Geschichten-Archiv • Schatten

Schatten...
Sie sind überall. Sie kriechen aus dem dichten Nebel, lauern hinter toten Bäumen und in jeder Ecke.
Hier, in der düsteren Halbebene, ist das Böse allgegenwärtig und so lebendig wie nirgendwo sonst. In diesem Reich, das von allen bloß 'Die Länder des Nebels' genannt werden, ist ER der Herrscher. Niemand ist in der Lage die seinige Herrschaft anzuzweifeln. Denn jene die es dazu in der Lage wären, verdanken Ihm ihre existent...
SIE sind Seine Kinder, alle die auf den Ländern des Nebels wandeln.
Der Name der Welt ist Rabenhorst.
Hier auf Rabenhorst gibt es nicht wenige Wesen, deren das Leben so wie wir es kennen, verwehrt ist, oder es bereits verloren haben. Jene können nur mit Hilfe der Lebenden weiterexistieren. Sie nähren sich von ihrem Blut, ihrer Seele, ihrem Schrecken.

Schatten schleichen in finsterer Nacht durch die düsteren Gassen der kleinen Stadt und wehe denen die sich zur Stunde des Bösen noch nicht in die vermeintliche Sicherheit und Geborgenheit des eigenen Hauses und Familie begeben hat. Denn der Tod ist hier näher als das Leben.
Weder der schwache Lichtstrahl, der aus einer kleinen Herberge auf das grobe Kopfsteinpflaster fällt, noch das muntere Lachen, ein wahrlich seltener Laut in diesen verfluchten Landen, kann die Schatten fernhalten. Geschwind kriechen sie an der Wand des Hauses hinauf, suchend nach Ritzen und Öffnungen durch den sie in diesen Ort, der so voller Nahrung und warmen Blut ist, gelangen können.
Da!
Eine Öffnung.
Ein Fenster.
Es steht nur leicht offen, ein winziger Spalt, aber es genügt ihnen. Einen hypnotischen Tanz anstimmend, umkreisen sie diese Öffnung, erfüllt von grausamer Vorfreude auf das heiße Blut und den kommenden Schrecken ihrer Opfer...
Plötzlich schrecken diese unmenschlichen Kreaturen zurück. Ein Gefühl das sie nicht kennen, ein Gefühl das sie nur sähen und ernten, aber niemals selbst verspüren, hat sie befallen.
Frucht!
Mit unmenschlicher Hast lösen die Schatten ihren bizarren Tanz und jagen zurück in das Dunkel, hinaus auf die weiten, leeren Ebenen, den Nebel woher sie kamen.
Im inneren zuckt die junge Menschenfrau, sie mag wohl erst 18 Sommer zählen, erschrocken aus der liebevollen Umarmung ihres Gefährten auf. Verängstig wirft sie einen Blick zum Fenster und starrt voll Angst in das Dunkel, welches bloß durch die dünnen Ölpapierscheiben abgehalten wird. Ihr „Gefährte“ hat die Schatten natürlich bemerkt.
Aber sie kümmern ihn nicht. ER hat als das was er ist, nichts vor ihnen zu befürchten. Um genau zu sein, ER hatte sie erschaffen. Vor langer, langer Zeit.
Davon und von vielem mehr, weiß seine Gefährtin natürlich nichts. Ein sanfter Kuß und ein paar beruhigende Worte genügen und sie gibt sich ihm wieder voller Leidenschaft hin. Die Schatten hat sie bereits vergessen, ein Alptraum... nein ein Irrtum ist dieses Gefühl gewesen, mehr nicht.
Ihr wahrer Alptraum lächelt innerlich.
Diese sterblichen Menschen waren so leicht zu kontrollieren. Ihr Leben war bestimmt von primitiven Gefühlen. Haß, dem Wunsch nach Macht und fleischlicher Begierde. Hatte man dies erkannt (und er gehörte zu diesen Wesen), war es ein Leichtes die primitiven Gefühle der Sterblichen gegen sie auszuspielen. Wie dieses Mädchen.
Schon als sie mit ihren Gefährten die Herberge betreten hatte, wußte er das ein einfacher Blick und einige wohl gewählten Worte ihm das von ihr geben würde was er begehrte. Seinen fesselnden Blick hatte er kaum benötigt. Dieses Mädchen war jung und es verlangte sie nach Aufregung und Abenteuer. Vermutlich war sie deswegen mit dieser Gruppe mitgereist. Sie wollte kein einfaches Leben führen wie die Menschen ihrer Umgebung. Sie war verblendet von ihrem Glauben an eine Welt voller Helden wo es so vieles zu entdecken gab. Aber manche Dinge sollten besser nicht entdeckt werden.
Noch eine primitive Gefühlsregung. Neugier. Ebenso wie das Verlangen nach Anerkennung.
ER hatte diese Makel nicht...
Wie der große Mensch, ein Krieger, seinem Schwert nach zu urteilen.
Sein eifersüchtiger Blick der sich in seinen Rücken bohrte als er mit dem Mädchen die Treppe hinaufging.
Der tölpelhafte Dieb hatte von alle dem nichts bemerkt, sosehr war er mit dem Zwerg der Gruppe in einen Streit über Bier vertieft. Der Barde stand, von einer Traube Leuten umringt, auf einem Tisch und sein Verstand war wie der seines Publikums völlig durch seine eigenen Melodien vernebelt.
Alles Narren!
Sie waren nichts, nur Vieh. Rohes Fleisch, das nur existierte um Ihnen als Nahrung zu dienen.
Nur ein Mensch in der Herberge, vermutlich in der ganzen Stadt, war seine Aufmerksamkeit wert. Der Mensch war schon alt. 50 oder 60 Sommer gewiß. Seine Haare waren bereits an einigen Stellen weiß und seine Augen durchdringend, klar und fest. Diese Augen hatten ihn über sein Weinglas die ganze Zeit über beobachtet und ER hatte die Weisheit in ihnen erkannt. Er war ein Magier; ohne Zweifel. Selbst diese dummen Bauern hatten das erkannt und ihn mit gebührendem Respekt und Abstand behandelt.
Erstaunlich, wie leicht sich die Menschen von Macht beeindrucken ließen. Er war kein großer Magier, aber doch mächtig und vielleicht sogar eine Gefahr für ihn. Allerdings glaubte er nicht, daß dieser so dumm wäre sich ihm offen in den Weg zu stellen. Er trug die rote Robe. Ein Zeichen für Neutralität. Wenn er allerdings den Krieger und die anderen davon unterrichtete...
Das laute Stöhnen seiner Gefährtin reißt seine Gedanken wieder in die Gegenwart. Er spürt ihr zittern und weiß, es ist soweit. Voller Vorfreude zieht er sie in eine aufrechte Position an sich, während er sich mit geöffnetem Mund über ihren Hals beugt. Seine Eckzähne wachsen, werden lang, fast ein Spann und spitz wie Dolche.
Unter ihrer zarten Haut kann er das Blut pulsieren sehen, es riechen, kann ihren donnernden Herzschlag hören. Einige Herzschläge verharrt er noch über ihr, dann schlagen seine Zähne tief in ihren Hals.
Völlig in Ekstase versunken, bemerkt das Mädchen den Schmerz nicht, ja es scheint fast so, als würde es ihre Gefühle noch verstärken. Selbst berauscht von dem Geschmack des Blutes, der Erregung des Augenblicks und dem pochenden Geräusch seines eigenen untoten Körpers, hört er die Rufe und das Hämmern an der Tür nicht. Erst die Tür die unter dem krachenden Ansturm erzittert, reißt ihn aus den Armen des wallenden Nebels, der seinen Verstand bedeckt. Langsam hob er den Kopf und starrt auf die Tür, die unter den ständigen Angriffen nachzugeben beginnt.
Seine Gefährtin ist scheinbar der Ohnmacht nahe. Ihr lautes Stöhnen ist zu einem leisen Flüstern herabgesunken, ihre Augen fest geschlossen, liegt sie kraftlos in seinen Armen. Auch sieht sie nicht auf, als die Tür krachend aus den Angeln fliegt und zusammen mit dem Krieger auf den Boden geschmettert wird.
Die Axt in der Hand springt der bullige Zwerg über den Krieger, zögert jedoch als sein Gegner mit einem bedrohlichen Fauchen seine blutigen, messerlangen, Zähnen entblößt. Dann rennt er mit einem zwergischen Kampfschrei los und versetzt dem untoten Wesen einen mächtigen Hieb, der ihn vom Bett schleudert.
Das Mädchen fällt mit einem letzten leisen Stöhnen auf die blutigen Laken zurück. Er ist inzwischen aufgesprungen, verschwindet mit einem Satz durch die von ihm aufgestoßenen Fenster. Seine klaffende Wunde an der Schulter ist verheilt, bevor er den Boden berührt und in der Nacht verschwindet. Der Zwerg schaut verdutzt auf seine Axt, dann stürzt er zum Fenster.
Inzwischen ist der Krieger aufgesprungen und zum Bett gerannt, wo er mit glasigen Augen die Hand seiner Kameradin nimmt. Mit düsterem Gesicht drängt sich der Magier an dem versteinerten Dieb und Barden vorüber und geht schnellen Schrittes zum Bett. Dort kniet er neben dem Krieger und tastet nach dem Puls des Mädchens. Dann schließt er ihre noch immer in qualvoller Erregung weit geöffneten Augen.
„Ich hatte ihrer Mutter versprochen, daß ich auf sie aufpassen werde.“, sagt der Krieger so laut das nur der Magier es hören kann. Bevor er jedoch etwas erwidern kann, stapft der Zwerg mit mißmutigem Gesicht an das Bett.
„Mein Schlag hätte das Biest auf der Stelle töten müssen. Mit genau diesem Hieb habe ich einen Goblyn in zwei Hälften gehackt.“
Dem Magier entgeht der merkwürdig belegte Ton und das flimmern seiner Augen nicht. All die Jahre die er den hartgesottenen Zwerg schon kennt, sind ihm noch nie solche Gefühlsregungen aufgefallen. Doch weiß er, sollte er jetzt auch nur eine Andeutung darauf machen, wird sein ohnehin schmales Band der Freundschaft zu ihm vollends zerbrechen. Wenn es um ihre Gefühle geht, sind Zwerge empfindlicher als magisches Gewebe. Also schüttelt er einfach traurig den Kopf.
“Aber das war kein Goblyn, Raddas. Es war ein Vampir. Nur wenn deine Waffe magische oder göttliche Macht durchströmt, kannst du Wesen wie ihn verletzen. Und du Alrik... du hättest nichts tun können.“
Der Krieger sieht mit trüben, schmerzverzerrtem Gesicht auf. „Nichts tun können? Pendaram, ich hätte es erkennen müssen! Wie er sie angesehen hat. Wie er sie verführt hat. Und als du sagtest sie wäre vielleicht in Gefahr hätte ich sofort etwas tun müssen und mich nicht von meiner Eifersucht blenden lassen.“
Pendaram schweigt einen Augenblick. Er war erneut überrascht, über die Intelligenz und Einfühlsamkeit des Kriegers. Er hatte viele seiner Art gesehen, aber keiner wußte es so gut Verstand, Herz und Schwert zu verbinden.
„Selbst ich, der ich über die Magie verfüge und lange Zeit damit verbracht habe meine Beobachtungsgabe zu schulen, habe seine Tarnung zu spät durchschaut.“ Er schüttelt den Kopf. „Eine zweifellos mächtige Kreatur der wir uns gegenüber sahen. Den Göttern sei Dank das wir es überraschen konnten und er sich seiner Situation im unklaren war. Es hätte uns vermutlich alle töten können.“
Seine nächsten Worte wählt er gut, weiß er doch wie wichtig sie sind. „Ich weiß wie sehr uns allen Alveria bedeutet hat. Aber ich befürchte, wenn keine Falschheit in meinem Wissen liegt, das es unumgänglich ist ihr den Kopf vom Rumpf zu trennen.“
Die schockierten Blicke seiner Kameraden ignorierend fährt der Magier mit ruhiger Stimme fort. "Ich weiß das es sich hierbei um Leichenschändung handelt,“ bei diesen Worten zuckt sowohl der Krieger als auch der Zwerg zusammen. „Dennoch... Tun wir nicht was nötig ist, besteht die Gefahr das Alveria zurückkehren wird... . Als das was sie getötet hat...“
Sinbald, der Dieb, mustert ihn mit strengem, mißtrauischem Blick. „Du willst uns also sagen,“ sagt er mit bedacht; „das sie Auferstehen könnte? Als Vampir, so wie dieses Ding?“
„Genauso ist es. Sie wäre eine Untote. Gefesselt an das ewige Unleben, unweigerlich der eigenen Vernichtung entgegentreibend. Alles was ein solches Wesen in dieser Existenz erwartet ist Haß, Haß auf alles Lebendige, die untröstliche Einsamkeit und der lauernde Wahnsinn.“ Der Magier reibt sich mit der Hand die Augen und setzt sich in einen alten, morschen Stuhl, der selbst bei dem geringen Gewicht des dürren Manns bedrohlich knarrt.
"Was ist mit einer Feuerbestattung?" fragte der Barde unsicher worauf Pendaram den Kopf schüttelte.  "Das... Gift... des Vampirs fließt bereits in ihren kalten Adern. Den Geschichten nach, die ich hörte, lässt sich ihr Leichnam nicht ausreichend verbrennen. Natürlich sind das nur Mutmaßungen und wie ich leider zugeben muß, ein wenig zweifelhafte Erkenntnisse.“
Der Krieger sieht mit hartem, wütendem Gesicht auf.
„Eine einfache Beerdigung. Mehr wollte sie nicht. Sie hat es nicht verdient das wir ihr den Kopf abschlagen nach allem was geschehen ist. Sie hat dich vor dem Räuber gerettet, der dich getötet hätte und du kennst ihren Wunsch ebenso genau wie ich! Und jetzt willst du das wir ihre letzte Bitte verhehlen nur weil du Geschichten gehört hast?“
Pendaram hält dem zornigen Blick des zitternden Kriegers stand wobei sich seine eigenen Augenbrauen nach unten ziehen. „Sei dir gewiss Alrik. Ich habe die Rettung meines Lebens nicht vergessen und ihr Tot schmerzt mich mehr als du vielleicht ahnst.“ Er wirft einen Blick auf den Barden der am blassen Körper Alverias niedergekniet ist und nun ein Gebet zu den Göttern spricht. Dann sieht der Magier Alrik wieder in die Augen. „Sie hat mir viel bedeutet und gerade deshalb müssen wir es tun. Willst du sie zu einem ewigen Unleben verdammen? Willst du das sie dem Wahnsinn und dem Bösen anheim fällt? Denn dies steht fest, sollte sie auferstehen. Und wenn dies geschieht und die Zeit sie stark werden läßt... werden wir sie nicht aufhalten können...“ Er senkt den Kopf.
„Also ist sie noch schwach wenn sie erwacht?“ bemerkt der Dieb nachdenklich. Der Magier seufzt niedergeschlagen. „Ich kann nur wiedergeben was ich weiß, was keineswegs umfassend oder mit Bestimmtheit der Wahrheit entspricht.“ Dann hebt er den Kopf und sieht auf Alrik hinab. „Aber ich weiß dies: Sollte auch nur ein Bruchteil der Geschichten wahr sein... Dann dürfen wir dieses Risiko nicht eingehen.“
Eine lange Zeit sieht der Krieger nur schweigend auf das Gesicht der Toten. Als er dann spricht ist sein Blick leer und seine Stimme leise und kraftlos. „Wir werden sie bestatten wie es die Götter verlangen. Aber wir werden auf der Hut sein und ich werde ihr Grab nicht aus den Augen lassen. Nicht einen Herzschlag lang.“

Er ist schon über 200 Jahre alt.
Er gehört zur der mächtigsten Rasse der Untoten.
Er besitzt Kräfte von denen ein jeder Krieger nur träumen könnte.
Eine Geschmeidigkeit und Eleganz um die ihn jeder Elf beneiden würde.
Er verfügte über Wissen für das jeder Magier bereit wäre seine Seele zu verkaufen.
Sein Wille ist stärker als der den Kleriker in ihren Gebet erflehen.
Er ist die Verkörperung der Kinder des bösesten aller Götter...
Und er ist eine der bedauernswertesten aller Kreaturen.

Gleich welche Schicksale, Ungerechtigkeiten, Schmerzen und Leiden ein Wesen in seinem Leben erdulden mußte... es ist bedeutungslos mit dem ewigen, endlosen Schmerz den ein Vampir ertragen muß. Der Preis den man für das Geschenk... oder weit besser den Fluch der Unsterblichkeit, den viele unfreiwillig zahlen mußten, ist nicht nur die Seele.
Wirst du ein Untoter, ein Vampir. Dir wird mit den Jahrhunderten göttergleiche Macht offenbar... aber du bist verdammt auf ewig zwischen dem Leben und dem Tod zu existieren. Beides, der ewige Schlaf und das pulsierende Leben, wird immer um dich sein, du siehst es überall, kannst es zu mancher Zeit sogar Fühlen! Doch das läßt den Scherz nur noch stärker werden.
Denn das Leben verachtet dich und du verachtest das Leben, haßt es mit einer solchen Inbrunst, weil du es siehst ohne es jemals wieder besitzen zu können. Und wenn du tötest um weiterzuexistieren, führt es dich für einen kurzen Augenblick in das Leben zurück, die ewige eisige Kälte in deinem Körper weicht der wundervollen Wärme und statt dem Tod siehst du plötzlich wieder die blühenden Farben des Lichtes. Und nur für kurze Zeit bist du wieder ein Mensch, mit echten Gefühlen. Glück, Frieden, Liebe...
Doch dann senkt sich wieder der Schatten deines verfluchten Daseins über dich und die Gefühle von Glück und Frieden weichen Schmerz, Hass und dem puren Bösen.
Und mit jedem Leben das du beendest um dich zu ernähren, spürst du wie du dich immer weiter in die Dunkelheit begibst.
Und so bist du verdammt auf ewig durch das Leben zu wandern, ein Schatten im Licht zu sein, immer am Rand von allem zu leben mit dem ewigen Kampf in dir zwischen dem Bösen das dich beherrscht und dem letzen Rest Menschlichkeit den du tief als deinen Herzen als einzigen Funken Leben behütest.
Und bricht dieser Funken aus und deine Sehnsucht nach dem Leben wird zu stark, wirst du dir einen Lebensgefährten suchen, einen den du zu dem selben Schicksal verdammst wie dich Selbst um nicht mehr allein zu sein.

"Ich liebte sie aufrichtig", gestand der Vampir ruhig.
Auf seinem sonst so ausdruckslosen Gesicht zeigte sich Schmerz. "Können Sie das glauben? Ich liebte Sie. Ich hätte alles, alles - sogar den Rest der Ewigkeit - dafür gegeben, wenn sie meine Liebe erwidert hätte."
Er unterbrach sich, und ich glaube einen verrückten Augenblick lang, das Monster würde weinen. Aber dann sammelte es sich wieder, seine Stärke und sein kalter Blick fesselte mich an meinen Stuhl.
"Ich habe sie völlig falsch eingeschätzt", fuhr der Vampir mit einer jetzt gefühllosen Stimme fort. "Ich glaubte, sie würde sich ihre Unschuld bewahren, die ich an ihr als Sterbliche so geliebt hatte. Aber nein, ich hatte sie falsch eingeschätzt, und das war mein größter Fehler. Sie sah mich nicht als ihren Beschützer, sondern als Rivalen, als einen Sklavenhalter. Und sie gab alles daran sich aus meinem Joch zu befreien." Er lachte tonlos.
"Jetzt ist alles so eindeutig, aber in all den Jahrzehnten betrog ich mich selbst. Ich nehme an..." und seine Stimme versagte fast, trotz seiner übermenschlichen Selbstbeherrschung. "Ich nehme an, daß die Liebe mich blind gemacht hat, so daß ich nicht sah, was direkt vor mir geschah.
Das erste Anzeichen, das ich bemerkte ", fuhr er nach einer Weile fort, "war, daß die Jäger in meinem Zufluchtsort auftauchten. Können Sie sich meinen Schrecken vorstellen, meine Demütigung, meine Entwürdigung? Sie konnten mich nur über meine Braut, meine Liebe, gefunden haben", und er spuckte das Wort "Liebe" mit einem fast greifbaren Hass aus.
"Natürlich habe ich sie alle getötet", sprach der Vampir weiter. "Meine Geliebte kannte nicht all meine Stärken. Danach jagte ich sie. Das war nicht weiter schwer, wirklich. Und dann löste ich das Band." Er senkte seinen Kopf in Erinnerung an den Schmerz. "Ich löste das Band und zerfetzte ihren verräterischen Körper. Und wissen sie was? Ich bin sicher, mein Schmerz war größer als der ihre..."

Aus den persönlichen Tagebüchern
von Dr. van Richten

Dunkle Nebelschwaden kriechen aus allen Ritzen, steigen aus dem Land Rabenhorst auf und legen sich wie ein Leichentuch über alles. Denn die Nebel sind alles.
Das Land sind die Nebel und die Nebel sind das Land.
Und die Wenigen, die es überlebt haben jenes Land lange genug zu bereisen, wissen das es lebt. Es amtet nicht, es schläft nicht, es braucht keine Nahrung. Keine wie wir sie kennen...
Niemand weiß was Rabenhorst ist, nicht mal ob es ist. Doch jeder, der die finstere Kälte einer Vollmondnacht ganz allein im Nebel erlebt hat, hat Es gespürt. Überall und gleichzeitig nirgends.  In diesem Land kannst du nicht entfliehen denn es IST das Land.
Die Nebel sind Finger, Ohren, Augen, alles.
Und jene Nebel kriechen über die Stätte des Todes, auch der Helle Fackelschein kann sie nicht aufhalten. Der kurz vor dem Zusammenbruch stehende Gestalt schenken sie keine Beachtung. Immer weiter kriechen die Nebel, strecken ihre Finger aus nach dem großen Steinsarg der auf einem Podest steht und beginnen darüber einen wilden Tanz. Immer schneller, immer intensiver wird er, einem Strudel gleich. Und mit dem versinken der letzen kaum wahrnehmbaren Sonnenstrahlen tauchen sie in das Grab ein... und wecken...

Telron, der Barde weiß nicht mehr warum er die Nebel, die sich still über das Grab gelegt haben so angestarrt hat.  Es scheint ihm er wäre aus einem Traum erwacht. Er schüttelt den Kopf um sich von seinen düsteren Gedanken zu befreien.
Das wird von dem Trank kommen den mir Pendaram gegeben hat, überlegt er bei sich. Dieses herrlich erfrischende Wasser hatte ihn gestärkt für seine Aufgabe. Der Zwerg hatte wie immer über den Trank der ihm nicht geheuer war gemurrt, aber Pendaram hatte darauf bestanden. Wie immer in den letzten 2 Tagen.
Er rückt seine Harfe zurecht und wechselt das Tablett in die andere Hand ehe er seinen Weg fortsetzt. Langsam nähert er sich dem Krieger der zusammengesackt auf einer Steinbank sitzt die an einer Tempelwand steht, sein Schwert und eine Laterne neben sich. Das Essen ist ebenso unberührt geblieben wie die Angebote seiner Gefährten ihn abzulösen. Doch trotz seines Zustandes sind seine Augen fest auf das Grab gerichtet, wie schon seit 2 Tagen.
Als sich Telron dem Krieger seitlich nähert ist er überrascht einer Schwertklinge  gegenüberzustehen. "Bei den Göttern, Alrik! Ich bin es, Telron! Leg das Schwert weg, ich beschwöre dich!" ruft der entsetzte Barde aus.
Erst scheint ihn Alrik nicht zu erkennen wie er ihn durch seine rot geräderten Augen anstarrt. Doch dann glimmt langsam das Erkennen in ihnen auf und Alrik sinkt zurück auf die Bank, das Grab anstarrend, das er auch während seines Angriffes nicht aus den Augen gelassen hat.
"Verzeih mir Telron." Sagte er schwach und etwas abwesend. Besorgt mustert der Barde den Krieger ehe er sich neben ihn setzt.  "Ich habe hier etwas zu essen für dich mein Freund. Ich bitte dich. Willst du nicht etwas essen und dich dann etwas ausruhen. Nur einige Stunden. Ich werde wache halten. Bis auf etwas Wasser hast du seit zwei Tagen nichts zu dir genommen und dich auch nicht einen Finger breit gerührt."
"Ich bin nicht hungrig.", erwidert Alrik mechanisch.
Nun gut, es muß wohl sein denkt sich Telron. Schon alles gute Zureden zuvor hat nichts ergeben, aber er hat es versuchen müssen. Nun holt er seine Harfe hervor und beginnt leise darauf zu spielen.
"Ich habe für Alveria ein Lied erdacht. Selbst Raddas hat etwas gemurmelt das es mein bestes... Gezupfe wäre wie er sagte. Etwas positives von einem Zwerg, besonders unserem guten Raddas über Musik zu hören ist wahrlich etwas besonderes findest du nicht auch? Willst du es hören? Es wird dich für deine weitere Wacht stärken."
Für einen Moment schweigt Alrik, nickt jedoch dann wortlos.
Taleron beginnt leise zu spielen und zu singen. Zart sind seine Worte des Elfischen, ebenso sein Harfenspiel, doch viel feiner sind die Worte der Magie die in das Lied gewebt worden waren.  So fein das Alrik wahrlich nur die Wirkung des Schlafzaubers bemerkt. Schwer werden seine Lieder, verlockend scheint der Ruf des Schlafes. Ehe er sich noch für eine Gegenwehr sammeln kann ist er bereits in tiefer, magischer Ruhe versunken.
Der Barde fängt ihn auf und winkt den drei Gestalten im Schatten des Tempels zu. Der Zwerg und der Dieb eilen herbei und tragen den schlafenden Krieger davon. Taleron sieht den drei besorgt nach ehe er sich an den Magier wendet.
"Er wird sofort erwachen, sollte es nötig sein. Doch sag mir... wird er nicht erkennen das wir ihn um seine Wacht betrogen haben? Er wird mir das gewiß niemals verzeihen."
Pendaram, dessen Gesicht im Schatten liegt, antwortet nicht sofort sondern blickt in den Nebel, der das Grab umhüllt. Dann ohne ihn anzublicken spricht er leise.
"Ich bezweifle das er es jemals erfahren wird. Wir werden ihm erzählen er sei ohnmächtig geworden. Das wird seine Schande etwas schmälern. Und sollte er dennoch dahinterkommen werde ich mit ihm reden. Sein blinder Stolz kann uns allen das Leben kosten. Er ist zur Wache nicht mehr in der Lage und dies ist zu wichtig um sie an seinen falschen Schuldgefühlen scheitern zu lassen. Rufe mich sofort wenn du auch nur die geringste Kleinigkeit bemerkst."
"Gewiß, das tue ich" ruft Telron dem grauen Magier nach, ehe dieser im Schatten verschwindet.
Und der Barde beginnt erneut leise zu singen.
Und jemand anderes lauscht ihm.

Die Schatten bergen viel Böses. Marcus birgt die Schatten.
Lange lauscht er nun schon dem Barden, denn der Sinn für das Schöne und die Kunst, ist ihm nicht fremd geworden.  Wohl weiß er das sie bereits erwacht ist, und in ihrem Grab ihr neues Leben zu verstehen versucht. Doch er hat Zeit und er will diesen Barden und sein Lied genau studieren ehe er dafür für immer die Möglichkeit verlieren wird. Es ist direkt Schade um ihn, aber nichtsdestotrotz ist er perfekt.
Ein enger Freund von ihr, doch nicht zu eng das sie ihn doch noch verschmähen könnte. Er weiß wie wichtig es ist das er das Band das sie noch immer mit ihrem alten Leben verbindet möglichst schnell durchtrennen muß, soll sie ihm gehören. Er wird dafür sorgen das ihr Band durchtrennt wird und das Er da ist um es zu ersetzen.
Der Barde ist inzwischen zu Ende gekommen und scheint an einer neuen Strophe zu dichten. Marcus kann die Unruhe und ihre Angst spüren und weiß das die Zeit nun gekommen ist, das sie für immer sein ist.
Wie der Tod selbst kommt er aus dem Schatten eines einst prächtigen Grabmals hervor in dem er sich fast 2 Tage verborgen hat und lautlos bewegt er sich auf sein Opfer zu. Wie eine Spinne erklimmt er die Wand des Tempels und innerhalb weniger Herzschläge seit dem Verlassen seines Versteckens hat er die zwei duzend Schritt überwunden und kauert über dem Ahnungslosen.
Mit der Stimme des Grabes ruft er ihn und sanft streicht seine kalte Hand über seine Wange. Doch Taleron zuckt nicht zusammen. Er hat das nahen seines neuen Meisters gespürt und wartet begierig darauf ihm dienen zu dürfen.
Marcus beläßt den Barden in seinem Bann und schnell nähert er sich dem Steinsarg. Sein scharfes Gehör hat das leise Kratzen im Inneren längst wahrgenommen. Die Nebel teilen sich bei seinem Nahen als haben sie nur darauf gewartet das er kommen würde. Mit Leichtigkeit hebt er den schweren Sargdeckel mit leisen Kratzen vom Sarg und läßt ihn ebenso leise auf den Boden sinken. Das Innere ist dunkle und grauer Nebel wabert heraus und verläuft sich auf dem Boden.
Mit einem tödlichen Fauchen greifen scharfe Klauen nach Marcus, ein blasses Gesicht einer jungen Frau mit Fingerlagen Zähnen fährt ihm entgegen. Seinen bloßen Hals wollen sie, ihm die Kehle zerfetzen, sein Blut trinken...
Die Frau erstarrt mitten in der Bewegung. Sie zittert am ganzen Körper. Dem starren Blick ihres Herren hält sie nicht stand.  Sie beginnt zu weinen... doch ohne Tränen.
Marcus nimmt sie in den Arm und hält ihren zitternden Körper. Wenigen seiner Sklaven bringt er bei ihrem Erwachen solche Bedeutsamkeit entgegen. Doch sie ist etwas besonderes. Sie ist seiner Mühe wert.
Ihre Stimme hat den zarten, vollen Klang behalten die vor Angst, Verzweiflung und Verwirrung kaum zu vernehmen ist.
"Was bin ich...?"
Oft hat Marcus diese Worte gehört. Er erinnert sich daran sie selbst gestellt zu haben. Die Antwort die er damals bekam war: " Mein Sklave!"
Doch jene die er nun selbst gibt, ist mit soviel Emotionen erfüllt wie er in den letzen zwei Jahrhunderten nicht zum Ausdruck gebracht hat.
"Hab keine Angst, Alveria denn du bist noch immer Herr deines Ichs. Doch hast du die Fesseln des Lebens abgestreift und bist nun endlich frei. Ewig wird dein Dasein nun sein und in der Ewigkeit werde ich bei dir sein."
Ihre Augen sehen in die seinen, Trauer und Angst noch stärker als zuvor.
"Was bin ich?"
"Du bist die Krone der Schöpfung" flüstert er ihr ins Ohr und er küßt sie sanft auf die kalten, blutleeren Lippen. "Erkenne was du wirklich bist."
Auf einen Wink nähert sich Taleron wie in Trance. Die erschreckten Blicke seiner Gefährtin ignorierend, entblößt er den Hals des Barden und seine Eckzähne werden lang und spitz, er versenkt sie in seinem Hals und saugt das Blut und das Leben aus seinem hilflosen Opfer. Dann löst er sich von ihm und während das warme, rote Blut über seinen Hals fließt, wendet Alveria ihre Augen ab.
Kurz verharrt Marcus, ist doch etwas merkwürdig in Blut des Barden. Doch hat er keine Zeit, sie muß es JETZT vollziehen oder sie könnte sich ihm auf immer entziehen.
"Sieh was du bist. Tue was du tun mußt. Du bist nicht länger ein Mensch. Du bist ihr Herr, sie sind das Vieh von denen wir uns ernähren."
"Nein...!" wiederspricht Alveria schwach, doch ihr Hunger ist groß und das rote Blut scheint so warm und lebendig.
"Du kannst dich nicht selbst verleugnen. Was bedeutet ein Leben schon das solange währt wie ein Herzschlag im Vergleich zu der Ewigkeit die auf dich wartet? Es hilft nichts sich zu wehren. Du weißt es. Ich weiß es. Also erfülle dein Schicksal... und das seine auch."
Und im hellen Mondlicht beugt sich Alveria über ihren alten Gefährten, schließt die Lippen um den warmen Hals, begierig und hungrig umschlingt sie ihn und nimmt sein Leben in sich auf. Immer heftiger umklammert sie ihn, immer heftiger entreißt sie ihm seine Lebenskraft bis sie ihn schließlich in einem tierischen Aufschrei von sich schleudert. Sein Körper ist bereits tot noch ehe er den Boden berührt.
Keuchend und zitternd steigt Alveria aus ihrem Grab, unsicher auf den Beinen doch bereits mit erstaunlicher Kraft und Eleganz.
Marcus lächelt zufrieden. "Nun hat sich dein wahres Ich erfüllt."
Alveria scheint auf geradezu tödliche Art ruhig und entspannt als auch sie ihn anlächelt. Doch plötzlich verzerren sich ihre Gesichtszüge in dämonischen Schmerzen, sie fällt zu Boden und windet sich keuchend vor Pein.
Und Marcus ist erschreckt, diese Reaktion hat er noch nie erlebt.
"Was ist mit dir? Sag es!"
"Sie ist deiner Sklavenschaft entrissen Kreatur des Bösen! Auf ewig!"
Mit einem schrecklichen Schrei beginnt Alveria von innen zu verbrennen. Flammen Schlagen aus ihrem zarten Körper, Fleisch löst sich vom Knochen, verbrennt zu Asche.
Während ihre letzten Überreste mit einem plötzlichen Windstoß vergehen wendet sich Marcus der Gruppe zu  die aus dem Schatten getreten ist, ihm zu begegnen.
Der Dieb und der Zwerg halten sich hinter dem Magier der mit gestreckten Armen und gespreizten Fingern auf den Untoten deutet.
Ein tiefes, tierisches Knurren dringt aus der Kehle des Vampirs, seine Augen glühen blutrot auf, seine Krallen zittern vor Zorn. Innerhalb eines Augenblicks hat er die acht Schritt überbrückt, seine Klaue stößt auf die Kehle des Magiers... und wird von einer unsichtbaren Barriere zurückgeworfen. Marcus taumelt zurück, fast sich außerhalb des Schutzkreises jedoch sofort wieder. Als er den Silberstaub auf dem Boden bemerkt der einen Kreis bildet, blickt er die drei Gefährten mit solchem Haß und Wut an das diese entsetzt zurückweichen.
Und plötzlich beginnt Marcus zu Lachen.
Ein schreckliches, schallendes Lachen das nichts angenehmes an sich hat. Ein Lachen das einem das Blut in den Adern gefrieren läßt und jeden Mut zerschlägt.
Als Marcus seine Augen auf die Gefährten richtet, zittert der Dieb vor furcht, der Zwerg flucht mit bebender Stimme. Nur Pendaram weicht nicht vom Fleck, die Arme noch immer zur Abwehr ausgestreckt. Nur seine verkrampften Finger strafen seiner äußeren Ruhe Lügen.
"Du hast mich überrascht Magier. Jahrhunderte ist es her das ein Lebender dies geschafft hat. Wahrlich eine überragende Idee für so eingeschränkte Wesen wie euch. Deshalb will ich dir und deinen Gefährten das Leben schenken. Für diesesmal."
Er wendet sich ab und beginnt mit den Schatten zu verschmelzen. Noch einmal hält er inne und weißt auf den bleichen Leichnam Talerons.
"Ihr solltet seine Leiche verbrennen. Verwendet Silber und Eisenstaub. Ich habe keine Verwendung für einen weiteren Sklaven. Ach ja... und euer Trick mit dem Weihwasser wird gewiß nicht ein zweites Mal glücken. Ihr habt einen Tag die Stadt zu verlassen. Ich rate euch dieses Angebot anzunehmen."
"Wir werden gehen." erwidert der Magier mit bitterem Blick auf seinen toten Gefährten und einen rußigen Fleck auf dem Boden. "Hier hält uns nichts mehr."
Doch der Vampir ist bereits in Nebel und Schatten verschwunden.
Pendaram läßt erschöpft die Arme sinken.
"Laßt uns Taleron verbrennen wie er uns geheißen hat und dann die Stadt bei Tagesanbruch verlassen. Hier ist alles getan..."
"Nein!"
Der Magier wendete sich Alrik zu der zitternd an der Tempeltür lehnte, sein Schwert in der Hand. "Nein wir werden nicht gehen." wiederspricht er erneut. "Wir werden diese elende Kreatur vernichten und Alveria und Taleron rächen. Niemals werde ich ruhen bis ich seinen verfluchten Körper zu Asche verbrennen sah. Das schwöre ich bei meinem Blut..."

Im Gasthaus "Zum Fröhlichem Eber" herrscht trotz der finsteren Stunde, heitere Fröhlichkeit.  Doch das laute Lärmen und das viele Essen und Trinken lassen die drei Gestalten des im Dunklen stehenden Tisches unangesprochen. Obwohl die Herberge überfüllt und die Gäste bereits auf den Tischen sitzen fragt niemand nach dem freien Stuhl der bei den drei Gestalten steht. Auch nährt sich niemand dem Tisch müßte er doch um sein Leben fürchten.
Die Tür öffnet sich mit lauten Knarren doch die graue Gestalt die eintritt wird von niemandem beachtet. Auf direktem Weg begibt sie auf den dunklen Tisch zu und setzt sich auf den freien Platz.
Für einen Moment herrscht schweigen am Tisch bis Alrik den Kopf hebt und seinem Gefährten in die Augen blickt.
"Lange warst du fort alter Freund und sei gewiß, das Warten viel mir so schwer wie deine Reise  sein muß. Berichte bitte rasch ob deine Mission erfolgreich war."
Pendaram schlägt die Kapuze zurück und nimmt einen Schluck Wein aus dem Glas das wie jeden Tag für ihn bereit steht. Dann blickt er seine Gefährten an und beginnt zu berichten.
"Was du über meine Reise sagst entspricht der Wahrheit Alrik. Und Ja, auf meiner Mission erfuhr ich mehr als ich je erfahren wollte. Und jetzt, da ich um so mehr weiß, bitte ich dich noch einmal: Laß ab von deinem Plan und laß uns in frieden weiterziehen. Was du zu tun gedenkt liegt, fürchte ich, jenseits unserer Möglichkeiten."
Für einen Moment schweigt Alrik ehe er antwortet. "Raddas und Sinbald sind meiner Meinung. Wir haben unseren Entschluß gefaßt. Willst du uns nicht unterstützen so wünschen wir dir für dein weiteres Leben das herzlichste und bitten dich nur uns alles zu berichten was du weißt. Aber wir brauchen dich und ich glaube ohne dich ist unser Vorhaben wirklich von Anfang an zum Scheitern und noch schlimmeren verurteilt. Doch werden wir deswegen keinen Groll gegen dich hegen."
Lange sieht Pendaram dem Krieger in die Augen ehe er antwortet. "Zu lange haben wir zusammen Abenteurer und Heldentaten vollbracht und Alveria als auch Taleron haben mir viel zu viel bedeutet als das ich euch nun den Rücken kehren könnte. Doch wisset: Diese Heldentat kann uns allen nur allzu leicht das Leben und noch viel, vielmehr kosten. Aber gut, wir werden es versuchen mit allem was wir vermöchten.
Ich habe lange mit jemandem gesprochen, der das Böse kennt wie kein anderer. Zwar ist er momentan nicht in der Lage uns persönlich zur Seite zu stehen, aber hat er mir Wissen von unschätzbarem Wert berichten können. Auch haben wir bereits einen Plan erdacht. Sobald alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, brechen wir auf."
Alrik ergreift die Hand des Magiers, ebenso die aller seiner verbliebenen Gefährten.
"Also ist es entschieden. Mögen die Götter uns beistehen. Berichte uns deinen Plan Pendaram."

Dunkel sind die Wolken, die den Mond bedecken, schwarz ist die finstere Nacht, grau der Nebel der immerdar über den Boden kriecht und rötlich das Morgenzwielicht das bereits das nahen des neuen Tages ankündigt.
Kaum ist die Sonne erwacht und wirft ihre ersten Strahlen auf die Lande des Nebels, sind Geräusche in dem alten Haus, das einige duzend Schritt abseits der Stadt steht, zu hören.
Es sind verschiedene Laute.
Eine Säge, ein Hammer, ein leises Rascheln, das Kratzen von Metall auf den verschiedensten Unterlagen,  gelegentlich der Gesang der Magie, die lauten Flüche eines Zwerges.
Man kann diese Geräusche schon seit Tagen hören. Jedoch nur bei Tageslicht, auch sind diese Geräusche nur innerhalb des Hauses zu hören.
Von außen ist nichts zu vernehmen.

Sie wollen kein Risiko eingehen, auf das keiner der vielen Diener ihres Widersacher von ihrem Plan erfahren kann.
Lange haben sie auf ihre Rache gewartet, oft sind sie ihren Plan wieder und wieder durchgegangen, haben neue erdacht und wieder verworfen.
Noch immer verbringen sie viele der nächtlichen Stunden mit planen.
Doch die Zeit der Vorbereitung neigt sich dem Ende zu.
Tagelang haben sie in Bibliotheken geforstet und unauffällig und durch List und Magie verschleierte Fragen an die Einwohner gestellt um mehr über die Kreatur des Bösen, die schon zwei ihrer Gefährten tötete herauszufinden.
Und sie erfuhren seine tragische Vergangenheit die als Schauergeschichte noch nach Jahrhunderten in den Köpfen der Bewohner spukt...

Er war noch jung, gerade 19 Winter alt, Sohn eines Tischlers und Geselle in seines Vaters Handwerk. Er hatte ein friedliches und angenehmes Leben geführt.
Eines nachts kam eine Frau in die Stadt.
Durch Zufall begegnete er ihrer Kutsche als sie die Stadt erreichte. Er sah sie durch das schmale Fenster und sie lächelte ihn verführerisch an.
Ihr Blick verzauberte ihn sofort.
Sie ließ die Kutsche halten und sprach ihn höflich an, lud ihn ein mit sich zu kommen. Er wäre ihr Gefolgt, hätte ein Freund der Familie es nicht bemerkt und ihn unter einem schnell erdachten Vorwand davon abgehalten.
Doch er mußte ihr unbedingt ein Zeichen seiner Verehrung geben, so das er ihr seinen Anhänger schenkte, einem Erbstück seiner Familie. Sie bedankte sich mit einem weiteren Lächeln und versicherte ihm das er bei ihr jederzeit willkommen sei.
Sein Bekannter  zog ihn fort doch er riß sich los und folgte ihrer Kutsche und sah sie in einem Gasthaus verschwinden.
Von diesem Augenblick, die sie ihm in die Augen sah, konnte er an nichts anderes mehr denken als an diese Frau.
Er konnte nicht essen, er konnte nicht schlafen, doch seine Eltern verboten ihm sie zu sehen. Sie hatten Angst um ihren Sohn und fürchteten die Frau, über die bereits in der ganzen Stadt gesprochen wurde. Angeblich war sie eine reiche Händlerin aus einem benachbarten Reich. Und es hieß sie würde junge Männer verführen und auf immer schwinden lassen.
Er mußte schwören sie von ihr fernzuhalten.
Doch er konnte es nicht ertragen sie niemals wiederzusehen. Immer wieder sah er sie in seinen Träumen, einmal glaubte er sogar sie an seinem Fenster zu sehen... wie sie ihm zuflüstere: "Laß mich rein... Laß mich rein und ich werde dir geben wonach es dich verlangt..."
Seine Mutter riß ihn aus diesem Traum, wie er vor dem Fenster stand und meinte er hätte geschlafwandelt.
Er wußte jedoch das sie bei ihm gewesen war und das sie ihn begehrte, so wie er sie.
In der Nacht ihrer Abreise war sein Verlangen sie zu sehen zu groß geworden und auch sein Schwur gegenüber seinen Eltern konnte ihn nicht zurückhalten.
In finsterer Nacht lief er zu ihrem Gasthaus, ein Diener öffnete sofort und brachte ihn schweigend auf das Zimmer seiner Herrin.
Der Raum wurde nur von Kerzen erhellt, war mit schwarzem Samt verhangen, das Bett bedeckt mit den Blütenblättern des Tulpenbaumes.
Und als er sie sah zwischen all den leuchtenden und duftenden Blüten liegend hätte er sterben können, so schön war sie.
Und sie trug seinen Anhänger...
Sie verzauberte ihn mit einem Blick und er war ihr bedingungslos ergeben.
Sie liebten sich die ganze Nacht und er war trunken vor Vollust und Freude.
Dann als der Morgen langsam dämmerte zog sie ihn zu sich heran und flüsterte ihn zärtlich und zugleich boshaft ins Ohr.
"Für diese Nacht magst du mir ewig dankbar sein. Doch für das was ich dir jetzt gebe wirst du für Immer mein Sklave sein."
Und sie versenkte ihre langen Zähne in seinen Hals und sog das Blut wie auch das Leben aus dem jungen Körper.
Er spürte den Schmerz nicht einmal.
Er stöhnte auf bis sein Haupt kalt und blas war.
Und er fiel in einen Alptraum aus dem er nie wieder erwachen sollte...

Doch die Gefährten erfuhren nicht alles. Sie erfuhren nicht was danach mit ihm geschah.

Als er wieder zu Bewußtsein kam, lag er in einer engen Holzkiste, spürte das rumpeln des Wagen auf einer Straße.
Seine Herrin hatte ihn mitgenommen.
Er spürte ihre Anwesenheit. Sie saß in der Kutsche.
Sie fühlte sich wohl, war glücklich über ihren neuen Sklaven.
Er spürte das etwas mit ihm geschehen war. Seine Haut war kalt und alles war anderes. In seinen Gedanken formte sich die eine Frage: "Was bin ich...?"
Und die Stimme seiner Herrin erklang in seinem Kopf, voller Bosheit und höllischer Freunde.
"Mein Sklave!"
Doch plötzlich verwandelten sie ihre Gedanken in rasenden Haß und lähmende Furcht.
Die Jäger hatten sie gefunden und verfolgten sie.
Die Kutsche fuhr schneller, doch ihren Verfolgern konnte sie nicht entkommen.
Die Achse brach und die Pferde rissen sich los.
Über einem Abhang hängend kam die Kutsche zum stehen.
Er hörte ein schreckliches Fauchen und Knurren, den entsetzlichen Schrei eines sterbenden Menschen und laute Rufe.
Und dann hörte er ihren Todesschrei.
Ihre Qualen waren seine Qualen als der Pflock ihr Herz durchbohrte, als der Pflock SEIN Herz durchbohrte.
Er wand sich in unendlichen Schmerzen und hielt sich die Ohren zu in dem vergeblichen Versuch dem Todeslaut seiner Meisterin zu entkommen.
Endlich verstummte der Schrei als ihr der Kopf vom Rumpf geschlagen wurde und ihm wurde schwarz vor Augen. Er spürte wie er fiel und hoffte das der Tod ihn bald in seine Arme nehmen würde. Doch was ihn erwartete war weiterer Schmerz.
Die Kutsche schlug am Boden auf und er schrie in schrecklicher Pein auf als sein Körper zerschmettert wurde.
Doch er starb nicht.  Er lebte auch nicht.
Er kroch aus den Trümmern und wankte wie in einem Traum, einem Alptraum, nach Hause.

Seine Eltern saßen wie die Tage zuvor schon weinend am Eßtisch, trauernd um ihren Sohn den sie für verloren glaubten.
Obwohl er verwirrt, schwach und verletzt war freute er sich auf die Gesichter seiner Eltern wenn sie ihn lebendig wiedersähen.
Doch sie erkannten ihn nicht wieder.
Sie hielten ihn für einen wandelnden Leichnam, die flohen vor ihm, wollten ihn vernichten.
Sein Schmerz, seine Verwirrung und seine wachsende Angst ließen ihn das tun was aus ihm geworden war.
Er verlor die Kontrolle über sich und tötete im Wahn seine Eltern, Geschwister und umliegenden Nachbarn.
Dann floh er in die Nebel.
Vor seiner Tat und sich selbst...

In dieser Nacht gedenkt sich Markus wieder seiner Vergangenheit. Er weiß nicht warum und seine Gedanken schweifen zu dem Mädchen die das Seine hätte sein sollen.
Er hatte sie schon fast vergessen. Sie und ihre Gefährten.
Man hatte ihm gesagt sie seinen fort und seit Monaten ist nichts mehr von ihnen zu ihm gedrungen.
Es waren kluge Menschen gewesen. Wahrlich gab es nur wenige davon.
Ein leises Geräusch holt ihn in seine Umgebung zurück. Eine Katze huscht erschreckt vor ihm davon. Erschreckt weil sie ihn nicht bemerkt hat bis er direkt hinter ihr steht.
Markus schenkt ihr keine Beachtung.
Er ist auf dem Weg zu seinem letzen Opfer für die heutige Nacht. Sie erwarte ihn schon voller Ungeduld. Ihr Blut ist ein kleiner Preis für das was sie dafür von ihm bekommt. Sie wird den morgigen Tag etwas geschwächt sein, mehr nicht.
Marcus lächelt vor Vorfreude und leckt sich über die Lippen. Sein Hunger ist schon spürbar...
Mit einem mal steht Alrik vor ihm.
Ja, er erinnert sich an den Namen des Kriegers ebenso wie er diese hassverzerrten Augen wiedererkennt.
Wie es ihm gelungen ist ihn zu überraschen weiß Marcus nicht. Doch verwundert es ihn, daß sein Gegner nicht versucht ihn mit seinem Schwert aufzuspießen.
Der Vampir mustert sein Gegenüber spöttisch, der sich bis auf sein überraschendes Auftauchen nicht gerührt hat.
"Was ist los Krieger? Willst du mich nicht mit deinem Schwert durchbohren und deine Gefährten mit meinem 'Tot' rächen? Nur zu! Stich! Eine Kreatur wie ich verdient es durch die Hand eines Helden zu streben."
Marcus breitet seine Arme aus doch zu seiner Überraschung bleibt der Krieger noch immer ruhig vor ihm stehen. Er ist angespannt und Markus sieht ihm deutlich an das er sich nichts mehr wünscht als genau das zu tun.
Aber er rührt sich nicht.
Marcus weiß nicht das Pendaram ernste Zweifel hegte Alrik diesen Teil des Plans zu überlassen. Doch die Beharrlichkeit des Kriegers hatte den Magier klein beigeben lassen.
"Ich werde dich vernichten Monster! Doch nicht so. Mein Schwert brauche ich dafür nicht."
Für einen Moment erwägt Marcus laut zu lachen doch er ist bereits vorsichtiger und all seine Sinne sind aufs Äußerste gespannt. Doch bevor er sich seine Umgebung voll bewußt machen kann spricht der Krieger weiter.
"Eine Waffe brauche ich nicht. Nur dies hier!"
Mit einem Ruck hält Alrik dem Vampir einen funkelnden Anhänger vor das blase Gesicht. Einen Anhänger der ihn mit einem mal alles vergessen läßt, ihn wie einen Faustschlag trifft  und wie hypnotisiert zurückläßt.
Langsam, greift er nach dem Anhänger, sich nicht sicher ob er ihn wirklich berühren soll wie damals in jener Nacht.
"Wo... Woher hast du ihn...?" flüstert die unmenschliche Kreatur mühsam hervor.
Alrik zieht den Anhänger aus der Griffreichweite des Vampirs zurück und beobachtet mit Genugtuung wie das sonst so harte und ausdruckslose Gesicht sich in einem Sturm der Gefühle auflöst.
"Von einem Krämer aus dem Nachbardorf. Ja ich weiß von dieser Frau. Kennst du überhaupt ihren Namen? Nein offensichtlich nicht. Ihr Name ist... war... Katarine Wallence. Sie war eigentlich adoptiert mußt du wissen..."
 Der Krieger redet weiter doch Marcus hört ihm schon nicht mehr zu. Seine Gedanken rasen, ebenso seine Wut.
Dieser erbärmliche Wurm macht sich über ihn lustig!
Woher weiß er soviel?
Kennt er auch die Schwächen die ein jeder Vampir an sich hat?
Zweifellos war dem so.
Zumindest pendelte eine vor ihm in der Luft. Er muß in töten, auf der Stelle!
Wenn auch nur um ihn zum Schweigen zu bringen.
"Du sollt still sein!" faucht Marcus wutentbrannt und greift erneut, dieses mal blitzschnell, nach dem Anhänger dessen Licht schmerzhaft in seinen Augen brennt.
Doch Alrik hat dies vorausgesehen und springt weit zurück. Marcus stößt vor und auch die letzten Schritte die der Krieger zurückweicht können ihn nicht retten. Seine Hand schließt sich um die Kehle des Menschen und er schiebt seine Augen ganz nahe an die seines Opfers.
"Hast du noch ein paar letzte Worte die für mich von Interesse sein könnten oder möchtest du mit einem Gebet sterben?" flüstert der Vampir mit tödlicher Ruhe.
"Jaaa..." keucht der Krieger mühsam hervor. Seine Augen zeigten furcht, aber auch grimmigen Trotz. "JETZT!"
Um mit einem Mal sind beide bedeckt mit Blüten die auf sie herabregnen.
Der unmenschliche Griff löst sich um Alriks Hals und er fällt zu Boden. Marcus stöhnt gepeinigt auf und geht in die Knie. Der Krieger dreht sich um und zieht einen Pflock aus seiner Rüstung. Der Dieb ist neben ihm, wirft den leeren Sack mit den Blüten fort und hält einen Hammer in der Hand.
Zusammen drücken sie den Vampir in die Blüten, füllen seinen Mund damit und halten seine Arme fest.
Marcus wehrt sich schwach.
Diese entsetzliche Farbe brennt in seinen Augen, dieser Geruch vernebelt seinen Geist. Wie damals in jener Nacht... als sie sich liebten und sie ihn tötete, zum Vampir machte.
Er kann sie spüren, grade jetzt, kann sie schmecken, kann sie fühlen.
Diese entsetzlichen Blüten...
Der Pflock saust hinab und bohrt sich in die Brust des Vampirs.
Der erste Schlag mit dem Hammer treibt ihn noch tiefer hinein.
Marcus schreit auf, in schrecklichem Schmerz und Wut.
Der zweite Schlag.
Der Vampir krümmt sich zusammen und keucht, sieht nichts mehr, hört nichts mehr. Er riecht nur noch diesen fürchterlichen Geruch und spürt diesen unsagbaren Scherz in seiner Brust.
Der dritte Schlag trifft bereits das Herz.
Alrik holt aus zum letzten Schlag... und mit einem unmenschlichen Wutschrei schleudert der Vampir sie beide von sich. Für einen Moment wird dem Krieger schwarz vor Augen und alle Luft wird ihm aus dem Leib gepreßt. Er spürt wie er fliegt und schließlich aufschlägt. Alrik stößt sich beim Aufprall hart die rechte Schulter und Sinbald hat vom Schlag der untoten Kreatur einige Rippen gebrochen.
Sie rappeln sich mühsam auf während sie beobachten wie der Vampir sich stöhnend am Boden wälzt und versucht den Pflock herauszuziehen.
Alrik hilf Sinbald auf und zusammen fliehen sie in die Nacht so schnell sie können.
Hinter sich hören sie einen Schrei und wissen das die Jagd eröffnet ist.
Schon können sie hinter sich die unnatürlich schnellen Schritte hören, aber auch immer wieder ein Poltern wenn die geschwächte Kreatur über das grobe Kopfsteinpflaster stolpert.
Beide rennen so schnell sie können, Sinbald wünscht sie fast zu sterben als seine gebrochenen Rippen gegen seine Lunge pressen. Oft stolpert auch er doch Alrik fängt ihn jedesmal auf.
Keuchend und zitternd vor Frucht und Erschöpfung kommen sie wie zufällig zu dem alten Haus etwas außerhalb der Stadt.
Marcus glaubt keineswegs an einen Zufall doch die Wut und der Schmerz macht ihn blind. Als er sieht wie beide durch die Tür verschwinden hat er noch genug Geistesgegenwart durch das Fenster neben der Tür zu springen.
Während die Holzsplitter und Stücke in den Raum fliegen erfassen Marcus Augen den Dieb der mühsam eine Treppe nach oben hastet.
Der Krieger will scheinbar gerade durch eine Tür gehen als er sich auf dem Absatz umdreht und den Vampir erschreckt ansieht. Er hat offensichtlich nicht damit gerechnet das er SO schnell hier sein würde.
Marcus fletscht die Zähne und überbrückt 3Schritt mit einem einzigen eleganten Sprung. Beide brechen durch die morsche Tür und poltern die Treppe hinunter in einen großen Raum.
Während der Krieger stöhnend bei der Treppe liegenbleibt springt Marcus kampfbereit auf... und zuckt zurück.
Der Raum Umfaßt 6*4Schritt und befindet sich offensichtlich im Keller. Und all seine Wände, sogar die Decke, sind bedeckt mit Gewändern, Bechern, Symbolen, Glyphen ganzen Büchern und allen erdenklichen Dingen die einen göttlichen Segen besitzen.
Und Licht.
Ein helles göttliches Licht geht von vier Edelsteinen aus die an der Wand hängen.
Dort wo eben noch die Treppe war hängt nun ein Metallspiegel herab, ebenfalls behängt mit Göttlichen Utensilien und einem leuchtenden Edelstein.
Marcus taumelt und fällt auf die Knie. Das helle Licht brennt auf jeder freien Stelle seines Körpers und nimmt ihm die Sicht.
Schon kann er hören wie der Krieger vor ihm langsam aufsteht. Selbst durch zugekniffene Augen kann er den Haß in den Augen des Menschen sehen und das aufblitzen seines Schwertes.
Der Krieger ist nicht so dumm ihn anzugreifen wenn er sich der Wirksamkeit seiner Waffe nicht sicher wäre.
Er nähert sich langsam, das Schwert zum Schlag erhoben.
"Du elende Kreatur der dunkelsten Götter. Jetzt wirst du durch meine Hand zu Asche verbrennen! Für Talerons Tot und das was du Alveria angetan hast!"
Die Klinge saust auf den Kopf des Vampirs herab, doch mit übermenschlicher Schnelligkeit zieht die Kreatur einen schmalen Dolch aus dem Stiefel und pariert den Schlag. Mit Katzen gleicher Eleganz springt Marcus zurück und zieht von seinem Rücken einen kurzes, schlankes Florett.
"Du irrst dich Alrik." flüstert die Kreatur während sich beide umkreisen. "Ich habe sie befreit! Befreit aus dem Gefängnis das ihr Leben nennt. Leben... pah!  Ihr seid wie ein Funken der aufflammt und schon wieder erlischt bevor er überhaupt zu brennen begonnen hat. Aber WIR... wir sind ein Feuer das niemals erlischt und wir wachsen und gedeihen, gewinnen an Stärke und  Pracht mit jeder Minute die wir existieren. Ich liebe Alveria ebenso wie du. Sie sollte meine Gefährtin werden, auf ewig sein in dieser Welt und niemals alt werden, niemals krank und niemals vergehen. Und IHR habt sie Umgebracht!"
"Nein!" Wutentbrannt springt Alrik vor und schlägt wild auf seinen Gegner ein. Doch sehr schnell verwandelt sich sein wilder Angriff in eine geradezu verzweifelte Parade als Marcus mit Florett und Dolch zum Gegenangriff übergeht. Nur knapp kann Alrik einige gefährliche Schläge und Stiche gegen seine Kehle und Herz vereiteln.
Das Florett schreibt einen Bogen und fährt auf den Hals des Kriegers nieder, das dieser mit der Spitze seines Schwertes abfängt. Der Dolch zielt auf seine Brust, doch Alrik pariert den Stich mit seinem Schwertknauf.
Der Tritt in sein Gesicht trifft den Krieger völlig überraschend und schleudert ihn zu Boden.
Auch Marcus weicht vor seinem Gegner zurück. In dem bisherigen Kampf hatte er fast blind gekämpft und es fällt ihm schwer sich auf die Schläge und Paraden zu konzentrieren. Allein seine Schnelligkeit und Erfahrung haben ihn bisher vor der Vernichtung bewahrt. Doch seine Stimmt klingt ruhig als er fortfährt als wäre ihre Unterhaltung nicht durch einen wilden Schlagaustausch unterbrochen worden.
"Sie hat es genossen weißt du? Deinem Gefährten das Blut auszusaugen und ihn sterben zu sehen. Sie war für das Untotendasein wie geschaffen. Ihre volle Erfüllung konnte sie erst im Tode finden. Und sie wäre nie wieder alleine gewesen. Weder Hunger, Durst noch sonst eine dieser Belanglosigkeiten hätten ihr Sorgen bereiten müssen. Sie war glücklich mit ihrem neuen Leben."
"Sie war TOT! Du hast sie zu einem Monster gemacht! Du hast sie umgebracht!" schreit Alrik zitternd vor Wut und Verzweiflung. Er war einfach zu schnell. Und er spielte mit ihm. Die Kreatur hätte ihn schon töten können, doch er wollte noch mit ihm spielen bevor er seine Beute erlegte.
"Du hast ihr das Angetan." Knurrt Alrik noch mal.
"Habe ich sie etwa im Stich gelassen?" ist die boshafte Antwort seines gegenüber.
Mit einem Wutschrei stürmt der Krieger abermals vor und sticht nach dem Herz des Vampirs. Marcus wehrt den Schlag mit seinem Dolch ab und schlägt nach dem Kopf des Kämpfers. Alrik duckt sich und schlägt ihm ins Gesicht was kaum Wirkung zu zeigen scheint. Doch die Sekunde genügt ihm um der Kreatur das Schwert in die Seite zu rammen. Nur um Haaresbreite pariert diese den Schlag und schlägt mit dem Dolch einen blutigen Schnitt über die Wange des Kriegers.
Alrik taumelt zurück und Marcus springt vor und treibt seinen Gegner zurück. Ein harter tritt in den Magen schleudert ihn gegen die Wand und der Krieger geht zusammen mit Kränzen und Schmuckstücken zu Boden. Marcus packt Alrik am Hals und zieht ihn zu sich Hoch den Dolch zum entscheidenden Stich angesetzt.
"Dein Blut gehört mir" flüstert der Vampir ihm leise ins Ohr.
Mit trotzigem Blick starrt der Krieger zurück und knurrt zurück: "noch nicht!"
Mit einem Ruck preßt er eine heilige Brosche auf den Handrücken des Vampirs die er von der Wand gerissen hatte. Mit einem fürchterlichen Aufschrei taumelt Marcus zurück und hält sich die verbrannte Hand. Sein Florett fällt klirrend zu Boden.
Alrik stemmt sich hoch und packt sein Schwert mit beiden Händen. Er springt auf den unbewaffneten Vampir und läßt seine Waffe auf den Kopf der Kreatur niedersausen.
Die Hand der Kreatur schnellt vor und fängt den rechten Arm am Handgelenk auf. Schneller als das Auge es verfolgen könnte schnellt die linke Hand des Untoten vor, schließt sich um den Dolch, der im Gürtel des Kriegers steckt und rammt ihn Alrik in die Brust.
Dieser taumelt und fällt auf die Knie, sein Schwert löst sich aus seinen steifen Fingern und fällt scheppernd zu Boden. Er spürt sein Blut und sein Leben zwischen seinen Fingern verrinnen. Er bricht zusammen und bleibt auf dem Bauch liegen. Er spürt wie sich Marcus über ihn beugt und ihm seinen Umhang abnimmt.
Alles beginnt um ihn herum zu verschwimmen und schwarz zu werden. Sein Blick streift ziellos umher und bleibt auf seinem Schwert haften.
Es liegt nur einen Schritt entfernt. Er braucht nur den Arm danach auszustrecken. Doch dieser Schritt kommt ihm vor wie Hundert. Langsam streckt er zitternd die Hand aus.
Sein Schwert... sein Schwert...
Er muß es erreichen. Nur das Schwert erreichen und es dieser höllischen Kreatur durch das schwarze, verkommene Herz treiben.
Er hat es fast erreicht. Seine Finger gleiten über den Knauf. Mit leisem stöhnen legt sich seine Hand um die Waffe. Die Schwärze hat ihn nun schon fast völlig umhüllt.
Aber noch sieht er sein blitzendes Schwert vor sich liegen.
"Nein... niemals... werde ich ruhen... bis... ich deinen verfluchten Körper zu... Asche verbrennen sah."
Seine Hand legt sich um den Knauf.
"Das... schwöre... ich... bei... meinem Blut..."
Und seine Hand schließt sich um den Knauf.
Alrik lächelt... und stirbt.

Der Zwerg weint.
Natürlich würde er das niemals zugegen. Es war der Staub in diesem verfluchten Haus, das war alles.
Trotzig wischt er sich die Träne aus dem Auge und spricht ein kurzes Gebet für seinen alten Gefährten. Er hat ihn schon gekannt als er ein kleiner Junge war und sie zusammen auf Reisen gegangen waren. Sie haben immer gewußt das mit ihrer Welt etwas nicht stimmte. Doch das er in einer solchen Hölle lebt hat Raddas nicht gewußt.
Eigentlich ist es Alriks Aufgabe gewesen die Tür zu bewachen. Jetzt muß der Zwerg dafür sorgen das der Vampir den Raum nicht verlassen kann. Der Zwerg kann ihn über den Spiegel am dem Treppenaufgang sehen. Er hat alles sehen können und nichts anderes tun können als zusehen.
Der Magier hat sich auf seinen Spruch konzentrieren müssen der den Raum verschlossen hält und Sinbald ist zu der Winde für den Spiegel am Treppenaufgang gelaufen um Alrik die Flucht zu ermöglichen, sollte sich die Gelegenheit bieten.
Aber sie kam nicht.
Er ist nicht geplant gewesen das der Krieger mit dem Vampir in den Raum kam. Er hat die Aufgabe ihn Hineinzulocken falls dies notwendig sein sollte.
Sie haben nicht damit gerechnet das der Vampir SO schnell hier sein würde obwohl er offensichtlich verletzt gewesen war. Ihr Köder muß funktioniert haben.
Leider nicht gut genug. Hätten sie ihn doch nur gleich töten können.
Dann wäre Alrik noch am Leben.
Der Zwerg verrenkt sich den Hals und sieht den Vampir nach wie vor unter dem Umhang des Kriegers liegen. Es ist nicht mehr lange bis Sonnenaufgang. Nicht einmal mehr eine Stunde schätzt er. Will sich der Vampir vor dem Licht der Kristalle schützen?
Raddas wischt sich die schweißnassen Hände an seine Hose ab. Wenn dieses Warten nicht wäre...
Ein merkwürdiges Geräusch läßt den Zwerg zusammenzucken. Das Geräusch kommt näher. Es kommt von außen und ist schon um das ganze Haus zu hören.
Während sich Raddas den Kopf darüber zerbricht hört er plötzlich über sich Sinbald aufschreien. Und dann erkennt er das Geräusch.
Fledermäuse!
Duzende!
Und schon flattern sie auf ihn zu, von oben woher die Schreie des Diebes erklangen. Er zieht seinen Helm tief ins Gesicht und beginnt wild um sich zu schlagen. Die Fledermäuse zerkratzen sein Gesicht und zerren an seinem Bart, aber der Zwerg ist zu schwer gerüstet um ihm mehr anhaben zu können.
Aber der arme Sinbald und erst der Magier...
Der Magier!
Der Zwerg flüstert einen ehrfürchtigen Fluch. Der Schutzzauber...
Bevor er den Gedanken zu Ende denken kann, zersplittert die Tür in Stücke, Marcus ist in einem Satz die Treppe hinauf und stürzt sich auf den Zwerg.
Seine ersten Angriffe halten die schwere Rüstung des Zwerges ab, aber schon suchen die Klingen nach Schwachstellen während Raddas zurückstolpert.
Der Dolch hat sein Ziel gefunden doch noch während er versucht durch die Rüstung des Zwerges zudringt erklingt der leise Gesang der Magie.
Vier glühende Geschosse bohren sich in den Rücken des Vampirs. Die Kreatur schreit auf und reist den Dolch zurück bevor er tiefer eindringen kann. Dann verschwindet er in einem dunklen Nebenraum.
Raddas richtet sich schwankend auf und preßt seine Hand auf sie Wunde in seiner Seite und blickt dankend zu dem Magier hinüber der geschwächt an der Wand lehnt. Er scheint einige Kratzwunden in Gesicht und Hände davongetragen zu haben. Erneut singt er Worte und zeichnet schnell und geschickt einen Kreis aus Silberstaub um sich herum.
Dann winkt er schwach den unsicheren Zwerg zu sich. Raddas hat Magie noch nie getraut. Das er nun ihr sein Leben so sehr anvertrauen soll mißfällt ihm mehr als alles andere.
Erneut winkt der Magier, diesesmal ungeduldiger.
Mit einem Fluch setzt sich der Zwerg in Bewegung doch die aufgerissenen Augen des Magiers lassen ihn herumwirbeln, gerade rechtzeitig um dem ersten Angriff von Dolch und Florett zu entgehen. Doch zu schnell kommen die Angriffe und der Zwerg hat dem Eleganten und flüssigen Kampfstil des Vampirs nichts entgegenzusetzen.
Das Florett bohrt sich in seinen Körper und der Zwerg sieht in die freudig blitzenden Augen der Kreatur. Mit einem Kampfschrei schleudert Raddas seine Axt von sich und zu der grenzenlosen Überraschung des Vampirs schlingt der Zwerg die Arme um ihn. Das Florett bohrt sich bis zum Knauf in seinen Körper doch Raddas hält seinen Gegner unerbittlich im Todeskrampf umschlugen.
Marcus kann sich kaum noch rühren so stark ist die Umklammerung des zähen, starken und gepanzerten Zwerges.
Seine Knochen brechen und seine rechte Hand wird durch sie starre Rüstung des Zwerges fast zermalmt.
Mit schreckensweiten Augen beobachtet Pendaram das Drama als Sinbald neben ihm erscheint.  Seine Hände bluten stark und sein Gesicht ist so zerkratzt das er sein rechtes Auge nie wieder öffnen wird.
Er schüttelt den Magier am Arm und streckt seine zerrissene Hand aus.
"Schnell Pendaram, dein Dolch."
Einen kurzen Augenblick sieht der Magier seinen Gefährten traurig und voller Hoffnungslosigkeit an. Dann holt er aus seinem Gewand einen schmalen Dolch hervor und reicht ihm dem Dieb.
"Nur einen kurzen Augenblick, mehr brauche ich nicht." Flüstert Pendaram.
Doch Sinbald hört ihn nicht. Sofort stürmt der Dieb vor um seine Chance zu nutzen. Mit einem Aufschrei stößt er ihn in die Kehle des Vampirs.
Marcus kann sich nicht wehren...
Der Dolch trifft die Kehle und... die Wunde schließt sich sofort. Entsetzt taumelt der Dieb zurück und blickt zu Pendaram zurück. Und in den Augen des Magiers kann er lesen: "Es tut mir leid..."
Noch verwirrter dreht sich Sinbald wieder um und stürmt erneut auf den Vampir zu.
Aber er hat keine Gelegenheit mehr für einen zweiten Versuch oder zu verstehen was geschehen ist.
Er hat nicht einmal mehr die Zeit für einen Schrei.
Marcus Hand schnellt vor und bricht ihm das Genick.

Der Vampir läßt den schlaffen Körper des Diebes fallen und versucht sich aus der schraubstockartigen Umklammerung des Zwerges zu befreien. Doch die ohnehin schon außergewöhnliche Stärke Raddas ist in seinem Tot noch gestiegen. Den Todeskrampf eines Zwerges in Sekunden zu sprengen liegt selbst außerhalb seiner Kräfte.
Zu seinem Schrecken hat sich der Zwerg auch noch in den dicken Lederriemen seiner Rüstung verkrallt. Mit seiner freien, rechten Hand durchsucht er hektisch die Leiche des Diebes nach einer Waffe oder einem scharfen Gegenstand.
Die scharfen Krallen seiner freien Finger sind ebenso wie ein Teil der Hand zermalmt worden.
Er hört den Magier noch immer magische Silben aufsagen die trotz der Schwäche der Stimme kraftvoll und nur allzu deutlich zu vernehmen sind.
Marcus unterdrückt einen Fluch als er die sinnlose Untersuchung der Leiche aufgibt und sich blitzschnell im Raum umsieht. Seine Blicke fallen auf den Dolch dem der Dieb in seinem Tot aus der Hand gefallen ist. Er liegt nur wenige Schritt von ihm entfernt.
Hektisch kriecht er darauf zu. Seine rechte Hand krallt sich verzweifelt in den Boden. Die Worte des Magiers werden schneller, bald ist der Zauber ausgesprochen. Mühsam zieht sich Marcus vorwärts, den schweren Zwerg in voller Rüstung hinter sich herzerrend. Nur noch ein halber Schritt. Marcus streckt die Hand danach aus. Eine Handbreit mag wohl noch fehlen.
Die Worte des Magiers erreichen ihren Höhepunkt.
Marcus schiebt sich vor, doch die Rüstung des toten Zwerges bleibt in der Lücke zwischen zwei Bodenbrettern hängen.
Fluchend reißt Marcus daran und die Bretter knirschen unter der unglaublichen kraft des Vampirs.
Der Magier holt derweil einen seltsam gebogenen Golddraht hervor und wirft ihn in die Luft während er die letzten Worte der Magie ausruft.
Mit einem letzen Ruck reißt Marcus die alten Bretter aus dem Boden heraus und greift so schnell nach dem Dolch, das dabei seine Bewegungen verschwimmen.
Schon rammt er den Dolch in die Lederschlaufe während der Golddraht sich unter der Wirkung der letzten Silben auslöst.
Die Schlaufe zerreißt unter Stahl und untoter Kraft und Marcus löst sich aus dem Griff des Zwerges. Mit einem Satz ist er auf den Beinen und springt den Magier an.
Das magische Gewebe hat seine Konstellation erreicht und setzt seine Wirkung frei.
Marcus streckt die Hand aus, ist nur noch Herzschläge von seinem Ziel entfernt, doch stoppt er mitten ihm Sprung, seine Hände nur einen halben Schritt vor der Kehle Pendarams.
Marcus versucht sich zu wehren, hilflos schwebend in der Luft doch der Magier läß0t ihn langsam von sich treiben. Der Vampir konzentriert sich und beginnt sich gegen den Zauber zur Wehr zu setzen.
Der erschöpfte Pendaram hält zitternd die Arme ausgestreckt und konzentriert sich weiter auf den Zauber.
Marcus studiert sein Gegenüber. Soviel Kraft und Willensstärke waren bei weitem selten anzusehen. Er würde noch ein überaus mächtiger Magier werden, sollte er lange genug leben.
Marcus denkt kurz nach und beginnt zu seinem Gegner zu sprechen.
"Es wird dich umbringen Pendaram."
Die Stirn des Magiers glänzt vor Schweiß und seine Stimme ist erschöpft und schmerz-verzehrt, aber dennoch entschlossen.
"Ja das wird es. Doch dich auch."
Marcus befällt bereits Unruhe. Es ist in der Tat nur noch wenig Zeit bis Sonnenaufgang.
"Ja, wenn die Sonne aufgeht werde ich vergehen. Mein Körper wird zu Asche verbrennen und alle deine Freunde werden gerächt sein. Durch deinen Opfertod wird ihnen alle Frieden wiederfahren und die Stadtbewohner werden sicher vor mir sein."
Er lächelt kalt.
"Ja... zumindest sicher vor mir. Die Werwölfe werden dann die unumstrittenen Herrscher sein und viele andere Kinder der Nacht wie ich, vielleicht sogar ein anderer Vampir werden mein Territorium übernehmen. Doch werden diese sich nicht mit abenteuerlustigen Frauen  und unliebsamen Mitbewohnern begnügen..."
"Was sagst du da?" flüstert Pendaram leise während eine eisige Kälte in durchströmt.
"Glaubst du ich wäre das einzige Böse in dieser Welt? " Er lacht schallend.
"Nein das bin ich nicht! Unsere Welt gehört dem Bösen, es ist das Böse! Ich habe lange genug gelebt um zu lernen sich anzupassen. Ich befriedige meinen Hunger auf eine Art, die den Menschen gleichgültig ist und errege damit keine Aufmerksamkeit. Seit über 200 Jahren lebe ich in dieser Stadt! Um meinen Hunger zu stillen tötete ich nicht mehr als 50 Menschen. Unliebsame Menschen.
Glaube mir. Die Werwölfe haben sich keine derartigen Regeln auferlegt. Ich habe es getan! Sie respektieren mich und meine Erfahrung aber was noch wichtiger ist, sie fürchten mich! Seit siebzig Jahren sind alle Beamten und Regierenden in dieser Stadt unter der Kontrolle der Werwölfe. Doch wenn ich vernichtet bin werden sie nicht nur ungehindert ihre Triebe ausleben, nein! Viele der Rivalen die ich fern hielt werden versuchen meinen Platz einzunehmen. Und wer werden wohl die ersten Opfer sein? Jene Menschen die ihr zu schützen versuchtet! Ja ich habe all deine Gefährten ermordet, aber wofür sollen sie gestorben sein? Für mich, der ich als Bollwerk gegen das Chaos stehe? Sollen alle diese unschuldigen Menschen in der Stadt sterben damit du zufrieden sterben kannst?"
Pendaram zittert stärker. Seine Kräfte verlassen seinen Körper, das Atmen wird ihm schwer, seine Auge trübten sich. Seine Entschlossenheit verrinnt wie sein Leben.
Natürlich versucht die Kreatur ihre Existenz zu retten. Doch nicht desto Trotz hat sie recht! Mögen die Werwölfe eine Erfindung sein, Pendaram weiß das es diese Revierkämpfe zwischen jungen Vampiren wirklich geben würde, sollte der alte Herrscher sterben. Und sie wären furchtbar.
"Was soll ich tun?" fragt Pendaram bitter. "Soll ich dich gehen lassen damit wir alle umsonst gestorben sind? Alveria, Taleron, Alrik, Raddas, Sinbald... und ich? Soll all unser Mut und unsere Opferbereitschaft nichts gewesen sein?"
Marcus spürt das er nicht mehr ihn direkt ansprach. Der Magier würde bald sterben, wenn er den Zauber weiter aufrechterhält aber erst nachdem sie Sonne aufgegangen ist.
Marcus spricht eindringlicher auf ihn ein, während er weiterhin die Magie zu deuten versucht die ihn festhält. Er wehrt sich weiterhin gegen den Zauber um den Magier zu zwingen seine Konzentration aufrecht zu erhalten.
"Ich habe ein Angebot für dich Pendaram, eines das den Tot deiner Gefährten nicht umsonst geschehen lassen musste. Du konntest schon Sinbald mich nicht töten lassen, weil ich mich in eine Nebelwolke verwandelt hätte und entkommen wäre. Du wußtest nicht genau das die Verzauberung deines Dolches nicht ausreichen würde und das er so begierig darauf war mich zu töten. Du wolltest das er mich ablenkt um dir Zeit für den Zauber zu geben."
"Ich habe ihn in den Tod geschickt." Murmelt Pendaram so leise das Marcus ihn nur aufgrund seiner unmenschlich scharfen Sinne hören kann.
"Nein! Er war schon tot. Du gabst seinem Ende einen Sinn. Genauso wie du jetzt dem Tot deiner Gefährten einen Sinn geben musst."
"Welchen?" der Magier hat die Augen geschlossen, soviel Kraft kostet es ihn den Zauber aufrecht zu erhalten in seinem geschwächten Zustand.
"Laß mich gehen und ich werde dir helfen meine Rivalen auszulöschen. All diese bösen Kreaturen die diese Welt bevölkern. Du wirst einmal ein großer Magier! Ich spüre wie gerne du diese Reife erlangen würdest. Dein ganzes Leben war auf nichts anderes ausgerichtet. Wir werden all jene vernichten die uns im Wege stehen und wir können voneinander lernen!"
Pendaram muß sich an anstrengen sich auf die Worte des Vampirs zu konzentrieren.  Er hat recht. Er will nicht sterben. Er will leben und sein Wissen erweitern. Welche Möglichkeiten sich ihm durch das Angebot offenbaren! Und wofür soll er es ausschlagen?
Für eine Sache die bereits verloren war bevor sie begann. Für einen wahnwitziges Vorhaben geboren aus blindem Stolz und Rache.
Pendaram bemerkt nicht wie ihm durch Schwäche und Zweifel die Fäden des Zaubers langsam entgleiten.
Marcus sucht im Gewebe sofort nach einer Schwachstelle...
Wofür? Für das Andenken an...
Seine Freunde.
Seine Gefährten.
Er wird ihr Andenken nicht beschmutzen für die Lügen eines Vampirs. Warum soll die Kreatur ihr Wort halten? Er wird ihn gegen seine Gegner ausspielen bis er keinen Nutzen mehr hat. Vermutlich wird ihn Marcus gleich jetzt töten.
Seine Entschlossenheit und auch Teil seiner Kraft kehrt zurück.
Er öffnet die Augen und ruft: "Für deine Lügen werde ich nicht mein Leben für wenige weitere Herzschläge vertun. Wenn ich sterbe dann durch die Magie die mein Leben ist und nicht durch deine Hand!"
Doch Marcus lächelt. Er hat bereits den Schwachpunkt des Zaubers entdeckt und endlich hat eine seiner Fledermäuse einen Eingang in diesen Raum gefunden, der ihnen versperrt gewesen ist seit der Dieb die Tür zum Dach versperrte.
Die Fledermaus flattert auf den Magier zu. Dieser bemerkt sie sofort und erschlägt sie mit seinem Zauberstab.
Doch diese kurze Ablenkung des geschwächten Magiers genügt dem Vampir um die Fesseln des Zaubers zu brechen.
Pendaram spürt das Zerreißen der Fäden und fällt zu Boden. Er schließt seine Augen und läßt den Stab seiner Hand entgleiten.
Schon spürt er über sich die Gestalt des Untoten. Er spürt wie sich die Hand der Kreatur seiner Kehle nährt. Doch es ist ihm gleich.
Vielleicht wird mein Tot ja einen Sinn haben denkt er bei sich.
Doch weder zerfetzen ihm scharfe Krallen die Kehle noch legen sich kalte Lippen um seinen Hals.
Er öffnet die Augen und sieht die ausgestreckte Hand der untoten Kreatur entgegen. Verständnislos blickt er in die schwarzen Augen des Vampirs doch der erwidert nur mit tödlicher Ruhe:
"Laß uns gehen. Wir haben noch viel voneinander zu lernen."
Pendaram starrt lange auf die dargebotene Hand.
Er sagt seinen Freunden Lebewohl... und ergreift sie.

Langsam verschwindet der helle Mond vom Himmel. Es dämmert bereits und taucht die Umgebung in ein schwaches Rot. Langsam erwachen die Tiere und das Land um sie herum.
Die Nacht ist vorüber und das Böse beginnt wieder dem Leben Platz zu machen. Bis zur nächsten Dämmerung...
Im Inneren des Hauses ist es still.
Eine Ratte huscht über den Boden und beginnt das Blut der Leiche aufzulecken der vor ihr auf dem staubigen Boden liegt.
Plötzlich legt sich ein Schatten über den toten Körper und erschreckt huscht die Ratte davon.
Finger legen sich auf die schreckensgeweiteten Augen von Sinbalds Leichnam und schließen diese sanft. Der Schatten richtet sich wieder auf und geht zu dem regungslosen Körper des Zwerges hinüber.
Raddas Mine ist im Todeskrampf verzerrt, aber der zwergische Trotz ist unverkennbar. Er ist kämpfend gestorben.
Ein einzelner kalter Tropfen fällt auf das starre Gesicht des Zwerges. Und Wunderlicherweise wird Raddas Gesicht plötzlich entspannt und friedlich.
Auch von diesem Körper löst sich der Schatten und geht auf die Tür zu die bereits in ein helles Dämmerlicht getaucht ist.
Eine Stimme erklingt, unheimlich und nicht menschlich als die Gestalt leise spricht.
"Niemals werde ich ruhen bis ich deinen verfluchten Körper zu Asche verbrennen sah."
Ein weiterer Blutstropfen fällt zu Boden und vermischt sich mit dem Staub. Doch keine Ratte nährt sich mehr um sich daran genüsslich zu tun. Keine Ratte wird jemals wieder dieses Haus betreten.
Die leise, merkwürdige Stimme des Schattens ist noch zu hören als er durch die Tür in das Dämmerlicht verschwindet.
"Das schwöre ich bei meinem Blut..."

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