Geschichten-Archiv • Die Legende vom Gleißendem Licht

Vor über eintausend Jahren, zum Zeitalter der Macht, geschah es das der Dritte Drachenkrieg die Welt Krynn verwüstete. Drei Jahrhunderte dauerte er an und in jenem Krieg endeten so viele Leben das Selbst die Götter sie nicht mehr zu zählen vermochten und der Himmel und die Erde weinten, vom Blut der Toten getränkt. Es war die Zeit als Huma Drachenfluch, mit Paladin an seiner Seite die dunkle Königin besiegte und die Drachen von Krynn vertrieb.
In jener Zeit war das Königreich Tramilar, groß und mächtig und auch die letzte Hoffnung für den Kontinent Abanasinia und das noch junge Elfenreich Qualinesti.
Doch auch Tramilar war in dem langen Krieg geschwächt und das Böse war sich dessen wohl bewußt. Sollte das Königreich fallen, war der Untergang Qualinestis besiegelt. Alsdann sich die Armeen der Königin der Finsternis vor dem Paß, dessen Gebirgskette den Kontinent teilte, sammelten, schickte der König Tramilars nach dem Heerführer.
Es war eine dunkle Nacht als der Klang der Hufe durch die verlassenen Straßen der Stadt hallte. Wo immer er erklang schauten die Menschen auf um die weiß gekleidete Gestalt auf dem schwarzen Hengst zu grüßen. Der Mond schien hell und nur selten wurde er von den finsteren Wolken verdeckt. Lange Schatten zog der Reiter mit sich, doch waren es diese die Finsternis welche in den Ecken lauerten vertrieben. Im Fackellicht des Burgtors kam die Gestalt zum stehen. Zwei Wachen mit Hellebarden traten aus dem Dunkeln. „Halt! Wenn ihr der seid für den ihr euch ausgebt, dann beweist es uns!“
Die Gestalt schwang den Umhang zurück und zog langsam ein Schwert. Von der goldenen Klinge ging ein Leuchten aus das sämtliche Schatten zu vertreiben schien. Es war rein und sanft und doch stechend und blitzend zugleich.
Die Wachen verneigten sich sofort und die Tore öffneten sich.
„Herr, der König erwartet euch.“
Wortlos ritt sie durch das Tor während eine der Wachen sich zu dem jungen Knaben umdrehte der mit grenzenlosem Staunen mit offenem Mund dem Reiter nachblickte.
„Rasch Junge. Lauf und berichte dem König das der Lichtbringer eingetroffen ist!“
Der Junge verschwand augenblicklich und das leiser werdende Hufgetrappel wurde vom Schlag der zufallenden Tore verschluckt.
In einem dunklen Hof kam das Pferd erneut zum stehen während sein Reiter abstieg. Ein Diener führte sogleich das Pferd davon, während die Gestalt mit schnellem Schritt die Treppe zum Schloß hinaufstieg. Nicht einmal wurde sie aufgehalten, nur einmal verweilte sie für einen Moment um vor der Statur des Gottes Kiri-Joliths zu salutieren. Die Wachen öffneten ihm die Tore zum Thronsaal und er betrat ihn ohne Zögern.
Der Saal war groß und bis auf die Wappen und zwei eher schlichten Thronen, leer. Auf dem rechten Thron saß ein Mann. Seinen fünfzigsten Sommer hatte er schon lange hinter sich, aber die Kraft und Entschlossenheit seiner Jugend war geblieben. Doch hatten sich auch die Zeichen des Alters, von Trauer und Schmerz zu tief in sein kräftiges Gesicht gegraben um übersehen zu werden. Der unsägliche Schmerz über die Leere des linken Throns war deutlich in seinen Augen zu lesen.
Die Gestalt verbeugte sich tief vor seinem König und seine kräftige, wohltönende Stimme hallte durch den Saal.
„Mein König, ich kam so geschwind wie es mir möglich war und mein Leben steht zu eurem Dienste.“
Der alte König lächelte beim Anblick seines Beraters und besten Gefährten.
„Alter Freund... Wir sind beide zu alt, zu lange befreundet und haben in viel zu vielen Schlachten Seite an Seite gekämpft und uns mit diesen albernen Höflichkeitsfloskeln aufzuhalten. Und um die Wahrheit zu sagen, ich habe mehr das Bedürfnis mich vor DIR zu verneigen. Nun erhebt euch endlich, Hochpaladin von Kiri-Jolith. Es schickt sich nicht das der höchste Krieger der West-Frontkirche sich vor einem einfachen König im Staub wälzt.“
Geschmeidig und mit unvergleichlicher Kraft erhob sich die Gestalt und lächelte seinen Herren an. „Vergebung mein Lord. Ich danke euch für eure Großzügigkeit, jedoch bezweifle ich das ihr mich von der Front beordertet um mit mir über unsere gesellschaftliche Stellung zu reden.“
Der König schüttelte traurig den Kopf. „Nein mein Freund, sosehr ich es mir wünsche, das wirklich nicht. Um der Wahrheit Willen, die Umstände könnten nicht schlimmer sein. Die Königin der Finsternis ist es gelungen die Nation Ergod zu erobern. Ich vermute es gab Verräter in eigenen Reihen. Mögen sie in den Klauen der Drachen ihr Ende gefunden haben. Denn nun hat Takhisis ihren hungrigen Blick auf den Westlichen Kontinent geworfen. Die Elfen sind ihr Ziel. Soviel ist sicher. Sollten wir fallen, steht ihr ein ganzer Kontinent zum sammeln ihrer Truppen zu Verfügung. Das Reiche der Elfen ist mächtig aber noch sehr jung. Die Barbaren der Ebenen werden für sie keinen Gegner darstellen. Allein die Zwerge sind unsere letzte große Hoffnung für diesen Teil der Welt.
Die Armee, die die Dunkle Königin gegen uns geschickt hat ist mehr als wir Bezwingen können. Unsere Truppen weichen zum Götterpaß zurück. Wir müssen sie dort aufhalten oder unser Reich ist verloren.“
Die weiße Gestalt hob den Blick und sah seinen Herrn in die Augen. „Gebt mir alle Truppen die ihr entbehren könnt und ich werde sie aufhalten. Ich schwöre euch mein Lord: Nicht einer von Takhisis Lakaien wird den Paß überqueren.“
Lange Zeit sah der alte Mann seinem Berater in die Augen. Dann nickte er und der Schmerz in seinen Augen war größer als je zuvor. Doch seine Stimme war fest und entschlossen. „Dann geh Arrolt Lichtbringer. Geh und rette unser Land...“
Ein letztes mal verbeugte sich die Gestalt und verließ den Thronsaal. Eine Zeit lang sah der König noch mit gebrochenem Blick auf seinen Thron, ehe er mit einem Wink die Diener, die fast unsichtbar in einigen Abstand um den Thron standen, hinaus schickte.
Uns so blieb der König in seinem Saal. Es heißt er wich keinen Herzschlag von seinem Thron bis jenem Tag alsdann sein Sohn erschien und seinen Platz einnahm.

Die schwarze Flut kroch über das Land und verschluckte auf ihrem Weg alles was die Götter erschaffen hatten. Die Reste der Königlichen Armee flohen zum Pass, wo sich eine tapfere Schar von Kämpfern sammelte. Es waren viele, doch viel zu wenige um die Dunkle Königin zu besiegen. Von seinem Roß aus beobachtete Arrolt wie die letzten Soldaten, die es geschafft hatten zu ihren Stellungen rannten, halb wahnsinnig vor Angst und Erschöpfung.
Alsdann die Dämmerung hereinbrach standen sich die beiden Armeen gegenüber. Eine schwarze Reihe von dämonischen Wesen und schrecklichen Kreaturen. Furcht ergriff die Herzen auch der tapfersten Kämpfer. Niemand rührte sich, vor Angst gelähmt.
Das stechende, goldene Licht des Schwertes durchbrach die Dunkelheit und eine donnernde Stimme zerschmetterte die Furcht und die Verzweiflung.
„Für die Götter! Für den König! Für das Land!“
Gleißendes Licht strahlte in einem göttlichen Leuchten als Arrolt vornan preschte. Er warf keinen Blick zurück, ob ihm jemand folgte.
Dann stimmte die gesamte Armee in den noch immer hallenden Ruf mit ein und stürmte den dunklen Horden entgegen...

Die Schlacht war vorüber.
Die wenigen Überlebenden der Königlichen Armee floh durch den Paß. Wohl viele Helden waren in dieser Schlacht geboren worden doch waren all ihre Anstrengungen nicht genug gewesen. Wohl angeschlagen, aber lange nicht besiegt sammelte sich die Armee der Finsternis um den Paß zu durchschreiten. Nur ein Mensch blieb in den Trümmern der Paßfestung.
Und mit den letzen Sonnenstrahlen der untergehenden Sonne fuhr Gleißendes Licht durch die Trümmer. Einen Bogen beschreibend pflügte die heilige Klinge, einen deutliche Spur in den Boden.
Die Armee zögerte, verunsichert über das Tun ihres Gegners. Dann halte die Stimme Arrolts über das Schlachtfeld und es waren dieses mal die Herzen des Bösen die vor Furcht zitterten.

„Ich, Arrolt Lichtbringer, Hochpaladin Kiri-Joliths, schwöre bei meinem Glauben die Pflichten, Privilegien und Gesetzte meines Ordens zu ehren und zu befolgen. Ohne Falschheit und Hintergedanken, gelobe ich dem heiligen Orden der göttlichen Kirche Kiri-Joliths auf ewig treu zu dienen und ihre Grundsätze zu fördern und zu verteidigen.

Denn ein Ritter hat Tapferkeit geschworen.
Sein Herz kennt nur Tugend.
Seine Klinge verteidigt die Schwachen.
Sein Zorn vernichtet das Böse.
Er bemüht sich stets um edle Erscheinung und Benimm.
Ehre ist sein höchstes Gut.
Treu sein Lebenspfad.
Ich gelobe auch über das Leben hinaus diesen Kodex zu ehren und ihn auf ewig zu befolgen, in der Erinnerung an jene, die ihr Leben für diese heilige Pflicht hingaben."

"Dieser Paß steht unter meinem Schutz. Niemand der mich nicht zuvor im ehrlichen Zweikampf besiegt hat wird seinen Fuß auf die andere Seite setzten. Wer fordert mich heraus?“
Seine Worte hallten noch lange über das Schlachtfeld. Er hatte seine Stimme nur leicht gehoben, doch hatte  einjeder, gleich welcher Sprache, Herkunft oder Rasse ihn verstanden.
„Ich!“
Die Herausforderung erklang wie ein Donnerschlag. Ein riesiger Minotaurus stapfte heran. Sein Morgenstern war so groß wie ein Mensch, die Kugel so groß wie ein Menschenschädel und die Stacheln so lang wie ein Unterarm. Als er vor seinem Gegner stand spuckte er ihm mit höhnischer Verachtung seinem Geifer entgegen. Doch Arrolt lächelte nur und wischte sich den Speichel von der Rüstung. Das knurren des Minotaurus steigerte sich zu einem Brüllen und das Ungeheuer stürmte vor. Der Morgenstern fuhr herab und mit einem donnern krachten die beiden Waffen aufeinander. Das Schwert hielt der größeren Waffe stand und der Minotaurus starrte den kleinen Menschen fassungslos an wie dieser mit einer Hand den Schlag seiner Waffe aufgehaltenen hatte. Er stolperte zurück.
Es war unmöglich das ein Mensch seiner Kraft wiederstehen konnte. Doch es war wahr. Unberührt stand er da, das Schwert erhoben, den Schild zu Abwehr bereit. Mit überraschender Kraft und Schnelligkeit zog der Minotaurus ein Wurfbeil und schleuderte es Arrolt entgegen. Dieser versuchte gar nicht erst dem Beil zu entgehen. Er rührte sich nicht, auch nicht als die Waffe 40 Spann vor seinem Gesicht auf eine unsichtbare Barriere prallte und zerbrach. Tobend vor Wut stürmte der Minotaurus ein zweites mal vor und ließ seinen Morgenstern erneut niedersausen. Diesmal grub er sich tief in die Erde als Arrolt zur Seite wich und sein Schwert quer über den Bauch des Riesen fahren ließ. Dieser fiel auf die Knie und preßte verzweifelt seine Hand auf die schreckliche Wunde um Gedärme und Blut zurückzuhalten. Doch es war vergebens, das wußte er, so riß er seine Waffe aus dem Boden und schlug nach seinem Bezwinger. Gleißendes Licht schnellte vor zur Parade um anschließend auf den Kopf des Minotaurus niederzufahren. Der schlaffe Körper fiel zu Boden und die Klinge leuchtete hell.
„Der Kampf ist zu Ende! So ist es Kiri-Joliths Wille!“ verkündete das Schwert.
Ein entsetztes Raunen ging durch die Schwarze Horde. Die Waffe hatte den Sieg des menschlichen Kämpfers verkündet. Doch ein Wesen war davon nur wenig beeindruckt. Ein riesiger Gourgaz, ein kaltblütiges Wesen aus dem Sumpfkontinent schlug sich den Weg durch eine Horde von Goblyns und seine Axt, fast 3 Schritt lang fuhr durch die Reihen. Jene die nicht von der Axt zerteilt wurden, endeten unter den Klauenfüßen des Reptils oder wurden zur Seite geschleudert. Der Gourgaz schob sich weiter vor bis er sein Ziel erreicht hatte...
Arrolt hob grüßend das Schwert als der Gourgaz ihn erreichte, einen zermalmten Goblyn an einem Klauenfuß hinter sich her schleifend. Die Bestie fauchte und weißer Geifer tropfte zu Massen auf den Boden. Dann stürmte sie vor, die Axt erhoben. Gleißendes Licht blitzte auf und das Axtblatt wirbelte davon und grub sich tief in die zerschmetterte Steinmauer duzende von Schritt hinter den Kämpfern. Das Wesen fiel zu Boden. Der Kopf landete neben dem zerteilten Axtstiel.
Wieder verkündete das Schwert: „Der Kampf ist zu Ende! So ist es Kiri-Joliths Wille! Wer fordert den Diener der Heiligen Kirche nun heraus?“
Ein zweiköpfiger Ettin mit stachelbesetzten Keulen in den Händen schob sich böse lächelnd nach vorne...

Von seinem Vorsprung aus, Hunderte von Schritt entfernt, beobachtete Krycha das Schauspiel mit regem Interesse. Der rote Drache hatte die Kämpfe zunächst gelangweilt dann amüsiert verfolgt. Er hatte es genossen die ach so stolzen Rassen der Armee ihrer Dunklen Majestät vor einem Menschen fallen zu sehen.
Inzwischen waren Stunden vergangen in denen der Drache sich gelangweilt zur Ruhe begeben hatte. Als er erwachte dämmerte bereits der nächste Tag. Er war erstaunt den menschlichen Kämpfer noch immer leben zu sehen.
Fürwahr die Gegner dieses Menschlings waren keine Drachen, jedoch... Es handelte sich schließlich um die Armee der Drachenkönigin. Sie hatten Hunderte, ja Tausende dieser menschlichen Würmer hinweggefegt. Und nun besiegte ein Mensch all jene die gegen in antraten. Nachdenklich erwog der Drache sich den Namen dieses Kämpfers zu merken.
Seine Überlegung wurde jedoch unterbrochen als nur wenige hundert Schritt unter sich sein junger Schützling emporschwang und Richtung des Kämpfers flog welcher gerade mit einem Todesritter einen erbitterten Zweikampf ausfocht.
Krycha mußte lächeln angesichts der Ungeduld seines Schützling. Er war noch sehr jung... nicht einmal 100 Jahre. Aber er war ein roter Drache! Die mächtigsten Wesen auf ganz Krynn! Es versprach ein interessanter Kampf zu werden...

Mit einem grässlichen Aufschrei verging der Todesritter, von blauem Feuer umhüllt. Arrolt viel zu Boden, mühsam stützend auf Knie und Schwert.
Die Kampfstätte war bedeckt von duzenden und aberduzenden von Leichen. Krater und geschwärzte Flecken zeugen von geballter Magie, dämonischer Kraft und göttlichem Zorn. Der Geruch von dunklen Wesen die beschworen und gefallen waren verpestete die Luft und vermischte sich mit dem Geruch des toten Fleisches der dunkelsten Kreaturen von ganz Krynn.
Doch die Kraft schwand Arrolt, ebenso wie sein Glaube...
Schon spürte er das nahen eines neuen Gegners. Wohl hatte er alle besiegt die ihn herausforderten, aber die Stunden des Kampfes waren nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Duzende von Wunden bedeckten seinen geschwächten Körper. Viele seiner Rippen waren von dem Schlag eines Morgensterns zerschmettert und der sengende Schmerz, wo die schwarze Klinge des Todesritters seine heilige Rüstung durchdrungen hatte tobte ungebändigt in seinem Inneren. Jeder Atemzug schmerzte wie eine Armee von Dolchen die sich in jede Stelle seines Körpers bohrte und die Anstrengung nur die Klinge zu heben ließ ihn fast das Bewusstsein verlieren. Und ständig spürte er SIE. Wie sie ihn beobachtete, ihn verführte, ihn verspottete und ihn und seinen Gott in Frage stellte. Sie war immer bei ihm, lachte über jeden seiner Schläge und ihre Stimme wurde immer lauter, von einem leisen Flüstern bis höhnisches Gelächter das in seinem Kopf und Geist von allen Seiten auf ihn eindrang.
Die göttliche Kraft die ihn durchdrungen hatte war geschwunden, als müßte Kiri-Jolith genau wie sein Diener Kraft sammeln für den letzen Schlag. Für einen Augenblick verschwand sein Gott völlig aus seinen Gedanken, wie es noch nie zuvor geschehen war und in seinen Gedanken war nur noch Schmerz, das höhnische Gelächter und der Wunsch nach ewigem Schlaf...
„Steh auf Arrolt! Der Feind naht wieder.“ Die Stimme von Gleißendes Licht schnitt durch seine Gedanken. Auch das sengende Licht der Klinge war ermattet.
„Ich kann nicht. Meine Kraft schwindet.“
Die Stimme drang auf ihn ein und ihr Zorn war deutlich zu spüren.
„Erhebt euch, Hochpaladin der Westfront-Kirche! Ich erlaube es nicht das ihr vor dem Feind im Staub kriecht!“
Ein sengender Schmerz durchzuckte seinen Arm doch Arrolt erhob sich nicht.
„Ich kann nicht... was nutzt alle der Schmerz wenn ich sie doch nicht besiegen kann?“
Seine Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit war deutlich zu hören.
Nun klang die Stimme der heiligen Waffe sanfter in seinem Geist.
„Verzeih mit Arrolt...
Zu leicht vergesse ich das Geschenk der Sterblichkeit der Götter. Doch wisse, dies ist eine Gabe um euch die Augen für das Schöne in der Welt zu öffnen. Und jeder Gegner, jede Kreatur die du bezwingst ist nicht mehr in der Lage die Wesen dieser Welt zu verletzten. Und dein Gott ist bei dir und ich spüre seinen Stolz auf seinen größten aller Krieger.
Hab Mut Arrolt! Wenn du nicht verzagst wird dein Blut und das aller Wesen dieser Welt nicht umsonst vergossen worden sein. Die Menschen hinter diesem Paß werden Leben und die Drachen werden fallen! Es wird geschehen und du kannst die Seelen all dieser Wesen für die Ewigkeit retten.“
Und mit seinem Glauben kehrte auch die Kraft zu Arrolt zurück. Er spürte seinen Gott an seiner Seite und grüßend hob er in der Dämmerung die Klinge um seinen neuen Feind zu Grüßen.
Mit einem donnern setzte der rote Drache nur wenige Meter vor dem Krieger auf und schob sein Maul dicht an diesen erstaunlichen Menschling um ihn zu beäugen. Sichtlich enttäuscht schob er seinen Kopf zurück und schnaufte verächtlich.
„Du Wicht bist kein Gegner für mich! Entscheide rasch wie ich dich töten soll. Das Schloß des Königs soll für wahr eine Augenpracht sein. Es wird mir ein Vergnügen sein es brennen zu sehen!“
Arrolt besah sein Gegenüber mit finsterem Blick.
„Du bist jung. Zu jung. Wärest du ein Mensch wärst du noch im Knabenalter.“
Die Augen des jungen Drachen, der seinen Gegner schon fast vergessen hatte, funkelten rot vor unbändigem Zorn.
„Setze mich nicht einem Menschen gleich du erbärmlicher kleiner Wurm. Ich werde dich zertreten obwohl du dieser Anstrengung gar nicht würdig bist!“
Seine Kralle fuhr nieder doch Arrolt duckte sich und Gleißendes Licht fuhr hoch. Der Drache brüllte auf und zog seine blutige Klaue zurück. Zwei seiner Krallen lagen zu Füßen dieses Menschenwichts. Rasend vor Wut stürzte Sycha vor um den Menschling zu zerquetschen der es gewagt hatte ihn zu verletzen.
Arrolt drehte sich zur Seite und die Zähne des Drachen schlugen nur Zentimeter von seinem Kopf entfernt mit Urgewalt zusammen. Von der Drehung weitergeführt schlug Gleißendes Licht eine tiefe, blutige Schneise in den Hals der Kreatur. Das kochende Blut versengte seine Haut und Arrolt wurde von einer Klaue zu Boden geschmettert. Heulend taumelte Sycha zur Seite, fing sich jedoch und ein Schwanzhieb schleuderte seinen menschlichen Gegner in die Trümmer der Mauer. Das Maul zuckte vor traf jedoch nur gegen die harte Steinmauer als sich Arrolt zur Seite rollte. Abermals taumelte der Drache zurück spie aber trotzdem seinem Flammenodem seinem Widersacher nach. Dieser duckte sich hinter den teilweise eingestürzten Torbogen der unter der unglaublichen Hitze schmolz.
Obwohl Blut von dem Schlag gegen die Mauer aus seinem Maul floß schnellte Sychas Kopf vor. Arrolt stolperte zurück und der Drache schob sich durch den kochenden Torbogen, blind vor Wut. Geschmolzener Stein floß seine Seite hinab doch er achtete nicht darauf nur auf den Tot seines Peinigers bedacht. Er thronte über seinem Feind und öffnete triumphierend das Maul stockte jedoch. Verärgert bemerkte er wie sein Körper von dem geschmolzenen Stein gefangen war. Statt ihn zu zermalmen würde er ihn einfach zu Asche verbrennen. Wie er da kniete und betete. Es würde ihm nichts mehr helfen. Mit einem infernalischen Brüllen öffnete er das Maul und das segnende Höllenfeuer hüllte den bettelnden Menschling ein. Sychas Augen blitzend vor wilder Freude, weiteten sich jedoch als der Menschen-Krieger inmitten seines Feuerstrahls auf ihn zusprang, das Schwert erhoben. Er versuchte noch sich zurückzuziehen, der Torbogen jedoch hielt ihn gefangen.
Von beiden Händen umfast bohrte sich Gleißendes Licht in seinen Schädel...

Ein Wutschrei donnerte über das Schlachtfeld und das dunkle Heer zuckte zusammen, als es aus dem Bann, der sie während des Kampfes zwischen dem Drachen und dem Menschen-Krieger befallen hatte gerissen wurde.
Die Augen von Krysha sprühten Feuer! Nichts, nicht die Rufe seines Reiters oder die Weisheit seines Alters konnten den roten Drachen jetzt noch aufhalten. Er schwang sich empor und stürzte auf den Wurm nieder der es gewagt hatte seinen Schützling, einen roten Drachen, zu töten. Er wußte um den Fehler Sychas dem Mensch durch den geschmolzenen Torbogen zu folgen. Doch dieser Frevel war nur durch das Blut Arrolts zu sühnen. Oh ja jetzt kannte er den Namen des Paladins. Und nie würde er ihn vergessen...

Erneut fiel Arrolt auf die Knie. Seine einst prächtige, Rüstung war trotz göttlicher Macht die ihn beschütze verbrannt und versengt. Wohl würde sie bei den nächsten Sonnenstrahlen in alter Pracht erscheinen, doch nur der Glaube hielt Arrolt noch aufrecht. Er sehnte sich nach der Sonne. Nie hatte eine Nacht so lange angedauert. Nie hatte er solche Höllenqualen erdulden müssen. Nie soviel Zweifel und Versuchung...
Die Steine zersplitterten unter der Urgewalt der Drachenklauen die sich hineinschlugen. Kaum hatten seine Klauenfüße den Boden berührt als der Drache aufbäumend die Flügel ausbreitete und den Boden in ein flammendes Inferno verwandelte. Der uralte Stein zerfloß unter der unvorstellbaren Temperatur und die Hitzewelle traf die dunkle Armee wie einen Faustschlag.
Als das Inferno verschwand kniete Arrolt noch immer unverletzt, der Boden um ihn herum war bis auf einen kleinen Kreis wellenförmig verformt.
Außer sich vor Wut wollte der Drache vorstürmen und den erbärmlichen Paladin-Menschling zermalmen. Doch ein harter Ruck und ein Befehl der sich selbst durch seine wutvernebelten Gedanken stach hielten ihn zurück. Er wollte seinen Kopf drehen und diesen erbärmlichen Würmling in Stücke reißen der auf ihm ritt und es wagte ihn zu behindern. Doch die Erkenntnis das nicht er allein gesprochen hatte ließ ihn zitternd verharren.
Seelenruhig sprang der dunkle Kleriker vom Rücken des Drachen und landete auf dem Boden wobei er, wie bei jedem Schritt, eine deutliche Spur im weichen Gestein hinterließ. Sein Totenkopfzepter hob sich und fuhr auf den Knieenden nieder. Der Paladin hob schwach die Waffe zur Parade doch schlug das Zepter begleitet von einem Blitz- und Donnerschlag das heilige Schwert zu Boden.
Arrolt hörte deutlich das knacken als sein Arm und die Schulter brach und spürte unnatürlichen Schmerz seinen Körper durchzucken. Gleißendes Licht fiel zusammen mit seinem Träger zu Boden.
Triumphierend hob der schwarze Kleriker das Zepter und die schwarze Armee jubelte. Seine Stimme hallte über das Schlachtfeld.
„Du hast gut gekämpft Paladin“ und er verwendete den Titel wie einen Fluch. „Doch ein Diener eines schwachen Gottes kann niemals triumphieren.“ spottete er weiter. Seine nächsten Worte brüllte er hinaus während er das Zepter zum letzten Schlag hob, von Purpurfarbenden Blitzen umzüngelt, in unheimliches, schimmerndes Licht getauft, und die dunkle Armee stimmte donnernd mit ein.
„Für die dunkle Königin Takhisis!“
Das Schwert schabte über den Boden, die Knochensplitter knackten als der Arm gehoben wurde. Auf den Knien hob Arrolt, Hochpaladin der Kirche Kiri-Joliths Gleißendes Licht hoch über seinen Kopf. Seine strahlenden Augen fixierten die des schwarz vermummten Klerikers mit unbändiger Entschlossenheit.
„Ich... bin noch nicht besiegt!“ Und mit diesen Worten fiel der erste Sonnenstrahl auf die Spitze der Klinge. Weitere folgten und das Licht funkelte an der Spitze wie in tausend Diamanten gebrochen. Es wurde heller, gleißend, doch warm und rein. Ein Grollen war zu hören und von dem weißen Licht umschlungen schrie der dunkle Kleriker auf und verging...
Mit einem Aufblitzen traf ein Strahl gebündelten Lichtes den Roten Drachen Krycha. Ein weißer Fleck entstand auf der Brust der Kreatur und breite sich aus. Aus dem Weiß brachen grelle Lichtstrahlen hervor und mit einem Schrei der Wut und des Protestes zerfiel der Leib des roten Drachen zu Staub.
Doch das Grollen war nicht vergangen sondern wurde immer lauter. Und aus dem Licht stürmten sie heran. Weiße Büffel umgeben von strahlendem Licht. In wilder Flucht stob die Armee der Finsternis auseinander doch wenige entkamen dem Zorn Kiri-Joliths. Die gleißenden Büffel zermalmten alles unter ihren Hufen und zerschmetterten die fliehenden Kreaturen.
Und in jener Zeit ward es auch das Huma stieg hinauf auf seinem silbernen Drachen, Paladin an seiner Seite und vertrieb die dunkle Königin und damit das Böse von Krynn für mehr als 1000 Jahr...
Und mit dem Beginn des neuen Tages funkelte Gleißendes Licht ein letzes mal... dann verblaßte es und sein Träger ward gesehen nimmerdar...

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