Geschichten-Archiv • Wie die Feendrachen entstanden

Die folgende Geschichte wurde Milan (ein Kender) von seinem guten Freund Tampras Weißbrot (noch ein Kender) erzählt.


Ganz am Anfang gab es nur die metallischen und die farbigen Drachen.

Vielleicht noch ein paar andere - der Onkel meines Cousins dritten Grades, der ein wirklich prima Kerl ist, hatte einen Vater, dessen Urgroßmutter fast eine Schreiberin von Gilean wurde, also, der hat, sagt Frenni, da mal was in ihren Aufzeichnungen gelesen, und es Frenni erzählt. Frenni ist mein Cousin, habe ich das schon erwähnt? Ich meine, dritten Grades. Nun, er hat mir also gesagt, daß da was von neutralen Drachen stünde, welchen, die Gilean dienen oder so und sich aus allem raushalten. Später kamen noch welche im Meer hinzu, aber die sind - hat mein Onkel Fallenspringer, ich meine den, der den verlorengegangenen gelben Turm der Erzmagier gefunden hat und dann dort eingezogen ist, er heißt übrigens Sapras Fallenspringer - von dem Turm aus hat er dann alle 3 Monde besucht und man kann Reorx beim Schmieden zugucken, wenn man aufs Dach klettert, gesagt - nicht neutral.

Wo war ich? Ach ja, Feendrachen.

Also, vor ganz, ganz langer Zeit, hat sich ein Drache namens LangerAngler - ich glaube nicht, daß das sein richtiger Name war - Moment, ah ja, es war Angalander, der hat sich ganz gern als Elf ausgegeben. Er war eigentlich ein ziemlich würdevoller Drache. Ein Silberner. Genauso wie der von Huma. Nur war der weiblich.
Nicht ganz silbern, er hatte ein paar goldene Schuppen, denn laut der Familiengeschichte hatte seine Großmutter nämlich einen Goldenen zum Gemahl.
Der Angalander hat sich als Elf dann Angalas genannt - nicht sonderlich einfallsreich; wenn er mich gefragt hätte, hätte ich ihm so was wie Feigenblatt Silberpappel vorgeschlagen. Natürlich war er ein verdammt gut aussehender Elf. Und Drache.

Auf jeden Fall ist er oft unter Leute gegangen. Da hat er dann sie getroffen.
Eine zauberhafte, sehr zierliche, fast feengleiche Elfe, ihre Haar zu ein paar süßen Zöpfen geflochten. Diese kleine Elfe hatte es dem Angalander gleich angetan. Paff! Er hatte sich total in sie verguckt!
Dann hat er sich mit ihr angefreundet und ist immer verliebter geworden. Aber sein Drachenverstand hat ihm natürlich immer gesagt, daß sie eigentlich von ganz anderer Art sei. Was würde sie sagen, wenn er ihr seine wahre Gestalt offenbaren würde? (Andererseits, dachte er, wenn sich silberne und goldene Drachen verlieben konnten ...)
Er hat dann beschlossen, es ihr "demnächst" zu sagen ... was immer mehr "demnächst" wurde.
Inzwischen hatte sie sich dann auch ihn verliebt gehabt und es ihm dann auch gesagt.
Das hat ihm dann vollends den Kopf verdreht und die beiden haben geheiratet. Sie hieß übrigens Sondrala Sternenpflücker. Das begab sich in einer kleinen Stadt bei einem Wald, dort wo jetzt das Blutmeer ist.
Na ja, nach ein, zwei oder drei Jahren hatten sie dann Kinder. Sie schienen zuerst relativ normale Elfenkinder zu sein - dafür, daß ihr Vati eigentlich ein Drache war. Aber sie wuchsen doch einiges schneller als Elfen heran!
Das ist Angalander dann aufgefallen und er hat es Sondrala gesagt. Die hat dann erst mal geguckt, innegehalten und dann laut losgelacht - so ein richtig helles Glöckchenlachen. Er war total perplex - aber ihr Lachen war wie immer ansteckend.
"Angalas, mein lieber Angalas," hat sie gesagt, ganz außer Puste, "warum denkst Du, daß sie so langsam wie reine Elfen heranwachsen?" Er, panisch: "Wie meinst Du das? Weißt Du, daß ich ...? Aber dann müßten sie sowieso langsamer ..." (Er fürchtete, sie wüßte vom seiner wahren Natur.)
Sie, lächelnd und neugierig: "Wie, Du? Weshalb? Was sollte ich denn wissen?"
Er, nun vollkommen perplex: "Ach, äh, nichts. Aber, warum? ... Ach, Du bist Du eine Halb-Elfe? Das habe ich gar nicht gewußt!"
Sie, belustigt: "Eine Halb-Elfe? Nein, nein, mein Lieber. Du weißt nicht was ich bin? Mein lieber Scholli!"
Er: "Wie? Was bist Du denn? Keine Elfe? Warum hast Du mir das nie gesagt?"
Sie: "Wieso Elfe, ich hab das nie gesagt! Ich bin eine Kenderfrau! Mit ein wenig Feen- und Elfenblut."
Pammm!
Da war Angalander wie vom Blitz getroffen dagestanden. Lange. Als sie besorgt nach ihm faßte, streichelte und ihm sagte, daß sie ihn liebe und was los sei, sagte er nur eines: "UUPS!"
Nach einer Weile hat er dann auch seine Arme um sie gelegt und vor sich hinüberlegt.
Liebe macht blind. Das wußte er jetzt. Er liebte dieses Wesen in seinen Armen über alles.
Aber - eine Kenderin!!! Es hätte ihm doch an ihrer fröhlichen, unbeschwerten Art, ihren Scherzen und vielem andern auffallen müssen! Und an ihrem Namen: Sternenpflücker, so einen schönen Namen hat doch kein Elf. Nicht, daß ihre Namen nicht schön sind, aber unsere sind meistens doch noch interessanter. Aber er war felsenfest davon überzeugt gewesen, daß sie eine Elfe sei.
Wenn man mich fragt, war er wahrscheinlich auch etwas kurzsichtig und ziemlich unaufmerksam - also ständig ganz verknallt, oder?


Irgendwann hat er sich dann gefangen und hat er ihr noch ganz geknickt und ängstlich (daß sie ihn verlassen würde) gestanden, daß er ein Silberner ist.
Sie hat mit den Schultern gezuckt und gemeint, das würde ja wohl an ihren Gefühlen nichts ändern - dann hat sie schelmisch gezwinkert und gemeint, er müsse sie eben nun gelegentlich herumfliegen.

Danach haben sie dann weiter glücklich zusammengelebt und ihre Kinder großgezogen.
Nur, daß die dann irgendwann auch ihre Drachenform entdeckten, eine ganz kleine - für Drachen - und zu Angalanders Erstaunen hatten sie Flügel die Schmetterlingsflügeln glichen!
Außerdem haben sie unser natürliches Interesse an ihrer Umwelt entwickelt - und den gesunden Humor ihrer Mutter geerbt gehabt.

Irgendwann, als die Kleinen bald flügge waren - so um die 30 - und die Wanderlust sich angekündigt hatte - ist dann ein uralter, würdiger goldener Drache in dem Städtchen gelandet, hat mit den Eltern geredet , sie zu ihren Kindern beglückwünscht (sie hatten inzwischen noch einige mehr).
Diese hat er dann zu sich gerufen und lang mit ihnen geredet. Als er dann fortflog, verwandelten sich alle Kindern in ihre Drachenform - und nie mehr in ihre Elfen-Kender-Form zurück.
Das war dann bei allen Kindern von Angalander und Sondrala so, nachdem sie 30 Jahre alt wurden.

Warum weiß ich nicht. Da müßte man vielleicht einen Feendrachen oder einen Gelehrten aus Hylo oder Kenderheim oder so fragen. Oder einen Gott.

So sind die Feendrachen eben entstanden.
Ja, genau so. Und jetzt habe ich Durst.
Los Milan, Du holst die Krüge!

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