Geschichten-Archiv • Der letzte Zauberwald
Das erste Treffen

Tharon starrte wild und entschlossen in das Gesicht seines Gegenübers. Der Schweiß brannte in seinen Augen, seine Adern an den Schlä fen schienen kurz vor dem Zerbersten zu sein. Seine Anstrengungen ließen ihn die jubelnden Rufe nicht hören. Er spürte nur Schmerz. Seinen rechten Arm kaum noch spürend, waren es nur noch seine Instinkte, die ihn weiterkämpfen ließen. Doch lange konnte er es nicht mehr aushalten, das Gefühl von Schwäche überkam ihn. Das Blut staute sich in seinem Kopf, die Halsmuskeln traten noch mehr hervor. Erneut festigte er seinen Griff, so daß die Adern seiner Hand seine Haut zu zerreißen drohten, die Fingerknöchel hingegen waren blutleer. Feuer! Das einzige, was seine Augen wahrnahmen, war Feuer, und es kam auf ihn zu! Nein, ich muß gewinnen! Muß gewinnen! Immer wieder rief Tharon sich diese Worte in seinen Kopf. Doch spürte er langsam die Hitze an seinem Handrücken entlangtasten, unaufhörlich nach seinem Fleische gierend. Feuer, nein!!! Mit einem Kampfschrei, der wohl selbst den kü hnsten Kender zur Flucht getrieben hätte, versammelte er alle Energie, die noch in ihm steckte, in seinem rechten Arm. Eine angenehme Wärme durchdrang seine Brust, und mit gewaltiger Kraft drückte Tharon den Arm des anderen nach unten. Das Krachen seines Feindes Knochen überhörend, rammte er die Hand des anderen in die Kerze. Ein Schmerzschrei drang aus der Kehle des Mannes - der Begriff Oger wäre wohl angebrachter, wenn man die Größe und Breite dieser Person bedachte, doch besaß er eindeutig menschliche Züge - am anderen Ende des Tisches, der sofort seinen Griff lockerte und sich entsetzt am Arm hielt. Die Brandwunde der Kerze bereitete ihm nicht solche Schmerzen wie der offene Bruch am Ellenbogen.  Tharons Blick senkte sich, und für einen Augenblick wußte er nicht, wo er war. Nachdem er einige tiefe Atemzüge genommen hatte, beruhigte sich sein Herzschlag langsam, so daß er auch allmählich die Geräuschkulisse um sich herum wieder wahrnehmen konnte, anstatt nur seinen eigenen Puls zu hören. Jetzt spürte er auch wieder die Hände, die ihm auf seine immer noch angespannten Schultern klopften, jetzt hörte er wieder die Jubelrufe. Langsam erhob er sich von seinem Stuhl, wobei er unbewußt das silberne Medaillon festhielt, daß, an einer silbernen Kette baumelnd, auf seiner Brust lag. Nur kurz sah er auf den kleinen runden Tisch vor sich, auf dem die beiden Kerzen standen, wovon die eine noch brannte, während die andere niedergedrückt war. Tharon schaute sich um und kam nun endlich wieder zu voller Sinnesschärfe. Nur ein Wettkampf, ganz ruhig. Er wischte sich beiläufig das Blut seines Gegner an seiner Lederhose ab und ging Richtung Theke, wobei er noch ein paar freundliche Schläge auf die Schulter bekam, von Leuten, die auf ihn gesetzt hatten. Die anderen wiederum, die an den Falschen glaubten, zerrissen wü tend ihre Wettscheine und warfen Tharon böse Blicke zu, jedoch nur, solange er sich nicht zu ihnen umdrehte. Dann ertönte eine laute, tiefe Stimme: „Der nächste Wettkampf!!!" Sofort drehten sich die Männer in der Kneipe wieder von Tharon ab. Auch Tharon, der inzwischen auf einem Hocker an der Theke platzgenommen hatte, drehte sich wieder in Richtung des kleinen Tisches, wo eben noch er gesessen hat, und wo inzwischen die zerdrückte Kerze durch eine neue ersetzt und entzündet wurde, während sich bereits zwei neue Kontrahenten auf die Stühle setzten. „Macht eure Wetten, macht eure Wetten!!!" Tharon studierte ernst die Gesichter der beiden Männer, seine Miene erhellte sich allerdings, als er spürte, wie jemand ihm von hinten einen kühlen Gegenstand gegen die Schulter drückte. „Ah, danke Marik, genau das brauche ich jetzt", drehte sich um und schaute in das freundlich lächelnde Gesicht des Wirts. Marik war ein kleiner, dicker Mann von etwas 45 Jahren, genau so, wie man sich einen Wirt vorstellte. Sein Drei-Tage-Bart und die mächtigen Oberarme könnten jeden das fürchten lehren, doch sein Lächeln und seine tiefen, stahlblauen Augen verrieten, daß er nicht einmal einer Fliege etwas zu Leide tun kö nnte. Tharon nahm den ihm angebotenen Bierkrug an, lächelte und leerte ihn fast in einem Zug. Jedes mal, wenn er gegen einen dieser Bären im Armdrücken gewonnen hatte, bekam er von Marik ein Bier ausgegeben. Eigentlich trank der fast zwei Schritt hohe Mann mit den braunen Augen und dem langen braunen Haaren wenig Alkohol, doch wenn er erschöpft war - und das war er jetzt - dann war es ihm egal, was er trank.  Während Tharon seinen Krug leerte, hatten sich die meisten anderen Männer in der Kneipe wieder um den kleinen Tisch im Mittelpunkt des Saales versammelt, nur vereinzelt saß noch jemand an der Theke. Suchend sah Tharon sich um. „Wo ist Quang, dieser Winzling von Nervtöter. Will er mich wieder um mein Geld...", doch da stand das kleine Kerlchen schon vor ihm. „Ganz ruhig, mein Dicker. Hier." Tharon nahm den ledernen Geldsack entgegen. Er konnte die Münzen klingen hören, doch wußte er genau, daß es weder Gold noch Silber war, sondern lediglich billiges Kupfer, welches gerade reichte, um die Miete für das Zimmer zu bezahlen. „Nimm's mir nicht übel, Quang." Ein Lächeln zog sich über Tharons Gesicht, so wie er immer lächeln mußte, wenn er das vier Ellen lange Männchen vor sich sah. Eine bemerkenswertere Mischung hatte er auf ganz Ansalon noch nicht gesehen. Quangs Mutter war ein Hügelzwerg, sein Vater halb Kender, halb Mensch. Quang erzählte oft, wie es dazu kam. Die Mutter seines Vaters war bei der Entbindung erst 14 Jahre alt, der Vater ein nicht älterer Kender. „Mein Papa ist das Produkt der ersten Liebe zwischen Kender und Mensch", erzählte er immer voller Stolz - auch wenn es zweifellos ein Unfall gewesen sein mußte. Wie sich jedoch eine Hügelzwergin mit einem Kensch (oder Kendermensch) einlassen konnte, ist allen bis heute ein Rätsel. Auf jeden Fall war Quang eine lustige Erscheinung. Die dicke Knollnase eines Zwerges, das Gesicht eines 5-jährigen Knaben und den schwarzen Bart auf Zwergenart in seinen Gürtel gestopft, an dem vier bis fünf kleine Beutel hingen, die mal mehr und mal weniger mit den Sachen anderer Leute (die Quang gefunden hatte) gestopft waren. Er war der beste Freund von Tharon und sozusagen sein Arbeitgeber. Er trieb die Wetten nach oben, besorgte immer neue Herausforderer. Und wenn Tharon gewann, bekam er natürlich einen Teil der Wetteinnahmen. Und Tharon gewann immer!  „Da hinten ist jemand, der dich sprechen will." Quang zeigte in die hinterste Ecke der Kneipe. An einem kleinen Tisch direkt neben dem Kamin saß eine Person, die in weite graue Gewänder gehüllt war, so daß man unmöglich ihre Statur ausmachen konnte. Ohne es zu merken, glitt Tharons Hand an sein Medaillon. „Was will der Mann?" fragte er seinen Freund. „Ich weiß nicht, ich hab' ihn noch nie vorher hier gesehen. Äh, woher weißte du, daß das ein Mann ist? Ich konnte das erst erkennen, als ich direkt vor ihm stand." „Ich weiß es einfach. Marik, bring mir und diesem Fremden doch bitte einen Krug Wein und etwas Schinken, ja. Ich will mal sehen, was der von mir will." Tharon schritt zum Kamin herüber und blieb direkt vor der Gestalt stehen, die keine Anzeichen von Regung machte. Nur die Kapuze drehte sich zu Tharons Gesicht, und er spürte, daß diese Person ihn genau musterte, auch wenn er im Schatten der Kopfbedeckung nichts sehen konnte. „Setz dich doch bitte. Es ist schön, dich unversehrt wiederzusehen." Die Stimme war die eines alten Mannes, tief und sanft. „Wer bist Du?" Tharons Stimme klang beunruhigt. Dieser Mann strahlte irgend etwas aus, was ihm ganz und gar nicht gefiel, auch wenn die Gefühle, die es in ihm weckte, nicht negativ waren. Der Alte antwortete mit fast gleichgültig klingender Stimme: „Sagen wir, ich kenne Dich von früher." Mit diesen Worten griff er nach Tharons Kette und fuhr mit seinen Fingern über das Amulett. Tharon wollte die Hand des Mannes zurückweisen, doch spürte er plötzlich eine Wärme auf seiner Brust, wie er sie schon des öfteren gespürt, doch nie richtig wahrgenommen hatte. Seine gerade erhobene Hand glitt kraftlos auf den Tisch. „Wer bist Du?" waren die letzten Worte, die er noch sagen konnte, bevor ein tiefer Nebel seinen Verstand einzuschleiern schien. Die Geräusche um ihn herum wurden leiser, die Gäste, die Theke, die Stühle und Tische - ja, die ganze Welt - schien zu verblassen, bis nichts mehr war als stille, tiefe Schwärze. Doch nein, da war noch etwas. Wie von weiter Entfernung vernahm Tharon ein Wispern, ein Flü stern, wie von Tausenden kleiner Stimmen. Was sagen sie? Tharon versuchte sich zu konzentrieren, versuchte, den schwarzen Raum, in dem er sich befand, zu erkunden, auf die Stimmen zuzulaufen. Doch er konnte sich nicht vorwärts bewegen. Erst jetzt bemerkte er, daß er zu fallen schien. Langsam aber sicher kamen die Stimmen auf ihn zu, und nun konnte er sie gut genug hören, um zu erkennen, daß es sich um mindestens zwei oder drei Dutzend Personen handeln mußte, die ihn anflehten. Hilfe... befreie uns... letzte Hoffnung... altes Volk... Rückkehr... Nur das konnte Tharon verstehen, nichts weiter. Dann plötzlich die Stimme des Alten in der Dunkelheit: „Du mußt zu ihnen. Die Zeit ist reif." Tharon riß die Augen auf. Schweißgebadet blickte er sich um: Tische, Stühle, die Theke, die Gäste - alles lief seinen gewohnten Gang. Er saß alleine an seinem Tisch. Wieder ging sein Blick in die Runde, doch keine Spur von dem alten Mann. Komme nach Nordergod. „Was..? Wer...?" Tharon hatte die Stimme doch ganz deutlich vernommen, die Stimme des Alten, doch wo war er? Da - plötzlich erblickte Tharon ihn am Ausgang. Er sah etwas aufblitzen und erkannte ein Medaillon um den Hals des Fremden - sein Medaillon. Das Schwert, das Einhorn - das war sein Medaillon, und der Alte hatte es ihm gestohlen! Tharon sprang auf und wollte zur Tür rennen, um den Dieb zu stellen - doch plötzlich war er weg. Was geht hier vor, verdammt noch mal? Verwirrt dreht Tharon sich herum, doch der Fremde war spurlos verschwunden. „Ist alles in Ordnung?" Quangs Stimme klang ernsthaft besorgt, so hatte er seinen Freund noch nie erlebt. „Dieser Mann - er... er hat meine Kette." Noch immer war Tharon völlig aus der Fassung. „Was redest Du da? Die Kette hängt doch immer noch um Deinen Hals." Tharon legt seine Hand auf seine Brust und spürte das vertraute Amulett unter seinem Hemd. Als er es herauszog, musterte er es genau. Seine Finger glitten über die silberne Scheibe, ü ber die kunstvollen Verzierungen am Rand, und schließlich über das wunderschöne Einhorn, daß sich über einem gewaltigen Beidhänder aufbäumte. Dies war eindeutig sein Amulett. „Aber... ich war mir ganz sicher..." Tharon taumelte. Wieder zog der schwarze Nebel auf und schien ihn zu verschlucken. Dann hörte Tharon einen dumpfen Schlag und ein paar aufgeregte Stimmen. Leise, immer leise werdend, bis nichts mehr zu hören war bis auf das hämmernde Pochen seines Herzes. Abschied von Freunden

„Du willst also wirklich gehen?" Quang versuchte gar nicht erst, das Schluchzen in seiner Stimme zu verbergen. „Aber warum? Du kennst diesen alten Mann doch gar nicht, und das Amulett hat er Dir doch auch nicht gestohlen. Warum läufst Du ihm hinterher und gibst das alles hier auf?" Quang machte mit seinen kleinen Ärmchen eine kreisende Bewegung und umfaßte damit das ganze Zimmer von Tharon - alle vier Wände, die nicht allzu weit auseinander standen, das Strohbett, den kleinen Tisch mit der Kerze und den Hocker. Das war alles. „Du kannst mich doch nicht einfach so alleine lassen, außerdem bist Du der beste Armdrücker der Stadt. Ohne Dich wäre ich ruckzuck arbeitslos."  „Hör' mir mal zu, Quang." Tharons Stimme war ruhig und sanft. Betroffen legte er den Rucksack beiseite, den er gerade packte. Auch ihm fiel der Abschied nicht leicht. „Ich habe Dir doch schon oft erzählt, daß ich als kleines Kind in einem Wald gefunden wurde, nur in weiße Laken gehüllte. Und mit dem Amulett um meinem Hals. Ein alter Druide fand mich und brachte mich zu Stokan, dem Gutsbesitzer, der..." „Ich weiß, Stokan zog Dich groß wie einen eigenen Sohn, den er niemals hatte. Aber was hat das mit diesem alten Mann von vorgestern abend zu tun?" unterbrach ihn Quang.  „Laß mich doch erst einmal ausreden, mein Freund." Tharon blieb geduldig, weil er es gewohnt war, daß Quang ihn niemals ausreden ließ. Er faßte sich an seinem Kopf und drückte leicht gegen seine Schläfe, um den Schmerz loszuwerden, der ihn seit zwei Tagen plagte. An dem Abend, als dieser merkwürdige Fremdling in der Kneipe gewesen war, ist Tharon umgekippt. Wie ein nasser Sack hatte Quang ihm anschließend berichtet, sei er umgeplumst und hat mit seinem Kopf einen Stuhl zertrümmert. Sofort kamen ein paar Leute zu Hilfe und sie schleppten ihn auf sein Zimmer, wo er mehrere Stunden bewußtlos lag. Wie Quang ihm später erzählte, phantasierte er während seiner Ohnmacht. Doch Quang konnte kein Wort verstehen. Du hast irgendwie genuschelt, meinte er. Das einzige, was er verstanden hätte, wäre das Wort „Gurki" oder so ähnlich gewesen. Darüber konnte Quang sich stundenlang kaputtlachen - Gurki; was für ein Wort. Als Tharon schließlich wieder wach und bei klarem Verstand war, fing er sofort an, seine Sachen zu packen, um nach Nordergod zu reisen.  „Dieser alte Mann hat genau das selbe Amulett wie ich. Verstehst Du? Wenn es nur einen einzigen Menschen auf Krynn gibt, der mir sagen kann, woher ich komme, dann ist er es."  Quang sah wenig überzeugt aus. „Vielleicht hast Du Dir das mit dem Amulett auch nur eingebildet. Schließlich hast Du an diesem Abend einen ziemlich starken Schlag auf den Kopf bekommen..." „Nein, ich bin mir ganz sicher. Ich muß herausfinden, wer dieser Mann ist." „Dann laß mich doch mit die gehen!" Der Kendermensch, wie viele ihn nannten, setzte sein breitetest Grinsen auf, das er hatte. Die Zwergenseite in ihm war eigentlich die am wenigsten ausgeprägteste, und vor allem, was seine Gefühle anging, war er mehr Kender als sonst irgend etwas. Die Rasse der kleinen Leute, die ihr Leben lang Kindergesichter hatten und von Stadtmenschen immer etwas schief angeguckt wurden, weil sie dazu neigten, immer sehr viele Sachen von anderen Leuten zu finden, kam am stärksten im Mischling durch. Diejenigen, die ihn nicht kannten, nannten ihn schlichtweg einen Bastard, einen Gossenkender oder einen lumpigen Taschendieb. Doch wer öfters mit Quang zu tun hatte - und Tharon verbrachte fast seine gesamte Zeit mit ihm zusammen - kannte ihn als liebenswertes Geschöpf, immer hilfsbereit, wenn er auch manchmal mit der für einen Kender typischen Zerstreutheit seine Mitmenschen ziemlich auf die Nerven gehen konnte. Tharon kannte ihn nun schon etwas acht Jahre, seitdem er im Alter von 17 Jahren Storaks Hof verlassen hatte und in die nahegelegene Stadt Palanthas zog, die prachtvollste Stadt in ganz Solamnia. Storaks Hof war während dem Krieg der Lanze vor zwei Jahren fast völlig zerstört worden, und der gutseelige Bauer wurde ermordet.  Tharon gehörte zu den wenigen der Stadt, die sich freiwillig zum Heeresdienst meldeten, um gegen die Armeen der dunklen Königin zu kämpfen. In Kalaman wurde er gefangengenommen und mit vielen hundert anderen zu den Minen von Pax Tharkas gebracht. Zu seinem Glück wurde die Festung nach ungefähr drei Wochen Gefangenschaft gestürzt, die Gefangenen flüchteten. Viele Wochen streift Tharon alleine durch die Wälder und wurde oft von Patrouillen der Drakonier überrascht, doch schaffte er es immer, sich gegen sie zur Wehr zu setzen, bis er an Wundfieber erkrankte. Er wurde gerade noch rechtzeitig von einem Trupp Solamnischer Ritter gefunden, die ihn bis zur nächsten Siedlung brachten, wo sie ein Lazarett errichtet hatten. Hier lag er für den Rest des Krieges an das Krankenbett gefesselt.  Nachdem wieder Frieden im Land eingekehrt war, zog er los nach Palanthas, um dort ein neues Zuhause zu finden - und das hat er auch. Hier hatte er Freunde, vor allem Quang und Marik. Und er hatte einen Beruf - er arbeitete als Frachtauslader im Hafen. Durch seine Beschäftigungen abends in der Kneipe verdiente er sich immer noch etwas dazu, so daß er eigentlich ganz gut über die Runden kam. Nein, es war wirklich nicht leicht, das alles aufzugeben. „Es tut mir leid, wenn ich Dich enttäuschen muß, mein Freund. Ich weiß nicht genau, was mich im nördlichen Ergod erwartet, aber ich glaube, ich muß diesen Weg alleine gehen. Nach dem Mittagessen breche ich auf." Quang kannte Tharon zu gut, um jetzt noch zu versuchen, ihn umzustimmen. „Ich werde vermissen. Aber Du mußte mir versprechen, daß Du zurückkommst und mir alles erzä hlst." Tharon legte seine Hand auf Quangs Schulter. „Versprochen, Quang. Ich komme wieder." Quang schloß seinen Freund in die Arme - man könnte auch sagen, er hängte sich um Tharons Hüfte - und fing an zu schluchzen. „Mach's gut, Fist." Fist - so wurde Tharon von seinen besten Freunden oft genannt. Den Spitznamen hat Quang ihn einmal gegeben, als Tharon das erste beim Armdrücken seinem Gegner die Hand gebrochen hat. Fist - Tharon hatte das ungute Gefühl, diesen Namen für längere Zeit nicht mehr zu hören. „In ein paar Wochen bin ich wieder hier, und dann erzähle ich alles." Quangs Blick neigte sich auf den Boden, dann drehte er sich um und verließ schnell das Zimmer, ohne ein weiteres Mal zurückzublicken. Draußen konnte Tharon ihn weinen hören. Armer Quang. Tharon verstand seine Gefühle nur allzu gut. Er war der einzige richtige Freund des Kendermenschen, nun würde Quang wieder allein sein - er selbst war früher auch immer allein gewesen. Mit einem tiefen Seufzer wollte Tharon weiter packen, doch dann warf er den Rucksack in eine Ecke, sackte auf das Bett und ließ seinen Tränen freien Lauf...  Als er eine halbe Stunde später im Eßsaal saß und den Teller mit frischerlegtem Wild vor sich hatte, verspürte er überhaupt keinen Hunger, doch er aß, weil er wußte, daß eine lange Reise vor ihm lag. In dem großen Raum saßen etwa 20 Leute, hauptsächlich Männer, die Tharon nicht kannte. Doch auch, wenn ein Bekannter von Tharon unter ihnen gewesen wäre, hä tte Tharon ihn nicht registriert. Er saß einfach nur stumm da, starrte auf seinen Teller und aß genußlos. Eine große Hand legte sich kraftvoll auf seine Schulter. „Hallo Marik." Tharon mußte sich gar nicht erst umsehen, um den Wirt zu erkennen. „Ich habe ein Proviantpaket für Dich zusammengestellte, Fist. Wenn Du gut rationierst, kommst Du damit bestimmt eine Woche aus." Jetzt blickte Tharon ihn an. „Ich danke Dir, Marik. Wieviel bin ich Dir für das Essen und das Zimmer noch schuldig?" „Du schuldest mir nichts. Sieh einfach nur zu, daß Du irgendwann wiederkommst, und erzähle jeden, den Du unterwegs triffst, was Der Silberne Bug für eine herrliche Kneipe ist." Der dicke Mann lachte kräftig, Tharon brachte lediglich ein Lächeln hervor. „Ich werde Dich und Deine Kneipe vermissen, aber ich will nicht gehen, ohne für Deine Gastfreundschaft bezahlt zu haben. Wenn Du mein Geld nicht nimmst, wäre das ein Grund, sauer auf Dich zu sein. Und das willst Du doch nicht, oder?" Tharon hielt dem Wirt ein paar Münzen entgegen und schaute ihn finster an - ein Blick, bei dem man meinen könnte, er wollte gleich wie ein Bergtiger auf Marik losspringen. Einige andere, die die Unterhaltung mitbekommen hatten, weil Tharon zum Schluß recht laut gesprochen hatte, schauten jetzt interessiert zu ihnen herüber. Sie rechneten mit einem handfesten Streit, doch plötzlich begannen Tharon und Marik gleichzeitig, lauthals zu lachen und sich zu umarmen. „Mach's gut, Fist. Und paß auf Dich auf." „Das werde ich, Marik. Das werde ich. Und wenn ich zurückkomme will ich ein frisches Bier auf meinem Platz vorfinden." Die beiden hielten sich noch kurz an den Schultern und blickten sich ins Gesicht, dann bückte Tharon sich, nahm seinen Rucksack und schwang ihn über seinen Rü cken. „Weißt Du, wo Quang ist? Ich wollte mich noch mal von ihm verabschieden." „Nein, habt ihr euch heute morgen nicht mehr gesehen?" „Doch, doch. Ich dachte nur.. Egal. Wenn Du ihn das nächste mal siehst, dann sag ihm... - sag ihm...- sag ihm einfach, daß bald wieder da bin." Mit einem letzten Lä cheln drehte Tharon sich um und verließ den Silbernen Bug.  Als er auf der Straße stand, betrachtete er das Tü rschild: ein silbernes Schiff, reichlich verziert, glänzte in der Sonne. Tharon versuchte, sich dieses Bild gut einzuprägen, denn irgendwie wußte er, daß er es niemals wiedersehen würde.  Niemals.  Tharon ging zum Hafen. Er muß te sich nur noch bei seinem Auftraggeber abmelden, dann würde er sich ein Schiff nehmen und direkt nach Nordergod fahren. Er rückte sich seinen Rucksack noch mal richtig zurecht, dann ging er auf die kleine Holzhütte am Kai zu und klopfte drei mal an die Tür. Eine alte, mürrische Stimme rief in barsch herein. Mit einem Seufzer ging Tharon durch die Tür. In dem kleinen Raum saß der alte Seemann zusammen mit zwei seiner Arbeitern, beide bestimmt zwei Schritt groß und breit wie Bären. „Was willst Du? Warum bist Du heute morgen nicht zur Arbeit gekommen? Rede!" Tharon hatte gar nicht die Chance, sich zu rechtfertigen. „Überhaupt kein Pflichtbewußtsein, kein Benehmen! Ab, rann an die Arbeit! Du legst heute die doppelte Schicht hin, bei halber Bezahlung! An los!" „Einen Moment Alter!" Endlich gelang es Tharon, auch mal ein Wort zu sagen. Der alte Kapitän, offenbar überrascht durch die Tatsache, daß zur Abwechslung einmal er es war, der angebrüllt wurde, wußte für einen Moment nichts mehr zu sagen. Tharon nutzte die Gelegenheit, um einmal tief Luft zu holen. „Ich bin nicht hergekommen, um mich anbrüllen zu lassen. Ich bin hier, um zu kündigen!" Jetzt war der Seemann völlig aus der Fassung. „Was? Kündigen? Du bist doch verrückt. Du weißt genau, wie schwer es ist, in dieser zeit Arbeit zu finden. Aber bitte. Geh, wenn du willst. Doch du schuldest mir eine Abfindung. Ein Silberling, und du bist frei." Genüßlich zog der alte an seiner Pfeife und wartete auf eine Reaktion Tharons. „Was fü r eine Abfindung? Davon stand nichts in unserem Vertrag!" Tharon wurde langsam wirklich sauer. „Oh doch. Hadek, zeig ihm den Vertrag." Einer der beiden Bären nahm eine kleine Schriftrolle und gab sie Tharon. „Vorletzte Zeile", sagte der Kapitän. Als Tharon seine Augen auf das Stück Papier richtete, gab der Seemann ein Zeichen, und Hadek schlug Tharon mit einem Schlagring ins Gesicht. Er fiel nach hinten um und konnte sich nicht rü hren. Das letzte, was er hörte, waren die Stimmen der beiden Matrosen. „Man, ist der bescheuert." „Jetzt wird der mal lernen, was es heißt, richtig zu arbeiten." Tharon spürte, wie er vom Boden aufgehoben wurde, und daß letzte, was er wahrnahm, war das leichte Schlagen der Wellen an die Schiffsplanken. Dann verließ ihn sein Bewußtsein endgültig.

Auf hoher See

„Wir ham vom alten Seebären ne Landradde gekriegt. Wollte nich mehr für ihn arbeiten. Is n kräftger Kerl, dachte, wir könn sowas imma mal brauchen." Die rauhe Stimme des bärtigen Matrosen war laut, denn hier unten, im der Kajüte des Kapitäns, konnte man die Wellen und Krachen des Schiffes am deutlichsten hören. „Verdammte Starf! Denken gehört aber normalerweise nicht zu Deinen Aufgaben. Du weißt doch, daß es gefährlich sein kann, wenn man einfach so einen Fremden mitnimmt!" Der Kapitän verpaßte seinem Ersten Maat eine kräftige Ohrfeige. „Mach, daß du ihn herbringst. Aber bitte gut verschnürt, ich mag keine Überraschungen. Und sieh zu, daß er vernünftig angezogen ist und nicht stinkt. Ich will nicht noch mehr stinkende, schwitzende Saukerle an Bord haben. Davon gibt es hier schon genug." Starf zuckte zusammen, sein Blick zeigte nicht nur großen Respekt, sondern vielmehr große Angst vor seinem Kapitän. „Tut mir leid, Käptn. Ich werde alles zu ihrer Zufriedenheit erledigen." „Das wäre ja das erste mal." Der Käpt'n setzte sich wieder auf den verzierten Holzstuhl hinter dem großen Schreibtisch, auf dem eine riesige Seekarte ausgebreitet war. Aus Angst, noch mehr Schelte zu bekommen, verließ Starf schnell das Zimmer. Oben auf Deck wurde es nun hektisch. Das Schiff wurde losgebunden, die Segel gesetzt. Die Fahrt konnte losgehen.  Der Käpt'n bekam von all dem nur wenig mit. Die Männer würden die Arbeit schon erledigen. Die Aufgabe des Käptn's bestand darin, die Route auszuwählen und die Beute gerecht zu verteilen. Die See war relativ ruhig, der Wind stand trotzdem günstig. Sie würden ihr Ziel schnell erreichen. In Gedanken versunken hielt Santana, der Kapitän, ihre Kette fest und seufzte einmal tief beim Anblick ihres Amulettes. Was hatte es nur mit dem alten Mann auf sich, der gestern abend zu ihr kam? Warum sollte sie nach Nordergod kommen? Sie hatte darauf keine Antworten und beließ es auch dabei. Sie wü rde es schon herausfinden. Jetzt wollte sie erstmal den neuen Kerl kennenlernen, den Starf mitgebracht hatte. Sie nahm ihre kleine Karaffe mit dem Duftwasser und betupfte ihren Hals leicht mit dem Deckel. Mal sehen, vielleicht ist der Typ ja doch für irgendwas zu gebrauchen.

Ich werde Dir zeigen, wer Du warst - ich werde Dir zeigen, wer Du bist - und ich werde Dir zeigen, wer Du wirst. Du bist auch dem Weg nach Hause. Doch hüte Dich. Einer von Euch ist falsch.  Ein Eimer mit kaltem Wasser holte Tharon aus dem Reich der Träume zurü ck. Ein Bündel frischer Klamotten wurde ihm hingeworfen. „Wasch dich und zieh dich an! Dann kommst du mit uns!" Tharon schaute sich um. Es war dunkel, vor ihm standen zwei Männer mit Laternen und Säbeln in den Händen. Es schaukelte alles. Tharon griff sich mit einer Hand an den Kopf und fühlte die Blutkruste an seiner linken Schläfe, von wo aus auch der stechende Schmerz ausging, der ihn durchzuckte. Im ersten Moment wußte er nicht, wo er war, doch dann kehrten die Erinnerungen zurück. Der Hafen, der Schlag auf den Kopf, die Wellen.  „Wo genau bin ich. Wo fährt dieses Schiff hin." „Du hast deine Befehle. Sieh zu und laß den Käpt'n nicht warten!" Es ist wohl das beste, erstmal zu tun, was sie wollen. Tharon wusch sich das Gesicht in dem anderen Eimer, dem sie ihn hingestellt hatten, dann zog er die Hose und das Hemd an, das sie ihm gegeben hatten. Es waren keine besonderen Kleider, doch auf jeden Fall besser und frischer als seine eigenen. Außerdem bekam er Stiefel, die sauber und gut verarbeitet waren. Wer immer ihn hier gefangenhielt, konnte es nicht allzu schlecht mit ihm meinen. Die Männer nahmen ihn an den Schultern und stießen ihn vor sich auf den Boden. „wie sollen wir ihn ihr bringen?" „Ich glaube, so wie immer." Kaum waren die Worte gesagt, verspürte Tharon einen kräftigen Schlag auf den Hinterkopf. Das letzte, was er dachte, bevor die Dunkelheit ihn erneut umschloß, war nicht schon wieder...  Als er langsam wieder zu sich kam, lag er auf einem weichen Bett. Es war warm und trocken, und ein angenehmer Duft kroch ihm in die Nase. Das einzige, was ihn störte und schließlich auch ganz erwachen ließ, war die Tatsache, daß seine Hände auf seinem Rücken verbunden waren. Er setzte sich auf und schüttelte den Kopf, in der Hoffnung, seine Schmerzen damit vertreiben zu können. Doch diese schienen nur noch mehr ermuntert zu werden, ihn zu quälen. „Ich wollte nicht, daß meine Männer so mit dir umgehen. Eigentlich sollten sie dich nur zu mir bringen. Aber dir wird es bestimmt bald wieder gut gehen." Die schöne, weibliche Stimme kam aus einer dunklen Ecke des Zimmers, die von dem Kerzenschein - der einzigen Lichtquelle in diesem Zimmer - nicht erfaßt wurde. Tharon horchte auf. Wenn die Gestalt, die er eben gehört hatte, auch nur halb so schön war die Klang ihrer Stimme, dann mußte sie die schönste Frau auf ganz Krynn sein. Niemals zuvor hatte er eine so liebliche Stimme vernommen. Er sah zu der Ecke, doch die einzige Kerze, die im Raum brannte, erhellte nur den Schreibtisch mit der riesigen Karte und einen Teil der Wand, an der viele Bü cherregale hingen, vollgepackt mit dicken Bänden. „Wer bist du?" Tharon fragte nur, um diese wunderschöne Stimme wiederzuhören. - Schweigen. - „Ich stelle im Moment die Fragen. Wer bist Du?" Streng, aber immer noch wunderbar kamen die Worte zu ihm herüber. „Mein Name ist Tharon." Mehr wollte Tharon von sich noch nicht preisgeben. „Mein Name ist Santana, ich bin der Kapitän dieses Schiffes." Wie kann eine Frau mit einer solch schönen, weichen Stimme über eine Horde rauher Seemä nner befehlen?  „Erzähl' mir mehr von Dir, Tharon. Wie kommt es, daß du an Bord meines Schiffes bist?"  „Ich war im Hafen, um meine Arbeit zu kündigen, denn ich wollte eine Reise untern..." Tharon verschlug es die Stimme, als Santana die Ecke verließ und in den Kerzenschein trat. Tharon schaute in ihr wunderbares Gesicht - das schönste, daß man sich überhaupt vorstellen kann. Es ist nicht möglich, mit Worten zu beschrieben, was Tharon mit seinen Augen hier erblickte. „Sprich weiter, Tharon." Santana kam nun langsam auf ihn zu. „Ich... - ich weiß nicht mehr... - also..." Mehr bekam Tharon nicht über seine Lippen. Santana wußte, daß sie gut aussah, doch hatte es bisher noch keinem Mann so sehr den Atem verschlagen, wenn er sie sah. Auch wunderte sie sich darüber, warum Starf ihr nicht gesagt hatte, daß der Mann, den sie mitgenommen hatten, so überwältigend gut aussah. Niemals in ihrem Leben hatte sie einen schöneren Mann gesehen, und sie war sich sicher, das auch in der Zukunft niemals zu tun. Tharon selbst hatte sich nie für etwas besonderes gehalten. Sicher, er sah nicht schlecht aus, doch bestimmt auch nicht auffällig schön. Wie Santana ihn allerdings in diesem Augenblick anblickte, schien es ihm, als hätten sich ihre Blicke in die seinen verhakt. Keiner konnte vom Antlitz des anderen wegsehen. Tharon verspürte auf einmal eine große Zuneigung zu Santana, und der der Kapitänin ging es andersherum genauso. Sie wußten beide nicht, wie es genau gekommen ist, doch plö tzlich lag Santana neben Tharon auf dem Bett. Sie liebkoste mit ihren Lippen die seinigen und seinen Hals, und er tat er ihr gleich. Und auch wenn seine Hände für den Rest der Nacht gefesselt blieben, so wurde es doch eine Nacht für Tharon, die er nie vergessen würde...

Ein neugieriger Beobachter

Als Tharon vor einigen Tagen den Silbernen Bug verlassen hatte und in das Hafenviertel ging, bemerkte er nicht den kleinen Schatten, der ihn verfolgte. Er bemerkte nicht die kleinen Augen, die ihn beobachteten. Er schaute sich nicht um, als er die Hütte der alten Hafenmeisterei betrat. Und als ihn die zwei kräftigen Seemänner heraustrugen und zu einem Schiff brachten, war er sowieso nicht in der Lage, irgendetwas wahrzunehmen. Quang verfolgte diesen Vorgang aus sicherer Entfernung. Was soll ich nur tun - ich muß Marik holen - nein, wenn das Schiff jetzt abfährt, verliere ich seine Spur. Verdammt, was ich machen?  Der Kenderzwergmensch oder Kensch oder Zwensch oder wie man diesen Mischling auch nennen will, wollte eigentlich nur sehen, ob Tharon es auch schafft, sicher nach Nordergod zu kommen. Er wollte ihn nicht begleiten, daß hatte Tharon ihm ja verboten. Aber folgen durfte er ihm, dazu hatte Tharon nichts gesagt. Gleich nach seinem Gespräch mit Fist, wie er den kräftigen Menschen immer nannte (manchmal auch mein Dicker oder ähnliches), hatte Quang damit begonnen, seine Sachen zu packen. Ungefähr ein Dutzend Beutel mit den wertvollsten Inhalten wie Dietrichen, Karten, Trockennahrung und Zunderbüchsen fanden ihren Platz an seinem Gürtel. Auch sein kleiner Rucksack war vollgepackt, und selbstverständlich durfte der Hupak nicht fehlen. Wie jeder Kender empfand auch Quang den Hupak als die gefährlichste Waffe und das nützlichste Werkzeug auf ganz Krynn. Ob als Steinflitsche, Musikinstrument oder als Wanderstock in der Zeit der Wanderlust (eine Periode im Leben eines jeden Kender, in der auszieht, um die weite Welt zu entdecken), dieser schlichte Holzstab war in jeder Situation zu gebrauchen. Und jetzt war eine äußerst pikante Situation. Zum Glück hat Tharon mich als seinen Beschützer. Aber er wollte mich ja nicht mitnehmen. Der wird schon sehen - Keine Angst, Tharon, ich rette Dich!   Obwohl Quang so viele Sachen bei sich trug gelang es ihm doch, völlig lautlos und unsichtbar von Schatten zu Schatten zu schleichen, bis er die hölzerne Planke erreichte, die auf das Schiff führte. Das kleine Männlein schaute sich genau um. Das Schiff war sehr groß und sah nobel aus. Der Name Wildes Einhorn erschien Quang nur nebensächlich. Auf Deck war nicht viel los - es müßte ein leichtes sein, sich an Bord zu schleichen. Gesagt, getan. Völlig unbeobachtet huschte Quang auf das Schiff und versteckte sich unter einer großen Leinenplane, die ein Ruderboot bedeckte. Das Boot war groß genug, um ein Dutzend Männer zu tragen - das Rettungsboot, wie Quang vermutet. In seinen Gedanken sah er einen riesigen Kraken, wie er das Schiff verschlang und nur er und Tharon sich mit dem Boot in Sicherheit bringen konnten. Solche Ungeheuer gab es wirklich. Das hatte ihm sein Opa väterlicherseits erzählt - ein echter Kender. Also mußte das ja stimmen.  Es könnte aber auch das Boot sein, mit dem ein Teil der Mannschaft an die Kü ste einer neu entdeckten Insel fahren würde.  Der leichte Wind, der vom Meer kam, nahm etwas zu. Plötzlich ertönte ein rauher Ruf, den Quang nicht verstand, und auf einmal war das Deck binnen Sekunden gefüllt mit Matrosen - großen, starken Männern mit nacktem Oberkörpern und ohne Schuhe - die nun hektisch begannen, die Segel zu setzen und die Leinen zu lösen. Quang war gezwungen, sich nun ganz unter der Plane zu verkriechen. Wir fahren auf See! Wie toll! Ich bin noch nie mit einem Schiff gefahren. Ein so großes Schiff macht bestimmt eine lange Reise. Dann kann ich Tharon morgen immer noch befreien...  Quang mußte gähnen. Er hatte fast die ganze Nacht damit verbracht, über sich und Tharon nachzudenken und seine Sachen zu packen. Er rollte sich auf dem Boden des Rettungsbootes zusammen und zog einen Apfel aus seinem Rucksack. Doch bereits nach ein paar Bissen fiel ihm die Frucht aus der Hand. Quang träumte von großen Wellen, riesigen Seeungeheuern, unentdeckten Inseln - und von Tharon. Ich werde Dich retten, mein Freund...  Als Quang erwachte, war es bereits dunkel. Nur ein leichtes Schimmern am Horizont und das Leuchten der Monde war noch zu sehen. Er beschloß, sich nun ein wenig auf dem Schiff umzusehen. Den einzigen Matrosen, den er entdeckten konnte, war der Steuermann, der seine Nachtschicht schob. Es war ein leichtes für den Kensch, sich an ihm vorbeizuschleichen. Das Schiff war wirklich riesig. Ich möchte gern mal wissen, unter welcher Flagge es wohl segelt. Es kommt bestimmt weit aus dem Westen. Quang schaute am scheinbar größten der drei gewaltigen Masten herauf, in der Hoffnung, das Banner des Schiffes zu sehen. Doch es war zu dunkel. Dann muß ich wohl. Allzu schwer kann das ja nicht sein, an diesen Netzen hochzuklettern.  Er begann, langsam den gebundenen Tauen, die vom oberen Ende eines jeden Mastes nach unten führten, zu folgen, bis er an eine Stelle ankam, wo er auf die Rehling steigen und mit dem Klettern beginnen konnte. Zwischendurch hielt er kurz inne und saugte die frische Seeluft tief in sich hinein. Ach, ist das herrlich. Ich mache eine Seereise.  Nach einigen Minuten erreichte Quang den Ausguck am oberen Ende des Hauptmastes. Der Anblick, der sich ihm bot, war phantastisch. Ein leichtes, immer schwächer werdendes Schimmern am Horizont verriet dem Kenschen, daß es ungefähr Mitternacht sein mußte. Die zwei Monde, die Quang zu sehen bemächtigt war, schimmerten voll über dem Wasser, welches sich in zwei Hä lften zu teilen schien - eine silberne und eine rote. Das das Meer im Norden tiefschwarz war, konnten seine Augen nicht sehen. Im Süden war noch leicht die Küstenlinie des Festlandes sichtbar. Solamnia, so weit weg. Quangs Blick glitt herauf zu der zusammengerollten Fahne, die etwa zwei Meter über dem Ausguck am Mast befestigt war. Ohne zu zögern sprang Quang auf das hölzerne Ausguckgeländer. Das es unter ihm 30 Schritt in die Tief ging, störte in nicht. Nun war es ihm möglich, die Bänder zu lösen, die die Fahne eingerollt hielten. Der Stoff entfaltete sich - und das höhnische Grinsen eines weißen Totenkopfes prallte in Quangs Gesicht. Wow, Piraten! Nein, nicht wow - gefährlich! Ich werde Dich retten, Tharon!  Erst jetzt kam Quang wieder in den Sinn, warum er ü berhaupt auf dieses Schiff gegangen war. So schnell er konnte, kletterte er wieder herunter. Der Totenkopf wehte weiterhin lachend im stärker werdenden Wind...

Die ersten Ankömmlinge

Du bist die erste, die angekommen ist. Die anderen sind auch schon in der Nähe. Doch hüte Dich. Einer von ihnen ist falsch...  Lynn wachte auf. Hatte sie die Stimme des alten Mannes wirklich gehört oder war es nur ein Traum gewesen? „Ich bin extra den ganzen Weg nach Ergod gekommen, nur weil so ein alter Mann die selbe Kette hat wie ich. Und was passiert - ich stoße auf ein Heer Drakonier, etliche Orks, eine Räuberbande - und sitze schließlich ganz allein hier im Wald und führe Selbstgespräche." Die Zwergin säuberte ihr Schwert vom grünen, schwarzen und roten Blut. In den letzten Stunden ist sie nicht dazu gekommen - Ergod ist vor allem im Norden ein gefährliches Stück Land, und vom Kämpfen war sie zu müde gewesen und mußte sich ausruhen.  Das Heer der Drakonier bestand übrigens aus drei Echsenwesen, welche für eine Kriegerin wie Lynn allerdings kein Problem darstellten. Die etlichen Orks waren nur zu zweit, die zufällig ihren Weg kreuzten und von ihr getötet wurden, und die Räuberbande setzte sich aus etwa einem halben Dutzend Männer zusammen, die aber schnell die Flucht ergriffen, nachdem Lynn vier von ihnen mit Leichtigkeit zur Strecke brachte. Lynn liebte es, zu übertreiben. Wer sie schon einmal kä mpfen sah, glaubte ihr allerdings das meiste von dem, was sie erzählte, denn es war wirklich erschreckend, wie gut sie mit dem Schwert und der Axt umgehen konnte. Jetzt saß sie am Feuer - es muß wohl gegen Mitternacht gewesen sein - und sä uberte ihre Waffen. Immer, wenn sie alleine war, führte sie Selbstgespräche, um sich nicht zu langweilen - und sie war fast immer allein. Als die Hügelzwerge sie damals als Findelkind gefunden hatten, hielt man sie für das ausgesetzte Kind einer Dunkelzwergin - so nennt man die ausgestoßenen Zwerge. Dementsprechend schlecht hat man sie auch behandelt und eigentlich nur großgezogen, weil das die Pflicht der Zwerge war - so verlangte es ihr Kodex.  Es wunderte niemanden, daß sie bereits im Alter von 15 Jahren von Zuhause ausriß - und es störte noch viel weniger. Ein fünfzehnjähriger Zwerg ist eigentlich gleichzusetzen mit einem zwei bis drei Jahre alten Menschenkind, doch Lynn entwickelte sich ausgesprochen schnell, so daß sie zu diesem Zeitpunkt schon eine Jugendliche war und für einen Mischling gehalten wurde.  Ein plötzliches Knacken im Busch hinter ihr ließ´ sie aufschrecken. Sofort griff ihre linke Hand zu ihrem Schwert, die rechte zu ihrem Beil, mit dem sie auch ausgezeichnet werfen konnte. Langsam schlich sie auf den Busch zu, ohne zu bemerken, daß sie der eigentlichen Gefahr gerade den Rücken zudrehte. Der Dunkelelf, der sie beobachtete, war sehr zufrieden mit sich, da sein Ablenkungsmanöver - eine einfache Sinnestäuschung - eine so gute Wirkung zeigte. Lautlos schlich er von hinten an Lynn heran, um ihr mit einem gezielten Schlag auf den Hals das Bewußtsein zu nehmen. Die Kriegerin sackte bewegungslos zusammen. Ohne sie weiter zu beachten, ging Jalanthas, der Elf, zum Lagerfeuer und fing an, die Sachen von Lynn zu durchstöbern, wobei er schnell den gefüllten Geldbeutel fand und ihn mit einem höhnischen Grinsen um seinen Gürtel band. Etwas anderes fand er nicht, die vielen Schlüssel, Dietriche und Karten interessierten ihn nicht, auch ihren Proviant konnte er nicht gebrauchen. Nun schritt er langsam wieder zurück zur immer noch bewußtlosen Zwergin und drehte sie auf den Rücken. Jalanthas' Gesicht erstarrte. Nicht nur, weil das Gesicht dieser Zwergin das Schö nste war, was er jemals zuvor gesehen hatte - dabei fand er Zwerge regelrecht abstoßend - , sondern auch wegen dem Amulett, das sie trug. Dieses silberne Amulett mit dem Einhorn und einer Waffe; das selbe Amulett, das auch um seinen Hals hing...  Lynn erwachte am nächsten Morgen mit starken Schmerzen am Hals. Sie schmeckte Blut in ihrem Mund, ihre Zunge tat weh. Sie wollte aufschrecken, doch die Klarheit, die ihr Kämpferinstinkt in ihren Kopf brachte, wurde durch ein sofortiges Schwindelgefühl vernebelt.  „Ganz ruhig. Du mußt liegenbleiben." Lynn konnte ihren Blick nicht auf den Mann richten, von dem die wunderschöne Stimme ausging, doch sie erkannte seine Akzent. „Wer bist Du, Elf?" Ihre Worte kamen gequält und mit einem Stöhnen unterlegt. ,,Was fragst Du noch? Anscheinend weiß t Du es ja schon, Zwerg." Jalanthas machte sich keine Mühe das verächtliche Zischen zu unterdrücken. „Silvanesti oder Qualinesti?" Kurzes Zögern. „Silvanesti. Mein Name ist Jalanthas. Ein Räuber wollte Dich überfallen. Als ich zufällig vorbeikam, habe ich ihn wohl erschreckt und verjagt. Er hat Dich böse getroffen, am Hals. Ich habe Dir einen Kräutertee gemacht, der wird Dich bald wieder auf die Beine bringen." Nun klang der Elf wieder freundlich, ja fast mitleidig. Er war ein guter Lügner. „Meine Sachen..." Lynn startete wieder einen erfolglosen Versuch, sich aufzusetzen. „... sind noch alle da - glaube ich. Wie konnte Dich ein einzelner Räuber ü berfallen, Deinen Waffen nach zu urteilen bist Du eine geschickte Kriegerin?" Das höhnische Grinsen auf Jalanthas Lippen konnte Lynn nicht sehen. „Ich weiß nicht genau. Ich habe Dir wohl viel zu verdanken. Sag, was macht ein Elf so weit im Nordwesten?" Langsam klärten sich die Gedanken in Lynns Kopf.  „Ich werde Dir alles morgen erzählen. Jetzt mußt Du Dich erstmal ausruhen. Hier. Trink diesen Tee, dann wirst Du gut schlafen und Dir wird es bald besser gehen" log der Dunkelelf. Doch Lynn schien der Stimme zu vertrauen, die so mitfühlend und schö n klang. Sie nahm den kleinen Becher, der ihr gereicht wurde, und versuchte noch einmal, ihren Kopf wenigstens soweit zu bewegen, daß sie das Gesicht ihres vermeintlichen Retters sehen konnte. Doch vergebens. „Trink." Sie leerte den Becher, worauf sich sofort der Schleier vor ihren Augen wieder verdichtete und sie in einen tiefen, ruhigen Schlaf fiel. „Schlaf gut, meine Schöne. „Und werde mir ja nicht so schnell gesund." Jalanthas lachte laut, doch das Lachen verstummte, als er erneut in Lynns Gesicht schaute und ihr Medaillon betrachtete. Sie ist so schön - und das Amulett. Ob der alte Mann sie wohl auch geschickt hat? Morgen werde ich mehr wissen. Auch Jalanthas legte sich nun zur Ruhe ...

Ich spüre, zwei von Euch haben sich schon hier eingetroffen. Wartet auf die anderen, Eure Fragen werden bald beantwortet werden. Wer bist Du, alter Mann? Sag' mir, warum Du mich hierhin geschickt hast! Alles zu seiner Zeit. Du wirst alles erfahren. Wer Du warst, wer Du bist, und wer Du sein wirst. Vertraue mir. Nein, ich will Antworten. Rede!!!  Mit einem Aufschrei erwachte Jalanthas. Unruhig schaute er sich um. Das Feuer war schon ausgegangen, die Holzscheite glimmten nur noch etwas. Langsam wurde es hell, vereinzelt zwitscherten die ersten Vögel, ein leichter Wind brachte ein mildes Rauschen der Blätter zustande.   Sein Blick glitt zu der schlafenden Lynn. Sein Betäubungstrunk ließ sie weiterhin schlafen; und das war gut so, denn er wollte sich erst über einiges im Klaren sein, bevor er sie wieder zu sich lassen kommen wollte.  Er richtet sich auf um sich seinen Umhang richtig umzuwerfen. Dann ging er zu Lynn hinüber, drehte sie auf den Rücken und schaute ihr aufmerksam ins Gesicht: Sie ist so wunderschön. Das kann keine reinrassige Zwergin sein, in ihr muß etwas Elfisches stecken. Doch welche Elfin würde sich mit einem Bergbauern einlassen: Sie ist bestimmt das Resultat einer Vergewaltigung. Aber so wunderschön...  Er schüttelte den Kopf um seine Augen von ihrem Antlitz zu lenken, und studierte erneut ihr Halsband. Dasselbe silberne Einhorn, doch wieso ist bei ihr eine Streitaxt, anstatt wie bei mir Pfeil und Bogen? Jalanthas zog mit einer blitzschnellen Bewegung ein reich verziertes Stilett unter seinem Umhang hervor, schnitt Lynn in die Kuppe ihres linken Zeigefingers und ließ ein paar Tropfen von ihrem Blut in eine fingerhohe Flasche träufeln.  Er steckte das Fläschlein wieder in seinen Umhang und leckte vorsichtig über die Klinge seines Dolches. Das ist weder Zwergen- noch Elfenblut. Ich habe keine Wahl, ich muß sie zu Kräften kommen lassen, um Antworten zu erhalten. Wer weiß, vielleicht muß ich sie ja doch nicht töten...  Blitzschnell wie es gekommen war verschwand nun auch das Stilett wieder irgendwo in Jalanthas' schwarzem Umhang.  Der Dunkelelf setzte sich an die Feuerstelle und begann Holz nachzulegen. Er murmelte ein paar Worte, und plötzlich brannte das Lagerfeuer wieder lichterloh. Er holte zwei kleine Flaschen hervor, die eine mit Lynns Blut, die andere mit einer hellblauen Flüssigkeit. Er gab zu dem roten Blut einen Tropfen des Serums und hielt diese Mischung unter dem Murmeln einiger Worte über das Feuer. Seine Hand und sein Umhang schienen von den Flammen unberührt. Nach etwa zehn Sekunden öffnete er das Flä schlein und schluckte den Inhalt hinunter.  Bei Tarkhi..- Nein, das kann nicht sein...

Lynn erwachte aus ihrem tiefen Schlaf. Sie fühlte sich immer noch zu schwach, um sich umzudrehen, doch spürte sie die Gegenwart ihres vermeintliches Retters. „Jalanthas." Sie konnte nur flü stern, Schweiß bedeckte ihre Stirn. „Ganz ruhig. Ich bin hier. Trink das, dann geht es Dir gleich besser." Diesmal log der Dunkelelf nicht, er wollte die Kriegerin wieder zu Kräften kommen lassen, um mehr über sie zu erfahren. Er hatte versucht, sie zu hypnotisieren und so Antworten über ihre Herkunft zu erhalten. Doch er konnte ihren Geist nicht erreichen, was ihn aber auch nicht verwunderte, denn er wußte nun, wer sie war - oder besser, was sie war...  Lynn konnte den Becher nicht nehmen, den Jalanthas ihr reichte, also führte er ihn ihr an die Lippen. Sie trank hastig, ihre trockene Kehle hatte etwas Flü ssigkeit nötig. Gleich mit dem ersten Schluck spürte sie die Benommenheit von sich weichen, und je mehr sie von dem wundersamen Trunk zu sich nahm, desto stärker fühlte sie sich, desto klarer wurde ihr Geist. Als sie den Becher geleert hatte, drehte sie ihren Kopf zu Jalanthas. Er war noch schöner als  sie ihn sich beim Klang seiner Stimme vorgestellt hatte. Er hatte ein schmales, edles Gesicht, tiefbraune Augen und langes schwarzes Haar, das wellig unter seiner Kapuze über seine Schultern floß. Er war ein einen dunklen Umhang gehüllt. Lynn betrachtete erst sein Gesicht, dann glitt ihr Blick langsam an seinem Körper herab. An seinem Hals trug er keinen Schmuck, doch seine Hände waren mit vielen Ringen verziert. Sie wollte gerade etwas sagen, da hörte sie auf einmal ein weit entferntes Knacken. Auch Jalanthas vernahm den Laut. Sofort drehte er sich um und beobachtet die nähere Umgebung genau. Stimmen waren zu hören, Schritte und Waffengeklirr. Und es kam näher. Jalanthas sprang sofort auf und ergriff seinen Stab, auch Lynn erhob sich, so schnell sie konnte. Ihr Kopf schmerzte wieder, als sie auf den Beinen war, doch sie stand sicher und hielt Schwert und Axt fest in den Händen.  „Was ist da los?" „Ich weiß es nicht, aber ich halte es für besser, wir löschen sofort das Feuer und verstecken uns in den Büschen." „Ich schlage vor, wir sehen uns das mal genauer an." „Vorsicht, Du bist wahrscheinlich nicht so kräftig, wie Du denkst." „Das wird schon gehen." Die letzten Worte sagte Lynn mehr zu sich selbst als zu Jalanthas, und schon ging sie auch auf die Quelle des Kampflärms zu. Jalanthas, der merkte, daß eine längere Diskussion mit kampfbereiten Lynn zu nichts führen würde, folgte ihr widerstrebend.  Das Waffengeklirr wurde immer lauter, bis Lynn und der Elf schließlich auf einer Lichtung das Geschehen verfolgen konnten. Eine riesige Kreatur, sicherlich fast drei Schritt hoch, kämpfte nur mit einer Keule bewaffnet gegen fünf oder sechs dunkel gekleidete, mit Schwertern und Ä xten ausgerüstete Wesen. Ein paar lagen schon versteinert am Boden. ,,Drakonier!!!" Mit diesem Ausruf stürmte Lynn los. Die Drakonier schienen einen kurzen Moment überrascht, was einen von ihnen das Leben kostete, denn die große Kreatur, die sich nicht ablenken ließ, zertrümmerte mit einem gewaltigen gezielten Schlag seiner mit Eisenspitzen versehenen Keule das Genick eines der Angreifer. Lynn stürzte sich sofort den nä chsten. Ihren kräftigen Axthieb konnte er noch abwehren, bevor das scharfe Breitschwert der Kämpferin ihm den Schlagarm abtrennte. Lynn wandte sich dem nächsten Drakonier zu und wehrte gerade noch seinen Hieb mit ihrem Schwert ab. Ihr anschließender Axthieb traf nur das schwere Eisenschild, jedoch mit so einer Wucht, das sowohl Axt als auch Schild zu Boden fielen. Mit unglaublicher Geschwindigkeit landete Lynn den nä chsten Schlag, welchen der Drakonier nur schwer parieren konnte. Die Kriegerin nutzte die Lücke seiner Deckung und trat mit aller Wucht zwischen die Beine ihres Gegenübers woraufhin sich dieser vor Schmerz auf dem Boden krümmte. Gerade als Lynn den Todesstoß ausführte und ihr Schwert den Kopf des Drakoniers entzwei hieb, hörte sie ein lautes Donnern hinter sich, als habe der Blitz direkt unter ihren Füßen eingeschlagen: Ein Drakonier, der Lynn von hinten angreifen wollte, wurde durch den Blitz, der aus Jalanthas' Hand fuhr, förmlich in Stücke gerissen. Die Wucht der Explosion ließ Lynn etwa zwei Schritt durch die Luft fliegen, ehe sie unsanft auf dem Boden landete und dort für kurze Zeit benommen liegenblieb. Der Riese hatte inzwischen auch einen seiner Gegner getötet, indem er die riesigen Spitzen seiner Keule mitten in das Gesicht des Drakoniers schlug. Doch auch er übersah wie Lynn den zweiten Feind hinter sich, der nun ungehindert sein Schwert durch den nackten und beharrten Oberkörper des Wesens stoßen konnte. Mit einem Aufschrei, der an das Brüllen eines Lö wen erinnerte, drehte sich der tödlich Verletzte um und riß damit dem Drakonier das Schwert aus der Hand. Mit der Klinge in seinem Bauch, seines Todes gewiß, holte die Kreatur zu einem letzten Schlag aus. Mit allerletzter Lebenskraft flog die Spitzkeule durch die Luft und zertrümmerte den Kopf des Drakoniers. Der Kampf war vorbei, der Riese brach ohne einen weiteren Atemzug zusammen.  Als Lynn sich wieder erhob und mit einem Kopfschütteln die schwarzen Punkte vor ihren Augen vertrieb, sah sie den Dunkelelfen neben dem toten Geschöpf knien. Sie bemerkte nicht, wie Jalanthas etwas in seinen Taschen verschwinden ließ. Langsam ging sie auf ihn zu und sah gerade noch, wie Jalanthas das Gesichts dieses Wesens mit einem schwarzen Tuch bedeckte. „Ist er.. es..., wie auch immer - tot?" „Ja." Die Antwort kam kurz, ohne ein Anzeichen irgendeiner Emotion. „Was ist das für ein Wesen?" „Ich weiß es nicht genau. Der Kopf ähnelt dem eines Minotauren, doch er ist viel zu groß für einen Vertreter dieser Rasse." Jalanthas schloß ein kleines Fläschen in seiner Hand und ließ es in eine seiner Taschen gleiten. „Was war das?" „Etwas Blut von ihm. Ich brauche es, um seine Rasse zu bestimmen." Lynn wirkte wenig ü berrascht. Sie hatte so eine Antwort erwartet. „Du bist also ein Zauberer."  „Ein Hexer. Ich bediene mich nur einiger Tricks der Magier. Sie können in manchen Situationen ganz nützlich sein. Zum Beispiel, um leichtsinnigen Leuten das Leben zu retten." Der letzte Satz kam fast spöttisch über die Lippen des Elfen. „Entschuldige bitte, daß ich mich noch nicht bei Dir bedankt habe. Ich stehe jetzt noch tiefer in Deiner Schuld." Lynn meinte es wirklich ehrlich. Doch Jalanthas blieb hart. „Warum hast Du das getan? Warum bist Du ihm zu Hilfe geeilt?" ,,Wer gegen Drakonier kämpft, ist auf meiner Seite. Du scheinst doch auch kein Freund von ihnen zu sein, sonst hättest Du doch den einen wohl kaum so zerrissen." „Ich bin zwar nicht ihr Freund, aber auch nicht ihr Feind. Ich frage mich nur, was sie so weit im Nordwesten machen." „Ich weiß es auch nicht. Ich habe aber schon mehr von ihnen hier im Wald gesehen. Neulich erst traf ich auf ein He... - eine Patrouille." Ohne ein weiteres Wort erhob sich der Elf, drehte sich um und ging zu dem Platz zurück, wo sie ihr Lager hatten. Er schien die letzten Worte Lynns gar nicht gehört zu haben, sondern war total in Gedanken versunken und ließ in einer seiner Taschen das Amulett, daß er eben unbemerkt dem toten Minotauren abgenommen hatte, durch seine Finger gleiten. Ein Amulett mit einem Einhorn und einer Axt um den Hals eines riesigen Minotauren. Was hat das alles nur zu bedeuten...? Und warum kommt mir sein Gesicht so bekannt vor? Hat das etwas mit der baldigen Konstellation zu tun?

Von Wellen und Winden

„Käpt'n!!!" Es hä mmerte drei mal laut an Santanas Kajüte. „Käpt'n!!!" Santana erwachte. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, doch das Licht, das die fast heruntergebrannten Kerzen verbreiteten, ließ sie den nackten Körper an ihrer Seite erkennen. Tharons lag immer noch gefesselt auf der Seite. Santana blickte an sich herab, auch sie trug keine Kleidung. Nur das Amulett hing an ihrem Hals, mit dem Einhorn und dem Schwert, genau wie bei Tharon. „Käpt'n!!! Es ist wichtig!!!" Erneutes Hämmern.   „Komm herein!" Starf stürmte in das Zimmer. Santana setzte sich auf und begann, den Kleiderhaufen vor ihrem Bett zu durchwü hlen. Unter den zerrissenen Klamotten von Tharon fand sie dann schließlich auch ihr Hemd. Sie stellte sich vor Starf, das Hemd noch in der Hand, und starrte ihn wütend an. „Was ist denn so wichtig?" Starf wußte, daß er seinen Blick nicht von Santanas Augen lenken durfte, um ihren nackten Körper zu bewundern. Sein Kapitän haßte das, denn es war ein Zeichen von Schwäche, wenn sich ein Mann von einer nackten Frau ablenken ließ. „Irgend jemand hat die Flagge gehißt. Die Mannschaft sucht bereits überall." „Welches Sau-Pillemann- Arschloch ist denn so blöd und hißt die Flagge? Sucht weiter nach diesem Idioten! Bevor er nicht gefunden ist, gibt es für die Mannschaft kein Essen! Ach ja, wenn ich gerade dabei bin. Bring' mir und meinem Gast sofort das Frühstück, das Brot bitte leicht angecrosst!"  „Zu Befehl, mein Käpt'n." Starf verbeugte sich schnell und erhaschte einen kurzen Blick auf Santanas Oberschenkel, was jedoch von ihr nicht unbemerkt blieb. Ein stumpfer Schlag auf seinen Kopf ließ den Seemann zu Boden sacken. „Thendor!!!" Santanas Stimme klang sehr wütend, als sie aus ihrer Kajüte stürmte. Sie haßte Männer, die ihre Schwächen so zeigten, wie Starf das eben getan hatte.  Thendor, der Zweite Maat, kam angerannt und stand nun vor seinem Kapitän. Das Hemd hatte Santana inzwischen angezogen, es bedeckte nun ihren Oberkörper und einen kleinen Teil ihrer Oberschenkel. „Jawohl, mein Käpt'n?" Thendors Stimme war gelassen, es schien ihm keine Probleme zu bereiten, seinen Blick an den Augen Santanas haften zu lassen. Es war diese Gelassenheit, an der es lag, das Santana nicht ihn, sondern Starf zum Ersten Maat ernannt hatte. Thendor hatte ein zu starkes Selbstbewußtsein, sie jedoch brauchte jemanden, der ihr blindlings gehorchte. „Hol Starf aus meiner Kajüte und häng ihn an den Hauptmast. Neuer Erster Maat ist Freick. Sag ihm Bescheid und bring mir mein Frühstück. Kein anderer bekommt etwas zu essen, bevor unser unbekannter Gast gefunden wurde." Während Santana zu ihrem Zweiten Maat sprach, musterte sie seinen nackten und gebräunten Oberkörper. „Wenn ich es mir recht ü berlege, bring zuerst den Gefangen zurück in den Kerker. Nimm ihm aber vorher das Amulett ab und leg es auf meinen Schreibtisch. Anschließend bringst Du mir mein Essen." Es ist eine lange Reise. Ich werde Tharon schon noch aus quetschen. Aber erst brauche ich etwas entspannendes.  Sie drehte sich um und schritt wieder in ihre Kajüte. Thendor folgte ihr langsam; ein Lächeln erschien in seinem Gesicht, als der stärker werdende Wind Santanas Hemd etwas hob und er ungehindert einen Blick auf ihren wohlgeformten Hintern werfen konnte. Er wußte, was ihn erwartete, wenn er ihr das Essen bringen würde. Daß sich am Horizont langsam schwarze Wolken zusammenbrauten, schien keiner von ihnen zu bemerken.

Tharon erwachte durch das wütende Geschrei einer Frau. Er schreckte hoch und saß nun senkrecht im Bett. Seine Hände waren noch immer zusammengebunden, er war nackt. Seine Haut schmerzte und er spürte Kratzspuren an Hals, Rücken und Brust. Wo bin ich? Was ist geschehen? Schnell schaute Tharon sich um. Er war offenbar in einer Schiffskajüte, eine große Gestalt lag auf dem Boden. Als Tharon den Bewußtlosen erkannte, kamen seine Erinnerungen zurück, die Kopfschmerzen, die ihm anfangs die Sinne vernebelten, legten sich langsam. Das ist dieser Kerl, der mich im Haus des Hafenmeisters niedergeschlagen hat. Wo ist Santana, dieses Teufelsweib? Tharon schaute sich weiter um; die Tür der Kajüte stand weit auf, ein kalter Windzug ließ den Nackten erzittern. Das Tageslicht war düster. Vor Tharon lagen seine Kleider, völlig zerrissen - nun erinnerte er sich auch wieder genau an letzte Nacht. Dieses Biest! Erst verführt sie mich, dann läßt sie mich nackt und gefesselt hier rumsitzen. Tharon versuchte die Fesseln seiner Handgelenke zu lösen, jedoch ohne Erfolg. Plötzlich erschien jemand ihn der Tür. Santana kam wütend, nur mit einem weißen Hemd bekleidet, die drei Stufen hinuntergestampft, ein krä ftiger Seemann dicht hinter ihr. Sie beachtete Tharon nicht einmal. „Sei sanft zu ihm." Kalt und bestimmt kamen Santana die Worte ü ber die Lippen. Tharon schwante Schlimmes, da holte Thendor auch schon aus und schlug dem nackten, wehrlosen Tharon mit der Faust gegen das Kinn. „Ich sagte sanft!" Die letzten Worte, die Tharon hörte, dann wurde wieder alles schwarz, doch in seinem Kopf braute sich gewaltige Wut zusammen. Dann hoffte er nur noch au Ruhe, doch sein Kopf füllte sich mit den irrsinnigsten Bildern. Wilde Illusionen, überall Feuer. Tharon spürte die Hitze. Er sah einen alten Mann inmitten dieses Infernos. Es war der Alte, den er im Silbernen Bug gesehen hatte und der ihn seitdem nicht mehr in Ruhe ließ. Dieser geheimnisvolle Greis, dem er all das zu verdanken hatte. Du siehst mit Deinem Herz den Schmerz, den wir erleiden mußten. Du siehst den Haß, der unsere Seelen zu vernichten suchte. Doch bald ist die Zeit gekommen. Das Böse versucht erneut, aus seinem Käfig zu brechen. Ihr seid die letzte Hoffnung Ansalons, die letzte Hoffnung Krynns, die letzte Hoffnung der Götter. Es wird nicht leicht, doch gemeinsam werden wir die Kräfte der Vergangenheit beschwören, um die Gegenwart zu besiegen, und die Zukunft zu retten. Dann verschwand der alte Mann aus Tharons Geist; was blieb, war das Feuer. Und etwas anderes. Tharon spürte die Augen, die ihn beobachteten, ihn durchdrangen, seine Seele freilegten. In weiter Ferne schien sich ein Schatten zu materialisieren, eine Gestalt näherte sich Tharon, blieb jedoch immer so weit entfernt, daß er sie nicht genau erkennen konnte. Doch etwas sah er - und dieses etwas ließ Tharon vor Ehrfurcht erzittern. Kalte Tränen rollten über seine Wangen, während Thendor ihm das Amulett vom Hals riß und ihn wieder in den Kerker warf.

Der Wind wurde immer stärker, entwickelte sich zum Sturm, bald zum Orkan. Viel zu spät hatte die Mannschaft auf der Wilden Einhorn die Vorzeichen des Unwetters erkannt. Nun peitschten die Wellen über Bord, ließen riesige Wassermassen auf das Deck knallen. Die Schreie der Seemänner waren bei dem ohrenbetäubenden Lärm kaum zu hören, gewaltiger Regen verkürzte die Sicht auf ein Minimum. „Holt die Segel ein!!!" Santana erhielt keine Antwort auf ihren Befehl, den sie - völlig nackt - von der Tür ihrer Kajüte aus rief. Doch sie wußte, wenn die Segel nicht eingeholt werden würden, würde der Wind die Maste zum brechen bringen. Thendor zog gerade seine Hose hoch. Überraschend schnell ging die Entwicklung des Sturmes voran. Auch er wußte, daß die einzige Hoffnung, wenn es denn überhaupt noch eine gä be, darin bestand, die Segel einzuholen, um dem Wind möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Santana rannte zurück zum Bett. Obwohl sie nur kurz an der offenen Tür stand, war sie klatschnaß. Schnell warf sie sich ein paar Sachen über, Thendor war schon auf dem Weg nach draußen. Geistesgegenwärtig zog Santana die beiden silberne Ketten an sich, die auf ihrem Tisch lagen, während sie hinter ihrem Zweiten Maat aus der Kajüte stürmte. Der Wind riß sie zu Boden, das Wasser machte das Deck rutschig wie Eis. Sie rappelte sich wieder auf und rannte zum Hauptmast, wo Thendor schon mit einem anderen Seemann zusammen versuchte, das Tau ein zu ziehen, welches das Hauptsegel einholen würde, doch durch Wind und Regen blieb ihr Versuch erfolglos. Die Maste fingen schon an zu knacken. Zwei andere Piraten versuchten, den beiden zu Hilfe zu kommen, doch da brach der Hintermast, der kleinste der drei Masten, und begrub die beiden Männer unter sich. Santana erkannte die Hilflosigkeit dieser Situation. Ihr Schiff war verloren. Es gab nur noch eine Rettung - das Rettungsboot. Die Halterung des Ruderbootes war so konstruiert, daß man nur ein Tau durchschlagen mußte, damit das Boot an die Rehling gezogen werden wü rde. Das Durchschlagen eines weiteren Taus würde das Boot dann in das Wasser fallen lassen. Santana versuchte, sich zurück in ihre Kabine zu kämpfen, um einen Säbel zu holen, mit dem sie den lebensrettenden Mechanismus in Gang bringen wollte. Wind und Wellen machten ihr das Vorhaben ohnehin nicht leicht, da brach der Hauptmast...

Alles war dunkel und schaukelte fürchterlich. Tharon hörte die Wellen gegen das Schiff donnern. Er wußte nicht, wie lange er schon in diesem Kerker war. Plötzlich zischte es kurz, ein Streichholz entzündete sich. „Wer ist da?" „Ganz ruhig, Tharon. Ich bin's, Quang." „Quang!?! Was machst Du denn hier?" Tharon war so ü berrascht über die Anwesenheit seines Freundes, daß er ganz vergaß, in was für einer Situation er sich befand. „Ich bin Dir in den Hafen gefolgt. Als man Dich dann auf das Schiff brachte, hab' ich mich an Bord geschlichen." „Ich habe Dir doch verboten, mir zu folgen? Und wie konntest Du dich außerdem vor den Piraten verstecken?" „Du hast mir nur verboten, mit Dir zu kommen; von Folgen war nicht die Rede. Um Deine zweite Frage zu beantworten: wer kommt schon auf die Idee, daß sich ein blinder Passagier im Kerker versteckt hält? Übrigens bin ich hier, um Dich zu retten. Du könntest ruhig etwas netter sein." Quang war nun sichtlich beleidigt, während er eine Fackel anzündete und aus einem seiner Beutel ein Schlü sselbund mit Dietrichen zog. „Es tut mir leid, mein Freund. Ich war nur etwas überrascht." "Ist schon in Ordnung. Komm, drauß en wütet ein richtiger Orkan. Ich glaube, jetzt ist die beste Möglichkeit zur Flucht. Ich weiß, wo das Rettungsboot ist und auch, wie man es ins Wasser befördert. Eine interessante Konstruktion. An beiden Enden des Boote ist ein starkes Tau befestigt, das durch eine Öse gezogen mit einem Flaschenzug verbunden ist, welcher sich seinerseits wieder an einem Haken am Vordermast..." „Quang!!! Ganz ruhig. Du kannst mir alles später erzählen, doch bring uns zuerst hier raus!" „In Ordnung, in Ordnung. Ist ja gut. Bin schon dabei. Also, ich glaube, es war dieser Dietrich hier, der das Schloß öffnete."  Ein leises Klicken gab Quang recht, das Schloß der Kerkertür sprang auf. „Kannst Du laufen? Ich habe gesehen, daß die Dich recht übel, zugerichtet haben." „Jaja, es geht. Ich hab' nur irre Kopfschmerzen und mein Kiefer tut weh. Ansonsten ist alles in Ordnung. Laß uns hier verschwinden." Als Quang die Treppen nach oben stieg und die Tür öffnete, blies der starke Wind in den Kerker. Tharon erzitterte am ganzen Körper. Erst jetzt merkte er, daß er noch völlig nackt war. „Die Fesseln an den Händen habe ich gelöst, Kleidung konnte ich aber hier unten nicht finden."  „Das können wir jetzt wohl nicht ändern." Tharon und Quang traten vorsichtig aus der Tür ins Freie. Die Gewalt des Orkans überraschte sie, und wenn Tharon seinen kleinen Freund nicht festgehalten hätte, hä tte die große Welle, die über den beiden zusammenschlug, den Kensch wohl über Bord gespült. Auf Deck herrschte das reinste Chaos. Zwei der drei Masten waren schon gebrochen. Nur der Vordermast stand noch. Tharon wußte, daß es auf Grund eines so starken Windes nur noch eine Frage der Zeit war, bis auch der letzte Mast brechen würde, und wenn er Quang eben richtig verstanden hatte, gab es dann keine Möglichkeit mehr, das Rettungsboot ins Wasser zu lassen. „Schnell!!! Wir müssen uns beeilen!!!" Quang verstand nicht, was Tharon ihm zubrüllte, das Heulen des Windes, das Klatschen der Wassermassen übertö nte fast jedes andere Geräusch. Doch der Kensch konnte sich denken, was Tharon zu ihm gesagt hatte. Sofort rannte er auf das, Ruderboot zu, der Mensch folgte ihm dicht, stets bereit, Quang bei einer weiteren Welle erneut festzuhalten. Tharon sah zwei tote Piraten unter dem Hintermast liegen, ansonsten war niemand auf dem Deck zu sehen. Plötzlich kam hinter dem Hauptmast der krä ftige Seemann hervorgesprungen, der Tharon das letzte Mal niedergeschlagen hatte. Mit einem wütenden Schrei, der allerdings auch im Getöse des Sturms verhallte, griff der waffenlose Thendor den nackten Tharon an. Doch diesmal waren Tharons Hände nicht verbunden. Thendor holte aus und wollte Tharon wieder einen kräftigen Schlag ins Gesicht verpassen, doch dieser konnte sich ohne Probleme ducken. Thendor, der durch die Wucht seines eigenen Schlages nun schräg zu Tharon stand, hatte für einen kurzen Moment keine Deckung. Tharon nutzte die Gelegenheit und schlug so fest er konnte in die Seite des Seemanns. Er hörte zwar nichts, doch die Tatsache, daß seine Hand kaum Widerstand am Körper des Gegners spürte, verriet Tharon, daß sein Schlag Wirkung gezeigt hatte - die Rippen waren gebrochen. Sofort seiner Atemluft beraubt, sackte Thendor auf die Knie, nur um sofort danach einen Tritt gegen den Kopf zu bekommen, der ihn endgültig zu Boden warf. Quang rieb sich sein Schienbein. Sein Tritt tat ihm bestimmt fast genauso weh wie dem Seemann - so dachte er zumindest. Ohne weiter Zeit zu verlieren, rannten die beiden Freunde wieder auf das Rettungsboot zu. Nur noch der Hauptmast stand zwischen ihnen und dem Vordermast, an dem das Boot befestigt war. Als sie über ihn hinwegkletterten sah Tharon, warum Thendor hier zuvor beim Mast gekniet hatte. Er zeigte Quang mit einem Handwink, daß er das Boot schon einmal bereit machen solle. Quang gehorchte sofort und zog seinen Dolch, um das erste Tau zu lösen. Tharon kniete sich nun hin. Vor ihm unter dem Mast begraben lag Santana, ihr Oberkörper war frei, doch ihre Beine wurden von der schweren Last nach unten gedrückt. Tharon versuchte mit aller Kraft, den Mast anzuheben, doch die paar Millimeter, die er schaffte, reichten nicht aus. Erschöpft sackte er neben Santana zusammen. Sie atmete noch. Ich muß sie retten!!! Tharon vernahm ein Leuchten neben sich. Als er sich umdrehte, sah er sein Amulett auf dem Deck liegen. Die Oberflä che schimmerte in einem leichten Blauton. Tharon hob seine Kette auf und legte sie sich um. Sofort spürte er wieder Kraft durch seinen Körper fließen. Jetzt versuchte er es noch einmal. Er kniete sich wieder hin und versuchte erneut, den Mast hochzustemmen. Ein lautes Knacken, daß vom Vordermast kam, störte seine Konzentration. Tharon drehte sich zum Rettungsboot, von wo aus Quang ihn erschreckt anstarrte, dann aber sofort wieder damit begann, das Tau mit seinem kleinen Dolch zu bearbeiten. Endlich riß das erste Tau, und die riesige Holzplanke, die das Boot mit dem Vordermast verband, schwang zur Seite über die Rehling, so daß es nun über dem Wasser hing. Jetzt nur noch das zweite Seil lösen, und es geht ab ins Wasser. Während sich Quang nun an das nächste Tau machte, versuchte Tharon nochmals, den Hauptmast anzuheben. Diesmal konzentrierte es sich völlig auf sein Vorhaben. Er hörte nichts mehr. Keinen Wind, keine Wellen. Mit aller Kraft stemmte er den Mast in die Höhe. Fünf Zentimeter, das reichte. Mit nur einer Hand hielt Tharon den Mast auf dieser Ebene, während er mit der anderen Santana unter dem Mast hervorzog. Völlig erschöpft ließ der das riesige Holzstück zu Boden krachen, Santana lag nun in seinen Armen. Die riesige Kraftanstrengung drohte ihm die Besinnung zu rauben. Doch ein gewaltiger Lärm ließ ihn aufschrecken. Der Vordermast knallte direkt vor seine Füße und verfehlte ihn und die bewußtlose Santana nur knapp. Tharon nahm sie auf den Arm und stand mit ihr auf. Das Rettungsboot war nirgends zu sehen...

Zeitpunkt des Erkennens

„Tharon!!! Schnell!!! Nur noch ein Hieb, und das Tau ist durch!!!" Quang schrie aus dem Rettungsboot so laut zu Tharon herüber, wie er konnte. Doch dieser hörte ihn nicht, was nicht am lauten Getöse des Sturmes lag, sondern an der tiefen Konzentration, die Tharon aufbringen mußte, um den riesigen Mast anzuheben, unter dem Santana begraben lag. Erneut knackte der Vordermast, an dem das Boot hing. Ein großer Spalt wuchs am unteren Ende des Mastes. „Tharon!!! Der Mast kann jeden Augenblick..." Doch da war es schon zu spät. Mit einem letzten Krachen brach der Mast wie ein Streichholz und knallte mit ungeheurer Wucht auf das Deck - das Tau, welches das Boot mit dem Mast verband, hielt diese Belastung nicht mehr aus. Quang wurde vom Rettungsboot mit in die Tiefe gerissen, bis es schließlich unsanft auf die Wasseroberfläche schlug. Unsicher schaute Quang über den Rand. Hohe Wellen ließen das Ruderboot förmlich durch die Luft fliegen, doch es hielt und landete immer wieder sicher mit dem Bauch nach unten auf dem Wasser, so daß sich der Kensch relativ sicher fühlte. Doch was sollte nun aus dem großen Schiff werden, auf dem sich immer noch Tharon befand? Es trieb nun führerlos durch den Sturm, die Wellen drängten es immer weiter auf die Küste zu. Mit einem kleinen Rettungsboot konnte man sicherlich unbeschadet an den Riffen vorbeikommen, auf die die Wellen die Boote nun steuerten, aber ein so großes Schiff, wie es die Wilde Einhorn war, hatte hier keine Chance. „Armer Tharon. Hoffentlich schafft er es irgendwie, sicher an Land zu kommen. Armer Tharon, mein Freund..." Quang fing an zu schluchzen, während sich das Ruderboot von den Sturmwellen langsam auf die Küste zuwerfen ließ. Schon bald war der große Dreimaster außer Sicht, nur gelegentlich erhellte ein Blitz den Himmel so lange, daß Quang das Schiff in einiger Entfernung sehen konnte, bis es schließlich endgültig verschwand. Durch seine von Regen und Tränen verschmierten Augen konnte Quang die ersten Felsen aus dem Wasser vor sich ragen sehen...

Es dauerte ungefähr zwei Stunden - die Morgendämmerung hatte bereits eingesetzt - bis Quang mit dem Rettungsboot das Festland erreichte. Gelegentlich war er mit dem Boot gegen einen Felsen geprallt, der aus dem Wasser ragte, doch es hielt. Als die Brandung nun den kleinen Kensch sicher an den Strand warf, legte sich auch der Sturm langsam. Zwar regnete es immer noch sehr stark, doch die See hatte sich weitestgehenst beruhigt, die Wellen sahen jetzt nicht mehr so furchteinflößend aus.  Quang sprang mit einem Satz aus dem Rettungsboot und war froh, als er wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Neugierig betrachtete er die Umgebung. Entlang der Küste zog sich ein etwa 50 Schritt breites Band aus feinstem weißen Sand, dahinter begann es bereits hügelig und bewaldet zu werden. Dies konnte nur Nordergod sein - Land der Zauberwälder und Legenden. Bei den Kendern gab es kein Gebiet auf Ansalon, aus dem es mehr Geschichten zu erzählen gab. Es war bekannt fü r wunderschöne Landschaften und rauhes Wetter. Es wurde auch gesagt, daß man als Reisender besser immer auf den Straß en bleibt, denn zu viele Leute sind schon für immer verschwunden. Dämonen und Geister sollen in den Wäldern herrschen, doch auch wilde Goblinbanden und gefährliche Tiere treiben hier angeblich ihr Unwesen.  Quang begann, den Strand entlang zu gehen, wobei er gedankenverloren an einen altes Gedicht seiner Mutter denken mußte.  Fürchte die Augen, die um Dich sind, denn Blicke töten zu geschwind  Fürchte die Klauen um Deine Kehle, denn sie erwürgen Deine Seele   Fürchte Dich vor der Schattenwelt, die nicht einmal die Sonn' erhellt  Doch wenn Du bleibst auf Deinen Wegen, kein böses Ding wird Dich erlegen   Plötzlich wurde Quang aus seinen Gedanken gerissen. Am Strand verteilt lagen viele Holzsplitter und Balken, auch ein paar größere Stücke, offensichtlich von einem Schiffsrumpf Und an einem Balken hing eine Platte, ein verziertes Schild. Quang brauchte die silbernen Buchstaben gar nicht erst zu lesen. Er wußte, was er vor sich hatte...

Einer von Euch ist falsch. Du mußt Dich hüten. Sehe mit Deinem Herzen und entlarve den Verrä ter. Er wird Schande über uns alle bringen...  Als Lynn erwachte, fühlte sie sich stärker als die Tage zuvor. Auch ihr Kopf war nicht mehr benebelt. Die Sonne ging gerade auf, Vö gel zwitscherten, die Luft roch angenehm nach Wald und der Regen hatte aufgehört. Es war ein wundervoller Herbsttag. Das einzige, was diese Idylle störte, war das Blut an Lynns Schwert und die Erinnerung an den vergangenen Kampf Früher hatte ihr der Tod eines Fremden nichts ausgemacht, doch bei diesem Wesen, diesem mächtigen Minotauren, war das anders. Sie trauerte um ihn, als habe sie einen guten Freund verloren, dabei war sie sich sicher, daß sie diese Kreatur noch niemals vorher gesehen hatte. Oder doch?  Lynn erschrak, als sie die leisen, murmelnden Worte hinter sich hörte. Als sie sich umdrehte, sah sie Jalanthas, mit dem Rücken zu ihr gedreht, vor den Resten des Lagerfeuers gebückt. Der Sturm letzte Nacht hatte den Lagerplatz in ein Schlammloch verwandelt, Lynns Kleider waren von oben bis unten beschmiert. Doch Jalanthas dunkle Robe - manchmal schimmerte sie etwas gräulich, dann wieder eher blau - war sauber geblieben. Nicht ein Staubkorn bedeckte den edlen Saum. Der Elf war es, der die leisen Worte vor sich hinsummte. Es klang fast wie ein Lied, gesungen in der Sprache der Magie. Dabei schü ttelte er leicht mit der einen Hand eine fingergroße Flasche, während er in der anderen ein silbernes Stilett hielt. Plö tzlich verstummte er, schluckte den bläulichen Inhalt der Flasche hinunter und stach sich mit dem Stilett tief in den Unterarm. Sofort begann er, das fließende Blut aus seiner Wunde zu trinken. Nach ein paar Sekunden hielt er inne. Lynn, die inzwischen zu ihm getreten war und ihm nun ins Gesicht sehen konnte, sah seine Augen wie bei einem Wahnsinnigen aufgerissen, aus seinem Mund lief Blut. Er sah sie an, doch schien er sie nicht zu registrieren. Er breitete die Arme aus, ließ die leere Flasche und sein silbernes Stichwerkzeug fallen. Sein Körper fing an zu zittern, daß Lynn vor Schreck einen Schritt zurücktrat und über einen Holzscheit stolperte. Während sie sich wieder aufrichtete, bebte Jalanthas' Körper weiter, das Blut schoß aus seiner Armwunde. Sein Mund formte Worte, die allerdings nur wie ein Krächzen aus ihm herauskamen: „Jetzt kenne ich Dein Geheimnis, alter Mann!!! Jetzt weiß ich, wer Du bist!!! Doch über mich hast Du keine Gewalt!!! Nicht über mich!!!"  Mit einem letzten Aufschrei brach der Dunkelelf zusammen und zuckte noch einmal vor Schmerz kurz zusammen, bevor er regungslos auf dem Bauch liegenblieb. Lynn kniete sich neben ihn und fühlte seinen Puls. Er war sehr schwach und unregelmäßig. Als sie Jalanthas auf den Rücken drehte, wurde ihr Blick von seinem Medaillon festgehalten. Das Amulett mit dem Einhorn, dazu noch ein Pfeil und ein silberner Bogen. Was hatte das alles zu bedeuten? War er aus dem selben Grund hier wie sie? Wurde auch er von dem alten Mann gerufen, und wenn ja, war er der Verräter? Lynn wußte nicht, was sie von der ganzen Sache halten sollte. Sie entschloß, sich erstmal um den wunderschönen Elfen zu kümmern. Also verband sie seine Wunde, wickelte ihn in ihre Wolldecke und machte sich auf den Weg, um etwas trockenes Holz für ein Feuer zu suchen, während Jalanthas von wilden Visionen geplagt wurde...

Tharon stand völlig nackt auf dem Deck der Wilden Einhorn. Auf seinem Arm trug er Santana, die durch den Schlag des Mastes noch immer bewußtlos war, während der Sturm immer noch wild wütete und große Wellen gegen das Schiff warf. Hilflos dreht sich Tharon immer wieder im Kreis. „Quang!!!" Keine Antwort. „Quaaang!!!" Doch der Kensch war nirgends zu sehen. Tharon legte Santana neben sich vorsichtig auf den Boden und rannte so schnell er konnte an die Rehling. Er hielt Ausschau nach dem Rettungsboot, in dem Quang sich befinden mußte, doch er konnte durch den strömenden Regen und die Dunkelheit nichts erkennen. Mit einem Mal ertönte ein lautes Krachen und Quietschen, das Schiff schien sich schnell zu drehen und zu kippen. Das Große Riff. Wir sind verloren...  Tharon eilte zurück zu Santana und nahm sie behutsam wieder auf seine Arme, doch ein erneutes Erschüttern des Schiffes ließ ihn stolpern. Mit voller Wucht fiel er auf den umgestürzten Mast neben sich. Seine Rippen schmerzten, er schmeckte Blut in seinem Mund, und doch versuchte er, aufrecht stehen zu bleiben. Allerdings hatte Tharon seine Sinne nicht mehr unter Kontrolle. Er spürte, wie er langsam das Bewußtsein verlor, wie langsam alles dunkel wurde, alles still. Nichts war mehr um ihn herum, was er noch wahrnehmen konnte. Und trotzdem hielt er Santana noch immer fest in den Armen. Selbst dann noch, als das Schiff endgültig umkippte und an den Felsen zerbrach. Tharon merkte nicht, wie er in das kalte Wasser fiel. Das einzige, was er spürte, war Santanas Nähe, sein Medaillon, und - wie eine Hand ihn ergriff und in die Tiefe zog...

Ein sanftes Meeresrauschen ließ Tharon erwachen. Er konnte nichts sehen, da seine Augen verbunden waren, doch er spürte, daß er bekleidet und zugedeckt in einem weichen Bett lag. Er wollte sich aufrichten und die Binde von seinen Augen entfernen, doch starke Schmerzen machten jede Bewegung zu einer unerträglichen Tortur.  Eine sanfte Stimme meldete sich: ,,Bleibt ganz ruhig liegen, Kthury. Ihr seid schwer verletzt, doch es wird Ihnen bald besser gehen, wenn Ihr nur Ruhe bewahrt." Tharon konnte diese Stimme nicht einordnen - sie klang sanft wie die eines Elfen, doch mit einem merkwürdigen Akzent, den er nicht kannte. Tharon konnte nicht einmal gewiß sagen, welchen Geschlechts die Stimme war. „Santana?" Seine Worte waren schwach. „Eure Begleiterin? Es geht ihr gut. Wir haben sie gepflegt, gnädiger Kthury. Sprecht nun nicht weiter. Ihr braucht Ruhe." „Wer bist Du?" „Wir sind Euer gnädigst ergebener Diener, Kthury. Ihr hattet einen Unfall. Doch wir sind zutiefst geehrt, Euch aufnehmen zu dürfen. Entschuldigt, doch wir müssen nun nach Euer Begleiterin, Santana Kthury, sehen. Behaltet Ruhe, Meister Tharon Kthury."  „Mein Name... ist Tharon... nur Tharon" „Sprecht nicht zuviel, Tharon Kthury. Wir werden bald zurück sein." Mit diesen Worten verschwand die merkwürdige Gestalt geräuschlos. Tharon versuchte noch einmal, sich aufzurichten, doch er war zu schwach, die Schmerzen zu groß. Mit einem Seufzer ließ Tharon sich einfach gehen. Soll diese weiche Matratze ruhig erstmal mein Bett sein. Ich brauche Ruhe. Ich bin so müde...  Während Tharon schlief, wärmte sein Amulett angenehm seine Brust. Ihr müßt vorsichtig sein. Es gibt bereits einen Toten zu beklagen. Auch spüre ich Zwietracht unter euch. Laßt den Verräter nicht das große Werk zerstören. Das Leben aller Kreaturen Krynns steht auf dem Spiel. Beeile dich, Tharon. Du mußt mit Santana möglichst schnell zu unserem Treffpunkt kommen, damit ich euch alles erklären kann. Wer ihr wart, wer ihr seid und wer ihr werdet.  Wo ist unser Treffpunkt? Wie erkenne ich den Verräter? Gib mir Antworten, ich kann nicht länger im Ungewissen bleiben. Was willst Du von mir? Du bringst nichts als Schmerz, hast mein Leben aus seinen Angeln gerissen. Ich möchte einfach nur nach Hause.  Du bist auf dem Weg zu deinem Zuhause. Habe Geduld. Du wirst Antworten bekommen. Nein, alter Mann. Verschwinde aus meinem Kopf. Verschwinde aus meinem Leben. Schon viel zu lange bin ich dir gefolgt. Du hast keine Macht mehr ü ber mich!  Tharon, nicht. Wir müssen zusammenhalten, vereint gegen das Böse, so wie es... - Nein, es ist noch zu früh. Du mußt kommen, Du bist unsere einzige Hoffnung. Nur wenn alle Überlebenden zusammentreffen, kann ich das Band endgültig knüpfen. Habe Vertrauen.  Nein, ich vertraue dir nicht. Nicht mehr. Geh' aus meinem Kopf!!! Geh'... „Tharon! Wach auf! Du hast geträumt." Langsam öffnete Tharon seine Augen. Sie waren nicht mehr verbunden, auch seine Rippen schmerzten nicht mehr so stark wie vorher. Er schaute sich um. Er sah das wunderschöne Gesicht Santanas, und offensichtlich befand er sich in einer Art Höhle, die allerdings keinen Ausgang zu haben schien. Nur in der Mitte der Höhle war ein Loch im Boden, daß bis zum Rand mit Wasser gefüllt war und auf wundersame Weise hellblau leuchtete und somit die einzige Lichtquelle in diesem Raum war. Er vernahm angenehmes Meeresrauschen, das aus nächster Nähe zu kommen schien. „Du hast viele Stunden unruhig geschlafen. Ich hatte schon Angst, Dich zu verlieren." „Santana! Was ist passiert? Wie geht es Dir?" Santana kniete am Kopfende von Tharons Ruhestätte und streichelte über seine Stirn. „Es wird alles gut. Bald wird es Dir besser gehen, und dann werden wir zusammen den Treffpunkt aufsuchen." Gespielt liebevoll lächelte Santana Tharon an.  „Woher weißt Du von dem' Treffpunkt? Hat der Alte Dich geschickt, um mich mitzureißen?" „Nein, Tharon. Ich bin wie Du. Sieh her." Santana zeigte Tharon ihr Amulett. Das silberne Einhorn mit dem prächtigen Schwert. „Aber was...?" Tharons Worte wurden durch Santanas Lippen unterbrochen. Nach einem langen, leidenschaftlichen Kuß kroch Santana unter Tharons Decke. „Du mußt Dich erholen, damit Du die Reise überstehst. Ich werde Dir dabei helfen." Mit diesen Worten stellte sich Santana im Bett hin und ließ ihr Kleid fallen. Sie trug nichts darunter. „Das nennst Du Erholung?" Die nackte Schönheit antwortete ihm gelassen: „Du hast mich gerettet. Dafür bin ich Dir zu großem Dank verpflichtet." Sie legte sich wieder zu ihm und schmiegte sich eng an seinen Körper, ihre Lippen formten ein süßes Lächeln. Dann begann sie, Tharons Hals mit zärtlichen Küssen zu liebkosen, um anschließend langsam nach unten zu rutschen, um die Knöpfe von Tharons Hemd mit den Zähnen zu öffnen. Als seine Brust völlig unbedeckt war, wiederholte Santana die Prozedur mit seiner Hose. Tharon konnte nichts weiter machen, als dazuliegen und Santanas Spiel zu genießen, daß ihre Lippen und ihre Zunge auf seiner nackten Haut veranstalteten. Er schloß die Augen und streichelte ihr sanft durch das lange Haar, während Santana ihn sanft befriedigte. Nachdem sie Tharon auf erotischste Weise geküßt hatte, setzte sich Santana auf ihn und führte ihn vorsichtig in sich ein. Tharons Hände glitten über ihre weiche, glatte Haut, über ihre wohlgeformten Brüste. Er streichelte die Innenseite ihrer Oberschenkel, und wenn Santana sich weiter nach vorn beugte, liebkoste er mit Seiner Zunge ihre Brustwarzen. Nach einiger Zeit krallte Santana ihre Finger in die Schultern Tharons und riß sie bis zu seinem Bauchnabel herunter, wobei sie blutige Strähnen hinterließ. Du gehörst mir, und mit Deiner Hilft werde ich endlich hinter das Geheimnis des alten Mannes kommen, Du elender Narr - mein Tharon...

Als Tharon am nächsten Morgen erwachte, lag Santana mit ihrem Kopf auf seiner Brust. Zärtlich fuhr er durch ihr Haar und küßte ihre Stirn. Sie drehte sich etwas, ohne jedoch den Kopf von ihm zu nehmen oder ihre Augen zu öffnen, murmelte einige unverständliche Worte und kam mit einem glücklichen Lächeln wieder zur Ruhe. Plötzlich stand eine kleine Gestalt vor Tharon am Bett. „Wir sehen, dem Tharon Kthury geht es besser. Wir hoffen, Ihr habt zu genüge geruhet." Tharon erschrak, als er in das schrumpelige Gesicht des Wesens blickte. Diese Kreatur war nicht größ er als einen Meter und ähnelte einem Kobold, jedoch war seine Haut blaugrün und mit Schuppen besetzt. Das Ding schaute Tharon aus tiefschwarzen, traurigen Augen an. „Wer bist Du? Hast Du uns gerettet?"  „Unser Name ist Birrf. Wir fanden Euch bewuß tlos im Wasser schwimmend, da haben wir Euch hierher gebracht, gnädiger Kthury."  „Was bist Du, Birrf? Und was zum Teufel ist ein Kthury?"  „Wir sind ein Birrf, das sagten wir doch schon. Geht es dem Kthury wieder schlechter?" Birrf klang wirklich sehr besorgt. „Nein, mir geht es gut. - Sehr gut" setzte Tharon den Satz zu Ende, als er die schlafende Schönheit neben sich betrachtete. „Wo sind wir?" „Dies ist unser Zuhause. Nicht weit vom Strand. Wenn sich der Kthury besser fühlt, können wir Ihn sicher dorthin begleiten."  Tharon seufzte einmal tief durch. „Später. Sag' mir erst, was ein Kthury ist, bitte." Langsam hatte er keine Geduld mehr.  „Ihr seid ein Kthury. Der erste, den wir seit langem gesehen haben. Und dann auch noch in Begleitung. Wir waren sehr überrascht, aber natürlich zutiefst geehrt." Das hat wohl keinen Sinn mehr. „Hast Du noch einen dritten kthury gesehen, einen kleinen, nur etwas größer als Du?" „Noch einen Kthury? Nein, wir haben nur Euch beide gesehen. Und einen kleinen Menschen, aber der ist sicher an Land gekommen." „Quang! Er hat es geschafft. Paladin sei dank. - Aber Quang ist kein Mensch. Er ist eine Mischung aus einem Zwerg, einem Mensch und einem Kender." „Nein, er war ein Mensch. Alle, die auf dem Lande gehen sind Menschen für Birrf. Das wissen wir genau. Alle, die in der Luft fliegen, sind Vögel. Er ging auf dem Lande, er ist ein Mensch. Da sind wir uns sicher." Jetzt war Tharon noch verdutzter, und seine Geduld schien nun endgültig am Ende zu sein. Doch er ließ es dabei beruhen. „Ich möchte mit meiner Gefä hrtin bitte möglichst schnell an Land." „Natürlich. Wir werden Euch alleine lassen, damit Ihr Euch bereit machen kö nnt." Mit diesen Worten war Birrf plötzlich verschwunden.  Tharon schüttelte den Kopf, verwundert über diese kleine Gestalt. Er stand auf, um sich anzuziehen, und hielt vor Schmerz seine Hände an seine Brust. Seine Haut brannte wie Feuer, doch als Tharon an sich herunter sah, erkannte er, daß die Schmerzen lediglich von den Kratzspuren Santanas kamen. Er nahm die Kleidungsstücke, die am Ende des Bettes lagen, und zog sie an. Es war eine schwarze Lederhose und ein schwarzes Hemd, sehr elegant geschneidert. Tharon wußte nicht, woher diese Kleidung stammte, doch im Geiste dankte er dem kleinen Birrf. Auch das Kleid Santanas, welche jetzt auch langsam erwachte, befand sich noch zusammengeknäult am Fußende des Bettes.  Santana richtete sich auf und streckte sich. Tharon funkelte sie mit glänzenden Augen an, und sie lächelte ihm zurück. Verdammt, was für schöne Augen er hat - Ach, hör doch auf. Er ist nichts weiter als ein Werkzeug, so wie jeder andere Mann auch. Sie stand auf, gab Tharon eine innige Umarmung und einen zärtlichen Kuß, und zog sich dann ihr Kleid an. Kaum hatte sie den letzten Knopf zugemacht, geschah etwas eigenartiges. Die ganze Höhle flimmerte plötzlich in einem grellen Blau, welches Tharon und Santana dazu zwang, die Augen zu schließen. Als das Licht schwächer wurde, und die beiden ihre Augen wieder öffnen konnten, befanden sie sich nicht länger in der Höhle. Sie standen an einem weißen Sandstrand, vor ihnen der kleine Birrf. „Wir wünschen Euch eine gute Reise, Tharon Kthury und Santana Kthury." Birrf drehte sich um und wollte anscheinend ins Wasser gehen, als Tharon plötzlich ein Gedanke durch den Kopf schoß. Ein Gedanke, auf den er vorher nicht gekommen war. „Wenn ein Mensch alles ist, was auf dem Land geht, warum bin ich dann ein Kthury?!" Doch Birrf hatte sich bereits in Luft aufgelöst..

Es war nicht viel, doch Lynn war froh, daß sie überhaupt noch trockenes Holz gefunden hatte. Zudem konnte sie ein junges Reh erlegen, mit Sicherheit genug Fleisch für die nächsten fünf Tage. Während sie zurück zum Lager ging, wo sie sich um Jalanthas kümmern wollte, dachte sie über ihr bisheriges Abenteuer nach. Angefangen hatte alles in Solace:   Es war ein warmer Spätsommerabend, als Lynn sich erschöpft im Wirtshaus „Zur Letzten Bleibe" ausruhte. Sie wanderte seit Wochen im Land umher, um neue Arbeit zu finden, nachdem sie in den Kohleminen im Südosten gekündigt hatte. Der Verdienst war nicht der allerbeste, außerdem gefiel es ihr nicht, stä ndig von den anderen Zwergen, die dort arbeiteten, schief angesehen zu werden. Das Leben als Ausgestoßene war nicht einfach. Dabei konnte sie doch nichts dafür - wer kann schon etwas dafür, als was er geboren wird?  Auf jeden Fall verdiente sie sich das Nötigste als Handlanger bei Schmieden und als Aushilfe in Kneipen. Einmal hatte sie sogar bei einem Wettstreit gegen einen betrunkenen Seemann ein Silberstück gewonnen. Zudem mußte der Seemann seine Niederlage mit dem Verlust einer Hand beklagen, die Lynn ihm aus Notwehr mit ihrer Axt abtrennte, als er ihr von hinten einen Dolch in den Rücken werfen wollte.  Doch jetzt war Lynn in diesem kleinen, gemütlichen (und scheinbar langweiligen) Städtchen hängengeblieben. Sie hatte genug Geld gesammelt, um sich einige Tage ein Zimmer zu mieten, und diesen Luxus wollte sie sich einfach einmal gönnen, nachdem sie wochenlang immer unter freiem Himmel schlafen mußte. Eigentlich machte ihr das nichts aus, doch jetzt, wo sich die Gelegenheit eines warmen Bettes anbot, wollte sie auch nicht nein sagen. Sie suchte sich ein kleines Hotelzimmer am Rande von Solace und verbrachte den Tag damit, sich in der ,,Letzten Bleibe" aufzuhalten, um sich nach Arbeit umzuhören. Die Kneipe gefiel ihr. Nicht nur, daß sie weit oben in einem Vallenholzbaumgipfel lag, auch das Bier und die Würzkartoffeln schmeckten köstlich. Jedoch gab es in Solace anscheinend niemanden, der irgendeine Art Hilfe benötigte. Nicht, daß Lynn von den Bewohnern unfreundlich behandelt worden wäre (ganz im Gegenteil - noch nie fühlte sich Lynn in einer Stadt so wohl wie hier), es gab hier einfach nichts für sie zu tun. Doch eines Abends wurde sie von einem alten Mann angesprochen, der das selbe geheimnisvolle Amulett trug wie sie, nur daß unter seinem Einhorn keine Streitaxt wie bei ihr war, sondern ein prunkvolles Schwert. Er sagte ihr, daß er ihr etwas über ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erzählen werde, daß sie nach Nordergod reisen müßte, um sich selbst kennenzulernen. Irgendwie stand Lynn sofort unter dem Bann des Alten, der so eine unheimliche und doch anziehende Ausstrahlung hatte. Doch so plötzlich wie der Alte in Solace erschienen war (niemand kannte ihn hier, Lynn hatte überall nachgefragt) verschwand er auch wieder. Gleich am nächsten Tag brach die Kriegerin auf, um den Gedanken dieser geheimnisvollen Person zu folgen, die von nun an fast jede Nacht in ihrem Kopf umhergeisterten. Doch die Reise sollte nicht leicht werden. Lynn hatte bisher vermutet, daß sich die Armeen der Drakonier an der Ostküste versammelten. Zumindest erzählte man sich das im ganzen Reich. Doch auf ihrem Weg nach Nordergod erschienen ihr bestimmt ein Dutzend Echsenpatrouillen, die eben nicht auf dem Weg nach Osten waren, sondern nach Nordwesten. Lynn konnte sich das nicht erklären, hielt sie doch die bösen Drachen für geschlagen und gezwungen, sich erst neu zu formieren. Doch   irgendwas schien sich in den nördlichen Regionen zusammenzubrauen. Als Lynn den Lagerplatz erreichte, wo sie den verletzten Jalanthas versorgen wollte, wurde  sie aus ihren Gedanken gerissen. Der Elf war verschwunden, das Lager verwü stet. Als Lynn fassungslos die durcheinandergewühlten Gepä ckstücke anstarrte, traten zwei Gestalten auf die kleine Lichtung...

„Was ist passiert, Tharon?" Santana schaute ungläubig um sich. Wie kamen wir so plötzlich an den Strand?" „Das war dieser Birrf. Komischer Wicht, doch er hat uns scheinbar beiden das Leben gerettet."   „Ja, das hat er wohl. Als ich in der Höhle das erste Mal zu mir kam, versorgte er mich gerade.  Er nannte mich immer Kthury oder so ähnlich. Was hat das zu bedeuten?" „Ich weiß es nicht." Tharon sprach so leise, daß Santana ihn gar nicht verstanden hatte. „Was sagtest Du?" „Ich sagte, ich weiß es auch nicht. Ich weiß überhaupt nicht, was ich hiervon halten soll." Santana beobachtet weiterhin interessiert die Umgebung. Dann, in einem Anfall von Euphorie, rief sie: ,,Tharon, schau! Der weiße Sand, die Hügel und Wälder - daß muß die Nordküste von Nordergod sein. Wir sind fast am Ziel!"  Sie umarmte Tharon, doch er riß sich sofort los, schaute sie verärgert an und schrie: „Unser Ziel?! Was soll denn unser Ziel sein? Ist es unsere Bestimmung, zu tun, was irgend so ein alter Illusionist in unseren Geist zaubert? Ist das Dein Ziel? Dann viel Glück. Mein Ziel ist es  nicht!!!" Tharon drehte sich um und ging schnell den Küstenstreifen entlang. Santana rannte Tharon hinterher, schleuderte ihn an den Schultern herum und schlug ihm mit der Faust so stark ins Gesicht, daß er sich nicht auf den Beinen halten konnte. Während Tharon völlig verdutzt am Boden saß und sich seinen Unterkiefer hielt, brüllte Santana ihn an: „Willst Du nicht wissen, wer Du bist?!? Bist Du nicht daran interessiert, zu erfahren, woher Du kommst, was diese ganze Sache auf sich hat?" Santana sank vor ihm auf die Knie und begann zu schluchzen, die Tränen schossen ihr unkontrolliert über die Wangen. „Willst Du nicht wissen, warum Du eine einsame Kindheit geführt hast, warum Du keine Eltern hattest, die Dich liebten? Dann geh doch zurück in Dein ungewisses Leben. Aber merke Dir, daß Du damit nicht nur Dein eigenes Leben im Dunkeln beläßt. Ich brauche Dich, um mich selbst kennenzulernen. Bitte, Du mußt mit mir kommen." Nun verlor sich Santana völlig in Tränen und stürzte Tharon in die Arme. Er nahm Santana in den Arm. „Ist ja gut. Es tut mir leid. Wir werden zum Treffpunkt gehen. Wir stehen das gemeinsam durch." Er versuchte sie mit seiner ruhigen Stimme zu trösten. Das breite Grinsen auf ihrem Gesicht konnte er nicht sehen. Ich hab Dich wieder in meiner Hand, mein kleiner Tharon.  Gemeinsam machten sie sich auf den Weg ins Landesinnere, durch die wunderschönen Wälder von Nordergod, bis sie schließlich nach ein paar Stunden auf eine kleine Lichtung traten. Unweit von ihnen war ein kleine, verwü stete Feuerstelle, an der eine Zwergenkriegerin stand.  Als die Kriegerin sie bemerkte, starrte sie Santana und Tharon an, ohne sich zu rühren. Auch die beiden Schiffbrüchigen konnten sich nicht rühren und sahen wie gebannt zu der Gestalt am Lagerplatz herüber. Irgendwie schienen sie zu wissen, wen sie dort sahen. Sie waren sich nicht fremd; es war, als würden sie sich schon eine Ewigkeit kennen. Keiner von ihnen wußte, wie lange sie so dastanden, da trat noch eine vierte Person auf die kleine Lichtung. Es war ein alter Mann in einer aschgrauen Robe, um seinen Hals hing das selbe Amulett wie bei den drei anderen, doch seines schien von allen am hellsten im Licht der untergehenden Sonne zu strahlen. Seine Stimme klang ruhig und hatte doch einen majestätischen Unterton: „Meine Kinder, nun begrüßt Euch schon, wie es sich für Geschwister gehört."

Das Geheimnis wird gelüftet

Sie standen einfach da und starrten sich an, verteilt um das Lagerfeuer. Tharon, Santana, Lynn und der Alte. Er war immer noch in seine grauen Gewänder gehüllt, doch seine Kapuze war nun zurückgeschlagen und verbarg nicht länger sein altes, von tiefen Narben zerfurchtes Gesicht. Über seinem Rücken trug er einen riesigen Leinsack. Er schaute lächelnd in die Runde und schien die verdutzten Gesichter der anderen zu genießen. Dann, nach einiger Zeit - niemand der Anwesenden konnte abschätzen, wie lange es dauerte; Sekunden, Minuten oder sogar Stunden - ließ er mit einem leichten Stöhnen den Sack neben sich herunter. Ein Klirren deutete auf seinen metallischen Inhalt hin. „Nun, wir sind fast vollzählig. Doch für das, was ich beabsichtige, ist Jalanthas nicht unbedingt notwendig." Santana war die erste der anderen, die sich wieder faßte. „Moment mal, was zum Abgrund geht hier eigentlich vor, alter Mann? Wenn Du uns nicht sofort die Antworten gibst, die wir haben wollen, dann..." Sie griff instinktiv an ihren Gürtel, doch seit dem Untergang ihres Schiffes war sie unbewaffnet. „Was dann?" sagte der Alte mit einer nicht überhörbaren Spur von Ironie in seiner Stimme. „Dann werde ich dich töten." Jetzt war auch Lynn endgültig wieder bei vollem Bewußtsein und hielt sowohl Axt als auch Schwert in ihren Händen. Der Alte drehte sich zu ihr und schaute in ihr Gesicht, doch zu ihrer Überraschung verschwand das sarkastische Lächeln nicht aus seinen Augen. „Glaube mir, du brauchst weitaus stärkere Waffen, um mich zu töten. Zum Beispiel eine solche" Mit diesen Worten zog er eine riesige Streitaxt aus dem Leinensack. Lynn erstarrte bei dem Anblick dieser Waffe. So etwas hatte sie noch nie in ihrem Leben gesehen. Auch die anderen waren von der Form, der Farbe, des Glanzes der Axt wie gebannt. Wä hrend die Klinge aus reinstem Silber zu sein schien und ihre wellenförmige Form sich an der Spitze in zwei gewaltige Klingen spaltete, schimmerte der kunstvoll gedrehte Griff in einem tiefen Schwarzton und machte den Anschein, als bestünde er aus nachtschwarzem Glas. Jedem wäre diese Waffe wie etwas ganz besonderes vorgekommen, doch für Lynn, die langsam ihre Waffen senkte und sie schließlich auf den Boden fallen ließ, sollte dies zum Wendepunkt in ihrem Leben werden, denn diese gewaltige, wunderschöne und todbringende Waffe war exakt die auf ihrem Amulett, welches nun bläulich zu leuchten begann. Mit aufgerissenen Augen und heruntergeklapptem Unterkiefer bemerkten nun auch Tharon und Santana diesen Umstand. „Was zum..." war alles, was Tharon herausbekam. „Setzt euch, meine Lieben. Ich werde euch alles erklären." Den drei anderen blieb nichts anderes übrig, als ihm zu gehorchen, wenn sie endlich wissen wollten, was hier vor sich ging. Sie setzten sich im Kreis um das gelöschte Feuer, daß der Alte aber durch eine einzige Handbewegung wieder entfachte. Magie war zu dieser Zeit nichts ungewöhnliches, und daß der alte Mann ein Zauberer sei, hatten alle drei sowieso schon vermutet. Daher waren sie über diese Tat nicht sehr überrascht. Santana wollte gerade den Mund aufmachen, da erhielt sie schon die Antwort auf die ungestellte Frage. „Ja, ich habe auch eure Waffen dabei. Doch dazu gleich mehr. Ich beginne ganz am Anfang. Ihr seid nicht, was ihr glaubt zu sein. Soviel dü rfte euch inzwischen bewußt sein. Ihr seid alle Geschwister aus einem Hause." Hier räusperte sich der Alte, und diese Gelegenheit nutzte Tharon, um zu seiner angeblichen Schwester herüberzuschauen. Wenn sie wirklich meine Schwester ist, dann... Er führte diesen ihm abscheulich vorkommenden Gedanken nicht weiter und schaute Santana weiter an. Er merkte, wie sich ihr Gesicht verhärtete. Sie spürt meinen Blick also, nur will sie ihn nicht erwidern. Wahrscheinlich hatte sie gerade den selben Gedanken wie ich.  Lynn wollte diese kleine Unterbrechung auch nutzen. „Darf ich..." „Nein. Noch nicht." Schroff gab der Alte ihr die Antwort und zog die wundersame Streitaxt näher zu sich heran und damit außer Reichweite von Lynns Händen. Nach einem strengen, ermahnenden Blick in die Runde fuhr der Alte fort. „Euer Vater war ein König. Nicht irgend ein König, sondern König Malaran der Erste, Herr der Wälder Ergods. Er war ein mächtiger, stolzer Mann und genoß großes Ansehen bei seinem Volke, welches in einer alten Sprache Kthury genannt wird. Das heißt in etwa Geheimes Volk. Der Legende nach erschuf Paladin selbst diese Rasse heimlich ohne Wissen seiner göttlichen Geschwister. Wie ihr sicher bemerkt habt, fü hltet ihr euch sofort zueinander hingezogen und auf besondere Weise attraktiv." Bei dieser Bemerkung mußte Tharon wieder zu Santana herüberschauen, doch wieder erwiderte sie seinen Blick nicht. „Das liegt daran, daß die Kthury die schönste Rasse sind, die jemals auf Krynn gelebt hat. Selbst die Irda verblassen neben diesem Anblick. Unter eurer Tarnung konntet ihr immer einen Teil der wahren Faszination erblicken. Aber wieder zurück zur Geschichte: Über viele Generationen hinweg lebten die Kthury in Frieden miteinander, bis sich eines Tages eine Gruppe bildete, die gegen die Politik des Malaran war. Sie forderten, daß die Kthury ihre Stärke nutzen, um größere Gebiete zu erobern und so in größerem Wohlstand leben zu können. Als der König sich weigerte, in den Krieg zu ziehen, verließ die Gruppe das Reich. Viele glaubten, daß sie nie wieder von den 12 Verdammten, wie sie irrtümlicher weise bezeichnet wurden (denn verdammt hatte Malaran sie nicht), hören würden. Doch nach einigen weiteren Jahren in Frieden kehrten sie zurück und brachten mit sich viele Verbündete gegen den König. Die Kthury waren ein magisch sehr begabtes Volk und Herr über alle Tiere und Pflanzen im Wald, und so kam es zur entscheidenden Schlacht, die von allen Waldbewohnern ausgetragen wurde. Eichen kämpften gegen Buchen, Löwen gegen Wölfe. Der König war sich seiner baldigen Niederlage bewußt und sah nur eine Möglichkeit, sein Reich vor dem Untergang zu retten. Er ließ seine neun neugeborenen Kinder in Kinder der anderen Rassen verwandeln und mit einem Teleportzauber in die jeweiligen Reiche bringen, um sie zu schützen. Sie sollten später das Reich der Kthury neu gründen und wieder erblühen lassen. Um diesen Zauber rückgängig zu machen und die Königskinder - also euch, denn ihr seid die letzten Überlebenden der neun - wieder in ihre alte Gestalt zu verwandeln, benötigt man eure heiligen Schutzamulette, die magischen Waffen, die die Kraft der Kthury in sich bergen und eine ganz bestimmte Konstellation der drei Monde. Diese Konstellation ergibt sich heute abend bei Sonnenuntergang."  Hier setzte der Alte aus und räusperte sich. Tharon nutzte die Gelegenheit. „Was genau sind die Kthury, und wer bist Du? Wer ist der Verräter? Bist Du König Malaran, unser Vater?" „Beruhige dich, Tharon. Du wirst schon noch erfahren, was die Kthury sind. Und nein, ich bin nicht Malaran. Als er die Formel sprach, die seine Kinder in sichere Entfernung bringen sollte, stürmte der Oberste der 12, Zorak,sein Gemach und belegte eines der Neugeborenen mit einem Fluch, damit es Tod und Verderben über alle Kthury bringen sollte, wenn es jemals zurückverwandelt werden sollte. Niemand, nicht einmal Zorak selbst, wußte, welches Kind er getroffen hatte. Dann kam es zum Kampf. Zum ersten mal in der Geschichte Krynns wendeten zwei Kthury einander direkt gegenseitige Gewalt an. Zorak tötete Malaran. Paladin, entsetzt über den Mord eines Kthury an einem anderem, verdammte alle Kthury in die unergründlichen Irrwälder Ergods, aus denen den Kthury kein Entrinnen ermöglicht war. Nur einer, ein einzelner Kthury, wurde vom Gott Paladin verschont, um sich um die unschuldigen Kinder zu kümmern, danach wendete sich Paladin für immer von den Kthury ab. Dieser eine auserwählte Kthury bin ich, Laesotho, Bruder des Malaran, euer Onkel. Und heute ist der Tag, an dem durch eure Wiederkehr das Volk der Kthury wieder auferstehen wird." Während Laesotho die letzten Sätze sprach, wurde seine Stimme zunehmend lauter und erregter, bis er schließlich bei den finalen Worten triumphierend die Hände gen Himmel streckte. Danach war Schweigen. „Woher weißt du, daß der Verräter noch am Leben ist. Vielleicht ist er einer der fü nf, die schon gestorben sind." Santana war wieder einmal die erste, die reagierte. „Glaube mir, er lebt noch. Ich spüre es." „Und dieses Märchen sollen wir dir glaube, Laesotho oder wer auch immer du sein magst?" Spöttisch lachte sie, stand auf und wollte gehen. „Ich werde es dir beweisen, Santana, Tochter des Malaran. Sieh her." Laesotho sprach seine Worte ruhig, doch man konnte die tiefe Wut vernehmen, die in ihm steckte. Er stand ebenfalls auf und ging einige Schritte vom Lagerfeuer weg. Inzwischen war es etwas dunkler geworden, die Sonne würde bald gänzlich untergegangen sein. Laesotho drehte sich zu Tharon, Lynn (die beide nicht so recht wußten, wie sie mit der Situation umgehen sollten) und Santana, die nun in ihrer Bewegung innehielt und Laesotho gespannt betrachtete. Dieser begann mit dem Murmeln einiger Worte und Vollführen von merkwürdigen Handgesten. Santana hatte schon öfters Magier bei ihrem Werk gesehen, doch die magischen Worte und Gesten des alten Mannes schienen ihr etwas völlig anderes zu sein - eine völlig andere Art der Magie. Nach einigen Augenblicken begann sich plö tzlich der Körper des Mannes zu verformen, während er weiter vor sich hinmurmelte und gestikulierte. Jetzt standen auch Tharon und Lynn erstaunt auf. Laesotho schien vor ihnen hinzuknien, seine Arme und Beine streckten sich, sein Hals wurde länger und dicker. Seine Kleidung verschwand, doch anstatt nackt zu sein, wurde weißes Fell sichtbar. Laesotho schien sich in einen gewaltigen weißen Hengst zu verwandeln. Doch als die Metamorphose beendet war, standen Santana, Lynn und Tharon keinem Pferd gegenüber, sondern einem herrlich weißen - Einhorn! „Glaubt ihr mir nun?"

Zwei ungleiche Gesellen

Quang irrte schon seit Stunden durch den Wald, doch noch immer fand er keine Spur von Tharon, der, wie er hoffte, es doch noch irgend wie ans sichere Ufer geschafft hätte. Natürlich war Quang nicht auf den schmalen Pfaden geblieben, wie es das alte Gedicht empfahl, an das er sich erinnerte, sondern war auf seiner Suche schnurstracks in den dichten Wald gerannt. Inzwischen wurde es dunkel und Quang war kalt und der Hunger plagte ihn. „Tharon!!! - Tharon!!!". Sein kleines Stimmchen klang kaum noch lauter als ein Krächzen. Plötzlich knackte es hinter ihm im Unterholz. Kaum hatte Quang sich nach dem Gerä usch umgedreht, wurde alles um ihn herum dunkel und still. Jalanthas stand, zitternd und mit bleichem Gesicht, über der kleinen, am Boden liegenden Gestalt. Wieder einmal war jemand auf seine plumpe Ablenkungsmethode hereingefallen. Schlapp ließ er sich neben den Kensch auf den Boden fallen.

Als Quang erwachte, waren seine Arme hinter seinen Rücken gefesselt und ein dickes Stofftuch so um seinen Mund gebunden, daß er keinen Ton herausbekam. Er drehte sich und zerrte an seinen Strängen, bis er in das zerfurchte Gesicht Jalanthas' blickte. Dann blieb er kurz regungslos. „Wenn Du deinen Mund hä ltst und nur auf meine Fragen antwortest, werde ich dich losbinden, Kender." Quang setzte sich auf und zog mit seiner plötzlich freien Hand den Knebel aus seinem Mund. „Danke, das ist sehr nett von Dir, aber das kann ich auch selber", sagte er mit freundlicher Stimme. „Das ist übrigens ein ganz toller Knoten, den muß t mir mal zeigen. War gar nicht so leicht, den aufzubekommen. Mein Name ist Quang, und wer bist Du? Ich bin übrigens kein Kender. Weißt Du, meine Mutter war ein Hügelzwergin mit Namen Amarella, und mein Vater hieß Olp. Er war halb Kender und halb Mensch. Du wirst Dich jetzt sicherlich fragen...aua!" Jalanthas unterbrach die Redelust Quangs mit einem recht starken Schlag auf den Hinterkopf. „Hör mir zu, kleines Etwas" flüsterte er. „Wer oder was immer zu auch bist, wenn du noch einen einzigen Mucks von dir gibst, werde ich dich töten." Das Stilett vor Quangs Augen schien ihn von der Aufrichtigkeit dieser Warnung zu ü berzeugen, so daß Quang sich selbst den Mund zuhielt. Der Dunkelelf zeigte in eine bestimmte Richtung das Waldes, wo Quang eine Art Altar ausmachen konnte. Jalanthas flüsterte nun wieder etwas in Quangs Ohren, worauf dieser mal erstaunt die Augen aufriß, mal zustimmend nickte, und sich dabei immer noch selbst den Mund zuhielt. Nach einiger Zeit machten sich die beiden gemeinsam auf den Weg zu der Lichtung, wo sich die anderen befanden.

„Das darf doch nicht war sein!" Lynn war völlig fassungslos angesichts dieses Anblicks. „Du willst doch nicht etwa auf so eine Illusion reinfallen, oder?" Santana schaute Lynn fragend und wütend an. Als sie gar nicht erst auf sie reagierte, sondern weiter dieses wunderschöne Einhorn anblickte, drehte sich Santana zu Tharon. „Und was ist mit Dir, Tharon?" „Ich...- ich weiß auch nicht." Tharon war verunsichert, doch wurde dann etwas lauter: „Santana hat Recht, Laesotho. Was ist, wenn das alles nur eine Täuschung ist?" „Es ist keine Täuschung." Die Stimme kam von hinten. Alle drehten sich herum, auch das Einhorn Laesotho schaute zu der Baumreihe, von wo die Stimme kam. Jalanthas trat zwischen den Bäumen hervor. „Er ist tatsächlich ein Einhorn - ein Kthury. Genau wie du ,Tharon, und du, Santana, und du, Lynn. Und genau wie ich. Ich weiß nicht, was er mit euch vorhat, aber ich vertraue ihm nicht!" Das Einhorn ging ein paar Schritte auf ihn zu und sagte dann laut: „Du vertraust mir nicht? Bist du denn selbst überhaupt vertrauenswert? Warum erzählst du Lynn nicht, wer sie ü berfallen hat? Soll sie dir vertrauen?" Jetzt wendete sich Lynn an Jalanthas: „Was meint er damit, Jalanthas? Warst du es, hast du mich von hinten niedergeschlagen?" „Ja, ich war es - bevor ich wuß te, wer du bist." Er ist es. Er ist der Verräter. Lynn hö rte die Stimme aus ihrem Inneren. Als sie sich Laesotho zuwendete, nickte er kurz mit dem Kopf. Lynn tat einen schnellen Schritt zur Seite, schnappte sich den großen Leinensack und leerte ihn neben der Feuerstelle aus. Zum Vorschein kamen zwei Beidhä nderschwerter sowie ein Langbogen und noch eine Streitaxt, wie sie bereits auf dem Boden lag. „Dies sind unsere Waffen, Bruder und Schwester. Nehmt sie und helft mir gegen den Verräter. Mit diesen Worten ergriff Lynn ihre Streitaxt - sie wußte instinktiv, welche von den beiden ihre war, zumal von der einen Axt der Griff viel blasser wirkte als bei der anderen - woraufhin sie sofort auf die Knie sackte und voller Schmerz aufschrie. Auch sie vollzog nun die selbe Verwandlung wie Laesotho vor ihr. Die anderen konnten beobachten, wie sich ihre Streitaxt langsam aufzulösen schien und sich an ihrer Stirn zu einem Horn verschmolz. Nach wenigen Augenblicken war der Vorgang abgeschlossen, und ein zweites weißes Einhorn befand sich auf der Wiese. „Bei Paladin, du hattest Recht." Nun war auch Santana überzeugt und nahm sich ihr Schwert. Nach wenigen Augenblicken war auch ihre Verwandlung vollzogen. Tharon zögerte noch. „Er ist unser Bruder, nicht wahr? Wollt ihr gegen euren eigenen Bruder kämpfen? Wißt ihr nichts, was passiert ist, als das letzte mal ein Kthury gegen einen anderen Kthury gewaltsam vorging?" Kurzes Schweigen, dann ergriff Laesotho das Wort. „Paladin hat sich von uns abgewendet. Uns wird keine Schande mehr treffen für einen weiteren Toten. Außerdem wird er uns alle vernichten, wenn er lebt. Der Geist Zoraks ist in ihm." Doch Tharon ließ sich in seiner Entscheidung nicht beirren. „Ich weiß nicht genau, was hier vor sich geht, aber tief in mir spüre ich keinen Groll gegen meinen Bruder. Spürt ihr das nicht auch? Der einzige, der für mich der Verräter scheint, bist du, Laesotho! Warum willst du uns gegeneinander aufbringen?" Nun meldete sich auch Jalanthas wieder zu Wort. „Ja? Warum, Laesotho, oder sollte ich besser sagen: Zodak?" Ein Schauer durchfuhr Laesotho. „Was?! Nein!!! Du bist Zodak, du bist der Verräter, Jalanthas!!!" Laesotho wollte gerade auf Jalanthas zurennen (bzw. galoppieren), da stellte sich Tharon ihm in den Weg. „Wenn du meinem Bruder etwas antun willst, mußt du erst an mir vorbei." Lynn und Santana schritten mit gesenktem Haupt langsam auf Tharon zu. Er versuchte sie zu beruhigen. „Hört auf euer Innerstes, vertraut auf euer Herz. Ich spüre, daß Jalanthas die Wahrheit sagt." Eine der Stuten antwortete ihm: „Geh mir aus dem Weg, Tharon. Zwing mich nicht, dich zu töten." Tharon stand nun genau neben dem letzten verbliebenen Schwert, das neben dem Feuer auf dem Boden lag. Langsam ging er in die Hocke, um es zu ergreifen...

Endloser, tiefer Schmerz, wie ich ihn niemals zuvor erfahren habe. Als würden sämtliche Knochen auf einmal gebrochen und selbst die innersten Gedärme herausgerissen. Doch passiert nicht auch gerade mit mir? Ich spüre eine zweite Nähe. Ist es mein wahres Sein, daß auf mich zukommt? Mein Sohn. Wer spricht zu mir? Vater, bist Du es? Dieser Schmerz...  Du hast es bald überstanden, mein Sohn. Doch höre mir zu. Ich überbringe Dir diese Nachricht aus längst verlorener Vergangenheit...  Schmerz... so tief... was passiert... mit mir...?  Du wirst, was Du warst. Vereine das Reich, mein Sohn. Nur Du kannst sie führen.

 Aber warum? Warum ich? Feuer.. - Feuer!!!

Tharon erwachte schweiß gebadet aus seinem Traum. Langsam öffnet er die Augen. Er liegt auf einer kleinen Lichtung im Wald, neben ihm ein brennendes Lagerfeuer. Er schaut sich um. Ein Elf, drei Einhörner. Jetzt kommt die Erinnerung zurück. Tharon sprang auf und landete etwas wackelig auf seinen Beinen - auf seinen vier Beinen...   Er blickte Jalanthas ins Gesicht. Seine Miene verriet nichts, nur ein leichtes Kopfnicken konnte Tharon ausmachen. Dann wand er sich den anderen zu. Nun erkannte er in den Gesichtern der Einhörner die Gesichter seiner beiden Schwestern und das Gesicht Laesothos. Alle drei starrten ihn fassungslos an. „Was ist, was habt ihr?" Erst dann schaute Tharon an sich herunter. Er sah die starke Pferdebrust, seine kräftigen Vorderbeine, die gespaltenen Hufe, und sein glänzendes Fell - schwarz...

Die Rückkehr der Einhörner

Tharon konnte es nicht glauben. Vor ihm standen drei weiße Einhörner, und nun hatte er sich selbst in eines verwandelt - und hatte schwarzes Fell. Bin ich der Verräter, ohne es zu wissen? War es eben wirklich mein Vater, der zu mir sprach? Ein wütender Schrei holte ihn aus seinen Gedanken. „Tötet ihn!!!"  Lynn und Santana galoppierten mit drohend gesenkten Köpfen auf ihn zu, ihr gedrehtes Horn wie Waffen auf in ausgerichtet, während Laesotho sich im Hintergrund hielt. Verunsichert schaute er sich nach Jalanthas um, konnte ihn jedoch nirgends erblicken. Plötzlich schlug ein Blitz zwischen Tharon und den beiden auf ihn zustü rmenden Einhörnern - seine Schwestern - ein. Eine riesige Qualmwolke verdunkelte die Lichtung, die ohnehin durch das kleine Lagerfeuer nur noch schlecht belichtet wurde. Lynn und Santana blieben verwirrt stehen, und auch Tharon wußte nichts zu tun, bis auf einmal Jalanthas wie aus dem Nichts neben ihm auftauchte und auf seinen Rücken Sprang. „Los, schnell. Folge meiner Hand." Der Elf streckte eine Hand aus und schloß die Augen. Tharon vertraute ihm und galoppierte los. Hinter sich hörte er die erbosten Rufe Laesothos: „Sie entkommen, hinterher!!! Sie dü rfen uns nicht entwischen!!!" Tharon spürte, daß ihm die Verfolger auf den Versen waren. Nach wenigen Augenblicken war er an einem Altar aus weißen Marmor angekommen. Auf dem reichlich verzierten Sockel der großen Platte konnte er ein Einhorn und einen Pegasus ausmachen. Jalanthas sprang von seinem Rücken. „Schnell Bruder. Uns bleibt nicht viel Zeit, unseren Stamm wieder zurückzuholen." Tharon war hilflos. „Was meinst Du? Was hast Du vor?" „Vertraue mir. Du mußt Dich auf den Altar legen, wä hrend ich die Zauberformel spreche." „Was für eine Formel?" Tharon war völlig verwirrt, sprang jedoch, ohne Jalanthas' Antwort abzuwarten, auf den Altar und legte sich hin. Sofort begann Jalanthas mit der Beschwörung seiner Magie. Tharon spürte, wie die kalte Steinplatte unter ihm wärmer wurde. Nun erreichten auch Lynn, Santana und Laesotho den Schrein. „Haltet sie auf!!! Sie werden das Volk für immer einsperren!!!" Nicht nur Wut, sondern auch Angst zeichnete sich in der Stimme Laesothos ab. Schnell wandte Jalanthas sich um und schleuderte seinen beiden auf ihn zukommenden Schwestern einen Zauberspruch entgegen, der sie zurückprallen ließ, als wären sie gegen eine Mauer gelaufen. Tharon wollte sich erheben, doch Jalanthas drückte ihn herunter. „Bleib liegen. Wir müssen das Ritual vollenden, ehe sie mein Kraftfeld durchdringen." Wieder zelebrierte er die geheimen Silben und Handbewegungen. Erneut spürte Tharon die wachsende Wärme, und nun wurde er sich bewußt, das diese Wärme von ihm ausging. Ein Energiestrom schien von ihm in den Altar überzulaufen. Seine Kräfte verließen ihn langsam, doch er spürte, daß er das richtige tat. Plötzlich ließ ein gewaltiger Donner den Boden erzittern und die magische Kuppel Jalanthas' zerbersten. Tharon hörte Stimmen, viele Stimmen - hunderte von Stimmen. Es sind die Bä ume! Tatsächlich schien jeder einzelne Baum auf ihn einzureden und, was noch bedeutender war, seine Form zu ändern. In den Stämmen formten sich Gesichter - die Gesichter der Kthury. Tharon schaute sich um. Ja, jeder Baum, den er sah, fing an, sich zu verwandeln. Dann erblickte er Jalanthas' verzerrtes Gesicht. Ein weißes Horn ragte aus seiner Brust...

Jalanthas war dabei, die letzten Silben zu sprechen. Nur noch ein paar Sätze, nur ein paar kleine Augenblicke. Doch dann dieses donnernde Geräusch. Jalanthas wußte, daß ihm nur noch wenige Sekunden blieben. Kurz vor Vollendung des Rituals durchbohrte Santanas Horn von hinten sein rechtes Schulterblut und trat auf der Vorderseite wieder heraus. Rotes Blut spritzte auf die weiße Marmorplatte. Sofort seiner Atemluft beraubt, sackte Jalanthas zu Boden. Auch Lynn war stand jetzt direkt am Altar und wollte gerade ihr Horn in den wehrlos vor ihr liegenden Tharon stoßen, als sie Zweifel überkamen. Sie blickte in die entsetzten Augen ihres Bruders, doch als sie bemerkte, daß er sie gar nicht wahrzunehmen schien, folgte sie seinem Blick. Was sie sah, traf sie wie einen Schlag. Die Bä ume. Aus einigen Stämmen waren bereits Köpfe und Vorderläufe von Einhörnern herausgetreten, doch nun nahmen sie langsam wieder ihre alte Gestalt an, und die Einhörner erstarrten zu Holz. Jetzt konnte auch sie die letzten Stimmen hören. Was habt ihr getan? Rettet uns! „Bei Paladin, was haben wir getan..." Auch Santana hatte inzwischen bemerkt, was passiert war. Wütend drehte sie sich zu Laesotho herum. „Du hast uns belogen! Sie hätten sie zurückgebracht! Dafür wirst du bezahlen!" Sie rannte auf ihn los, um ihn mit ihrem Horn aufzuspießen, doch er konnte sich ohne weiteres aus ihrer Bahn drehen und verpaßte ihr einen so gewaltigen Tritt, daß sie durch die Luft gewirbelt wurde und einige Meter entfernt bewußtlos auf dem Boden aufschlug. Auch Lynn griff ihn an. Horn prallte gegen Horn, beide stiegen sie hoch und traten mit ihren Vorderläufen aufeinander ein, bis Laesotho sie überlistete und sein Horn in ihre Brust rammte. Tödlich getroffen sank sie zu Boden, das wunderschöne weiße Fell von rotem Blut besudelt. Langsam trottete Laesotho auf den immer noch geschwä cht auf dem Altar liegenden Tharon zu. „Und nun zu dir, Tharon - Thronfolger. Nein, niemals wirst Du diesen Platz einnehmen. Denn er steht mir zu - mir, dem Bruder des Königs! Mir, Laesotho Zodak!" Das Einhorn schritt nun ganz an den Altar heran, und Laesotho nahm wieder seine menschliche Gestalt an - er war wieder der alte Mann mit dem grauen Mantel. Er wollte gerade eine Hand auf Tharons Stirn setzten, da hörte er ein leises Krächzen von unten. „Du bist nicht des Königs Bruder. Nur sein Halb-Bruder." Laesotho war überrascht. „Jalanthas, du lebst also doch noch." Er blickte auf den schwerverletzten Elfen herab, der in seiner eigenen Blutlache lag. Immer noch strömte der rote Saft des Lebens aus seiner großen Wunde, und auch aus seinem Mund blutete er. Er sprach sehr gequält. „Tharon ist der wahre Thronfolger. Sohn von König Malaran, dem Einhorn, und seiner Gemahlin, Königin Serenada, der Pegasus." Laesotho war ü berrascht. „Du kennst dich ziemlich gut aus. Woher stammt dein Wissen?" Jalanthas schaffte es, in sein schmerzverzogenes Gesicht ein höhnisches Lächeln zu bringen. „Warum soll ich das einem toten Mann erzählen, Zodak?" Jalanthas warf einen Blick auf ein Gebüsch hinter Zodaks Rücken, worauf es dort kurz raschelte. „Du glaubst doch nicht, daß ich auf so einen billigen Trick hereinfalle, Jalanthas?" Er lachte auf, doch da traf ihn von hinten ein silberner Pfeil in der Schulter. Verdutzt und von Schmerz gepeinigt drehte er sich um und empfing den nächsten Pfeil - in seiner Kehle. Röchelnd stolperte er zurück an den Altar. Vor sich sah er ein kleines Männchen. Jetzt erkannte er ihn wieder. Es war diese merkwürdige Gestalt, die er auch in Palanthas in der Kneipe gesehen hatte.  Quang stand einige Meter vor ihm, den Bogen von Jalanthas in den Händen, und legte gerade den dritten Pfeil an. Der sterbende Zodak streckte ihm seine flache Hand entgegen und ballte sie zur Faust, worauf hin der arme Quang mit eingedrückter Kehle tot zu Boden fiel. Zodak spü rte seine Lebenskraft weichen. Inzwischen lag er fast auf dem Altar, auf dem auch Tharon, bewegungslos von den Auswirkungen des Rituals, sich befand. Mit letzter Kraft zog Zodak einen silbernen Dolch unter seinem Mantel hervor und stieß ihn in Tharon Stirn, genau unter sein Horn. Der wehrlose Tharon starb sofort, gleich nach ihm verließ auch sein Mörder das Reich der Lebenden. „Nein!!!" Jalanthas schrie, so laut er konnte. Doch er war nicht in der Lage, etwas zu tun. Sein Bruder, sein König, war tot.

Die letzten der Kthury

Santana erwachte aus ihrer tiefen Ohnmacht. Sie stand wackelig und noch etwas benommen auf und schaute sich um. Um sie herum nur Tod. Unweit von ihr lag eine merkwürdige, kleine Gestalt zusammengesackt in der Erde, den Bogen von Jalanthas noch fest umklammert. Dieser lag regungslos an den weißen Altar gelehnt. Darauf ihr zweiter Bruder, Tharon, in einer riesigen Lache seines eigenen Blutes. Etwa fünf Schritt entfernt lag ihre tödlich verwundete Schwester Lynn, und hinter dem Altar sah sie die Beine eines alten Mannes - Laesotho, wie sie richtig annahm. Sie wollte sich gerade von diesem schrecklichen Bild abwenden, da bemerkte sie eine kleine Bewegung - Jalanthas! Er lebt! Eilig schritt sie auf ihn zu und kniete sich neben ihn. Er blickte sie aus glasigen Augen an und legte sein Hand an ihren weißen Hals. „Ich habe es nicht geschafft, Schwester. Ich konnte ihn nicht retten." Seine Stimme war sehr schwach und zitterig. „Bleib ganz ruhig. Es war alles mein Fehler. Ich hä tte auf Dich hören müssen, doch mein Herz war nicht offen für die Wahrheit, sondern nur für den Haß Zodaks." Besorgt musterte sie ihn. „Wirst Du es schaffen?" „Ich weiß es nicht, aber ich glaube, ich habe eine Idee. Dort drüben liegt mein Bogen. Könntest Du ihn mir bitte bringen?" Santana stand sofort auf und ging zu Quangs Leiche, nahm den silbernen Bogen in ihr Maul und brachte ihn zu ihrem Bruder. „Weißt Du auch, was Du tust? Vielleicht läßt es sich nicht mehr rückgängig machen..." Jalanthas blickte ihr tief in die Augen. „Das weiß ich. Doch es ist meine letzte Hoffnung, und wenn ich schon sterbe, dann auch als das, was ich bin." Mit diesen Worten ergriff er den Bogen...

Am nächsten Morgen wurden sie vom süßen Vogelgezwitscher geweckt. Es roch wunderbar nach Wald, nach frischer Luft und schönem Regen. Die Welt sieht, aus den Augen eines Einhorns betrachtet, völlig anders aus. Jeder einzelne Huf spürt den weichen Boden unter sich, und die Eichhörnchen und Füchse, die Mäuse und Adler, kommen zu Dir herangeflogen und reden mit Dir. Sie erzählen Dir ihre Sorgen und was sie Schönes erlebt haben. Doch dieser Friede kann nicht für ewig sein. Dieser Zauberwald wäre ein so wunderbarer Ort der Stille und der Freude, wenn nicht diese vier Leichen niedergestreckt auf der kleinen Lichtung bei dem im Sonnenlicht silber schimmerndem Altar liegen würden.  Der kleine Quang, gestorben, weil er seinen besten Freund verteidigen wollte. Lynn, früher Zwergenkriegerin, jetzt ein totes, weißes, wunderschönes Einhorn, in ihrem eigenen Blut, weil sie zu spät erkannte, daß sie nur mißbraucht wurde. Zodak Laesotho, der sterben mußte, weil ihm der Neid und der Haß auf seinen Neffen wichtiger war als alles andere im Leben. Und schließlich Tharon, wahrer Thronfolger des Königs Malaran, dem Einhorn, und seiner Gemahlin, Königin Serenada, der Pegasus. Ein Kind der Liebe zweier Oberhäupter entzweiter Stämme, geboren, um die Reiche der gehörnten und der geflügelten Kthury wieder zu vereinen, getötet von seinem Onkel, der selber den Thron besteigen wollte. Jalanthas erzä hlte Santana alles, was er wußte, als sie gemeinsam durch den jetzt friedlichen Wald schritten. Er erzählte ihr, daß er von den Elfen verbannt wurde, weil er verbotene Bücher gelesen hatte. Seine Neugier über seine Vergangenheit war zu groß, und so stahl er mehrere der dicken Bände, in denen er zufällig eine Zeichnung seines Amulettes gefunden hatte, eher er für immer aus dem Reich geschickt wurde. Enthalten waren einige Fragmente dieser uralten Geschichte: Daß ein Streit den Stamm der Einhörner und den Stamm der Pegasus entzweit habe. Daß König Malaran und Königin Serenada sich aber trotz alledem ineinander verliebten und sie ihm Neunlinge gebar, wobei der Erstgeborene ein schwarzes Fell hatte, was bei den Kthury nur äußerst selten und nur in großen Königsgeschlechtern vorkommt. Dieser Junge sollte zum Zeichen der Wiedervereinigung als Thronfolger eingesetzt wurde. Die Bücher erwähnten den eifersüchtigen Bruder des Königs, der durch ein Attentat versuchte, das junge Elternglück zu beenden um selber König zu werden - und vom verhängnisvollen Plan Malarans, wie er seine Kinder schü tzen wollte, indem er sie in Kinder der anderen Rassen (Kender, Zwerge, Menschen, Elfen, Gnome, Irda, Minotauren) verwandelte und sie im ganzen Reich versteckte, als er merkte, daß er Zodak und seinen Mitstreitern nicht mehr lange wird standhalten kö nnen. All das erzählte Jalanthas ihr, und Santana hörte aufmerksam zu. Er berichtete vom Mord Zodaks an Malaran, seinem Bruder. Er klärte sie auch über den Fluch auf, den die Zwölf, das Konzil der Verräter, über die Stämme legten, und so alle Kthury in Bäume verwandelten. Der böse Zauberspruch, mit Hilfe der Fürstin der Dunkelheit, Takhisis, gesprochen, gewährte nur dem wahren Thronfolger die Mö glichkeit, das Volk wieder zu erwecken. Zodak wollte die Kinder des Malaran so beeinflussen, daß er durch sie herrschen konnte, wenn die Zeit zur Erweckung kommen würde.  „Ich tat mir mit den Übersetzungen der alten, fremden Sprache in den Bü chern immer sehr schwer, und teilweise konnte ich überhaupt nichts entziffern. Doch jetzt, wo ich das alles hier gesehen habe, verstehe ich endlich die Zusammenhänge." Jalanthas ging langsam und vorsichtig, denn seine Wunde schmerzte noch immer sehr stark, doch es wurde besser. Durch die Verwandlung, die nun auch er vollzogen hatte, wurde wenigstens die Blutung gestillt. Santana ging neben ihm. „Was werden wir jetzt tun?" Sie war ratlos. „Als erstes werde ich versuchen, uns wieder die Gestalt von Menschen beziehungsweise Elfen zu geben. Ich denke, daß werde ich hinbekommen, doch es braucht einige Zeit. Ich weiß nicht, was wir dann machen sollen. Ein normales Leben führen, schätze ich. Die Kthury sind verloren. Nur ein Schwarzes Einhorn kann den Bann brechen. Und eine Mondkonstellation wie gestern Nacht wird es erst in 30 Jahren wieder geben." „Dann ist alles vorbei, mein Bruder?" „Ich fürchte ja. Die Kthury sind ausgestorben." Schweigend gingen sie weiter durch den Wald. Santana spürte tiefe Trauer, doch was sie nicht spürte, war der neue Kö nig, der Herr der Wälder, der Sohn ihres Bruders, der in ihr zu wachsen begann.

Geschrieben von Jan Grimm, angefangen im Sommer 1997, doch vollendet erst im Juli 1999. Für meine Liebe, die ich aus eigener Schuld verloren habe.

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