Lyrik-Archiv • In der Dunkelheit
In der Dunkelheit oder
"Als ich von Dunkelelfen versklavt worden war..."
von Gileas Sternenklang, dem halbelfischen Barden.

Wenn Blumen blühen, wenn Vögel zwitschern,
Wenn Schlangen über'n Boden glitschern,
Dann pack' ich meine sieben Sachen
Und mach mich auf, es gibt immer was zu lachen.

So auch an jenem schönen Tag,
Die Sonne brannte, wie ich es mag.
Ich ging vom Marktplatz direkt in den Wald,
Machte an jedem hübschen Plätzchen halt,
Sah zu dem Spatz,
Und auch der Wildkatz,
Wie sie durch das Gebüsch geschlichen war,
Ein schöner Anblick, wunderbar,
Doch dann sah sie mich, ti mort!
'Ne Sekunde später, dann war sie fort.

Ich fand einen Weg, ging ihn entlang
Und hörte zu, dem natürlichen Klang.
Doch plötzlich - bemerkte ich ein Geräusch.
War es der Wind? War es. . .
Ein Schatten! Da im Gebüsch,
Ich sprang zur Seite, ahnte schon,
Ich zog mein Schwert, war gegen alles gefeit. . .
Hinter mir!
Ich dreh' mich um. . .böse Augen, dunkle Gestalt,
Ein dumpfer Schlag. . .
Dunkelheit.

Ich wachte auf, mir war schwindelig.
Wo bin ich? fragte ich mich.
Mir war kalt, ich fühlte mich leer.
Ich lag hart, wankte hin und her.
Wo bin ich? fragte ich mich wieder.
Etwa auf dem Meer?
Ich wußte es nicht.
Wieder der Schlag. . .
Und aus das Licht.

Klong - Klong - Klong
War ich wach?
Klong - Klong - Klong
Oh, wie war mir mein Kopf.
Klong - Klong
Ein klatschender Schlag, ein grelles Licht,
Ich wollte sehen, doch es nahm mir die Sicht.
Worte, so rauh und stumpf hörte ich:
"DU! Wach auf! Schlafe nicht!."
Endlich, die Augen öffneten sich.
Was ich sah, ich dachte es mir:
Gefangen, verdammt, ich fühlte mich krank.
Ich sah nun also in das dunkle Angesicht,
Es spiegelte die schwarze Haut im Licht,
Die spitzen Ohren, das weiße Haar,
Nein! hier will ich nicht sein,
Um mich herum - nur noch Stein.
Ich will nur weg, irgendwo hin,
Denn verdammt, ich weiß, wo ich bin!

Tag für Tag war ich ein Sklave,
Die Dunkelelfen kannten keine Gnade,
Mit 30 Zwergen saß ich in einem Raum,
Ach! sehnte ich mich nach einem grünen Baum.
Sehr hart mußten wir arbeiten ohne zu mucken,
Denn dann zog die Wache am Seil und wir mußten schlucken,
Als die Felsen im Netze über Frau und Kinde zuckten.
Die Zeit verging, nichts geschah,
Es gab keine Sonne, wußte nicht wann es war.
Ich nahm meine Flöte, meine einzige Habe,
Ich benutzte meine Gabe
Und oh Wunder,
Ich durfte spielen, es lag wohl im Willen
der dunkelelfischen Wache,
immer aufmerksam bei der Sache.

Eines Tages, oder Nacht, oder zu welcher Zeit auch immer,
Das wußte ich nimmer,
Bekamen wir einen Gast, zu der Wachen und Zwergen Last.
Es war ein kleines Wesen,
So eins hab' ich noch nie gesehen,
Es maß einen Schritt und 'nen halben Fuß, es war voller Ruß,
Es hatte einen Zopf, einen kleinen Kopf, mit braunen Haaren, die lang waren.
Spitz waren die Ohren, als was war es geboren?
Ein kleiner Elf? Das war doch ein Witz!
Ich guckte genauer,
Doch! - die Ohren waren spitz.
Gekleidet war es bunt, die vielen Beutel prall und rund,
Es lag ganz still da, eine Wunde im Bauch, es tat mir leid,
Schlafgift der Drow, ich wußte Bescheid,
Bald wachte es auf, blickte sich um,
Lief einige Schritte im Raum herum,
Es sah mich, hielt an, ging dann auf mich zu,
Seitdem ließ es mich nie mehr in Ruh'.

Murmel Beutelleer, es gab mir die Hand,
Gileas, der Barde, auch Sternenklang.
Murmel fing an zu reden und hörte nicht auf,
Er dachte, er wäre bereits zum Himmel hinauf,
In Reorx' Schmiede, da wollte er sein - mausetot,
Erst nach einer Stunde war wieder alles im Lot,
Er redete viel und nervte die Zwerge,
Sein Gerede hätte flüchten lassen können die Berge,
Und auch die Wachen wurden nicht verschont,
Sogar nicht die Magierin vom schwarzen Mond,
Zumindest nannte er sie so, der kleine Kerl,
Er war richtig mutig, wie ein Bär.
Mich konnte er in dieser Öde zum Lachen bringen,
Und bald schon konnten wir zusammen singen.

Er war ein Kender, so hieß seine Rasse,
Kender, so sagt er, gibt es in Massen.
Dabei habe ich noch nie einen gesehen,
Er sagte, dazu müsse man sehr weit gehen.
Ich fragte ihn also: "Wie heißt dein Land?"
"Ansalon" war die Antwort, es war mir nicht bekannt.
So redeten und redeten und redeten wir,
Erzählten uns Geschichten, Märchen und Legenden
Mit Kämpfen: Drachen gegen Helden.
Er war ein Barde, wie ich, so dachte ich mir,
Er sagte: "Nein. Ich bin ein Kender, so sind halt wir."
Zu dieser Zeit - in der Dunkelheit
Fand ich einen neuen Freund;
Ich ertrug der Dunkelelfen Häßlichkeit
Und hatte endlich wieder Freud'.
Ich vergaß völlig, daß ich ein Sklave war,
Daß ich hatte arbeiten müssen, hart,
Und auch, daß ich mal die Freiheit vor Augen sah,
Bis zu dem Zeitpunkt, als der Kender meinte:
"Meine Freunde holen uns hier raus. Bei Reorx Bart!"

Kaum hatte Murmel seinen Satz beendet,
Da kam für uns auch schon die Wende.
Ein Schwert blitzte auf, und da noch eins,
Die Wachen waren überrumpelt,
Von zwei blieb nur noch einer
Und noch ein Hieb
Und es war keiner
 - Mehr da,
Und ich sah:
Zwei Kämpfer, ein Mensch und ein Elf,
Vor mir stehend, die Augen blitzten,
Ich hielt die Ketten hoch, die meine Hände ritzten,
"Du bist jetzt frei ! " konnte ich in ihren Augen lesen,
Einen Moment später, und meine Fesseln waren gewesen.
Ich sah zu Murmel, seine Ketten nebenbei,
Lachend, zeigte er nach hinten, die Zwerge waren frei.
Nun hatten wir eine kleine Armee,
Der Aufstand konnte beginnen,
Doch es gab ein Problem,
Wie sollten wir gegen schwarze Magie gewinnen?
So trat also Medrik, der Magier hervor,
Er nickte mir zu, wir würden das kriegen,
Worauf wir sehnsüchtig warteten, die Freiheit,
Wir würden siegen!

So gingen wir also, weiter zum schwarzen Tor,
Ich, Murmel und der Magier, Jeff und Ancaron gingen vor.
Dort standen drei Runen, sie bedeuteten den Tod,
Doch wir gingen hinein, denn wir hatten Mut.
Der Kender lief rein, forschte herum,
Wir alle wußten: Das Böse ging um.
Da standen zwei Tische, ein Skelett auf 'nem Thron,
Und eine dunkle Statue, die lachte voll Hohn.
Hinten im Raum fanden wir eine geheime Tür,
Wir brachen sie auf und wollten hinein,
Da spürten wir Böses im Rücken, o nein!
Die Statue aus Stein, sie bewegte sich,
Es war ein Golem! "Fürchtet euch nicht!"
Rief Jeff, zog sein Schwert und stürmte vor.
Wie ein wilder Löwe kämpfte er
Und traf den Golem hart und schwer.
Ich trat an Jeffs Seite, schwang mein Schwert mit,
Oh Leute, ich sag euch: "War das 'n heißer Ritt!"
Doch plötzlich zischten Pfeile aus lodernden Flammen
Durch die Luft,
Mit einer riesigen Wucht,
Um Jeff zu rammen,
Und sie trafen auch
Direkt in den Bauch,
Sie schleuderten ihn zurück
Ein gutes Stück,
Und dort blieb Jeff liegen,
Er war nicht mehr wach zu kriegen.
Jeff und ich, wir kannten uns nur einige Minuten,
Doch ich hatte so eine Wut im Bauch,
Ich holte aus
- Doch der Golem war schneller,
Es war mir ein Graus,
Mit der steinernen Faust im Magen,
Ging mir die Luft aus,
Noch etwas zu wagen,
Dazu war keine Zeit,
Denn ich sah - zum dritten,
Dunkelheit.

Was als nächstes geschah, das wurde mir erzählt,
Denn zu dieser Zeit war ich nicht ganz auf der Welt.
Während ich schlummerte,
Kämpfte Ancaron verbissen,
Gegen einen grimmen Drow,
Doch wir mußten es wissen:
Die Runen, die den Tod bedeuteten,
Und nun die Glocken zur letzten Stunde läuteten,
Sie waren rechtens,
Denn Ancarons Fechten,
Nutzte ihm nichts,
Als der Drow mit seinen zwei Schwertern
Wild durch die Luft schnitt
Und dann - durch den Elf,
 - Er fiel und blieb liegen,
In der Dunkelheit,
Genau wie der Magier
Schon vor einiger Zeit,
Der Untergang -
Er war soweit.

Doch dann: Der Kampf - er war noch nicht zu Ende.
Die Krieger der Berge,
Bewaffnet mit Schwertern
Aus ihrer gezwungenen Schmiede,
Sie stürmten hervor, wie Helden aus dem Liede,
Schwangen ihre Waffen,
Der Drow konnte nicht lachen,
Den innerhalb von Sekunden,
Hatte er zigtausend Wunden,
Und auch der Golem kam nicht lang über die Runden,
Er fiel unter dem Gewicht von 30 Zwergen
Und wurde gerichtet durch Jeffs großes Schwert,
Nachdem dieser wieder aufwachte
Und dem steinernen Feind
Den Garaus machte.
Durch die magische Wand,
Der flammende Magier kam hervor,
Seine Augen - sie brannten lichterloh,
Er sah den toten Golem - und floh.

SIEG! hallt es durch die dunklen Hallen,
Arme schießen hoch, die Fäuste ballen,
die Tyrannei der Drow ist zerschlagen,
Es ist fort, das elende Unbehagen.
Die Zwerge und ich, wir rufen ein dreifaches Hoch,
Hoch, hoch auf unsere Befreier,
Bevor wir anfangen mit der Feier.
Ein Hoch auf Jeff aus Rashemen,
 Den mutig kämpfenden Krieger.
Ein Hoch auf Ancaron,
 Den schwertsingenden Elfen.
Ein Hoch auf Medrik,
 Den zauberwebenden Magier.
Und ein Hoch auf Murmel,
 Den furchtlosen Kender.
Und wir blickten zu ihnen, den vier strahlenden...
Drei? strahlenden Helden?
Wo war Murmel, der vierte? Murmel !  Bitte melden !
Wir suchten im Raum, er war nicht da,
Da sahen wir den Geheimgang, und o wunderbar,
Da war er, der Kleine, das Glück war ihm hold,
Er schwamm nämlich glücklich in einem großen Berg aus Gold.

In diesem Schatz waren Dutzende Fässer,
Alle voll Bier, nach einer Stunde gings uns besser.
So feierten wir, feierten Nächte lang
Und schon hatten wir einen wackligen Gang.
Wir alle hatten sehr viel Zeit,
Das Bier wurd' nie leer,
Und schon bald - fielen wir,
In Dunkelheit.

[ zurück zum Lyrik-Archiv ]
Drachenlanze.de