Braten ruht
In unseren Mägen,
Dann fingen wir an zu sägen.

Am nächsten Morgen wachten wir wieder auf.
Es war eine gute Nacht,
Es dauerte sehr lange,
Dann waren wir wach,
Haben noch über dies und das gelacht.
Gründlich machten wir uns Gedanken:
"Wohin wollen wir geh'n?"
"Zurück in das Unterreich", sagte Mederik.
"Was? Bist du verrückt?"
"Nein, ich wollte mich nur vergewissern...", sagte er.
"Was?" fragten wir.
"Nun, da war noch ein Gang, ein Fluß,
Vielleicht finden wir noch mehr, Schätze,
Meine ich."
Das waren seine Sätze.
Wir dachten darüber nach...
Wieso eigentlich nicht?
Wir wollten sowieso auf Abenteuer gehen,
Tavernen können wir ein anderes Mal sehen.
"Aber", warf Gileas ein,
"Da könnten noch böse Monster sein,
Gefährliche Dunkelelfen, oder mehr Golems,
Wenn wir in Gefahr sind,
Wer wird uns dann helfen?"
Es wurde kalt, es brauste auf der Wind.
"Uns wird schon nicht passieren", meinte Ancoron geschwind
Und schwang sein Schwert.
Mederik nickte: "Vielleicht finden wir was von Wert.
Stell' dir vor, Gileas, ein magischer Gegenstand.
Vielleicht eine Zauberflöte, dann wärst du schnell bekannt."
"Oder auch gute Waffen", hoffte der Elf,
"Dann hätten unsere Feinde wenig zu Lachen."
"Und außerdem, was das wichtigste ist,
Da du ja ein Barde bist:
Du bekämest eine zweite Geschicht':
Wie wäre es mit: In der Dunkelheit - Die Rückkehr?"
Ja, doch, das gefiel Gileas sehr.
So dauerte es nicht lange
Und wir brachen auf,
Das Abenteuer vor Augen,
Alles nötige im Gepäck.
Wir unterhielten uns mit Geschichten
Und sangen viele Lieder,
Denn wir hatten Zeit -
Und schon bald
Erreichten wir den Eingang
In die Dunkelheit.

Gileas -
Drehte sich noch um und flüsterte:
"Welt, mit Geschichten komme ich wieder
Und werde dir singen neue Lieder."

Mit Mut gingen wir durch die dunklen Gänge,
Trotz der Fackeln, die wir hatten, waren die Fänge
Der Finsternis, ein höchst gefährlicher Feind,
Denn er war überall, hatte uns umzingelt.
Wie sehnten wir uns nur nach der lichtgefüllten Welt.
Ich wollte meine Freunde aufmuntern und flötete ein Lied,
Doch gegen die Finsternis kam es nicht an,
Noch schlimmer, es hörte sich an, wie eine Todesmelodie.
So gingen wir schweigend unseres Weges
Und erreichten auch bald das Ufer des Sees.
Wir nahmen das Kanu, das unsichtbar war,
Stiegen ein und fuhren los vom Steg;
Durch einen dunklen Gang, den Fluß entlang.
Er war der letzte, noch unerforschte Weg,
Und dies zurecht,
Denn er war so finster und dunkel -
Wie der Tod in Person.
Das Wasser war schwarz mit einem Hauch von rot,
Von den Abenteurern vor uns, sie waren alle tot.
Kahl waren die Wände und sie waren spitz,
Mit äußerster Vorsicht mußten wir fahren,
Denn sonst würde das Kanu an den Wänden zerschellen,
Da das Wasser dunkel und tückisch war.
Oft schaukelte das Boot sehr bedrohlich,
Und jeder von uns mußte sich
Verdammt gut festhalten,
Denn schon die Berührung
Mit dem kalten, schwarzen Wasser
Jagte meinen Freunden,
Einen Schauer über'n Rücken.
Selbst ein Blick in die Brühe war ihnen unmöglich,
Denn die schwarzen Wesen darin,
Wie ich sah,
Dunkle Schatten, mit Mäulern und Tentakeln,
Größer als ein Kender, ein Elf oder ein Mensch!
Wir konnten nur warten
Bis diese Folter von Reise endlich vorüber war.

In geisterhafter Stille fuhren wir,
Und spürten -
des Flusses Gier
Nach Blut,
Es nahm uns den Mut,
Außer mir.

Nach vielen Stunden,
Oder waren es Tage?
Trafen wir auf ein Hindernis,
Wir waren in einer schlechten Lage,
Denn es war ein riesiges Netz.
"Kein Problem", meinte Mederik
Und stand wackelig auf,
Dann beschwörte er kurzerhand 'ne Feuerkugel herauf.
Lodernd schoß sie genau auf das Ziel zu,
Traf auf das Netz -
Und verpuffte im Nu.
"Uh?!" -
Da waren wir aber erstaunt,
Konnte das sein? Was für ein seltsamer Ort?
Der Fluß, der Gang, in dem wir waren,
War wohl verzaubert, mit mächtiger und böser Magie,
Da fragte sich Mederik natürlich: "Wie?
Soll ich da noch meine Zauber wirken." -
Wir konnten nur noch unsere Köpfe schütteln,
Und mußten noch schnell an Mederik rütteln,
Denn er war tief in Gedanken versunken,
Dachte wohl nach über des Zaubers Versagen.
Dann hob er den Kopf und murmelte:
"Wir müssen es wagen, und das Netz per Hand abfackeln."
Er griff in seine Tasche und kam plötzlich ins wackeln,
Schnell noch konnte ich ihn packen.
Er suchte und suchte, "Wo ist mein Feuerstein?"
"Murmel!" er blickte mich finster an
Und streckte vor die geöffnete Hand.
Ich sah darauf, zuckte mit den Schultern, da ich nichts verstand.
Wollte er was von mir? Ich wußte es nicht.
Wie auch immer, ich nahm mir eine Fackel,
Suchte in meinen Beuteln und fand auch gleich,
Einen Feuerstein, und noch einen, und dann noch zwei.
Vier Feuersteine auf einmal, das geht doch nicht!
Da ich aber ein guter Kender bin, dachte ich mir,
"Gib Mederik doch einen, dann hast du immer noch drei."
Ich streckte die Hand mit einem Feuerstein aus:
"Hier Mederik, ein Geschenk! Von mir für dich..."
Ich setzte ein ganz liebes Lächeln auf,
Doch es nutzte mir nichts,
"Äh! Mederik, nein! Bitte nicht, was...?!"
Platsch!! Ich landete im Wasser und wurde naß.
Egal, dachte ich mir, so sehe ich vielleicht eins
Von den gräßlichen Tentakelmonstern -
Doch wie schade, es kam leider keins.
Mit Gileas Hilfe kletterte ich wieder ins Boot.
Und hielt mich erstmal von Mederik fort.
Er hatte offensichtlich von mir genug,
Denn er blieb am Heck und ich am Bug.
Die brennende Fackel nahm Ancoron in die Hand,
Führte sie vorsichtig an des Netzes Rand,
Eine Minute später, war nur noch Wasser und Wand.
Das erste Problem, das war geschafft.
Ancaron und Gileas ruderten, so fuhren wir.
Ich zählte meine Feuersteine,
"Huch!" -
Es waren wieder vier.
"Hmm...wirklich mächtige Magie", dacht' ich mir.

Wir fuhren eine lange Zeit,
Der Tunnel war unendlich weit.
Worauf nur hatten wir uns eingelassen,
Ich fing an das Unterreich zu hassen.
Denn es war stinkenlangweilig,
Rums! machte es plötzlich
Das Boot schüttelte sich,
Wankte bedrohlich zu beiden Seiten,
Während wir es wieder ausbalancierten,
Schauten wir in die dunklen Weiten.
Es war dunkel, finster, wir konnten nichts sehen.
Was war passiert? Was war geschehen?
Wir versuchten zu rudern,
Doch wir kamen nicht weiter,
Denn verdammt,
Vor uns war eine unsichtbare Wand.

Doch nicht nur das, da war noch mehr,
Ein unheimliches Gefühl kam über uns,
Die Luft, sie füllte sich plötzlich mit Dunst,
Des schwarzen Wassers, des Symbols für Tod,
Für Finsternis, Fäulnis und Verderben,
Der ewigen Nacht, wir mußten sterben.
Ein Rauschen, ein Platschen,
Geräusche, die verrückt machen.
Das Wasser fing geradezu an zu brodeln.
Hoch und höher erhoben sich die Wogen.
Wir mußten uns an den Bootsrand krallen,
Ich sah eins meiner Feuersteine fallen,
Ins Wasser, die Schwärze, die todgefüllte Leere.
Die Wogen, die Wellen, wie auf dem Meere.
Ein Platschen, der Feuerstein fiel ins Wasser,
Und verschwand in einem riesigen Maul,
Tentakel schlängelten sich um die Stelle,
Verursachten Welle über Welle.
Hin und her, hin und her,
Das Kanu schaukelte viel zu sehr.
Ancaron und Gileas benutzten ihre Schwerter,
Mederik sprach Worte der Magie,
Da schlugen ins Wasser in die Tentakel und Mäuler
Stahl über Stahl und magische Geschosse,
Kräfte, die hätten erschlagen jedes Rosse,
Tentakel schlugen, Mäuler spuckten,
Monster heftig am Boote ruckten.
Fangarme mußte ich vom Bootsrand schneiden,
Sie wollten sich an meinem Blute weiden.
Doch wir kämpften, mit Mut und eisernem Willen,
Langsam fingen die Monster an zu meiden,
Bald schon konnten wir sie vertreiben,
Das letzte Maul, es herrschte blutige und tote Stille.

Nun war das Wasser ruhig, bewegte sich nicht,
Spiegelte nur unser Fackellicht.
Wir dachten nach, was sollen wir tun?
Am besten umkehren, sonst werden wir verlieren
Unser aller Leben,
Wertvoller, als einen Schatz zu heben.
Doch zurück war es ein weiter Weg,
Zu viele Tage bis zum Steg.
Vielleicht waren wir zu mutig,
Oder das Wasser zu ruhig,
Doch entschieden wir uns für den Weg nach vorn.
Denn schließlich sind wir Abenteurer,
Kühn und bereit,
Zu fahren hunderte von Meilen weit.
Also suchten wir uns einen Weg durch die Wand,
Oder - vielleicht - daran vorbei?
Wir starrten ins Wasser, hört die Wand wohl da auf?
Wir tasteten und suchten, und fanden dann
Ein Ende, ein Durchgang, und schon fingen wir an
Zu planen, zu denken, wie sollen wir das machen?
Dann nahmen wir uns die ganzen Sachen,
Schauten ins Wasser - kein Monster weit und breit,
Holten tief Luft und tauchten ein,
Mit dem Kanu in nasse
Dunkelheit.

Ich konnte nicht schwimmen, so hielt ich mich fest
Am Kanu und wurde gezogen, von starken Schwimmern,
Das Wasser war finster nicht einmal ein Flimmern,
Kälte floß durch unser aller Körper,
Wir hofften, daß sie nicht kamen,
Die schwimmenden Mörder.
Erst ein, dann zwei
Bei drei Metern erreichten wir das Ende
Der Wand,
Wir umklammerten den Rand.
Die Luft wurde knapp,
Schnell mußten wir schwimmen
Und sobald wie möglich die andere Seite finden.
Wir kämpften uns durch die flüssige Finsternis,
Kämpften uns Stückchen für Stückchen vor
Und pressten zusammen unser Gebiss.
Mühsam schleppten wir uns durch die Brühe.
Da spürten wir ein Prickeln,
Ein Schauer lief uns über den Rücken.
Wir wußten,
Das Böse kommt näher,
So gaben wir uns noch mehr Mühe.
Die Luft war verbraucht,
Doch da fand ich den Rand
Und spürte gleichzeitig etwas glitschiges an der Hand.
Da waren sie wieder,
Die Schatten des Flußes,
Tentakelmonster mit riesigen Mäulern.
Sie waren zu viele, umkreisten uns.
Das ganze schwarze Wasser, mit Tentakeln übersät.
Ohne Luft versuchten wir, so schnell es geht
An die Oberfläche zu kommen,
Doch es war zu spät.
Tentakel umschlangen, Mäuler bissen
Uns wurden sämtliche Kleider zerissen.
Es war eindeutig, der Schatten Begehren
Er war unser Blut,
Wir konnten uns nicht wehren.
Verzweifelt versuchte ich mich herauszuwinden
Mußte so schnell wie möglich nach oben schwimmen.
Nein! Diesen Kampf konnten wir nicht gewinnen.
Sekunden wurden zu Minuten und diese zu Stunden
Unsere Körper waren voller Wunden.
Das Blut floß, unser Blut, und färbte das Wasser -
Die Schwärze - rot.

Wir wußten es nicht,
Doch wir waren schon tot.

Mit Müh und Not
Konnte ich die Oberfläche erreichen,
Mußte unzähligen gefräßigen Mäulern weichen.
Ich tauchte auf, und spürte Holz,
Das Kanu! schnell kippte ich es um.
Die Schatten bissen und schwammen um mich rum.
Ich nahm die letzte Kraft, die mir noch blieb
Und schwang mich über des Bootes Rand,
Gerade als ein Tentakel nach meinem Kopfe hieb.
Vorsichtig schaute ich hoch,
Beobachtete die Szene:
Das Wasser schwappte, blubberte,
Blasen stiegen hoch.
Verdammt!! wo bleiben die anderen bloß?
"Wartet, ich komme!!"
Wollte schon los,
Da sprang ein schmerzzerissender Ancaron,
Hoch aus dem Wasser,
Den blutenden Dolch fest in der Hand,
Mederik an der Robe,
Auch er war da.
Doch wo ist Gileas?! Oh Nein!! Mein Freund!!!
Los! Tauch endlich wieder auf!!.
Ancaron war bereits wieder im Boot
Und hatte Mederik and der Hand.
Er zog und zog,
Doch es nutzte nichts,
Die Tentakelmonster umschlangen Beine,
Es waren Mederiks seine.
Ich selbst konnte nicht mehr warten.
Meine Wunden waren nicht zu zählen,
Doch ich konnte auch nicht anders wählen.
Ich nahm mein Messer,
Klemmte es zwischen die Zähne,
Bekämpfte den Schmerz,
Er durfte nicht sein,
Ich muß nochmal da runter,
Auch wenn es mich mein Leben kostet.
"Gileas ich komme!!!
Ich werde dich retten
Und euch schleimige Tentakelmonster,
Darauf könnt ihr wetten,
Daß ich euch töte."
Die Wut, die Verzweiflung - trieb mir die Röte,
Ins Gesicht - ich hab' keine Angst -
Ich traue mich -
Und sprang,
Und das sehr weit,
In böse, tiefe Dunkelheit.
Ins Ungewisse,
Mein Körper voller Risse
Von tausend von Bissen.
Das schwarze Wasser, noch einmal,
Spürte ich die kälteste Kälte,
Der unterirdischen Welten.
Ich tauchte ein,
Tauchte in den Tod,
Das Wasser nahm mich gierig auf,
Um mich herum Schatten zuhauf,
Vielleicht war mein Körper taub,
Denn ich spürte nicht den leisesten Schmerz
Oder die Monster waren weit.
Ja, wenn ein Kender zornig ist,
Fliehen selbst die bösesten Gestalten des Todes.
Ich konnte nichts sehen,
Da das Wasser schwarz-rot war.
Ich tauchte und schwamm, ruderte mit den Armen.
Da sah ich, eine Gestalt, wie ein Mensch,
War es Gileas? Sie bewegte sich nicht.
Licht, verdammt, ich brauche Licht.
Da fiel mir mein Stein ein,
Mein leuchtender Stein,
Ich zog ihn heraus,
Damit wird es klarer sein.
Und ja, es wurde klarer,
Vielleicht ein bißchen zu klar,
Denn ich sah,
Ein riesiges, wartendes Tentakelmonster
Ein riesiger Schatten ohne Licht,
Ich war dagegen ein kleiner Wicht,
Die Tentakel wanden und windeten sich.
Sie alle schossen vor und wollten nur eins
Mich!
Sie umschlangen meinen Körper,
Meine Arme, meine Beine,
Meine Hand, meine Finger,
Meinen Hals, meinen Bauch,
Und quetschten mir die Luft heraus.
Dann kam das Maul, es wollte auch,
Etwas von mir haben,
Und sich an mir laben.
Ich schrie auf, es war nur ein Gurgeln,
Ich schien hineingesogen in einen Strudel.
Tentakel waren überall,
Meine kleinen Hände wollten frei
Um die Fäuste zu ballen,
Um zu kämpfen, mich zu wehren,
Es durfte nicht sein.
Mein Messer war bereits verschwunden,
Drehte in den Tiefen des Todesflusses die Runden.
Argh! Und noch ein Biß
Und wieder eine Wunde.
Ich dachte an Gileas, meinen besten Freund,
Und mir fiel ein, ich musste ihn retten!
Das gab mir plötzlich überkendische Kraft,
Wild und mutig schlug ich zurück,
Fuchtelte wild durch den schwarzen Tod,
Das Wasser war jetzt fast nur rot.
Ich kämpfte wie ein Ritter, wie Lord Soth.
Ein alter Bekannter, den ich mal kannte,
Und wandte
Voller Stärke die Tentakelarme um.
"Est Solarus Oth Mithas" , fiel mir nur ein,
Und haute dem Monster wieder eine rein.
Ja genau, so mußte es sein.
Dann riß der Schatten wieder an meinem Bein.
Oh, bei Mishakal, was für eine Pein.
Ich sagte nein, nein, nein,
Das darf nicht sein.
Und schlug wieder zu! Krack! Fein
Das war jetzt sein Kochen
Und nicht mein.
Plötzlich sah ich,
Ich sah Gileas,
Nicht weit weg von mir,
"Warte, halt aus! Ich helfe dir!!"
Ich versuchte mich loszureißen,
Doch das Monster war wieder am Beissen.
Tentakel und Kenderarme fingen wieder wild an zu kämpfen.
Nichts konnte diese Schlacht auch nur dämpfen.
Chaos herrschte in der Dunkelheit,
Blut, von beiden Seiten, weit und breit.
Da plötzlich war 'ne Lücke,
Das war meine Chance,
Dem Biest zu entkommen,
Dann wär' ich zu Gileas geschwommen.
Ich zerrte noch den letzten Tentakel
Von meinem Hals,
Riß mich los und...
Da plötzlich...ich hatte es nicht gesehen
Schoß das riesige Maul wieder auf mich zu.
Verdammt noch mal! Laß mich endlich in Ruh'!!
Schnell wich ich aus, doch es war zu spät.
Einen Brocken wie mich, hatte es noch nie verschmät.
Verzweifelt schlug ich um mich,
Doch im Nu,
War das Maul über mir,
Und biß zu.
Es war ein solch' gewaltiger Biß,
Das um mich herum die Finsternis,
Wurde dunkler und dunkler, noch finsterer.
Ich weiß jetzt, das war nicht das Wasser,
Nein, das war ich.
Ich konnte nichts tun, hatte keine Kontrolle
Das Wasser strömte in meinen Körper ein,
Ich konnte einfach nicht mehr bewußt sein.
So fiel ich in tiefe Bewußtlosigkeit,
Tentakel und ein Maul machten sich über mir breit.
Der Weg zum Tod, er war nicht weit.
Ich war in todbringender Dunkelheit.

Die Dunkelheit
Sie war finster
Und doch auch nicht.
Irgendwie war da auch noch Licht.
Ich sah schattenhafte Gestalten,
Sie nahmen mir die Sicht.
Doch ich hatte keine Angst,
Sie berührten mich nicht.
Dann war da noch etwas
Eine Gestalt, kein Schatten,
Ich glaub sie war echt.
Doch es war immer noch zu dunkel
Ich wünschte mir Licht.
Da schwebte auch schon von rechts nach links
Mein leuchtender Stein.
"Hey!" rief ich, "was machst du da?
Du gehörst doch mir,
Komm in meine Hand!"
Er schwebte weiter,
Und verschwand.
Ich versuchte zu laufen,
Doch ich spürte keinen Boden
So kam ich nicht vorwärts.
Ich konnte nur sehen,
Wie die Gestalt mir zuwinkte.
Ich hob meine Hand,
Wollte zurückwinken,
Doch plötzlich merkte ich,
Daß sie mir etwas zurief:
"Hilfe...", erst unhörbar
"Hilfe", dann leise
"Hilfe!" jetzt war es ganz deutlich.
Ich erkannte die Stimme,
Es war Gileas, der Halb-Elf,
Er brauchte mich jetzt, sofort!
Ich wollte ihm helfen,
Er war von Schatten umrungen.
Bald schon, dachte ich mir
Hätte er sein letztes Liedchen gesungen.
Das darf nicht sein, rief ich aus,
Und wollte schnell zu ihm laufen
Doch irgendwas hielt mich fest.
Ich kam vielleicht 5 Schritte nur weit
Und blieb trotzdem stehen.
Die Schatten bei Gileas umkreisten ihn,
Umringten ihn, umtanzten ihn.
Ja, sie tanzten den Tanz des Todes,
Im Kreis herum, immer herum,
Und bildeten so einen einzigen Schatten,
Geformt wie ein Kreis, mit Spitzen nach innen.
Bei Reorx, ich erkannte es,
Es war ein riesiges Maul,
Groß, riesig, mächtiger als ein ganzer Drache!
Verdammt noch mal, was kann ich nur tun?
Tränen rannen aus meinen Augen
Und fielen in die Schwärze,
Die überall war,
Und ich sah, es war vorbei,
Ich konnte nichts tun, und doch wollte ich es,
Schloß meine Augen und betete:
"Oh Paladin, gütiger Gott des Guten,
Hilf mir, bitte, hilf Gileas und rette ihn.
Ich will ihn einfach nicht verlieren,
Die Welt, sie darf ihn nicht verlieren,
Nicht seine Geschichten, seine Lieder,
Seine Balladen, die verkünden von den Helden,
Die kommen, aus allen Welten." -
"Oh Branchala, Gott der Musik, der Geschichten und der Barden
Oh bitte, hilf ihm, er ist doch einer wie du.
Er ist gut, kann wunderschön Flöte spielen.
Ich kann es bezeugen, ich hab' es gehört.
Er ist noch zu jung, jünger als ich,
Branchala, bitte, ich brauche ihn doch,
Und die Welt braucht ihn noch viel viel mehr.
Eine Welt ohne Barden ist
Wie ein Bild ohne Farben." -
Bitte, bitte, immer nur bitte,
Mehr konnte ich einfach nicht sagen.
Doch es war nicht nötig,
Mein Herz sprach bereits alle Worte,
Die mein Mund nicht formen konnte.
Vorsichtig öffnete ich die Augen
Und - es war wie ein Dolchstoß.
Ein tödlicher noch dazu,
Sah ich,
Wie das Maul herunterschoß,
Die Fänge der Finsternis,
Die von Anfang an nur gewartet haben,
Sich mit solch einer Bösartigkeit,
Wie ich sie noch nie sah,
In Fleisch gruben,
Durch Kleider, durch Knochen
In Gileas, sein Körper, er wurde zerfetzt,
Erst ein Biß, dann noch einer,
Dann konnte ich nicht mehr zählen.
Der Anblick, er war entsetzlich,
Es war als bisse das Böse auch mich.
Gileas Körper, er wurde in Teile zerlegt,
Und dann, von hungrigen Schatten weggeschleppt.
In die schwärzeste aller Tiefen, die Dunkelheit,
Die Finsternis,
Das böse Maul, voller Hunger und Gier,
Manifest des Bösen, es hatte nicht genug,
Drehte sich um, und schwebte auf mich zu.
"Ja, los!! Komm doch! Ich erwarte dich schon.
Meine Rache wird fürchterlich sein,
Du ekelhaftes Maul von einem Schwein.
Du blutlüsterne untoter Vampir.
Ja, tot wirst du sein, wenn du mich auch nur berührst,
Ich werde dir alle deine Zähne ziehen
Und dann damit jonglieren.
Das Jonglieren des Todes, werde ich es dann nennen
Und ich werde deine mickrigen Schatten aus der Blutlust wecken,
Und in jeden von ihnen einen von deinen Beißerchen stecken.
Und zwar in den Arsch, ja das werde ich tun,
Du schwabbeliger Barsch.
Merke dir, mit Kendern ist nicht zu spaßen,
Besonders nicht mit mir,
Nicht mehr -
Den ich bin
Murmel Beutelleer.

Geduldig wartete ich ab,
Bis das Maul des Todes über mir war.
Wunderbar -
Genau so wollte ich es haben.
Soll es doch versuchen, sich an mir zu laben.
Das Maul öffnete, spannte die Muskeln,
Ich machte mich bereit, einen Zahn zu packen,
Da schoß es hernieder, schneller als ich dachte,
Gewand sprang ich zur Seite,
Doch ich hatte kein Glück,
Als das Schicksal die Beißer in meinen Körper führte,
Gleichzeitig ich einen Ruck an meinem Halse spürte.

"War es das wohl? waren meine letzten Gedanken,
Kann Dunkelheit von mir Besitz ergreifen,
Obwohl ich mich bereits in der Dunkelheit befand?
Ich wußte es nicht,
Eigentlich,
Kommt nicht nach der Dunkelheit Licht?"

Die Augen, meine Augen, öffneten sich.
Es war noch dunkel, aber nicht mehr finster,
Und irgendwo, ganz nah, war Licht.
Ich spürte etwas hartes,
Fels? fragte ich mich.
Ich bewegte meinen Körper,
Er schmerzte sehr,
Meine Wunden waren viel viel mehr.
Ich spürte kein Wasser, doch es war kalt.
Luft, merkte ich, und atmete tief ein.
Ich blickte nach rechts,
Da war der Fluß.
Lauernd, leise floß er dahin.
Ich blickte nach links, sah meine Hand,
Die fest umklammerte,
Meinen leuchtenden Stein.
Ich war am Leben, ich war gerettet,
Hatten die Götter des Guten
Meine Gebete erhört?
Ich sah mich um,
Wir waren in einer Nische,
Das Kanu war irgendwo festgemacht.
Ich sah Mederik, er schlief tief und fest,
Seine Robe, wie sein Körper,
Sie war zerfetzt,
Und an seinem Bein,
Klaffte eine tiefe Wunde.
Ancaron saß daneben und hielt Wache,
Mit Mühe und Not hielt er sich wach,
Doch es mußte sein,
An diesem gefährlichen Ort,
Wobei, noch einen Kampf würden wir nicht überstehen.
Meine Augen huschten nach links und rechts,
Sie suchten etwas, noch einen Körper!
Einen schlafenden, mit spitzen Ohren,
Der sicherlich zerissene Kleider trug!
Und fast schon gebadet war in Blut!

Meine Augen suchten,
Doch sie fanden nicht.

Ich konnt' es nicht glauben,
Es durfte nicht sein,
Gileas, mein Freund, mein halbelfischer Freund.
Wo bist du? Wo bist du?
Ich blickte zu Ancaron,
Doch wußte ich die Antwort.
Meine Augen füllten sich mit Tränen,
Konnten nicht mehr sehen,
Wie Ancaron seinen Kopf schüttelte.
Ich packte mich selbst und rüttelte,
So fest ich konnte,
Ich mußte aufwachen, hoffentlich,
Bitte, es mußte ein Traum...
Doch er war es nicht,
Das wußte ich, und wischte die Tränen
Aus meinen Augen
Doch es kamen immer mehr.
Vorsichtig kroch ich
Bis an das Ufer.
Sah zurück, dort
Wo wir herkamen.
Ich sah einen Tunnel,
Durch den floß ein Fluß,
Der Fluß der Schatten,
Der Fluß des Todes,
Der Finsternis und des Verderbens.
Ich schloß die Augen,
Konnte sie nicht ertragen,
Die Erinnerungen, sie waren schrecklich,
"Ich will nicht mehr!"
Murmelte ich und hörte...
Eine Stimme...eine Stimme?
Ich öffnete die Augen,
Sah nur den Fluß...
War da noch mehr?
Dann hörte ich die Stimme
Durch die Dunkelheit hallen,
Es war seine,
Ich weiß,
Ich erkannte sie,
Sie sprach -
Zu mir:

"Murmel, mit Geschichten komme ich wieder
Und werde dir singen neue Lieder."

Die Tränen versiegten, wollten nicht mehr,
Die Erklärung ist einfach, ich hatte keine mehr.
Ich spürte noch einmal,
Die Erinnerung an das Böse.
Eine Wunde an der Seite,
Sie schmerzte sehr.
Doch die Gedanken an die letzten Worte,
Von Gileas Sternenklang, dem halbelfischen Barden,
Meinem allerbesten Freund,
Ließen die Schmerzen verklingen,
Ihm zu ehren fing ich an zu singen,
Und zwar dieses Lied, daß ihr jetzt hört.
"Ja, Gileas", antwortete ich ihm, "ich werde auf dich warten."
Kurz nachdem ich das sagte,
War es so weit,
Ich fiel in einen Schlaf der Genesung,
In Dunkelheit.

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